Fußball | Champions League RB Leipzig: "Knackig vorgestellt auf dieser Party"

Achtelfinale

RB Leipzig hat mit der Art und Weise des Sieges bei Tottenham Hotspur Eindruck hinterlassen - nicht zuletzt auch bei der deutschen und englischen Presse. Wir haben Stimmen aus anderen Redaktionen gesammelt. Unter anderem im Fokus: Timo Werner, Ethan Ampadu und die Gästefans.

Leipziger Jubel nach Spielschluss
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Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Ein 'Special One' war dieses Spiel"

"Ein "Special One" war dieses Spiel bei Tottenham Hotspur für ganz RB Leipzig, das erste K.-o.-Duell in der Königsklasse überhaupt. Und wenn man den Bogen etwas weiter spannte, über die große Leipziger Fußballtradition einerseits und den Niedergang des Fußball-Ostens andererseits, dann steckte noch ein bisschen mehr in diesem Achtelfinal-Hinspiel. Und die Leipziger zeigten sich dem Anlass in jeder Hinsicht gewachsen."

Tor für RB Leipzig, Timo Werner (11, RB Leipzig) trifft per Foulelmeter zum 0:1.
Timo Werner verwandelt den Elfmeter zum 1:0 für RB Leipzig. Bildrechte: PICTURE POINT/Roger Petzsche

Süddeutsche Zeitung: "In die heiligsten Hallen vorgedrungen"

"Der junge Fußballklub RB Leipzig hat von dieser Art Knigge aber womöglich noch nie etwas gehört, jedenfalls hat er sich ziemlich knackig vorgestellt auf dieser Party, auf die er zum allerersten Mal eingeladen war. Zum ersten Mal war RB Leipzig in die heiligsten Hallen der Champions League vorgedrungen, die Leipziger durften in der K.o.-Runde mit den Besten feiern, und es dauerte nicht mal anderthalb Minuten, bis sogar der berühmte Partygast José Mourinho merkte, dass die Neuen da waren."

Der Spiegel: "Werner bemüht und quirlig"

"Gegen Tottenham war Werner bemüht und quirlig, bereits nach zwei Minuten hatte er eine Großchance, traf aber aus zwei Metern nur den Torwart. So war es auch kurz vor der Halbzeit, als er über links frei zum Schuss kam. Wenn Leipzig nach vorne spielte, dann hatte Werner meist seine Füße im Spiel [...] Als Werner dann auch noch an einer Hereingabe knapp vorbeirutschte und erneut ein Schussversuch in der zweiten Hälfte abgeblockt wurde, hätte wohl so mancher Verständnis gehabt, wäre Werner langsam verzweifelt. Aber der Angreifer blieb konzentriert – und war dann zur Stelle, als sich per Elfmeter die Chance auf die Führung ergab."

Zwei Fußballspieler kämpfen um den Ball.
Ethan Ampadu (li.) bekam viel Lob für seinen starken Auftritt. Bildrechte: imago images/Sportimage

Der Kicker: Ampadu "keinesfalls" eine Notlösung

"Zumindest haben die Leipziger wieder defensive Stabilität erreicht. Nach dem 0:0 beim FC Bayern und dem 3:0 gegen Werder blieb RB zum dritten Mal in Folge in einem Pflichtspiel ohne Gegentor was eine Premiere in der noch jungen Amtszeit von Julian Nagelsmann darstellt [...] Dies ist insofern bemerkenswert, da gerade die Defensive im Vorfeld ob der Ausfälle von Dayot Upamecano, Ibrahima Konaté und Willi Orban das große Gesprächsthema war. Doch der von Nagelsmann ins kalte Wasser geworfene Ethan Ampadu entpuppte sich keinesfalls als Notlösung, sondern absolvierte seinen Part als Mittelmann der Dreierreihe zur vollsten Zufriedenheit den Kollegen."

RB Leipzig Fans feiern Ihre Mannschaft nach dem Spiel
Die RBL-Spieler lassen sich nach Abpfiff von den mitgereisten Fans bejubeln. Bildrechte: imago images/PRiME Media Images

The Guardian: "It was the fans that were the most puzzling part"

"It was the fans that were the most puzzling part. Thousands of them, packed into the north-east corner of the ground, all immaculately bedecked in Leipzig white and red, all loud and fierce and partisan, all of them singing about a club that barely even existed a decade ago. What had so hastily stoked their passion? At what point in their effortless rise through the divisions had these previously unattached men and women decided to commit to this strange new project, essentially hitching their identity to a can of energy drink?"

(Übersetzung: Es waren die Fans, die am rätselhaftesten waren. Tausende von ihnen, in die nordöstliche Ecke des Stadions gepackt, alle tadellos in Leipziger Weiß und Rot geschmückt, alle laut und wild und parteiisch, alle über einen Klub singend, den es vor einem Jahrzehnt gerade erst gegeben hat. Was hat ihre Leidenschaft so heftig angeheizt? Zu welchem Zeitpunkt innerhalb ihres mühelosen Aufstiegs durch die Ligen haben sich diese zuvor nicht gekannten Männer und Frauen dazu entschlossen, sich diesem sonderbaren neuen Projekt zu verpflichten, ihre Identität im Wesentlichen an eine Dose Energy-Drink zu binden?)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 20. Februar 2020 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 12:30 Uhr

15 Kommentare

Voice vor 5 Wochen

Wir nähern uns innerhalb der Diskussion an. Das finde ich gut.

Ihre aufgeworfene Frage ist interessant. Wer bestimmt, was guter Fußball ist? Es ging dabei um "gut" im Sinne von "erfolgreich". Und erfolgreich ist RB, das kann niemand bestreiten. Und bevor jetzt wieder der Begriff "Erfolgfan" aufkommt - mitnichten. Ich würde RB auch die Treue halten, wenn sie weniger erfolgreich wären. Das sie das aktuell nicht sind, dafür kann ich ja nichts. Ich bin überdies Mitglied bei Chemie und auch bei RWE(seit vielen Jahrzehnten), die ja momentan leider vom Spielbetrieb abgemeldet sind. Bei RB bekomme ich erfolgreichen Bundesligafußball, bei Chemie traditionelle Fußballromantik mit Bratwurschtqualm und Schalmeienklängn im Fanblock. Alles toll - und nichts, was einander ausschließen muss.
Sie sehen, Toleranz ist ein wichtiger Faktor im Leben.

Beste Grüße aus der Messestadt!!

Okonjima vor 5 Wochen

Wer legt denn fest was guter oder
schlechter Fussball ist!?
Die pausenlos wiederkehrende missionarische moralische Floskel
nervt ebenso wie die Behauptung
RB ist der beliebteste Verein im
Sendegebiet, weil ja soviele Zuschauer bei Bundesligaspielen
anwesend waren.
Bescheidenheit war mir immer näher
als Überheblichkeit. Daher gönne ich
solchen Erfolgsherden wie RB, Bayern, Chelsea, ManCity, PSG & & &
nicht das schwarze unterm Fingernagel.
Morgen gibt's eventuell wieder guten
Fussball in der Oberliga. Oder ist das
schlechter Fussball, weil sich das einige Ligen unter der Bundesliga
abspielt?

Voice vor 5 Wochen

Was Sie dabei übersehen, ist, dass das kein RB-spezifisches Phänomen ist. Oder posten Sie das auch zu anderen Bundesligaklubs, die stellenweise sogar börsennotiert sind, was die Kapitalusierung auf die Spitze treibt? Es geht im Profisport generell und ausschließlich darum, die beste Werbefläche für ein Produkt zu ergattern. Sportliche Ergebnisse sind IMMER sekundär.

Beste Grüße aus der Messestadt!!