Fußball | Champions League Frust und Vorausblick bei RB: Nach PSG wartet Nürnberg

Halbfinale

Das Champions-League-Aus gegen Paris St. Germain wurde bei RB Leipzig ebenso enttäuscht wie sachlich zur Kenntnis genommen. Zu gut war das Star-Ensemble von Thomas Tuchel aufgetreten. Nach PSG wartet bald Nürnberg.

Julian Nagelsman
RB-Coach Julian Nagelsmann (li.) und Co-Trainer Dino Toppmöller, dessen Vater Klaus 2002 mit Leverkusen im CL-Finale stand. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag / Poolfoto

Kapitän Yussuf Poulsen saß noch eine Weile auf dem Rasen des "Estádio da Luz" und versuchte, irgendwie den Moment zu genießen, trotz der klaren 0:3-Abfuhr durch das Starensemble von Paris Saint-Germain. Der Stürmer zog, wie er sagte, auch Kraft aus dem ernüchternden Augenblick wegen der Erkenntnis, dass er mit RB Leipzig in der Champions League schon bald wieder "ganz weit kommen" will. Trainer Julian Nagelsmann gönnte seinem Profi die Minuten der Reflexion, er hatte ohnehin mit seiner Enttäuschung über das Halbfinal-Aus in der Königsklasse genug zu tun.

Eric Maxim Choupo-Moting, Presnel Kimpembe, Marcel Halstenberg, Yussuf Poulsen und Nordi Mukiele
Nach Abpfiff gratulierten Yussuf Poulsen (re.) und Co. Gegner Paris Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag / Poolfoto

Frust beim Rekordtrainer

"Aktuell überwiegt der Frust, das ist normal. Das muss auch so sein, um wieder die nötige Power zu sammeln für die neuen Aufgaben, die schon bald vor der Brust stehen", sagte Nagelsmann. In den Rekordbüchern wird er mit 33 Jahren fortan als jüngster Trainer in einem Semifinale der Fußball-Champions-League geführt. Aber bei Nagelsmann hallte in Lissabon besonders die Aussichtslosigkeit nach, einen Sieg gegen das Team des französischen Meisters mit Neymar, Kylian Mbappé und den weiteren Stars zu erringen.

Kylian Mbappw im Duell gegen Konrad Laimer und Marcel Sabitzer
Der Pariser Weltklasse-Sturm war von RB kaum aufzuhalten gewesen. Bildrechte: imago images / Poolfoto

"Gegner war heute übermächtig"

Bis ganz nach oben fehlt diesen Leipzigern noch mancher Schritt. Die Euphorie nach dem 2:1 im Viertelfinale gegen Atlético Madrid war weg. "Der Gegner war heute übermächtig", konstatierte Nagelsmann nach den Toren von Marquinhos (13. Minute), Angel di Maria (42.) und Juan Bernat (56.). Ob er etwas anders machen würde? "Ich muss das Spiel nochmal anschauen. Man hat immer Dinge, die man anders machen würde hinterher - das ist nach jedem Bundesliga-Spiel so, das war auch gegen Atletico so. Wenn man gesehen hat, wie variabel Paris in der Eröffnung ist ... das sind einfach gute Spieler, du kannst nicht jedes Detail vorbereiten. Wir haben Paris bewusst ein bisschen den Ball gelassen, weil sie das nicht mögen", so Nagelsmann bei "sky".

Torchance Neymar gegen Torwart Peter Gulacsi
Es dauerte nicht lange, da stand Neymar (li.) schon frei vor RB-Schlussmann Peter Gulacsi. Bildrechte: imago images / Poolfoto

Kaum Urlaub - dann nach Nürnberg

Er blickte aber auch schon wieder voraus. "Du hast als Trainer sofort wieder die nächsten Aufgaben. Wir haben Kaderthemen, die wir in der Transferperiode besprechen müssen. Wir haben bald Nürnberg im DFB-Pokal vor der Brust", sprach der RB-Coach schon vom nächsten Pflichtspiel im September gegen den "Club". Mehr als eine Woche Urlaub ist für die RB-Profis nicht drin.

Julian Nagelsmann
RB-Trainer Julian Nagelsmann Bildrechte: Picture Point

Die von der UEFA ausgelobten zwölf Millionen Euro Halbfinal-Prämie werden nicht in neue Spieler investiert - das hat RB-Chef Oliver Mintzlaff seinem Trainer schon verdeutlicht. Gesucht wird aber nach dem Fortgang von Timo Werner zum FC Chelsea noch ein Stürmer, zumal Patrik Schick nach jetzigem Stand in der kommenden Woche nicht bei der Wiederaufnahme des Trainings in Leipzig sein wird, sondern bei seinem alten Klub AS Rom.

Nagelsmann mit Verständnis für Tuchel-Ärger

"Jeder Trainer will die bestmögliche Mannschaft, jeder Spieler auch. Wir haben noch Aufgaben. Denen werden wir uns jetzt widmen", sagte Nagelsmann. Die nächste Gruppenphase in der Champions League beginnt im Oktober. Dann könnte es ein schnelles Wiedersehen mit PSG geben. Und auch mit deren Trainer Thomas Tuchel. "Nach dem Abpfiff habe ich gesagt, Gratulation, viel Erfolg im Finale und bis bald", berichtete Nagelsmann von der kurzen Kommunikation mit seinem einstigen Coach und heutigen Kollegen. Während des Spiels hatte es zwischen den beiden nach einigen RB-Fouls an PSG-Akteuren kurz gekracht. "Wir haben viel gefoult, das kann man auch statistisch nachlesen. Das war nicht geplant, wir kamen einfach häufig zu spät", erklärte Nagelsmann und zeigte Verständnis: "Er hat sich beklagt, weil er seine Spieler schützen wollte. Das ist alles normal. Wir hatten, glaube ich, 34 Fouls am Ende des Tages, da kann man schon mal was rübersagen." Auch wenn die Statistik am Ende nur auf 24 Fouls kam.

Anzeigetafel mit dem Endstand von 0:3
Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag / Poolfoto

Krösche: Der eine oder andere Fehler zuviel

Markus Krösche, Sportdirektor von RB Leipzig
RB-Sportdirektor Markus Krösche Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

RB-Sportdirektor Markus Krösche meinte zu den 90 Minuten: "Paris hat heute ein sehr gutes Spiel gemacht und die Torchancen genutzt hat. Wir haben den einen oder anderen Fehler zu viel gemacht, aber wir können grundsätzlich zufrieden sein mit der Champions League dieses Jahr. Wir können sehr stolz sein auf die Mannschaft. Heute war Paris einfach besser als wir. Wir haben nicht so richtig den Zugriff bekommen. Paris war unwahrscheinlich variabel und fußballerisch sehr gut. Das ist ein Entwicklungsprozess. Daraus müssen wir was mitnehmen und lernen."

Freude bei Mateschitz über Halbfinaleinzug

Red Bull Boss Dietrich Mateschitz nahm auf der Tribüne Platz. Rechts; Freundin Marion Feichtner.
Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Geschäftsführer Oliver Mintzlaff berichtete bei "sky" von einem Kontakt mit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz: "Nach dem Atletico-Spiel haben wir telefoniert. Er hat sich riesig für die Mannschaft und unseren Klub gefreut. Er sitzt heute sicherlich auch vor dem Fernseher und drückt uns die Daumen und hofft, dass wir das Unfassbare schaffen - nämlich dann ins Finale einzuziehen." Für den ganz großen Coup reichte es dann aber noch nicht.

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dpa/cke

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. August 2020 | 19:30 Uhr

13 Kommentare

Quentin aus Mondragies vor 9 Wochen

Lieber schönen Fußball mit geschenkten Geld ansehen dazu noch schöne Städte besuchen als sich in Foren über den auch so ungerechten Profifußball aufregen. Lyon, London, Glasgow, Lissabon einfach tolle Städte mit fußballverückten Zuschauern. Auch ohne Fußball jederzeit eine Reise wert. Vielen, Vielen Dank RB. Immer schön weiter Geld investieren.

wicky 67 uncut vor 9 Wochen

Und genau das ist das, was mich immer bei den meisten RB-Foristen so dermaßen ank***t!!
Geht's denn bitteschön auch einmal ohne arrogante Anspielungen gegenüber kleinen Vereinen, welche eben nicht so viel Glück mit einem größeren Sponsor oder Investor hatten??? Und erkläre mir hier und jetzt einmal, was für einen superlativen Anteil Du denn schon an dem wirtschaftlichen und sportlichen Erfolg von RB Leipzig hattest???... Aber spar Dir lieber Deine Antwort auf meine Frage!.. Denn diese kann ich mir nämlich schon sehr gut auch ohne Deine zum Himmel schreiende Vermessenheit bestens selbst beantworten "Prinz heRBert"!.. Solange wie solche stets nur abwertende Typen wie Du, Vereine die gerade zu Corona-Zeiten um die eigene Existenz zu kämpfen haben auslachst, schadest Du dem Ruf von RB Leipzig mehr, als das Du diese Roten Bullen mit Deinen hirnrissigen Beiträgen symphatischer machst!!! Denk mal über meine Worte nach Du geistiges Superhirn.. Ihr wollt toleriert werden, dann tue was dafür!!!

heRBert vor 9 Wochen

Lok ist doch eine traditionsbewusste Mannschaft. Die haben sich mit allen Mitteln gegen den Aufstieg gewehrt, damit das Traditionsduell gegen Chemie weiterhin stattfindet. Bravo.