Fußball | Champions League RB Leipzig: Nicht mehr viel übrig von der einst besten Defensive der Bundesliga

Analyse

Vergangene Saison stellte RB Leipzig die beste Defensive der Fußball-Bundesliga. Nun gab es ein 3:6 gegen ManCity und ein 1:4 gegen Bayern München - zehn Gegentore in zwei Partien. Was ist los bei RB?

Jesse Marsch und Angelino
RB Leipzig: Trainer Jesse Marsch (li.) und Angelino Bildrechte: IMAGO / Revierfoto

3:6 bei Manchester City gestern (15.09.2021), drei Tage zuvor ein 1:4 gegen Bayern München. In der Bundesliga in vier Partien dreimal verloren - Fußball-Bundesligist RB Leipzig befindet sich "einen Schritt vor der Krise" ("kicker").

Zehn Gegentore in zwei Partien sind heftig. Auch wenn es mit ManCity und dem deutschen Abo-Meister Konkurrenz aus dem allerhöchsten Regal war. Da kann man man verlieren, aber mit so vielen Gegentoren?

RB Leipzig: Trainer Jesse Marsch bei der PK nach dem Spiel bei Manchester City 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Do 16.09.2021 10:53Uhr 01:43 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/jesse-marsch-nach-rb-leipzig-bei-mancity-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

RB Leipzig: Trainer Jesse Marsch bei der PK nach dem Spiel bei Manchester City 2 min
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Video

Marsch sieht "indivuelle Fehler"

Trainer Jesse Marsch sah "zu viele Gegentore durch individuelle Fehler". Eine Erklärung, die bei einzelnen Szenen passt, aber insgesamt zu kurz greift. Viele Spieler in der Defensive sind von der Bestform weit entfernt.

Neues Abwehr-Duo: Bank und neun Minuten

Josko Gvardiol
Josko Gvardiol (Mitte) in Aktion gegen ManCity. Bildrechte: IMAGO / Revierfoto

Der personelle Aderlass mit den französischen Innenverteidiger-Schränken Ibrahima Konaté (FC Liverpool) und Dayot Upamecano (Bayern München) sollte mit den Abwehr-Juwelen Mohamed Simakan (21/Racing Straßburg) und Josko Gvardiol (19/Dinamo Zagreb) kompensiert werden. Dieser Prozess hat gerade erst begonnen. Gegen ManCity saß Simakan auf der Bank und EM-Teilnehmer Gvardiol bekam neun Minuten Spielzeit.

Keiner mit Bestform in der Abwehr

Gabriel Jesus jubelt nach Treffer Sechs für Man City.
Lukas Klostermann (re.) ärgert sich nach dem sechsten Tor von Manchester Bildrechte: imago images/Pro Sports Images

Ohne die Landsmänner Konaté und Upamecano scheint auch Nordi Mukiele weit von seiner Bestform entfernt zu sein. Daran ändert auch dessen erste Berufung zur französischen Nationalmannschaft nichts. Auch der deutsche Nationalspieler Lukas Klostermann kämpft um seine Form, ebenso wie die beiden Ungarn Willi Orban und Peter Gulacsi. Beide waren noch in der Vorsaison, als RB die beste Defensive der Bundesliga stellte, eminent wichtige Faktoren.

Bei den ersten Toren der "Skyblues" patzten Mukiele, Orban und Klostermann. Angelino, der mit neuer Frisur an alter Wirkungsstätte einen Neustart in die Saison versprach, sah in Halbzeit zwei Gelb-Rot. Zwei weitere deutsche Nationalspieler, Marcel Halstenberg und Benjamin Henrichs, spielen kaum eine Rolle. Die Defensive hat aktuell ein Qualitätsproblem.

"Zuviel Respekt"

Der neue Trainer Jesse Marsch, mit dem RB-Chef Oliver Mintzlaff trotz des Nagelsmann-Abgangs die Entwicklung des Vereins auf die nächste Stufe stellen wollte, hatte im Vorfeld des Bayern-Spiels davon gesprochen, dass die Partie für sein Team vielleicht zu früh kommen könnte. Und wurde dafür kritisiert. Nach dem Manchester-Auftritt sagte er: "Wir haben dieses Team so sehr respektiert, vielleicht zu sehr. Wir konnten den Matchplan nicht so umsetzen, wie wir wollten. Vielleicht war der Moment ein bisschen zu groß."

Tafelsilber zuletzt verloren

Mit Upamecano, Konaté, dazu Kapitän Marcel Sabitzer und Trainer Julian Nagelsmann (beide Bayern München) hat RB Leipzig nach Timo Werner (FC Chelsea) im Vorjahr viel an Tafelsilber abgegeben. Auf diesem Niveau ist das in kurzer Zeit nicht zu kompensieren.

Sabitzer war einer, der das Anlaufen organisierte. Auch im defensiven Mittelfeld hakt es. Der US-Amerikaner Tyler Adams agierte in Manchester schwach und war oft nicht auf der Höhe. Er gilt als einer der Lieblingsschüler von Landsmann Jesse Marsch.

Diskussion über Taktik

Jack Grealish von Manchester City erzielt das vierte Tor für seine Mannschaft.
Nach einem Stellungsfehler zuvor verlor Tyler Adams (li.) dann auch noch den Zweikampf gegne Jack Grealish, und der englische Nationalspieler erzielt das 4:2 Bildrechte: imago images/PA Images

Dessen "back to the roots"-Taktik mit aggressivem Pressing wird nach Informationen der "Sport-Bild" in Teilen der Mannschaft kritisch gesehen. So lange da die Rädchen noch nicht ineinander greifen, wünscht man sich mehr Ballbesitz-Elemente wie unter Nagelsmann. Auch Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann hatte im "SpiO-Talk" vor dem Bayern-Spiel gesagt: "Wenn du Titel gewinnen willst, musst du in der Lage sein, mit Ball Spiele zu kontrollieren. Da haben sie sich unter Nagelsmann weiterentwickelt. Wenn du über 34 Spiele Erfolg haben willst, dann kannst du nicht über 34 Spiele Vollgas spielen." Marsch müsse da einen Mittelweg finden. MDR-Reporter Thomas Kunze, der vom Spiel für die ARD-Hörfunkwellen live berichtete, sagt: "Statik und Balance sind das große Thema Und die Mannschaft muss verstehen, was Jesse Marsch gegen den Ball sehen will. Gestern konnte ManCity entweder Kurzpässe- oder Diagonalpässe spielen, um das System auszuhebeln."

Marsch: Brauchen Siege und Selbstvertrauen

Erstmals verlor RB bei der vierten Champions-League-Teilnahme zum Auftakt. Aber nicht nur das: "Diese Mannschaft hat nie so einen schwierigen Start in den letzten Jahren gehabt", sagte Marsch und gab eine gewisse Verunsicherung zu: '"Es ist ein bisschen normal, wenn eine Mannschaft nicht immer die richtigen Ergebnisse kriegt und sich die Belohnung nicht holt. Wir müssen uns endlich belohnen. Wir brauchen auf dem Platz Selbstvertrauen."

Letzte zehn Pflichtspiele: Sieben Pleiten

Das Belohnen blieb bei RB zuletzt immer mehr aus. Die Bilanz in die vergangenen zehn Pflichtspiele ist die keines Spitzenteams: Da gab es ganze zwei Siege und ein Remis - bei sieben Pleiten. Am Samstagabend (18:30 Uhr/90-Minuten-Audiostream in der SpiO-App) geht es zum 1. FC Köln. Diesmal also kein bestens besetztes Star-Ensemble als Gegner, aber ein Verein, bei dem der neue Trainer Steffen Baumgart jede Menge frischen Wind gebracht hat. Keine leichte Aufgabe, aber auch keine, die zu vielen Gegentoren führen muss. Jesse Marsch will Köln "einen großen Kampf" liefern.

Christian Kerber

Manchester City gegen RB Leipzig in Bildern

Emil Forsberg und die Mannschaft beim Aufwärmen im Stadion.
Mittwochabend - Champions League. Es war angerichtet in Manchester. RB Leipzig zu Gast bei City. Doch was dann folgen sollte, hatten die wenigsten erwartet. Bildrechte: imago images/PA Images
Emil Forsberg und die Mannschaft beim Aufwärmen im Stadion.
Mittwochabend - Champions League. Es war angerichtet in Manchester. RB Leipzig zu Gast bei City. Doch was dann folgen sollte, hatten die wenigsten erwartet. Bildrechte: imago images/PA Images
Nordi Mukiele von RB Leipzig schießt ein Eigentor.
Ebenfalls per Kopf war Nordi Mukiele erfolgreich. Allerdings ins eigene Tor. Bildrechte: imago images/Shutterstock
Riyad Mahrez von Man City verwandelt den dritten Elfer.
Riyad Mahrez verwandelte sicher. Bildrechte: imago images/Offside Sports Photography
Joao Cancelo wird von Angelino gefoult.
Angelino sorgte zudem noch für einen Platzverweis nach einem unnötigen Foul. Bildrechte: imago images/News Images
Niedergeschlagen wirkende Fans von RB Leipzig nach Spielende.
Etwa 25 RB-Anhänger waren im Stadion und danach natürlich sichtlich bedient. Bildrechte: imago images/PA Images
Nathan Ake von Manchester City erzielt das erste Tor des Spiels in der UEFA Champions League.
Denn bereits nach 16 Minuten ging die wilde Fahrt los für RB. Nach einer Ecke traf Nathan Ake per Kopf zur City-Führung. Bildrechte: imago images/PA Images
Christopher Nkunku trifft zum 1:1
Und der dritte Kopfball-Streich folgte zugleich. Nkunku sorgte mit seinem Treffer kurz vor der Halbzeit noch einmal für Hoffnung. Bildrechte: imago images/News Images
Handspiel von Lukas Klostermann
Doch dann unterlief Lukas Klostermann noch vor dem Pausenpfiff ein folgenschweres Handspiel. Bildrechte: imago images/Revierfoto
Referee Serdar Gözübüyük schaut sich den Videobeweis an.
Referee Serdar Gözübüyük schaute sich die Situation am Monitor an und entschied auf Elfmeter. Bildrechte: imago images/News Images
Christopher Nkunku erzielt den zweiten Treffer für RB.
Nach der Halbzeit war es wieder Nkunku der für RB traf - natürlich mit dem Kopf. Bildrechte: imago images/PA Images
Jack Grealish von Manchester City erzielt das vierte Tor für seine Mannschaft.
Doch keine fünf Minuten später tanzte Jack Grealish Tyler Adams aus, der zuvor durch einen Stellungsfehler die Situation überhaupt erst ermöglichte. City war wieder zwei Tore vorn. Bildrechte: imago images/PA Images
Christopher Nkunku macht sein drittes Tor.
Also musste wieder Nkunku ran, der nach Zuspiel von Poulsen ins lange Eck traf. Bildrechte: imago images/PA Images
Joao Cancelo mit dem fünften Treffer für Manchester City.
Ein Strahl von Joao Cancelo aus 20 Metern war dann die Vorentscheidung. Bildrechte: imago images/Sportimage
Gabriel Jesus jubelt nach Treffer Sechs für Man City.
Gabriel Jesus durfte auch noch jubeln. Sein Abstauber machte den Deckel drauf. Bildrechte: imago images/Pro Sports Images
Amadou Haidara wirk nach Spielende niedergeschlagen.
Amadou Haidara fasste das RB-Spiel pantomimisch zusammen. Bildrechte: imago images/PA Images
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 16. September 2021 | 17:45 Uhr

19 Kommentare

SitBull vor 5 Wochen

Ostdeutschen Fußball. Über was redest Du hier? Es muss überhaupt niemand gerettet werden. Jetzt gönn doch mal Einigen einen nicht so weiten Anreiseweg um Topfußball zu sehen. Union ist zu weit weg und hat zu kleines Stadion. Da kommt man überhaupt nicht an Karten. Und was sonst so in der Nähe ist, kann man ja nicht anschauen, wenn man Dank Bezahlsender alle Top-Ligen sehen kann. Wenn ich dann mal MDR-Fußball 4. Liga sehe, wundere ich mich immer warum über 90 Minuten Zeitlupe läuft. @MDR: finde natürlich toll, dass Ihr auch Amateursport zeigt.

Dartmeister vor 5 Wochen

So schlecht war RB nicht, war auch Pech dabei. Gut, die letzten zwei Tore zähle ich nicht. Zu letzt noch was zum schmunzeln:
Arbeiterverein aus München.

Alucard vor 5 Wochen

Wenn man bedenkt das sogar eine echte Ostmannschaft nach über 30 Jahren endlich mal wieder International spielt und das mit viel weniger Geld und dann kommt sowas wie RB und denken sie wären die größten im Osten und retten den ostdeutschen Fußball und helfen ihm dabei wieder hoch zu kommen.