Fußball | Historie Die Geschichte vom "FC Auroflex Markkleeberg"

Die Debatte um Werbung in Vereinsnamen und -logos gibt es im Fußball-Osten nicht erst seit 2009 mit RB Leipzig. Nein, ein Vorreiter in dieser Sache war der 1. FC Markkleeberg, Vorgänger von Kickers 94 Markkleeberg, die am Wochenende im Sachsenpokal gegen den Chemnitzer FC spielen.

Trikot des 1. FC Markkleeberg aus der Saison 1993
Trikot des 1. FC Markkleeberg aus der Saison 1993. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anfang der 90er-Jahre will Karl Bühler, zu DDR-Zeiten ein Mitarbeiter von Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski, den damaligen Drittligisten in den Profifußball führen. Sportlich läuft es gar nicht mal so schlecht. Aber der Ligabetrieb und das Team um Cheftrainer Frank Engel und Ex-Nationalspieler Uwe Zötzsche muss finanziert werden. Der Plan des Vereinschefs: Trikotsponsor Auroflex, ein Hersteller von Fenstern und Wintergärten, soll als Namensgeber einsteigen. Der Coup soll 2,5 Millionen DM in fünf Jahren einbringen. Mit dem Geld will Bühler unter anderem die Verpflichtung des Dynamo-Spielers Torsten Gütschow klarmachen.

Blutgrätsche durch den DFB

Der Plan scheint aufzugehen: Die Mitgliederversammlung stimmt der Namensänderung zum 1. Januar 1993 in FC Auroflex Markkleeberg zu. Der Sächsische Fußballverband (SFV) agiert wohlwollend und schreibt schon mal zwei Spielerpässe auf den neuen Vereinsnamen aus. Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) allerdings ist man not amused, verweist auf §13a der DFB-Satzung ("Änderungen, Ergänzungen und Neuregelungen von Vereinsnamen und Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung sind unzulässig.") und bringt den Landesverband SFV mit einem großen Donnerwetter auf Linie.

Sport

Als der 1. FC Markleeberg 1993 die USA eroberte 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit Rauball gegen Verband

Die Markkleeberger geben sich aber nicht so einfach geschlagen. Sie setzen den Rechtsanwalt und heutigen DFL-Präsidenten Reinhard Rauball auf die Angelegenheit an. Bühler & Co. sind sich ihrer Sache so sicher, dass sie in der Winterpause 1993 trotz aller Unklarheiten sogar zum Trainingslager nach Florida fliegen. Zu der vom Sponsor unterstützten USA-Reise dürfen sogar die Spielerfrauen mitkommen. Doch die ganze Sache wird ein finanzielles Fiasko, denn der DFB bleibt hart. Und der fette Sponsorenvertrag mit Auroflex ist ohne Namensänderung nur Makulatur. Der 1. FC Markkleeberg geht wenig später pleite und muss 1994/95 in der 1. Kreisklasse als Kickers 94 Markkleeberg einen radikalen Neuanfang machen.

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sk

Jubel des FSV Zwickau nach einem Tor.
Bildrechte: IMAGO/Matthias Koch

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 10. Oktober 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 14:59 Uhr

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13 Kommentare

13.10.2018 19:24 Benachteiligter Jammerossi 13

@11 Voice, nein, es ist eben nicht Wurst, wofür der Verein gegründet wurde. Und wie hier irgend wann schon mal angesprochen wurde, wenn wir uns den Anspruch nehmen, für den "Osten" zu reden, wo bleibt da Hertha BSC? Und wie willst Du Toleranz erwarten, wenn Du selber keine an den Tag legst? Du sprichst den BVB an, verwendest das Wort Sponsor und weißt selber genau, dass es bei uns eben kein Sponsor sondern der Eigentümer ist. 99% sprechen da eine deutliche Sprache. Und auch weist Du , dass man vor ein ordentliches Gericht gar nicht gehen braucht, das haben andere Versuche, welche viel mehr Aussichten auf Erfolg hatten, gezeigt. Ich sage nur "verschuldensunabhängige Haftung".
Und Anzeige beim NOFV und DFB? Da muss sogar ich lachen. Da kann ich auch VW verklagen, dass sie meinen Golf Diesel auf deren Kosten zu dem machen, was auf dem Kaufvertrag stand.

13.10.2018 06:22 Voice 12

Alle, die über RB Leipzig wettern, kurz mal nachgedacht, vor Allem die Traditionalisten.
Traditionsverein Borussia Dortmund hat 1976 das BVB aus seinem Club-Logo entfernt und es durch den Löwen des Tabakkonzerns Samson ersetzt. Demnach sah das Logo vom BVB schon damals so aus wie das seines Hauptsponsors. Und warum? NUR... wegen des Geldes. Und kein S.....n hat danach gekräht.
Mal darüber nachgedacht?
Und Allen, die jetzt kommen und sagen "...aber...", nix aber. Lasst uns alle toleranter miteinander umgehen. Dann bleibt für Hater kein Platz!

Beste Grüße aus der Messestadt!!!

13.10.2018 06:08 Voice 11

@10
Ist doch Wurscht, wofür RB genehmigt wurde. Fakt ist doch - und das unumstritten - dass sie den Fußball-Osten, rein sportlich gesehen, derzeit groß machen. Ich weiß, dass das vielen Traditionalisten nicht passt, und sie alles schlechtreden, aber rein sportlich gibts eben an z. Z. Platz 2 incl. Euroleague nix zu meckern, oder?
Wofür RB letztlich genehmigt wurde ist weiterhin sekundär, denn der Klub wurde genehmigt. Punkt!!!

Ich lege Allen, die sagen, dass das nicht mit rechten Dingen zuging nahe, unbedingt Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und bei NOFV und DFB zu erstatten. Und wenn die Argumente der Traditionalisten stimmen und stichhaltig sind, und nicht nur verklärtes Geschwätz, kommen die Gerichte doch gar nicht umhin, im Sinne der RB-Gegner zu entscheiden, oder?? Ich denke allerdings, es bleibt alles, wie es derzeit ist, und die Traditionalisten treiben sich weiter daran auf, anstatt sich um ihren eigenen Verein zu kümmern. ;-)

Beste Grüße aus der Messestadt!!!

12.10.2018 19:14 Benachteiligter Jammerossi 10

@7 Voice, ach komm, wir wissen doch beide, dass RB nicht genehmigt wurde , um den "Osten" gross zu machen ;-) Falls Du das vergessen hast, schau Dir noch mal die Doku "Fußball nach Plan" auf YouTube über RBL an. Ganz zum Anfang spricht Tim Sebastian Klartext.

12.10.2018 18:25 Jörg Werner 9

Hmmm... also was die Rasenballerei Leipzig nun mit Fußball-Osten zu tun haben soll, das weiß wahrscheinlich auch keiner. Diesen "Club" gibt es einzig und allein um Werbung für diese klebrige Blubberbrause zu machen...

12.10.2018 17:47 Chemnitzer 8

Ja, Bayer 04 Leverkusen gibt es und Bayer 05 Uerdingen ( jetzt KFC Uerdingen) gab es. Wie die Vereinsnamen schon ausdrücken: 1904 bzw. 1905. Damals war die Welt des Fußball bzgl. der Vereinsnamen noch lockerer.

Aufgrund dessen durften beide Vereine bzw. darf Leverkusen immer noch historisch bedingt den Firmennamen im Vereinsnamen tragen.

Beim Brauseklub hat man die Hürde mit der Wortschöpfung Rasenballsport genommen. Die Abkürzung RB bleibt halt.

Das Beispiel RB zeigt aber trotzdem, dass die absolute Kommerzialisierung des Sports immer weiter voranschreitet. Und jeder denkt, das ist gut so, und alle machen mit.

Irgendwann ist die Luft raus und der Sport als solcher kaputt. Schade eigentlich.

Ob mein Chemnitzer Verein mit der Ausgliederung richtig liegt, wird sich zeigen. Ich habe meine Zweifel.

Trotzdem: Alles für Chemnitz! Nur der CFC!

12.10.2018 13:31 Voice 7

@ Kommentar 6

Wenn man den FußballOsten wirklich hätte klein halten wollen, hätte man RB einfach nicht genehmigt. Du siehst also, wie unsinnig Dein Argument ist....

Beste Grüße aus der Messestadt!!

12.10.2018 09:58 84 6

Gab es zu der Zeit nicht auch einen Verein namens
"Bayer 04 Leverkusen" ?
Ohne Worte....
Der Fussballosten sollte halt damals wie auch heute klein gehalten werden.

12.10.2018 09:46 Alex 5

Alexander Schalck-Golodkowski, Reinhard Rauball, DFB....... Fussballmafia mehr kann man dazu nicht sagen. Anscheinend hat Rauball nie aufgegeben bis er es dann endlich geschafft hat.

12.10.2018 09:29 Voice 4

@1
Die - wie Sie es respektlos "Brauseheinis" nennen, heißen doch Rasenballsport.
Also wo dürfen die was???
Nachdenken, bevor man das Mündchen aufreißt!!!

Und Toleranz ist auch nix Schlechtes.
Bedeutet übrigens, man muss es nicht mögen, aber aushalten können, und sich nicht ständig über alles damit zusammen hängende zu echauffieren...

Beste Grüße aus der Messestadt!