Fußball | DFB-Pokal RB Leipzig - Zeit, Realitäten anzuerkennen

Die Mannschaft von RB Leipzig jubelt 3 min
Bildrechte: Picture Point / Sven Sonntag

Ich kenne ein paar Leute, die hatten am späten Samstagabend garantiert schlechte Laune. Dazu zählen die tollen Fans vom SC Freiburg. Verständlich, lieferten die Breisgauer bei ihrer DFB-Pokalfinal-Premiere doch ein tolles Spiel ab, mussten sich erst im Elfmeterschießen geschlagen geben.

Darüber hinaus aber dürfte in den nächsten Tagen auch wieder einiges zu sehen, hören oder lesen sein, dass vom Niveau her entweder wieder unter der Gürtellinie angesiedelt ist oder in der 1.497 Ausfertigung endlich mal einen Blick aufs große Ganze wagt. Kann also durchaus sein, dass der eine oder andere Fuchs mitteilen wird, es sei nun eigentlich ein österreichischer Pokalsieger oder völlig überraschend mitteilt, RB sei ein Konstrukt und hätte im deutschen Fußball nichts zu suchen.

"Liebe RB-Hasser – man muss mit Realitäten leben können"

Um auch das zum 1.497 Mal klarzustellen, jeder kann seine Meinung haben und man muss das 13 Jahre alte Retortenbaby nicht mögen. Aber liebe RB-Hasser – man muss mit Realitäten leben können. Dazu zählt, dass wir eben nicht mehr in einer Zeit leben, in der die Kumpels aus dem Revier nach zehn Stunden Maloche in der Steinkohle mit der Pferdebahn zum Training fuhren, die Trikots wechselweise von Ehefrauen und Freundinnen gewaschen und gebügelt worden und als Prämie für einen Heimsieg der ortsansässige Fleischer dem Team einen Schinken spendierte, den man brüderlich aufteilte, um die hungrigen Mäuler daheim besser stopfen zu können.

Wir befinden uns im Zeitalter des Profifußballs. Und mit Rasenballsport immer noch im Osten der Republik. Der wurde nach der Wiedervereinigung in Sachen Fußball geplündert, alles was Beine hatte, die zu mehr taugten, als zum Stolpern, wanderte in Richtung west-elbische Gebiete. Zurück blieben ein paar Leuchttürmchen, Cottbus, Rostock, Dresden, Leipzig, die ab und zu mal mitkicken durften in den echten Profiligen. In der Folge blutete der Fußball hierzulande aus – blieb das Potential auf dem Niveau von Ausbildungsvereinen und Talenteschmieden.

RB Leipzig - ein Glücksfall für die Region

Dass ein cleverer Österreicher mit den entsprechenden Mitteln dann auf die Idee kam, den schlafenden Riesen zu wecken und gleichzeitig seine eigenen kommerziellen Interessen zu bedienen, dazu alle Grenzen auslotete, dass nun ausgerechnet dieser Brausemann die Millionen nicht nur investierte, sondern klug investierte, war für den Fußball in der Region ein Glücksfall. Denn ansehnlich war das, was das Konstrukt spielte von Anfang an. Und inzwischen bringt der Dauererfolg mit sich, dass sich die Sache peu a peu auch zu amortisieren beginnt.

Ja, das Geld, das RB einnimmt, geht anderen Vereinen verloren. Wenn ich in den letzten Jahren aufgepasst habe, nennt man das Wettbewerb. Jetzt haben die Leipziger den ersten auf nationaler Ebene gewonnen. Und ihre Ambitionen kundgetan, weitere Titel folgen lassen zu wollen. In Leipzig finden sie das prima. Nicht alle, aber viele – als Beleg darf da das Pokalfinale herangezogen werden. Und es ist gut möglich, dass sich der Rest irgendwann daran gewöhnen muss.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Sportblock | 23. Mai 2022 | 07:40 Uhr