Gegnercheck Manchester City: Scheich-Klub mit Geschichte und Erfolgen

Manchester City gilt als Inbegriff des Kommerzfußballs. Doch der Premier-League-Klub ist mehr als nur das Spielzeug eines Scheichs, sondern atmet Geschichte, wurde gesperrt, irgendwie begnadigt und ist vor allem unter Pep Guardiola sehr erfolgreich.

Kurze Historie

Manchester City gegen Manchester United
Szene aus dem Lokalderby ManCity vs. ManUnited (1:1) am 21.01.1967. Bildrechte: imago sportfotodienst

Wie so viele große Klubs wurde auch Manchester City im 19. Jahrhundert unter einem anderen Namen gegründet. Die Metamorphose kurzgefasst: West Gorton Saint Marks (1880), Ardwick A.F.C. (1887), Manchester City F.C. (1894). Der Klub ist übrigens nur zwei Jahre jünger als der Lokalrivale ManUnited.

In den ersten 120 Jahren seiner Existenz pendelte der Verein häufig zwischen der ersten und zweiten englischen Liga hin und her. Insgesamt zwölf Aufstiege wurden gefeiert, der letzte 2002. Seitdem gehört ManCity durchweg zur Premier League. Den ersten von insgesamt sieben Meistertiteln gab es 1937, der bislang einzige Triumph im Europapokal war 1970 (EC der Pokalsieger). In dem EC-Finale spielten übrigens auch Colin Bell und Neil Young mit, aber das waren weder der ehemalige Dynamo-Trainer, noch der Sänger. Verrückt: 1937 wurde ManCity Meister und stieg im Jahr darauf ab.

Manchester City
Mannschaftsfoto von 1956. Torhüter ist der legendäre Bert Trautmann, der 15 Jahre bei ManCity spielte. Bildrechte: imago/Colorsport

Besitzer

Seit 2008 gehört der Löwenanteil des Klubs einer Investmentfirma aus dem Emirat Abu Dhabi und damit praktisch der dortigen Herrscherfamilie.

UEFA-Sperre und CAS-Urteil

Dass ManCity jetzt gegen RB Leipzig spielen darf, ist ein kleines „Wunder“. Denn 2020 wurde der Klub wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay von der UEFA für zwei Jahre gesperrt. Die Strafe wurde aber noch im Sommer des Jahres vom Internationalen Sportgerichtshof CAS aufgehoben, die Gelbuße von 30 Mio. Euro wurde reduziert.

Das Stadion

In den ersten sieben Jahren seiner Existenz wechselte der Klub seine Heimstätte fast jährlich, dann spielte man knapp 40 Jahre an der Hyde Road (40.000 Zuschauer). 1923 war dann der Umzug in das neue Stadion in der Maine Road. Die Arena fasste bis zu 85.000 Zuschauer, bei ihrem letzten Fußballspiel waren es noch 35.000. Heute steht auf dem Areal eine Wohnsiedlung.

Heimstätte von Manchester City ist seit 2003 das "City of Manchester Stadium", das für die Commonwealth Games 2002 gebaut worden war und dann von der Stadt gekauft wurde. Nach diversen Umbauten und Modernisierungen hat das jetzige "Etihad Stadium" 55.000 Plätze.

Peter Schmeichel im Tor
ManCity-Torwart Peter Schmeichel im letzten Spiel seiner Karriere und im letzten Spiel in der Maine Road im Mai 2003. Bildrechte: imago/Paul Marriott

Letzte Saison

Manchester City übernahm in der Spielzeit 2020/21 am 19. Spieltag die Tabellenführung in der Premier League – und gab sie bis zum Schluss nicht mehr her. Beeindruckend: Vom 14. bis 29. Spieltag wurden 15 Siege in Folge eingefahren. Nur beim ersten dieser Serie waren Zuschauer im Stadion. In der Champions League wurden wiederum 11 von 13 Partien gewonnen. Die einzige Niederlage setzte es im Finale gegen den FC Chelsea. Das entscheidende Tor hatte Kai Havertz geschossen.

Aktuelle Saison

Die aktuelle Spielzeit begann ManCity genau wie RB Leipzig mit einer 0:1-Auswärtspleite. Bei Tottenham Hotspur hatte der Meister 65 Prozent Ballbesitz, vergab aber erst gute Chancen und ließ es dann an Durchschlagskraft vermissen. Es folgten zwei 5:0-Heimsiege gegen Norwich City und Arsenal. Die letzte Partie war ein 1:0-Erfolg bei Leicester City. Manchester (66 % Ballbesitz) drängte eine gefühlte Ewigkeit auf die Führung, die dann Bernardo Silva erzielte (62.) und danach weitgehend verwaltet wurde. Gleich mehrere Chancen zum Ausgleich hatte übrigens der von RB Leipzig ausgeliehene Ademola Lookman.

Fußballspieler am Ball.
Szene aus dem Spiel gegen Leicester City mit RB-Leihgabe Lookman. Bildrechte: imago images/Xinhua

Der 118-Millionen-Mann

ManCitys Marktwert wird auf 1,04 Mrd. Euro geschätzt (Quelle: Transfermarkt.de), das ist die Spitzenposition in der Premier League. Jack Grealish mag nicht der wertvollste Spieler im Kader der „Citizens“ sein, aber er war der teuerste der englischen Liga in diesem Sommer: Umgerechnet 118 Millionen Euro überwies Manchester an Aston Villa für den Linksaußen. Seine Bilanz nach vier Spielen: ein Tor und eine Vorlage. Grealish ist übrigens nicht nur ManCitys Top-Transfer, sondern auch der quasi einzige relevante Neuzugang in diesem Sommer. Der 26-Jährige hat irische Wurzel, durchlief alle Junioren-Nationalteams der Iren – und entschied sich dann für die englische Nationalmannschaft, was ihm der eine oder andere auf der Grünen Insel übel nahm.

Fußballspieler schiesst Ball.
Jack Grealish im Spiel gegen Leicester City, dessen Torhüter übrigens Kasper Schmeichel ist, Sohn vom früheren ManCity-Keeper Peter Schmeichel. Bildrechte: imago images/Xinhua

Bekannte Namen

Kapitän bei ManCity ist der ehemalige brasilianische Nationalspieler Fernandinho, der im defensiven Mittelfeld zu Hause ist. Er ist 36 Jahre alt, seit 2013 bei den „Citizens“ und damit ältester bzw. dienstältester Spieler im Klub. Nach der Auftaktpleite bei Tottenham landete er auf der Bank und hatte am vergangenen Samstag nur einen Kurzeinsatz. Die Kapitänsbinde trug zuletzt Ilkay Gündogan. Der gebürtige Ruhrpottler hat letzte Saison bei Manchester zwar nicht durchgespielt, war aber trotzdem bester Torschütze und eine feste Größe.

Seit inzwischen auch schon wieder sechs Jahren im Klub ist der ehemalige Wolfsburger Kevin de Bruyne, der aktuell aber verletzt ist. Mit 10 Toren und 18 Vorlagen war der belgische Mittelfeldspieler in der letzten Saison der beste Scorer bei Manchester. Hinter ihm rangierten in der Liste die beiden englischen Nationalstürmer Phil Foden (16/10) und Raheem Sterling (14/12).

Florian Neuhaus (BMG), Christoph Kramer (BMG), Ilkay Gündogan (City)
Ilkay Gündogan im City-Trikot gegen M'gladbach Bildrechte: IMAGO / Moritz Müller

Einfach nur Pep

Das Fußballgeschäft ist schnelllebig, erst recht für Trainer. Pep Guardiola sitzt bei Manchester trotzdem fest im Sattel, und das immerhin schon seit 2016, als er nach seiner 3-jährigen Station bei Bayern München auf die Insel wechselte. Er führte ManCity zu drei englischen Meisterschaften (2018, 2019, 2021). Guardiola gilt als eigen, detailversessen und extrem fordernd. Widerspruch mag er nicht. Außerdem ist er sehr verschlossen. Privates kann man ihm nicht entlocken, Kommunikation ist aber grundsätzlich nicht so sein Ding: Er soll schon Spieler zum Transfer freigegeben haben, ohne sie darüber zu informieren.

Trainer Pep Guardiola an der Seitenlinie.
Bildrechte: imago images/Xinhua

Sven Kups

4 Kommentare

Quentin aus Mondragies vor 2 Tagen

Habe ihn gefunden! gilt = galt stimmts? Leipzig hat aber auch ein Glück. Erst verschönert Schneider Leipzig auf Kosten der Banken und jetzt kommt RB und verschönert den Leipziger Fußball auf Kosten der Energy Drink Konsumenten. Finde den Fehler.

zwigger1 vor 3 Tagen

Der nächste der den Jesse den Marsch bläst in der Investorenliga
Alles andere währe eine ÜBERRASCHUNG
Im Fußball kann es so was geben, aber beim Rasenball😁

Chili Palmer vor 3 Tagen

„Manchester City gilt als Inbegriff des Kommerzfußballs.“ Finde den Fehler.