Fußball | DFB-Pokal Gegnercheck Darmstadt: Zweitliga-Spitzenteam mit neuem Spielsystem

1. Hauptrunde

Darmstadt 98 - das stand lange für Abwehrkampf und Spielzerstörung. Mit dem neuen Trainer soll sich das nun ändern. Und das könnte eine Chance für den 1. FC Magdeburg sein.

Markus Anfang Trainer des SV Darmstadt 98 gestikuliert mit den Armen
Markus Anfang Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Der Magdeburger Trainer Thomas Hoßmang weiß genau, was für ein schwerer Brocken da in der 1. DFB-Pokalrunde auf sein Team zukommt. "Das ist eine erfahrene Mannschaft mit neuem Trainer. Man sieht schon klar seine Handschrift", sagte der FCM-Coach vor der Partie am Sonntag (13.09.2020) gegen Darmstadt 98.

Bundesliga-Rückkehr mit neuem Trainer?

Zweitligist Darmstadt geht nach Rang fünf in der Vorsaison mit der Zielstellung Bundesliga-Aufstieg in die neue Saison. Diese Zielstellung wurde vom Verein nicht offen formuliert – sie ergibt sich aber aus den Personalentscheidungen. Der Vertrag mit dem durchaus erfolgreichen Trainer Dimitirios Grammozis wurde nicht verlängert. Stattdessen wurde mit Markus Anfang ein Coach geholt, der bereits bei Holstein Kiel und dem 1. FC Köln gezeigt hat, dass er Aufstiegskandidaten coachen kann. Mit Anfang soll die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus gelingen. Und beim Start in die Erfolgssaison soll nicht gerade Drittligist 1. FC Magdeburg der erste Stolperstein werden.

Kann Anfang Darmstadt umkrempeln?

Mit Anfang wird sich der Darmstädter Fußball wohl noch etwas mehr vom Defensivbollwerk zum spektakulären Offensivpressing wandeln. Tore schießen ist für den 46 Jahre alten Coach wichtiger als Tore verhindern. In seinen 33 Spielen als Kölner Coach 2018/2019 knipste sein Team 91 Mal – Ligabestwert.

Anfang setzt auf schnelle Außenspieler

So dürfte spannend werden, wie Anfang das traditionell defensiv ausgerichtete Spielsystem der "Lilien" auf Offensive umbaut und wie schnell das neue System des Trainers greift. Eine Chance für den FCM, da Darmstadt hier anfällig sein könnte. In den Testspielen der "Lilien" zeigte sich u.a. bei den Niederlagen gegen Liga-Konkurrent Wehen Wiesbaden und den englischen Zweitligisten Norwich City, dass es noch Zuordnungsprobleme gab. Erschwerend für Spiel in Magdeburg dürfte werden, dass dem auf schnelle Außenspieler ausgerichtete Spiel wohl ausgerechnet die Außenspieler fehlen. Erich Berko und Aaron Seydel kommen definitiv nicht zum Einsatz, Mathias Honsak und Tim Skarke sind laut Anfang noch nicht hundertprozentig fit.

Offensiv dreht sich alles um Dursun

Klarer Dreh- und Angelpunkt im Darmstädter Spiel ist Mittelstürmer Serdar Dursun. Wer den bulligen 28-Jährigen stoppen kann, nimmt einen wichtigen Faktor aus dem Spiel der 98er. Dursun, der sogar ein lukratives China-Angebot ablehnte, um bei den Hessen zu bleiben, erzielte in der Vorsaison 16 Tore und bereitete sechs weitere vor. Damit war der Deutsch-Türke, der realistische Chancen auf eine baldige Nominierung der türkischen Nationalmannschaft hat, an einem Viertel der Darmstädter Zweitliga-Tore  beteiligt.

v.l. Serdar Dursun (SV Darmstadt 98) Torjubel
Dursun (Mitte) war bei allen drei Darmstädter Siegen gegen Magdeburg dabei (Archiv). Bildrechte: IMAGO

Kaum Wechsel im Sommer

Eine weitere Stärke dürfte in der mannschaftlichen Geschlossenheit der "Lilien" liegen. Im Sommer gab es kaum Wechsel, Anfang kann also auf ein eingespieltes Team setzen. Schmerzen könnte noch der Abgang von Innenverteidiger Dario Dumic, der nach einer Leihe in die niederländische Eredivisie zurückgekehrt ist. Als Ersatz wurde u.a. der hochtalentierte Lars Lukas Mai vom FC Bayern ausgeliehen.

Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 13. September 2020 | 21:45 Uhr

0 Kommentare