SpiO historisch Energie Cottbus im Pokalfinale - Toralf Konetzke: "Eine unglaubliche Ehre"

Toralf Konetzke gehörte in der Geyer-Ära beim FC Energie Cottbus zu dem Team, das 1997 in die 2. Bundesliga aufstieg und ins DFB-Pokalfinale einzog. 205 Spiele bestritt der Energie-Spieler des Jahres 1996 für den FCE. Er ist der Lausitz treu geblieben. Im Sport-im-Osten-Interview spricht der Stürmer über Autos, seinen Spitznamen "Locke" und ein kleines Geheimnis.

Unhaltbar für KSC-Torwart Claus Reitmaier schlägt der Ball im Netz ein, geschossen von Toralf Konetzke, Libero Thomas Hengen grätscht vergeblich
DFB-Pokalhalbfinale am 15. April 1997: Toralf Konetzke ist einer der drei Torschützen im Schneespiel gegen den Karlsruher SC. Bildrechte: imago/Camera 4

Toralf Konetzke, was machen Sie eigentlich? Dem Internet entnehmen wir, dass Sie Experte für Ölspur-Beseitigung und Verkehrsflächen-Reinigung sind.

Toralf Konetzke: "Ja, genau. Vorher hatte ich mit meinem Vater Detlef eine Werkstatt in Koppatz mit Abschleppdienst und Autoverwertung. Die haben wir aber verkauft, weil mein Vater jetzt Rentner ist. Das war wohl die richtige Entscheidung. Ich arbeite nun von Drebkau aus und lebe in Groß Oßnig. Ich bin außerdem sehr interessiert an der Börse und Finanzen, gerade jetzt ein spannendes Thema."

Hatten Sie selbst schon einmal eine Autopanne?
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Ja, allerdings war das bisher sehr entspannt. Da waren wir über Nacht im Tropical Islands. Es war sehr kalt und das Auto wollte nicht mehr anspringen. Da musste auch ich einmal Hilfe rufen. Ich versuche inzwischen, viel mit dem Zug und dem Flieger zu reisen. Es ist ja oft schon Mord und Totschlag auf den Autobahnen."

Toralf Konetzke (Cottbus) setzt sein Autogramm auf einen Fanschal
Toralf Konetzke im Jahr 2000 mit Fans von Energie Cottbus Bildrechte: imago sportfotodienst gmbh

Der aktuelle Energie-Kapitän Dimitar Rangelov fährt einen Porsche. Was fahren Sie?
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Einen 14 Jahre alten Audi A4. Immerhin habe ich keine Schulden, keine Raten. Das Auto ist zuverlässig, es ist okay. Einen Porsche hatte ich auch einmal ein Jahr lang, als ich in Köln gespielt habe. Aber den muss man nicht unbedingt haben." 

Wer spricht Sie noch mit "Locke" an?
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Viele (lacht). Es ist erstaunlich. Es ist ja schon sehr lange her - mehr als 20 Jahre. Das kommt immer wieder - selbst in der Familie. Da sagen es Kinder, die es vielleicht von ihren Eltern oder Großeltern haben. Da bin ich selbst erstaunt."

Sie sind inzwischen 47 Jahre alt. Wie ist es, die Fußballschuhe zu schnüren?
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Das ist immer schön, vor allem wenn man so viele alte Bekannte wie beim Bretter-Knaller-Hallenturnier wieder trifft - teilweise mit Stars von damals. Das macht unheimlich viel Spaß, auch wenn man sich immer wieder dasselbe erzählt. Außerdem spiele ich in Dissenchen bei den Alten Herren. Mit der Ü35 sehen wir uns für gewöhnlich zweimal in der Woche, spielen Fußballtennis und haben Punktspiele. Dort findet man mich eher so im zentralen Mittelfeld, wo man oft den Ball hat. Zuletzt lief übrigens das DFB-Pokalfinale 1997 zwischen Energie und Stuttgart im Fernsehen."

Ja, genau.
"Ganz ehrlich: Ich würde noch eimal da stehen wollen. Viele Profifußballer haben das sicher nicht erlebt. Es war eine unglaubliche Ehre, dort spielen. Wir hatten auch unsere Chancen, habe ich gesehen."

Jens Melzig, Torwart Kai Wehner, Sven Benken, Toralf Konetzke, Jens-Uwe Zöphel, Willi Kronhardt, Jörg Woltmann, Frank Seifert, Thomas Hossmang, Detlef Irrgang, Ingo Schneider
Die Energie-Spieler vor dem Spiel gegen Stuttgart Bildrechte: imago sportfotodienst

Von den sechs Energie-Spielen der DFB-Pokalsaison 1996/97 haben Sie keine Minute verpasst. Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, wohin würden Sie reisen? 
"Schwer zu sagen. Wir haben ganz namhafte Gegner gehabt - von Anfang an. Wenn wir Pokalspiele hatten, war die Stadt wie leergefegt. Die Leute haben alle frei bekommen. Gefühlt war in der Stadt nichts weiter los, außer im Stadion. Die Zuschauerzahlen aus den Statistiken stimmen auch nicht ganz (20.000 beim 3:0-Sieg im Schneespiel gegen den KSC, Anm. d. Red.). Das Stadion war offener, die Leute saßen auf den Bäumen und standen auf der Brücke. Rundherum waren es viele Tausend mehr."

Energies DFB-Pokalspiele 1996/97:
Cottbus - Stuttgarter Kickers 1:0 n.V.
Cottbus - VfL Wolfsburg 1:0
Cottbus - MSV Duisburg 7:6 n.E.
Cottbus - FC St. Pauli 5:4 n.E.
Cottbus - Karlsruher SC 3:0
VfB Stuttgart - Cottbus 2:0

Das klingt so, als ob Sie rundum glücklich mit Ihrer Karriere sind.
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Ich würde alles so nehmen, wie es passiert ist. Ich war nicht das typische Kind, das von klein auf im Verein spielte. Als ich elf, zwölf Jahre alt war, haben wir uns in Kiekebusch auf dem Bolzplatz getroffen. Ich habe keine Grundkenntnisse vermittelt bekommen und es doch von dort aus geschafft, über Energie in die Bundesliga zu gehen. René Rydlewicz hat das auch geschafft (Jugendvereine Chemie Döbern und Energie Cottbus, Anm. der Red.). Ich würde das gern wieder so machen. Nur eine Sache: Ich würde gern ins Ausland wechseln. Das war früher ein Traum von mir. Ich war vielleicht auch nicht mutig genug, weil meine große Tochter da ins schulpflichtige Alter kam. Der englische Fußball hatte es mir schon angetan."

Mit wem aus der damaligen Zeit stehen Sie noch am häufigsten in Kontakt?
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Wir sehen uns eigentlich fast jeden Mai zu einem Legendenspiel. Jens Melzig, Volkmar Kuhlee, Kay Wehner. Auch Ingo Schneider sehe ich meistens einmal im Jahr, obwohl er in Bayern lebt. Auch Thomas Hoßmang und Rydlewicz sehe ich hin und wieder mal bei einem Hallenturnier."

Detlef Irrgang, Toralf Konetzke und Willi Kronhardt
Detlef Irrgang (v.l.n.r.), Toralf Konetzke und Willi Kronhardt Bildrechte: imago/Eckehard Schulz

Energie-Fußballgott Detlef Irrgang bedauerte vor einigen Monaten, dass es in Cottbus kein Karten-Kontingent für ehemalige Spieler gäbe. Wie sehen Sie das?
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Man muss beide Seiten beleuchten. Ich enthalte mich da der Stimme. Man muss die Zeit anders bewerten. Der Verein ist in der vierten Liga. Da muss man auf jeden Euro gucken. Da ich Unternehmer bin, weiß ich, wie das läuft, und habe Verständnis. Wenn ich etwas brauchte, habe ich das bekommen. Ich tue auch gern etwas für den Verein. Die Traditionsgeschichte wurde über die Jahre nicht gerade groß geschrieben. Der eine oder andere Spieler würde sich bereit erklären, etwas zu tun. Das muss nur angeschoben werden. Mit Felix Geisler stand ich im Presseraum 24 Bewerbern für die Sportschule zur Verfügung, die uns wie Reporter Fragen stellen sollten. Das war ein schöner Nachmittag."

Dreimal waren Sie Spieler bei Energie. Los ging es, als noch viele Sitzschalen und so manche Trikots blau waren. Wie waren die ersten Jahre?
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Ich hätte sogar fast mit dem Fußball aufgehört. Es lief nicht so. Da habe ich meine Lehre zum Industriekaufmann im Kraftwerk Jänschwalde angefangen. Das war eine Doppelbelastung! Ich durfte morgens eher anfangen, damit ich es nachmittags zum Training geschafft habe. In den jungen Jahren war es manchmal hart. Dann kam Eduard Geyer. Er hätte gern bessere Spieler gehabt, aber musste uns spielen lassen. Durch ihn habe ich eine ganze Menge gelernt, eine ganze Menge erfahren. Man muss sich natürlich durchbeißen. Gerade, dass ich es bis in die Bundesliga geschafft habe, ist eine Wahnsinnsleistung. Damals gab es viele gute Fußballer, gerade beim BFC. Aber sie scheiterten, weil bei denen mit 16 die Disko wichtiger war. Ich wusste immer, was ich wollte und habe es geschafft."

Sogar ein Bundesliga-Tor für den FC St. Pauli zum 2:2-Endstand beim SC Freiburg.
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Ja, aber nur eins. Ich ermutige die Jungs, groß zu denken. Bei mir war es genau ein Tor. Dieses eine Tor habe ich mir vorgestellt und ich habe eins bekommen. Ich sage den Jungs: "Alles, was ihr wollt, könnt ihr auch bekommen.'"

Coach Eduard Geyer und seine Spieler, u.a. Toralf Konetzke, Jens Melzig, Willi Kronhardt mit einem Plakat für das DFB-Pokalfinale in Berlin, 1997
Toralf Konetzke (u.r.) wenige Monate vor dem DFB-Pokalfinale 1997 Bildrechte: imago images / Camera 4

Welche Geschichte gibt es, die vielleicht noch nicht jeder kennt?
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Man macht ja auch als Fußballer Ausdauerläufe. Da waren wir im Branitzer Park und ich habe mir mal eine Abkürzung gesucht. Da stand auf einmal der Trainer vor mir und es gab eine saftige Geldstrafe. 200 DM - sehr viel Geld damals. Das habe ich nie wieder gemacht."

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