Fußball | Sachsenpokal Lok Leipzigs Pokal-Held Djamal Ziane träumt vom FC Bayern

Knapp zwei Tagen nach dem Sachsenpokalsieg von Lok Leipzig hat Siegtorschütze Djamal Ziane das Geschehene noch nicht richtig verarbeitet. Er empfindet aber große Genugtuung nach dem verpassten Drittligaaufstieg und hat den Glauben in den Fußballgott zurück. Im DFB-Pokal hofft er auf das ganz große Los. Davor geht es aber erst einmal in Urlaub - für ihn eine Überwindung.

Lok Leipzig spielt in der kommenden Saison erstmals seit seiner Neugründung 2003 im DFB-Pokal. Möglich macht dies der 1:0-Erfolg im Finale des Sachsenpokals gegen den Chemnitzer FC. In bester Drehbuch-Manier war es ausgerechnet Lok-Urgestein Djamal Ziane, der völlig ausgepumpt nach einem Freistoß den Ball ins Tor drosch und dann in einer Jubeltraube verschwand.

Knapp 48 Stunden nach diesem historischen Ereignis für die Blau-Gelben strahlt der Pokalheld selbstredend noch immer über beide Ohren. "Ich bin noch ein bisschen angeknockt. Früher war man zwei Tage feiern, heute hängt eine Partynacht gleich drei Tage nach", erklärt Ziane lächelnd am Montag im "SpiO"-Talk. Alle Spieler hätten auf dem Platz und auch danach beim Feiern alles gegeben.

Erfolg noch nicht im Kopf angekommen

Was da genau passiert ist am Samstag, ist aber noch nicht vollständig angekommen. "Ich kann es immer noch nicht realisieren, das wird bestimmt auch noch ein paar Wochen dauern. Das ist ein großer Tag für mich und den Verein. Für einen Amateurverein ist es mit das Größte, was man erreichen kann", ordnet der 29-Jährige das Geschehen ein.

Das Tor selbst war einfach nur purer Wille und das Zusammenkratzen der letzten Kraftreserven: "Ich konnte keinen Schritt mehr geben und habe in den Schuss noch einmal alles reingelegt." Dass ihm das Tor gegen den aus seiner Sicht besten Keeper der Regionalliga - der zuvor im Spiel alles weggefangen und entschärft hatte - gelungen ist, mache ihn überglücklich.

Größter Moment in Zianes Fußballerleben

Im Vergleich mit den anderen Erfolgen, die er seit seinem Wechsel von Cottbus nach Probstheida im Sommer 2014 erreicht hat, sticht das am Samstag Geschehene deutlich raus, findet Ziane. "Der Aufstieg in die Regionalliga war absehbar. Aber dieses Tor mit dem Gesamtpaket und allem, was davor passiert ist - das ist der größte Moment meiner Laufbahn." Im Vorfeld hatte der Stürmer immer wieder betont, dass er zwei große Ziele mit dem FCL habe: im DFB-Pokal spielen und in die 3. Liga aufsteigen. Während das eine nun erreicht ist, wurde das andere im Vorjahr hauchdünn verpasst.

Glauben an den Fußballgott ist zurück

Vor knapp elf Monaten habe Lok nach dem verpassten Aufstieg in die 3. Liga am Boden gelegen, erklärt Ziane. 2:2 und 1:1 hieß es damals gegen den SC Verl in den Aufstiegsspielen zu 3. Liga nach der abgebrochenen Regionalliga-Saison. Wären die Remis in der umgedrehten Reihenfolge gewesen, wäre Lok hochgegangen. "Wir haben nach dem verpassten Aufstieg nicht mehr an den Fußballgott geglaubt. Deswegen habe ich mir beim Jubeln auch die Hände vor das Gesicht gehalten, weil ich es nicht glauben konnte. Und weil mir die Tränen in die Augen geschossen sind. Das war ein sehr, sehr, sehr krankes Gefühl", beschreibt er die Sekunden nach dem Treffer.

Die Möglichkeit auf einen Aufstieg in die 3. Liga in der kommenden Spielzeit schätzt Ziane verhalten ein - gerade mit Blick auf den deutlich geschrumpften Etat im Vergleich zur Meistersaison. Dennoch sei Lok nicht chancenlos: "Wir haben eine ordentliche Truppe und brauchen uns vor keinem zu verstecken. Aber es hängt auch davon ab, was die anderen Mannschaften machen. Die Konstanz wird eine große Rolle spielen." Auch eine geordnete Vorbereitung sei wichtig. Das habe im Vorjahr gefehlt, weshalb das Team nicht so schnell zueinander gefunden hatte.

Djamal Ziane (13, Lok leipzig) küsst den Sachsenpokal
Djamal Ziane mit dem Sachsenpokal Bildrechte: IMAGO / Picture Point

Jetzt in den Urlaub - dann die Bayern?

Bis zur neuen Saison ist es aber noch ein Stückchen - wie geht es also weiter? "Wir hätten gerne als Mannschaft noch einen draufgemacht", so Ziane, doch die aktuelle Situation mache einen Diskobesuch nicht möglich. Am Dienstag geht es für zehn Tage in den Urlaub in die Dominikanische Republik", sagt Ziane, für den die Anreise eine kleine Qual wird: "Ich bin nicht so der Fliegertyp. Ich scheiß mir da immer in die Hosen. Aber ich habe mich überreden lassen."

Bleibt zum Abschluss natürlich noch die Frage, wer es den werden soll im DFB-Pokal? "Europa- und weltweit ist der FC Bayern das Nonplusultra. Das wäre ein absoluter Traum. Die kennt man nur aus dem Fernsehen. Ansonsten hätte ich gerne etwas mit Tradition, wo eine ordentliche Fanbase dahinter ist. Ich hoffe, dass bis dahin wieder Zuschauer reindürfen, damit wir ein schönen Fußballfest feiern können", wünscht sich Ziane. "Aber wir nehmen, was kommt. Wir freuen uns über jeden, weil wir das Gefühl einfach noch nicht hatten. Wir können auch gar keinen Anspruch stellen, wer zu kommen hat. Wir sind froh, dabei zu sein und dass wir wieder auf dem Radar sind!"

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Tor für Lok Leipzig. Djamal Ziane (13, Lok) trifft zum 1:0 und jubelt mit den Teamkollegen. 3 min
Bildrechte: Picture Point

8 Kommentare

megaboss vor 27 Wochen

Mensch Hannchen komm mal wieder auf den Boden der Realität runter.
Frankfurt und Stuttgart auf Augenhöhe mit Lok......
Überheblich zum Quadrat
Grüße aus dem Paradies

cherry1966 vor 27 Wochen

Ich wünsche mir in der ersten Runde die SGD. Die schicken dann bestimmt wieder nur die zweite Reihe, damit sie als fairer Bundesligist gegen den "Amateurverein" den Wettbewerb nicht verzerren. Mehr Tradition geht wirklich nicht!

Thommi Tulpe vor 27 Wochen

Warum in die Ferne schweifen? Denn das "Traumlos" liegt sooooooo nah: Vizemeister RB!
Vielleicht bekommen die Bayern als Rekordsieger ein Freilos, wenn Sachsen-Anhalts Fußballverband keinen Teilnehmer meldet!? Und ob Lok die erste Runde übersteht? Sehr fraglich!
Blau-weiße Grüße von den einzig wahren "Größten der Welt", die den FC Bayern schon mal aus dem DFB-Pokal geschossen haben - als damaliger Viertligist.