Fußball | Nationalmannschaft DFB-Direktor Oliver Bierhoff zum Fußball-Osten: "Bin nicht so der Fachmann"

Die Entwicklung von RB Leipzig sei wirklich toll. Was bei Hansa Rostock und Dynamo Dresden aktuell falsch läuft, könne er nicht sagen. Er sei im Ostfußball nicht so der Fachmann, sagt DFB-Direktor Oliver Bierhoff. MDR-Experte Lutz Lindemann rät dem starken DFB-Mann, zuständig übrigens für den Fußball in Gesamtdeutschland, zu einer längeren Ostreise.

Der Deutsche Fußball-Bund steht, wie es der Name schon sagt, für den gesamtdeutschen Fußball. Doch der Osten scheint zumindest bei DFB-Direktor Oliver Bierhoff, vorsichtig formuliert, nicht im Fokus zu stehen. Anders sind seine Äußerungen auf der Pressekonferenz im Vorfeld des Leipziger Länderspieles gegen Tschechien (11.11.2020) kaum zu erklären. Er sei, was den ostdeutschen Fußball betrifft, "nicht der absolute Fachmann".

Erzgebirge Aue und Union Berlin unterschlagen

Lutz Lindemann
Lutz Lindemann Bildrechte: imago images / Picture Point

Toll sei, was bei RB Leipzig erreicht wurde. Warum es aber bei Hansa Rostock und Dynamo Dresden nicht so recht laufen will, könne er jetzt auch nicht sagen. "Im Detail weiß ich nicht, was da bei jedem Verein verkehrt gelaufen ist", so Bierhoff. Dabei unterschlug er nicht nur die sensationelle Entwicklung beim Bundesliga-Vierten Union Berlin, sondern vergaß auch Zweitligist FC Erzgebirge Aue und die vielen anderen Traditionsvereine aus Leipzig, Magdeburg, Halle, Jena, Zwickau und Chemnitz. Ein Zufall? MDR-Experte Lutz Lindemann glaubt das nicht so recht. Seine Empfehlung: "Ich habe Oliver Bierhoff zwei Jahre in keinem ostdeutschen Stadion gesehen. Ich finde, er sollte mal eine längere Rundreise durch den Osten machen, sich in die Stadien setzen und vor Ort mit Verantwortlichen unterhalten. Vielleicht bekommt er dann eine Ahnung davon, was hier falsch gelaufen ist."

"DFB bleibt lieber unter sich"

Ob der DFB-Direktor diesen Wunsch erhören wird? Wohl eher nicht. Ist es Arroganz? Ein Problem des DFB ist laut Lindemann auch, dass man sich viel mit sich selbst beschäftigt und auch gern unter sich bleibt. Und die Ostkompetenz auch auf Trainerebene lieber außen vor lässt. Alle Trainer der DFB-Nachwuchsnationalmannschaften haben eine westdeutsche Biografie. "Es hat sich nichts geändert in 30 Jahren, die jungen ostdeutschen Talente werden weiterhin mit 12-13 Jahren in den Westen geholt. Zudem fehlt es im Osten an großen Geldgebern", erklärt Lindemann Tatsachen, die eigentlich jeder halbwegs Interessierte wissen müsste.

Hermann Winkler, Boss des sächsischen Fußballverbandes, ärgert diese Ignoranz: “Es ist bedauerlich, dass 30 Jahre nach der Deutschen Einheit bei den Verantwortlichen des DFB so wenig Kenntnis über die Situation im eigenen Land vorhanden ist. Wenn die Analyse der Ist-Situation so schwach ist, hilft auch keine noch so teure Akademie. Ich lade Oliver Bierhoff herzlich ein, bei einer Tour durch das Sportland Sachsen und ganz Ostdeutschland, den traditionsreichen Fußball kennen zu lernen."

Dass es mit dem Image des DFB und der Nationalmannschaft nicht sonderlich gut bestellt ist, weiß auch Oliver Bierhoff. Mit seinen Äußerungen zum Fußball-Osten sorgt der DFB-Direktor aber nur für noch mehr Kopfschütteln. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung.

Oliver Bierhoff
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rei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 11. November 2020 | 17:45 Uhr

81 Kommentare

Gohrisch vor 2 Wochen

Wie überall ist die Ignoranz der westdeutschen Eliten ein Grundübel unserer Demokratie in diesen Tagen. Juristen mit westdeutscher Biografie bestimmen die Rechtssprechung in den neuen Bundesländern, ostdeutsche Staatskanzleien sind von Westdeutschen dominiert. Aber wir sind schon vor 30 Jahren gegen Missstände auf die Straße gegangen.....

AufmerksamerBeobachter vor 2 Wochen

Ich habe mir das kurze Interview mal angesehen.. *schulterzuck*. Er versucht immerhin nicht mal, so zu tun, als wäre er da kompetent. Ob man das nun gut oder schlecht finden sollte? Der DFB sollte zumindest über die vielen NLZ Bescheid wissen.... aber sonst? Ich sehe keinen Bundesligafußball und weiß zB auch nicht, wer in Gladbach oder Bremen Trainer ist oder wer dort spielt.

Chemieschwein vor 2 Wochen

So ist das.. Seit 1990 den Ostdeutschen Fußball mit System elemeniert, zum Vorteil der "großen" Bundesligalubs , die ganzen Talente in die Bundesliga geholt und den Rest der Junioren so nach nach auch noch und zum Gipfel der Genüsse RB als "Ostverein" gegen die die eigenen Statuten mit viel Kohle etabliert.. Bis auf Aue und Union dümpeln alle großen Vereine der EX DDR in Liga 3 / 4 / 5 herum, außer deren Nachwuchstalenten, die man regelmäßig mit aggressiven Scouting von den Vereinen wegholt, ansonsten ist das ganze für diesen korru**ten DFL / DFB vollkommen uninteressant geworden, mit solchen Aussagen, wie es dieser Bierhoff tätigt wird das ganze nur bestätigt. Der NOFV kann doch tun was er will,den nimmt niemand in Millionärsetagen ernst, da kann Winkler ningeln wie er will, es interessiert keinen da drüben, was die Ostprovinz macht..