Fußball | FSA-Pokal "Gallisches Dorf" wehrt sich gegen Landespokal-Entscheidung in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt sollen die Profivereine aus Magdeburg und Halle den Teilnehmer im DFB-Pokal ausspielen. Das entschied eine Mehrheit der Vereine, die noch im Wettbewerb waren. Doch ein Siebtligist wehrt sich und hofft auf viele Nachahmer.

SV Blau-Weiß Brachstedt
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2020 wurde der 1. FC Magdeburg kampflos für Sachsen-Anhalt im DFB-Pokal gemeldet, in diesem Jahr erhält der Drittligist den Freifahrtschein ins Endspiel, ohne eine einzige Partie absolviert zu haben. Dort soll der FCM gegen den Halleschen FC den Teilnehmer im DFB-Pokal ausspielen. So entschieden es das Präsidium des Landesfußballverbandes (FSA) und die Mehrheit der noch im Wettbewerb befindlichen Vereine.

"Win-Win-Situation für alle Vereine"

Eine salomonische Lösung unter allen schlechten, findet Vizepräsident Jörg Bihlmeyer. "Es ist kein Landespokalfinale, es geht darum, dass wir den Startplatz nicht verlieren. Und die Vereine partizipieren davon." 25 Prozent der Erlöse aus der ersten Runde des DFB-Pokals sollen verteilt werden, dazu noch einmal 25 Prozent der Erträge im nächsten Jahr. "Halle und Magdeburg haben zudem zugesichert, dass sie bei Erreichen der zweiten Runde noch einmal 15 Prozent der Erlöse an die anderen Vereine abtreten werden", lobt Bihlmeyer die Drittligisten. Den Frust einiger kleiner Vereine könne er indes gut verstehen, wenngleich die Entscheidung so die beste sei.

Jörg Bihlmeyer (FSA-Vizepräsident) 1 min
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Do 29.04.2021 09:52Uhr 01:02 min

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Die Entscheidung von Blau-Weiß Brachstedt, gegen die Ansetzung des Qualifikationsspieles für den DFB-Pokal rechtliche Schritte einlegen zu wollen, "finde ich wegen des Verhältnisses zum Verband nicht schön". Zugleich sei der Verband sicher, dass die jetzige Entscheidung "juristisch abgeklärt ist". Er sei optimistisch, "dass wir alles so lassen, wie es ist".

"Entscheidung für alle Amateure die unfairste"

Und das ist für den langjährigen Präsidenten aus Brachstedt der springende Punkt. "Der Landespokal ist ein Wettbewerb der Amateure. Die Idee bestand darin, den Kleinen die Möglichkeit zu geben, gegen Profis zu spielen. Die Entscheidung ist für alle Amateure der unfairste", erklärte Sirko Dahlmann. 700 Vereine nehmen im Landespokal teil, 70 dürfen dann in der ersten Runde starten. "Viele gucken in die Röhre, zwei Profiklubs dürfen jubeln, obwohl sie kein Spiel absolviert haben." Alle anderen noch im Wettbewerb befindlichen Teams hätten bereits drei oder vier Spiele absolviert. Und durch das Einfrieren des Pokals würden in der kommenden Saison fast alle Amateurvereine außen vor bleiben. Dagegen hätten Magdeburg und Halle gleich zwei Mal Startrecht, diese Saison und dann bei Fortsetzung des jetzt eingefrorenen Wettbewerbes im kommenden Herbst.  

Sirko Dahlmann (SV Blau-Weiß Brachstedt) 2 min
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Do 29.04.2021 09:38Uhr 01:32 min

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"Gallier" hoffen auf Nachahmer

Auch wenn Dahlmann den goldenen Weg selbst nicht weiß, so glaubt er doch: Die 'Gallier' haben gute Chancen, gegen den Beschluss des FSA-Präsidiums vorzugehen. Und der Brachstedter Präsident hofft, dass sich noch viele kleine Vereine anschließen. "Zunächst geht es darum, dass einer das einreicht. Dann werden die Vereine, die nächstes Jahr ausgeschlossen sind, hellhörig. Ich würde mich über eine breite Front freuen."

ak/rei

12 Kommentare

Thommi Tulpe vor 7 Wochen

Irgendwelche Fachanwälte im Sportbereich kichern sich eins! Schon mal erlebt, dass irgendwelche Entscheidungen von DFB und Landesverbänden per Gerichtsbescheid gekippt hätten? Ich denke, eine Klage wird für den Dorfklub teurer, als würde man zähneknirschend die 2.000 "Eu`s" "einsacken"!?

alessandrodelpiero vor 7 Wochen

Sorry, aber das stimmt schlichtweg nicht. In Bayern tragen nicht irgendwelche Ausgelosten das Aufstiegsturnier aus, sondern mit Aschaffenburg, Schweinfurt und Bayreuth die ersten Drei der 4.Liga.
Und für den FSA-Pokal nächsten Jahres sollten m.E. alle Teams des diesjährigen Pokals wieder einsteigen dürfen. In diesem Jahr können aber nur die spielen, die es auch dürfen - und da gibt es momentan nur zwei.

Thommi Tulpe vor 7 Wochen

Warum nicht einfach alle im Landespokal verbliebenen Mannschaften in einen Topf - Losentscheid über Teilnahme? Auch eine unfaire Lösung. Selbst als Club-Fan denke ich: Wenn der FSA keine Lösung findet und man den Pokal nicht zu Ende bringen kann, dann meldet man eben "einfach" mal keine Mannschaft für die erste DFB-Pokalrunde. Damit ist auch niemandem geholfen. Jene Mannschaften, welchen erlaubt wäre, zu spielen (und das sind nun mal derzeit einzig der Club und der HFC!), hätten dann ebenso Grund zum Klagen wie das "gallische Dorf".