Leipzig nach Tor zum 1:0 durch Matheus Cunha (Leipzig, 20) jubelt über das Tor.
Bildrechte: imago/Jan Huebner

Fußball | Europa League Playoffs Rückspiel "Mentalität", Eier und Drama im halbleeren Stadion

Rückspiel Europa League Playoffs

Das Playoff-Rückspiel um den Einzug in die Europa League zwischen RB Leipzig und Sorja Luhansk hatte es in sich. Die bis zum Schluss spannende Partie bot fünf Tore, frenetischen Jubel der Erleichterung – und eine magere Kulisse.

von Sven Kups

Leipzig nach Tor zum 1:0 durch Matheus Cunha (Leipzig, 20) jubelt über das Tor.
Bildrechte: imago/Jan Huebner

Rätselraten. RB Leipzig hat am Donnerstagabend den Einzug in die Europa League perfekt gemacht, dabei ein waschechtes Drama inklusive fünf Toren und erlösendem Schlussjubel abgeliefert – und das Stadion war nur halbvoll. Genau genommen nicht mal das: 17.644 Zuschauer sorgten zwar für ausgesprochen gute Stimmung in der RB-Arena, visuell war die Kulisse jedoch ein Desaster. Angesichts der Bühne (europäisch), der Uhrzeit (Anpfiff 18:30 Uhr), der Preise (Tickets ab 10 Euro) und der Konstellation (torloses Spiel ausgeschlossen) ist das einfach nicht zu erklären.

Erleichterte Gesichter

Mit Erklärungen, warum gegen einen schwächeren Gegner mal wieder so gezittert werden musste, taten sich nach den insgesamt 98 nervenaufreibenden Minuten auch die Leipziger Spieler schwer. Selten sah man sie nach einem Schlusspfiff derart abgekämpft und erleichtert wie nach diesem Rückspiel gegen Luhansk. Vor den Journalisten betonten sie – wer will es ihnen verdenken – lieber die positiven Aspekte. Der wichtigste war offenbar die Einstellung. Beziehungsweise die Mentalität, die am Donnerstag das meistgenannte Wort war.

"Wir haben heute Mentalität gezeigt" formulierten es "Rotations-Kapitän" Willi Orban und Emil Forsberg unisono, für Kevin Kampl war das "von der Mentalitätsleistung heute top", und Trainer Ralf Rangnick sah die Mentalität als Schlüssel zum Spiel. Das klingt beinahe abgesprochen, ist allerdings absolut richtig: Die Einstellung hat gestimmt. RB ließ sich weder von den eigenen Patzern noch von den Gegentoren unterkriegen, war immer willig und bereit, das Glück mit aller Macht zu erzwingen. Was dann auch gelang. Dank Emil Forsberg.

Ein selbstsicherer Matchwinner

Der spät eingewechselte Schwede war es, der in der 90. Minute am Elfmeterpunkt Nervenstärke bewies und mit seinem Treffer den 3:2-Sieg sicherstellte. "Er hat heute Eier gezeigt", formulierte es Willi Orban in Kahn‘scher Manier. Forsberg selbst sah die Sache recht simpel. "Ich wusste, dass ich den reinmache", erklärte er hinterher. Derart überzeugt waren nicht alle Teamkollegen und Fans, was man an deren Torjubel irgendwie auch sehen und hören konnte. Nicht zuletzt auch an der Feier in der Mannschaftskabine.

Die Leipziger hatten sich das Spiel aber auch selbst schwer gemacht. Patzer und Stockfehler sind ärgerlich und können in jedem Spiel passieren. Die Abstimmungsprobleme in der Abwehr jedoch sind schwerer zu akzeptieren. Schließlich war das bereits Leipzigs siebtes Pflichtspiel in der noch so jungen Saison. Da sollte das Team schon etwas weiter sein. Hinzu kam ein alt bekanntes Problem in der Offensive: fehlende Effizienz. 30:9 Torschüsse wies die Statistik hinterher auf. Aber gut, ohne diese fatale Quote wäre RB Leipzigs Playoff-Rückspiel bei weitem nicht so spannend und unterhaltsam gewesen. Und wer sich das als RB-Fan nicht im Stadion anschauen wollte, ist selbst schuld.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 30. August 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2018, 11:38 Uhr

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19 Kommentare

01.09.2018 16:29 Benachteiligter Jammerossi 19

Also ich finde es gut , 3fach Belastung, da kann der Professor mal zeigen, was er drauf hat.
Wäre im Stadion gewesen, wenn ich nicht hätte wackeln müssen. Der Preis stimmte , Kohle für Sky und DAZN hab ich nicht.

01.09.2018 15:31 Voice 18

@ toni
In erster Linie haben wir unsere Existenz mal unseren Eltern zu verdanken. Genau wie Sie auch.

Merken Sie s? Keiner von uns ist besser oder schlechter, auch wenn Menschen wie Sie das gerne hätten.

Dass unsere Sympathie unterschiedlichen Vereinen gilt, macht auch keinen von uns besser als den Anderen.

Toleranz bedeutet, etwas nicht zu mögen, aber es dennoch auszuhalten.
Das scheint Ihnen enorm schwer zu fallen?
Denken Sie mal drüber nach!

Beste Grüße aus der Messestadt!

01.09.2018 11:41 Ingo 17

@toni - Ja und was soll Ihr Kommentar uns sagen? ER ist sehr sinnfrei. Natürlich hat RB einen Hauptsponsor und der macht das richtig gut. Der will natürlich auch Leistung sehen, was übrigens alle Sponsoren erwarten. Und Ihre Sprüche - Geld schießt keine Tore - kann getrost auch geändert werden in - Tradition schießt keine Tore. Merken Sie was? Es kommt immer auf den Betrachter an, Zukunft oder ewig Gestrige. Schönes WE.

01.09.2018 10:17 toni 16

Für die RB-Konsumenten); "Geld schießt keine Tore?". Ein Witz; ihr habt eure Existenz ausschlielich dem Konzern Red Bull zu verdanken.

31.08.2018 21:58 Quentin aus Mondragies 15

Ja, ist schade, dass eine gewisse Übersättigung scheinbar eingetreten ist. Allerdings haben die 17.000 ordentlich Alarm gemacht. Mir ist es Recht; nicht zu lange Schlangen beim Bierholen.

31.08.2018 15:49 Frieda Horstmannskötter 14

Dieser Artikel strotzt vor Unsachlichkeiten und ist eine üble Luntenlegerei für all die dumpfbäckigen Dummköpfe in den Traditionsreihen der Ewiggestrigen!
Sie sind ein Brandstifter, Herr Kubs!

31.08.2018 13:36 Ingo 13

Weshalb wollen wir immer die Fliege in der Suppe suchen? Ja und - Stadion halb voll. Was sagt das schon?! Wichtig, dass RB es geschafft hat - und wir werden sehen, es kommen wieder mehr Zuschauer. @toni Ihr Vergleich - Rostock, Magdeburg suggeriert Stadion voll, zeigt doch, dass dort lange bereits kein internationaler Fußball gespielt wurde und dass man endlich mal wieder sich internationales Flair für das eigene Ego braucht. Aber glauben Sie, da werden die Fans in beiden Orten noch lange warten müssen.

31.08.2018 13:11 Flachpass 12

Klar, Mensch. Mitten in der Woche und gegen einen so bekannten Gegner wie Lugansk. In der Europa League, der Wettbewerbsmissgeburt, die nun zu Recht als eine Dschungelcamp des Fußballs gilt. Das interessiert keine Sau. Aber klar, die Arenen auf Schalke, in München und Dortmund wären bestimmt aus allen Nähten geplatzt. Nur in Leipzig klappt das nicht.

31.08.2018 13:05 heRBert 11

RBL hat es wieder geschafft, europäisch zu spielen. Es war nicht leicht, denn wir haben bei der WM gelernt, das es keine Kleinen mehr gibt. Bin gespannt auf die Auslosung.
@7 Es ist doch ganz einfach für Magdeburg, Dresden oder Rostock. Besseren Fußball spielen, dann klappts auch mit der Euroleague. Es ist schon ein Armutszeugnis, wenn diese "großen" Vereine im Niemandsland herumdümpeln und ihre tollen Fans enttäuschen.

31.08.2018 12:37 Bernd 10

@7 ich sehe sie stehen in der 'guten' deutschen Tradition. Damals wurden welche als Ratten bezeichnet sie kommen mio Konsumenten. Wer konsumiert da was? Es waren Leute da die sich fuer Sport interessieren und dabei nicht mit solchen intolleranten wie ihnen im Block stehen wollen.