Fußball | FSA-Pokal Erdbeben in Sachsen-Anhalt - alle Pokal-Beschlüsse gekippt

Am Samstag geht's zwischen dem Halleschen FC und dem 1. FC Magdeburg um den Startplatz im DFB-Pokal. Eigentlich. Ein Siebtligist funkte dazwischen und bekam vor dem Verbandsgericht Recht.

Das Verbandsgericht des Fußball-Landesverbandes Sachsen-Anhalt hat die Landespokal-Regelung gekippt, wonach der Wettbewerb "eingefroren" wird und es ein "Qualifikation-Spiel" zwischen dem Halleschen FC und dem 1. FC Magdeburg gibt. Das Präsidium will das Spiel am Samstag (16 Uhr live bei "Sport im Osten" und in der SpiO-App) trotzdem stattfinden lassen, auch wenn der sportliche Wert völlig unklar ist und das Duell auch den Stempel "Testspiel" aufgedrückt bekommen könnte. Jubeln wird am Samstag jedenfalls keiner.

Ein Fall für das Schiedsgericht

Das Verbandsgericht listete eine Reihe von "durchgreifenden Mängeln" auf. Im Beschluss vom 23. April habe der Verband keinerlei Abwägung vorgenommen. "Weder der Beschlussvorlage noch dem Beschluss selbst sowie auch nicht den Ausführungen des Berufungsgegners im sportgerichtlichen Verfahren kann entnommen werden, auf welcher Grundlage und auf welche Erwägungen der Verbandsvorstand seine Entscheidung gestützt und sein insoweit bestehendes Ermessen ausgeübt hat", heißt es in der Begründung. Gegen das Urteil ist kein Rechtmittel möglich.

Stattdessen geht der Fall nun vor das Schiedsgericht des FSA. Das muss entscheiden, wie es im FSA-Pokal weitergeht. Das Verbandsgericht hatte am Freitag den Beschluss des Verbandes gekippt und zeitgleich auch die Berufung des Klägers, SV Graf Zeppelin Abtsdorf, zurückgewiesen. Bemerkenswert: Die Führung des Landesverbandes konnte sich nicht erklären, was es bedeutet, dass die Berufung zurückgewiesen wurde, der Beschluss des Verbandes aber für nicht rechtmäßig erklärt wurde.

HFC und FCM wollen dennoch spielen

Obwohl nunmehr nicht klar ist, welchen Wert die Partie haben wird, wollen der Hallesche FC und der 1. FC Magdeburg am Samstag antreten. HFC-Pressesprecher Lars Töffling erklärte "Sport im Osten": "Wir haben mit dem Verband und den Magdeburgern telefoniert. Wir werden spielen. Was mit dem Ergebnis passiert, sehen wir dann." 

Siebtligist Abtsdorf fühlt sich bestätigt

Hintergrund der Entscheidungen ist ein Dauerstreit und eine Klage des Landesklasse-Vertreters SV Graf Zeppelin Abtsdorf. Der Siebtligist kämpft juristisch gegen die Pokallösung des Fußballverbandes und fühlte sich ungerecht behandelt. Der Vereinsvorsitzende Abteilung Fußball, Markus Horsch, erklärte nach dem Urteil im "Sport im Osten"-Interview: "Das Gericht hat faktisch bestätigt, dass der Verband alles falsch entschieden hat. Es ist traurig im Sinne des Sportes, weil man nicht genau weiß, wie es weitergeht. Der Verband hätte alles im Vorfeld regeln können. Jetzt steht man vor einem Scherbenhaufen. Andererseits ist es eine Entscheidung im Sinne des Sports. Der Verband kann nicht einfach entscheiden, ohne Regeln und Rechtsordnungen zu beachten."

Verteilung der Gelder "ungerecht"

Abtsdorf hatte sich nicht nur darüber geärgert, dass die Drittligisten Halle und Magdeburg den Freifahrtschein ins Endspiel bekommen haben, sondern vielmehr über die Verteilung der Gelder. Der Amateurklub verlangt die "gerechtere Verteilung der enormen Startgebühren für die erste DFB-Pokalrunde".

Der Verband hat vorgeschlagen, dass 25 Prozent der Erlöse aus der ersten Runde des DFB-Pokals (rund 170.000 Euro) verteilt werden sollen, dazu noch einmal 25 Prozent der Erträge im nächsten Jahr. Halle und Magdeburg haben zudem zugesichert, dass sie bei Erreichen der zweiten Runde noch einmal 15 Prozent der Erlöse an die anderen Vereine abtreten werden. Für Horsch und Abtsdorf ist das nicht akzeptabel. "Die 25 Prozent gibt es sowieso. Wir möchten, dass der Gewinner einen Teil der 130.000 Euro abgibt", so Horsch. Konkret fordert der Verein drei Prozent. Nun haben zunächst die Gerichte das Wort. Im schlimmsten Fall droht nun ein DFB-Pokal ohne einen Vertreter aus Sachsen-Anhalt.

sst

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 28. Mai 2021 | 19:30 Uhr

120 Kommentare

Maza vor 15 Wochen

Sorry, dachte auch,dass du zweigleisig fährst. Was ein Pünktchen doch für einen Riesenunterschied ausmachen kann. Also du bist auf jeden Fall der " richtige " Peter!!!!

Maza vor 15 Wochen

Bei der Live-Übertragung im MDR-Fernsehen wurde gerade gesagt, dass der Sieger des heutigen Spiels im DFB-Pokal antritt. Mal sehen, wie der Stand morgen ist.

Kampfbahn1 vor 15 Wochen

Lok Haldensleben bitteschön. Ein wenig Ahnung sollte schon ausserhalb ihres FCM Tellerrandes sein. Die Reichsbahn und nicht die LPG war zu ostzonalen Zeiten Träger. Und mit Heuer sowie Ohm stellte die Truppe auch 2 erfolgreiche Oberligaspieler Ihres blauweißen Herzenvereins. Davon abgesehen geht es imner noch um Sport. Und wenn an der Mannschaft vorbei entschieden wurde um ein paar Euros zu kassieren ist das schon traurig. Nein, es geht hier nicht prinzipiell gegen den FCM. Aber der Club profitierte nun mal von der Entscheidung und muss sich die Kritik auch gefallen lassen. Er hätte ja auch ablehnen können.