FC Brügge: EC-Finals, Skandal, unterm Radar

Wofür ist Brügge bekannt? Zuallererst natürlich für seine Kanäle, die mittelalterlichen Gebäude und den Glockenturm auf dem Marktplatz, was vor allem an der britischen Tragikomödie "Brügge sehen und sterben" liegt. Dann verbindet man mit der Stadt im Nordwesten Belgiens eventuell noch mit Schokolade und Waffeln. Und dann ist da noch der FC Brügge.

Jan Sorensen (Brügge) Phil Thompson (4) Liverpool gegen Brügge Europapokalfinale 1978 in Wembley.
Szene aus dem Finale des EC der Landesmeister 1978 gegen den FC Liverpool Bildrechte: imago/Colorsport

Der FC Brügge gehört nicht zu den fußballerischen Schwergewichten und fliegt damit für viele außerhalb Belgiens unter dem Radar. Ein wenig zu Unrecht, denn in den letzten zwölf Jahren spielte der Klub immerhin elf Mal in der Europa League oder gar Champions League. In der aktuellen Saison nimmt er zum vierten Mal in Folge an der Königsklasse teil.

Kurze Historie

RB Leipzigs Champions-League-Kontrahent wurde 1891 als Brugsche Football Club gegründet. Die wichtigsten historischen Daten danach sind in den 70er-Jahren verortet: 1976 gelang der Einzug ins Finale des UEFA-Pokals, 1978 ins Finale des Europapokals der Landesmeister. Beide Male unter Trainer Ernst Happel. Und beide Male scheiterte man knapp am FC Liverpool. Das Final-Rückspiel 1976 wurde übrigens von DDR-Schiedsrichter Rudi Glöckner gepfiffen. Das Endspiel zwei Jahre später vor 92.000 Zuschauern in Wembley endete 0:1.

v.li.: Raoul Lambert, Julien Cools, Rene Vandereycken, Ulrik le Fevre und Trainer Ernst Happel
Ernst Happel trainierte auch den FC Brügge. Bildrechte: imago/Horstmüller

Über die gesamten 126 Jahre der belgischen Division 1A betrachtet ist der FC Brügge mit 17 Meistertiteln (u.a. 2020 und 2021) Belgiens Nr. 2 hinter dem Dauerrivalen RSC Anderlecht (34 Titel).

Dramatische Saison 2020/21

Die letzte Saison mit dem Meistertitel war eine extrem enge Nummer. Die Hauptrunde hatte Brügge noch extrem souverän abgeschlossen: u.a. mit 20 Punkten Vorsprung auf Genk. In den Playoffs der ersten vier Teams (die Punkte wurden vorher halbiert) holte Brügge aber nur sechs Zähler in sechs Spielen und war am Ende punktgleich mit Genk. Entscheidend für den Meistertitel war nun die bessere Platzierung in der Hauptrunde. Knapper ging es nicht.

Aktuelle Saison – Tabellenführer

In der aktuellen Meisterschaftssaison führt Brügge die Tabelle knapp an. Von den bislang neun Spielen wurden fünf gewonnen und eins verloren.

Die letzte Partie
… war ein schmeichelhaftes 1:1 zu Hause gegen den Tabellenvorletzten Oud-Heverlee Leuven.

Champions League: Brügge – PSG 1:1 (1:1)

Der Underdog überraschte gegen die erstmals mit Messi, Neymar und Mbappé auflaufenden Pariser mit einem forschen Beginn. PSG kam lange nicht zur Entfaltung, schoss aber trotzdem das 1:0 (15.). Vanaken gelang aber wenig später mit einem abgefälschten Schuss der Ausgleich (23.). Danach war die ansehnliche Partie weitgehend ausgeglichen. In der Schlussphase stand Brügges Defensive sehr sicher.

Drei Fußballspieler im Kampf um den Ball.
Lionel Messi kam relativ selten zum Zug. Bildrechte: imago images/ANP

Ein alter Bekannter: Bas Dost

Geht man den Kader des FC Brügge durch, findet man nur einen wirklich bekannten Namen. Es ist Bas Dost, der nach seinen Stationen VfL Wolfsburg, Sporting Lissabon und Eintracht Frankfurt im Januar 2021 nach Belgien gewechselt ist. In den verbleibenden 22 Spielen der Spielzeit gelangen dem Mittelstürmer noch zehn Tore – damit war er zumindest für diesen Zeitraum Brügges Top-Scorer. In der aktuellen Saison läuft es für ihn weniger prächtig: Seit dem 3. Spieltag ist er maximal noch Einwechsler. Gegen RB Leipzig hat der Niederländer übrigens noch nicht verloren (zwei Siege, ein Remis).

Bas Dost
Bas Dost ist seit dieser Saison (noch/nur) Ergänzungsspieler. Bildrechte: IMAGO / Panoramic International

Skandal-Spieler: Noa Lang

Auch Brügges wertvollster Kicker ist ein Niederländer. Noa Lang (geschätzter Marktwert: 22 Mio. Euro) stammt aus der Ajax-Talentschmiede, wechselte vor ziemlich genau einem Jahr nach Brügge, wo er letzte Saison gleich bester Torschütze (17 Tore) wurde und auch in der aktuellen Saison die Scorer-Liste anführt (11 Spiele, 4 Tore, 4 Assists). Im Mai 2021 sorgte er für einen Skandal, als er nach dem Spiel gegen Anderlecht "Lieber tot als ein Sporting-Jude" rief bzw. sang. Hinterher beteuerte er, der Schlachtruf sei nicht antisemitisch gemeint gewesen. Belgiens Fußballverband verurteilte ihn letztlich nur dazu, ein Geschichtsmuseum zu besuchen.

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sk

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