Fußball | DFB Fußball-Regionalchefs fordern Amtsenthebung von DFB-Präsident Keller

Die Luft für Präsident Keller beim Deutschen Fußball-Bund wird immer dünner. Nun fordern die Chefs der Regional- und Landesverbände sogar ein Amtsenthebungsverfahren.

Fritz KELLER DFB-Praesident waehrend der Pressekonferenz
DFB-Präsident Fritz Keller Bildrechte: imago images/Sven Simon

Die Chefs der Regional- und Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes haben ihren Rücktrittsaufruf an Fritz Keller wiederholt und fordern den DFB-Vorstand zur Amtshebung des Präsidenten auf. Das teilte der DFB am Freitagabend mit. Zuvor hatte Keller in seiner ersten offiziellen Stellungnahme nach dem Misstrauensvotum des Amateurlagers erneut um Verzeihung gebeten, war aber nicht zurückgetreten.

Keller verliert fast die komplette Unterstützung

In einer außerordentlichen Sitzung forderten die Chefs der Regional- und Landesverbände mit 33 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen, dass Keller sein Amt aufgebe, um "damit weiteren Schaden vom DFB abzuwenden". Gegenüber einer Abstimmung vom vergangenen Sonntag (26 Ja, 9 Nein, 2 Enthaltungen) verlor der Ex-Präsident des SC Freiburg damit fast komplett die Unterstützung.

Rainer Koch und Fritz Keller
Das Tischtuch zwischen DFB-Vize Rainer Koch (li.) und Keller ist zerschnitten. Bildrechte: imago images/Sven Simon

Das DFB-Präsidium solle eine Sitzung des Vorstands einberufen, hieß es weiter in der Mitteilung. Dabei solle es den Tagesordnungspunkt "Enthebung von Fritz Keller gemäß § 32 Nr. 3 der DFB-Satzung von seiner Tätigkeit als Präsident des Deutschen Fußball Bundes" geben. Dafür gab es 31 Ja-Stimmen.

Amtsenthebung bei "grober Pflichtverletzung"

In dem entsprechenden Paragrafen heißt es unter anderem: "Der Vorstand ist berechtigt, Präsidiums-, Vorstands- und Ausschussmitglieder bei grober Pflichtverletzung oder bei Unwürdigkeit mit sofortiger Wirkung ihrer Tätigkeit im DFB durch schriftlich begründete Entscheidung bis zum nächsten ordentlichen Bundestag zu entheben." Der Vorstand des DFB setzt sich aus Präsidiumsmitgliedern, den Landes- und Regionalchefs sowie zwölf Vertretern der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zusammen.

DFB-Präsident erstmals vor einem DFB-Gericht

Die Landeschefs im DFB hatten Keller am vergangenen Sonntag das Vertrauen entzogen. Der 64 Jahre alte Verbandspräsident Keller hatte im April den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch in einer Sitzung mit dem berüchtigten Nazi-Richter Roland Freisler verglichen. Keller kämpfte in den letzten Tagen um seinen Verbleib im Amt, er traf sich unter anderem am Donnerstag mit Charlotte Knobloch, der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, zu einem Meinungsaustausch. Am Montag hatte die DFB-Ethikkommission den Fall Keller vor das Sportgericht gebracht. Es ist das erste Mal, dass sich ein DFB-Präsident vor dem verbandsinternen Gericht verantworten muss.

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dpa/sid

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 07. Mai 2021 | 19:30 Uhr

1 Kommentar

Leutzscher Fuchs vor 24 Wochen

Ganz schön opportunes Verhalten der Verbandschefs. Sie dachten wohl, Herr Keller macht den Grüßaugust und nicht den Reformer. Es müssen ungeheuerliche Dinge vorgefallen sein, dass Herr Keller derart die Contenance verloren hat, das sich ja auch Frau Knobloch nicht erklären kann, die ihn besser kennt. Jetzt bietet sich sein Fehltritt regelrecht an ihn schnellstens wieder loszuwerden, damit der Zustand der liebgewonnenen Intransparenz beim DFB wieder einkehrt.