Fußball | Sachsenpokal Chemie Leipzig fordert mehr Finaltickets vom Chemnitzer FC

Vor dem Finale um den Sachsenpokal zwischen dem Chemnitzer FC und der BSG Chemie Leipzig ist ein Streit um die Anzahl der Gästefans entbrannt. Chemie fordert mehr Tickets für die Partie im Stadion an der Gellertstraße und hat am Donnerstag (05.05.2022) eine entsprechende Mitteilung veröffentlicht. Der CFC lehnt eine deutliche Erhöhung aber ab und begründet das mit Sicherheitsaspekten.

Fans der BSG Chemie Leipzig beim Chemnitzer FC
Fans der BSG Chemie Leipzig beim Chemnitzer FC Bildrechte: imago images/HärtelPRESS

Am 21. Mai duellieren sich der Chemnitzer FC und die BSG Chemie Leipzig um den Sachsenpokal und den damit verbundenen Einzug in den DFB-Pokal. Vor dem Fußballfest am "Finaltag der Amateure" hat sich zwischen beiden Klubs aber ein Disput über die Anzahl an Gästetickets entsponnen.

BSG Chemie will 3.000 Tickets

Worum geht es? In den Beratungen zwischen dem CFC und der BSG wurde ein Kontingent von 1.800 Karten für die Anhänger der Grün-Weißen festgelegt. Das sorgt aber in Leipzig-Leutzsch für Unverständnis, gehen die Verantwortlichen doch von einer viel höheren Nachfrage aus. Die Chemiker rufen "3.000 Gästetickets als gerade noch so denkbares Minimum" auf.

Nun ist es so, dass das Endspiel im Sachsenpokal nicht an einem neutralen Ort mit einer paritätischen Verteilung der Karten stattfindet, sondern der Gastgeber im Vorfeld ausgelost wird. Also hat der Chemnitzer FC ein Heimspiel in diesem Finale, die Leipziger sind eben die Gäste. Allerdings besagt die Pokal-Spielbetriebsordnung des Sächsischen Fußballverbandes (SFV) (Absatz 1.6.2), dass Eintrittskarten für den Gastverein je nach Kapazität und baulichen Gegebenheiten für den Gastverein bis zwei Wochen vor dem offiziellen Spieltermin eine angemessene Anzahl von Sitzplatzkarten und Stehplatzkarten zu reservieren sind.

"Wir haben bereits auf 1.800 aufstockt, weil die Nachfrage aus Leipzig groß ist", erklärt CFC-Pressesprecher Christoph Antal auf Anfrage von "Sport im Osten". Es gebe aber die Möglichkeit, das Kontingent um weitere 400 Karten aufzustocken. Dies sei so mit Chemie Leipzig abgesprochen.

Komplette Öffnung der Tribüne für BSG-Fans nicht möglich

In Chemnitz kalkuliert man für das Finale mit etwa 10.000 Zuschauern. Das würde bedeuten, dass 5.000 Plätze frei blieben. Dort setzt die BSG in ihren Verhandlungen an, da "tausenden Fans die Möglichkeit genommen würde, bei diesem Highlight nach langer Corona-Durststrecke dabei zu sein." Ein Vorschlag ist, eine komplette Seite für die BSG zu öffen, weil "die baulichen Gegebenheiten mit der großen Hintertortribüne auch viele Gästefans zulassen würden", wie BSG-Vorstandsvorsitzender Frank Kühne erklärt. 

Diesem Vorschlag aber widerspricht Antal: "Stadionbautechnisch und sicherheitstechnisch ist es uns nicht möglich, der BSG drei oder vier Tausend Tickets zu geben." Der eigentliche Gästeblock auf der Nordtribüne verfüge über einen eigenen Eingang. Um auf den Rest der Tribüne zu gelangen, müsste auch ein Zugang im Heimbereich geöffnet werden. Das wiederum wäre mit einem erhöhten Sicherheits- und Polizeiaufgebot sowie damit verbundenen Kosten verbunden. All dies wäre in den Verhandlungen klar kommuniziert worden, so Antal. Auch könne es vorkommen, dass mehr CFC-Fans als erwartet das Spiel sehen wollen, diese könnten dann möglicherweise keine Karten mehr bekommen, wenn zu viele an Chemie gingen, argumentieren die Chemnitzer weiter: "Wenn 15.000 Zuschauer kommen wollen, dann kommen die auch rein."

CFC befürchtet kein akustisches Übergewicht der BSG

In ihrer Stellungnahme nennen die Leipziger einen aus ihrer Sicht möglichen Grund für das geringe Kontingent: Der CFC habe Angst, die singgewaltigen Chemie-Fans könnten die Stimmung dominieren, sodass "der Chemnitzer FC – angesichts der akustischen Verhältnisse bei 'nur' 800 Chemie-Fans im Regionalligaspiel im Februar – zu allem bereit ist, um nicht noch einmal den eigenen Heimvorteil preiszugeben", wie es in der Vereinsmitteilung heißt.

"Wir haben keine Angst, unser Heimspielrecht zu verlieren", widerspricht Antal, der auch noch einmal auf die Situation beim Ligaspiel verweist. Da seien unter Corona-Bedingungen 800 Gäste-Fans zugelassen, diese hätten aber keine Abstände eingehalten und zudem die Sanitäreinrichtungen zerstört. "Auch deswegen haben wir gesagt, dass wir es nicht gewährleisten können, dort entspannt 4.000 Gästefans auf die Tribüne zu stellen. Das ist kein böser Wille des Chemnitzer FC. Es ist sicherheitstechnisch nicht möglich." Auch Polizei und Sicherheitsexperten hätten ihre Bedenken geäußert.

Jubel 3 min
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Vermischung der Fanszenen nicht komplett zu verhindern

Ein weiteres Argument der BSG ist eine mögliche Vermischung von Heim- und Gästefans, da sich die benachteiligten BSG-Anhänger mit Tickets für den Heimbereich ausstatten könnten. "Bei aller sportlichen Brisanz, wünschen wir uns ein friedliches Fußballfest. Das erfordert ein hohes Maß an Kommunikation, Abstimmung und Austausch im gesamten Netzwerk. Eine geordnete Fantrennung bei nur 1.800 Tickets für die Chemie-Fans ist ein frommer Wunsch", so Ronny Leitzke, der Sicherheitsbeauftrage der Leutzscher.

Um das zu vermeiden, will der CFC im Onlineshop keine Heimkarten an Besteller mit einer Leipziger Postleitzahl verkaufen. Völlig zu verhindern sei es aber nicht. "Dass Fußballfans ins Stadion kommen, wenn sie wollen, haben wir ja zuletzt erst in Barcelona eindrucksvoll gesehen", so Antal. Das könne man nicht beeinflussen.

Bei der BSG hofft man dennoch auf weitere Verhandlungen und Gespräche: "Wir haben hier die Chance, gemeinsam ein Zeichen im Sinne des sächsischen und ostdeutschen Fußballs überhaupt zu setzen. Die sollten wir nutzen. Wir sind jederzeit gesprächsbereit", so Kühne.

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Der Weg vom Chemnitz FC ins Finale
Runde Gegner Ergebnis
2. Runde FC Grimma (A) 1:9
3. Runde SV Liebertwolkwitz (A) 0:7
Achtelfinale SV Panitzsch/Borsdorf (A) 0:3
Viertelfinale Bischofswerdaer FV (A) 1:3
Halbfinale Motor Wilsdruff (A) 0:2
Tor für Chemnitz 1 min
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Der Weg der BSG Chemie Leipzig ins Finale
Runde Gegner Ergebnis
2. Runde FC Blau-Weiß Leipzig (H) 4:0
3. Runde Fortuna Chemnitz (A) 0:5
Achtelfinale Dresdner SC (H) 6:0
Viertelfinale Budissa Bautzen 0:2
Halbfinale FSV Zwickau (H) 5:4 n.E.
jubelnde Spieler von Chemie Leipzig 2 min
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 08. Mai 2022 | 16:00 Uhr

49 Kommentare

cherry1966 vor 7 Wochen

Das heutige Derby hat wohl deutlich gezeigt, dass Sicherheitsbedenken nicht ganz unbegründet sind! Die Chemie-Fans sind eben nicht nur singgewaltig, sondern auch gewaltbereit. Hätten sie sich in der jüngsten Vergangenheit friedlich gezeigt, wäre eine strikte geordnete Fantrennung gar nicht notwendig. So ehrlich sollte Ronny Leitzke, der Sicherheitsbeauftrage der Leutzscher schon sein.

GEWY vor 7 Wochen

Klar nur gegen Dörfer und das hat sogar 11x für den Sachsenpokal gereicht. Sie sollten sich schämen solchen Quark zu erfinden. Aber aufgefallen ist Ihnen nicht, dass der CFC teilweise auf die zustehenden Einnahmen zugunsten der Amateure verzichtet hat. Dafür könnt ihr dann beim Pokalendspiel wieder die Toilettenanlegen zerstören. Ich schaue gerade Chemie gegen Lok und denke mit Grauen daran was da für Publikum am 21.5.22 kommt. Da kann man gern auf den Heimvorteil verzichten.

rheumakay vor 7 Wochen

Unglaublich. Dem Vandalismus das Wort reden und die Eigentümer für die Zerstörungen verantwortlich machen. Zerstört von Leuten, die die Basics des menschlichen Miteinanders nicht beherrschen.
Vorschlag: Sowie vor als auch nach einem Spiel inspizieren die Vertreter beider Vereine die Sanitärräume. Reparatur- und Reinigungskosten trägt der Gastverein.