Ralf Rangnick
Bildrechte: imago images/Hübner

Fußball | DFB-Pokal Der Traum von Berlin wird wahr - Rangnicks Saison vor der Krönung

Halbfinale

Genau zehn Jahre nach der Vereinsgründung steht RB Leipzig erstmalig im DFB-Pokalfinale und kann den ersten nationalen Titel der Klubgeschichte gewinnen. Der Vater des Erfolgs? Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick.

von Marcus Teichmann

Ralf Rangnick
Bildrechte: imago images/Hübner

Er kam, sah und siegte

Wer im Sommer 2012 prognostizierte, dass RB Leipzig sieben Jahre später im DFB-Pokal-Finale stehen würde und sich zum dritten Mail in Folge für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert, den hätte man wohl für unzurechnungsfähig erklärt. Zu damaligen Zeitpunkt verpasste der Verein trotz erheblicher Investitionen zum zweiten Mal in Folge den Aufstieg aus der Regionalliga und musste Häme der gesamten Republik über sich ergehen lassen. Doch mit der Verpflichtung von Ralf Rangnick als Sportdirektor wandelte sich der Verein um 180 Grad und bekam erstmals eine klare Philosophie verpasst. Er installierte den damals noch eher unbekannten Alexander Zorniger als Trainer, welcher mit mitreißendem Offensivfußball und jungen Spielern die Mannschaft in die 2. Liga führte.

Trainer Hannes Wolf (Hamburg) und Trainer Ralf Rangnick (RB Leipzig)
Shake hands zwischen Hamburgs Trainer Hannes Wolf und RBL-Coach Ralf Rangnick. Bildrechte: Picture Point

Als das Projekt ins Stocken geriet, übernahm Rangnick kurzerhand selbst das Zepter und stieg im ersten Anlauf 2015/2016 mit RB Leipzig in die 1. Bundesliga auf. Als Nachfolger holte er Ralph Hasenhüttl, der sich in seiner Premieren-Saison für die Champions-League qualifizierte und im darauffolgenden Jahr für die Europa-League. Nachdem sich die Wege von Hasenhüttl und RB trennten, verpflichtete er mit Julian Nagelsmann für die Saison 2019/2020 den wohl vielversprechendsten deutschen Trainer, musste aber für die Zeit des Übergangs erneut auf die Trainerbank. Trotz Startschwierigkeiten entwickelte er die Mannschaft kontinuierlich weiter und führte sie ins DFB-Pokal-Finale und höchstwahrscheinlich auch erneut in die Champions League. Eine wahrliche Meisterleistung, die ihm wohl die wenigstens zugetraut hätten.

Rangnick als Game Changer

Außer vielleicht Club-Chef Oliver Mintzlaff, der nach dem Finaleinzug nur lobende Worte für seinen Cheftrainer fand: "Rangnick gehört zu den besten Trainern in Deutschland. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten ist er immer ruhig geblieben und hat das Team zusammenwachsen lassen. Dieses Mannschaftsgefühl, dass wir jetzt haben, hatten wir noch nie. Deswegen spielen wir momentan den attraktivsten und erfolgreichsten Fußball, den wir je gespielt haben. " Die immer noch sehr junge Mannschaft ist in den letzten Monaten tatsächlich reifer und erwachsener geworden, lässt sich nicht unterkriegen und verliert selten den Faden. Falls doch, steuert Rangnick immer wieder nach.

Trainer Ralf Rangnick (RB Leipzig)
Ralf Rangnick. Bildrechte: Picture Point

Bestes Beispiel war das Europa-League-Spiel 2018 gegen Celtic Glasgow, als er mit einem Notizzettel an die Spieler die taktische Grundordnung veränderte und damit den Gegner überrumpelte. Auch gegen den Hamburger SV fand Rangnick in der Halbzeitpause die richtigen Worte: „Ich habe der Mannschaft ein paare Korrekturhinweise gegeben, das wir ein paar mehr Spieler in der eigenen Hälfte brauchen und zudem das System auf Mittelfeld-Raute umgestellt“, erklärte Rangnick seinen Kniff nach der Partie. Die Anweisungen trugen unmittelbar Früchte, RB dominierte die zweite Halbzeit nach Belieben und ließ defensiv kaum etwas zu. Souverän spielten

Vier Wochen Vorbereitung aufs Finale

Ans Olympiastadion in Berlin haben die Leipziger sogar gute Erinnerungen, die drei Partien gegen die „Alte Dame“ Hertha BSC endeten immer tor- und siegreich. 4:1 in der ersten Bundesliga-Saison, 6:2 im vergangenen Jahr und in dieser Spielzeit gab es ein souveränes 3:0 in der Hauptstadt. Für die Mehrheit der Spieler ist die Final-Erfahrung am 25. Mai 2019 eine neue, für Ralf Rangnick dagegen nicht mehr.  Zweimal stand er bislang mit Schalke 04 im Endspiel. 2005 verlor er noch gegen Bayern 1:2 und holte ein Jahr später den Pokal mit einem deutlichen 5:0 über den MSV Duisburg. Nun hat er es mit seiner Mannschaft erneut nach Berlin geschafft und bereits einen Plan ausgeheckt: "Wenn wir gegen Freiburg gewinnen, ist die Champions-League-Qualifikation sicher. Dann hätten wir vier Wochen Zeit, uns aufs Finale vorzubereiten und müssen nicht bei jedem Bundesligaspiel auf den Punkteabstand schauen. Für die Spieler wäre es bis dahin eine Art Qualifying, wer im Finale zum Einsatz kommt."

Unabhängig vom Ausgang des Finales hat Rangnick die Messlatte für seinen Nachfolger Nagelsmann weit nach oben gelegt. Viel erfolgreicher kann man kaum spielen, allein in der Rückrunde gewann Rangnicks Mannschaft 13 von 16 Spielen, feierte in Hamburg den neunten Auswärtssieg in Serie und stellt nebenbei die beste Defensive der Bundesliga. Dazu kommen nun noch das DFB-Pokalfinale und die erneute Champions-League-Teilnahme.  Besser geht es kaum.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 24. April 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2019, 07:58 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

52 Kommentare

26.04.2019 12:14 heino 52

Hier sind wieder einige Philosophen unterwegs, die Andersdenkenden die Fußballwelt erklären wollen.
RB Leipzig spielt in der deutschen Bundesliga,
RB Leipzig ist ein deutscher Verein,
RB Leipzig wird von der DFL und vom DFB anerkannt,
RB spielt in Leipzig und Leipzig ist eine Stadt in Sachsen und Sachsen gehört noch immer der Bundesrepublik Deutschland an.
Wie dumm muß man denn eigentlich sein, wenn man das nicht kapiert?

26.04.2019 08:43 Sr.Raul 51

Nein, Ihr seid sicher nicht schlechter als Andere, @39 (Voice), meine Sicht. Auch meine Sicht: Allerdings müsst Ihr damit klar kommen als Folger eines Projekts wahrgenommen zu werden, welches auf Grund seiner schwammigen Installation unter gütigem Mitwirken von Politik, Wirtschaft und Verbänden erst möglich wurde. In Verbindung zur Tätigkeit des Eigners entsteht hier natürlich ein breites Ablehnungspotential und es wird eben gesehen das "Der Ossi", mal wieder, dem bunten Tand des "Westonkels" kritiklos folgt, es nicht nach dem Warum, Wieso, Weshalb, Wie gefragt wird. Frei nach dem Motto: "Hauptsache ich habe hier 1.BuLi!" Und wenn dann Einige noch einen Rechtsanspruch für sich auf 1.BuLi deklarieren, wird es ganz lustig. Ja, Gazprom, Evonik etc.pp. sind sicher auch keine Heilige. Jedoch ein solch aggressives Marktverhalten im Sektor Fußball/Sport/Freizeit wie es der rasenballistische Eigner an den Tag legt, kommt bei den genannten nicht vor.

26.04.2019 08:00 Bernd 50

@41 naja Mitglieder kommen nicht zwingend aus der Region, ich kenne FC Bayern Mitglieder die in der Schweiz wohnen. Fuer mich sind manche Zahlen dan schon uebers Ziel hinaus, denn wenn Mitglieder keine Karten fuer die Spiele bekommen, >90% nicht an Mitgliederversammlungen teilnehmen (koennen), Weihnachtsfeier dito dann wo ist das Vereinleben fuer Otto Normal-Mitglied? Ausserdem, WEsterwelle sagte mal 'auf jedem Schiff was dampft und segelt brauchts einen der die Sache regelt' und das passt auch will ein Verein erfolgreich sein. Und ob es uns stoert ob das Getraenk ungesund ist? Ich selbst trinke es nicht aber es ist zugelassen und hat seine Kaeufer. Und wenn wir dabei sind - ist das Laienberger Zeugs besser?

26.04.2019 07:51 Bernd 49

@44 manchmal wuerde es helfen wenn sie mehr beim MDR nachzulesen. Dann wuerden ihre Kommentare vielleicht einen Sinn ergeben. In Dresden kan man aus man gern Mann machen und der hatte mit Erich Mielke sorgar ein Namen. Der verhinderte dass sich in Dresden ein anderer Club gruenden konnte. Und Leipzig da haben sich damals die Genossen entschieden den SC Leipzig zu gruenden und jeder bei Chemie der fut war musste ans andere Ende der Stadt. Eventuell ein Wechsel nach Aue - da wurde auch mal mit Spielverbot gedroht. Diese Zeiten sind vorbei. Mit ihter Ausnahme hat sie der Osten entwickelt. Und daher auch der Zulauf bei RASENBALLSPORT. Und (bitte loassen sie sich das erklaeren!!!!!!!) 50+1 trifft dort zu wo die Profimannschaften in Kapitalgesellschaften ausgegliedert sind. Deshalb ihre Beispiele sind Quatsch weil bei Vereinen 50+1 keine Rolle spielt.

26.04.2019 07:46 Bayernfan 48

@22 Was in Zwigge abgeht, hat einen gewissen Dorfcharakter. Nicht vorhandenes Geld ausgeben, dann rumjammern, dann den Schuldenberg anwachsen lassen. Weder für Großsponsoren noch für Besitzer geeigneter Werbeträger.

26.04.2019 06:37 Sr.Raul 47

I.O., @43 (Rennsteiger), da sind wir uns dann einig.

25.04.2019 23:28 Holli 46

Ich hoffe ,das die Bayern der ösi Werbeabteilung
Die Grenzen aufzeigt.

25.04.2019 22:18 w.a. 45

Mensch Toni, wir gehen zu RB und sehen immer wieder super Fußball und freuen uns über den Erfolg unserer Mannschaft. Und du alter Grieskrämer ärgerst dich Woche für Woche über so eine super Mannschaft. Was für ein trauriges Leben und Toni das schöne daran ist du wirst dich noch lange ärgern müssen und wir lachen alle über dich. Nimm dir lieber ein Beispiel an SR. Raul. der kann RB auch nicht besonders leiden, aber im Gegensatz zu dir schreibt er sinnvolle Kommentare.

25.04.2019 15:20 toni 44

Noch etwas: nach der Gründung der Bundesliga 1963 zog die DDR nach und schuf in fast allen Großstädten staatl subventionierte Leistungstzentren, wie z.B Lok in Leipzig oder den HFC. In Dresden entschied man sich für Dynamo, die nach dem Meistertitel von 53 ihre Mannschaft nach Berlin verloren und zwischenzeitl in der Bezirksliga spielten. Insofern ist Lok nach 66 mit Dynamo vergleichbar. Wenn sich jetzt RB mit den westl Konzermannschaften vergleicht und nicht mit den Ostvereinen, die sich, wie z.B. Union, Aue und Dresden, bewusst an die 50 plus 1 Regel halten, so lässt dies tief blicken. Noch etwas:es gab mal den "Wundertrainer" Jürgen Bogs, der würde mit dem BFC zehnmal Meister. Als die Institutionen (Partei und Stasi) weg fielen, verschwand auch er ins Nebulöse. Zu heute: Was wären Red Bull Leipzig und Rangnick ohne die heutigen Institutionen (Konzern und CDU)...? 8

25.04.2019 15:19 Rennsteiger 43

@40 Sr Raul " Fußball kann man nicht losgelöst von der gesellschaftlichen / politischen Gesamtlage betrachten."
100% Zustimmung. Mal alle Sticheleien und Stänkereien außer acht lassend, das ist der realistische Ausgangspunkt für jede weitere Diskussion. Raum für Meinungsunterschiede gäbe es trotzdem noch

Ergebnisse und Ansetzungen