Fußball | TFV-Pokal FSV Martinroda – Ärger vor dem "wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte"

Finale

Erstmals könnte Oberligist FSV Martinroda den DFB-Pokal erreichen. Doch ausgerechnet vor dem "wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte" beim FC Carl Zeiss Jena (Samstag, 14:45 Uhr live in der Spio-App) sind die Thüringer auf ihren eigenen Fußballverband alles andere als gut zu sprechen.

Thüringenpokal 2. Runde FSV Martinroda : FC Rot-Weiß Erfurt Aktion
Das Stadion des FSV Martinroda Bildrechte: imago/Gerhard König

"Schon mit Verwunderung - weil ich es aus dem Radio erfahren habe, der Verband wusste es noch nicht", berichtet Martinrodas Geschäftsführer Dirk Keller. Via Medien wurde seine Befürchtung wahr, dass keine "Gästefans" beim Thüringenpokal-Finale zwischen Regionalligist FC Carl Zeiss Jena und seinem FSV Martinroda (Samstag, 14:40 Uhr Livestream und Live-Ticker in der SpiO-App) zugelassen sind. Auch wenn die Partie offiziell als Martinroda gegen Jena firmiert, die Stadt Jena stufte die Anhänger des Oberligisten als Gäste ein und untersagte wegen der Corona-Pandemie deren Erscheinen.

Keine Gästefans in Jena - FSV sauer auf Verband

Der FSV zeigte sich über die Tatsache, das Highlight in der Klub-Historie ohne eigenen Fans austragen zu müssen "bestürzt" und wirft dem Thüringer Fußball-Verband vor, sich nicht rechtzeitig um ein adäquates Hygienekonzept gekümmert zu haben. Nach MDR-Informationen hat der Verband das Konzept am Montag, also sechs Tage vor dem Endspiel, bei der Stadt Jena eingereicht. Keller erfuhr von dem Hygienekonzept erst am Dienstag bei einer Sicherheitsberatung. Viel zu spät aus seiner Sicht.

Dirk Keller, Sportlicher Leiter und Geschäftsführer FSV Martinroda
Martinrodas Geschäftsführer Dirk Keller Bildrechte: FSV Martinroda

Offenbar habe sich der Verband einfach nur auf das Hygienekonzept des FC Carl Zeiss Jena beim Spiel gegen Babelsberg draufsatteln wollen - nur sieht das ohnehin keine Gästefans vor. "Durch die organisatorischen Versäumnisse des Verbandes sind (...) die Martinrodaer Fußballfans um das bis dato größte Spiel ihres Vereins gebracht worden", schreibt der Klub in einer Pressemitteilung und fragt sich warum gleichzeitig beim Oberliga-Spiel von Rudolstadt gegen Rot-Weiß Erfurt Gästefans erlaubt waren.

Pressekonferenz am 20.8.2020 vor dem Landespokalfinale Thüringen 2020 am 22.8.2020 zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und dem FSV Martinroda v.li. während der PK Trainer Dirk Kunert Jena, Hartmut Gerlach Vorsitzender Öffentlichkeitsausschuss TFV und Trainer Robert Fischer
Die Pressekonferenz vor dem Finale im TFV-Pokal Bildrechte: imago images/Christoph Worsch

"Wäre ein toller Tag für unsere Fans geworden"

Doch bei der vom eigenen Verband ausgewählten Sportstätte sei das nicht möglich: "Es ist einfach schade für unsere Fans, unsere Sponsoren, unsere Fußballer und Eltern, Freunde und Verwandte - für die wäre es ein toller Tag geworden. Das ist einfach enttäuschend, zeigt aber irgendwie auch die Arbeitsweise, die der Verband an den Tag legt." Der 38-Jährige bemängelt mangelnde Abstimmung und Kommunikation. So habe er wegen eines möglichen Kartenverkaufs sechs Mal beim Verband angerufen - umsonst.

Logo FSV Martinroda
Logo FSV Martinroda Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Komplizierte Pokalsaison in Thüringen

Ohnehin steht der Thüringenpokal in dieser Saison unter keinem guten Stern. Die Tatsache, dass mit den damaligen Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt und Wacker Nordhausen gleich zwei Klubs insolvent gingen, führte zu Verwerfungen: Weil sich Erfurt komplett zurückzog, entschied der Verband eigenhändig deren Viertelfinalgegner SV Ehrenhain trotz der 1:4-Niederlage ins Halbfinale zu verfrachten: "Wenn man mit den übrig gebliebenen Vereinen gesprochen hätten, dann hätte man das wohl akzeptiert", denkt Keller. Da dies aber nicht passiert sei, fragte sich der FSV, warum ein Pokalverlierer weiter kommen durfte und legte Beschwerde ein. Dieser wurde stattgegeben, der Protest wiederum von Ehrenhain abgeschmettert - so erreichte Martinroda am Grünen Tisch das Finale. Jena trat im Halbfinale in Nordhausen dann gegen die übrig gebliebene zweite Mannschaft von Wacker an und gewann überlegen mit 2:0.

TFV-Pokal
Der TFV-Pokal Bildrechte: IMAGO

Vorbild aus Sachsen - Werder wartet

Das Thüringenpokal-Endspiel findet nun als komplettes Geisterspiel statt, denn der FC Carl Zeiss verzichtet aus Fairplay-Gründen nun ebenfalls auf den eigenen Anhang. Zuletzt schwamm Martinroda, ein Ort mit gerade einmal 800 Einwohnern, auf einer Erfolgswelle und stieg 2019 erstmals in die Oberliga auf. Dort tat man sich aber sehr schwer und schaffte den Klassenerhalt mit einer jungen Mannschaft wohl nur wegen des Corona-Abbruchs.

Robert Fischer Trainer FSV Martinsroda
Robert Fischer (Trainer des FSV Martinroda) hofft auf eine faustdicke Überraschung. Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener

Im Pokal hat man sich ein Vorbild aus Sachsen genommen, das ebenfalls in der Oberliga beheimatet ist: "Der FC Eilenburg hat es uns vorgemacht, vielleicht gelingt uns so etwas auch, hofft Dirk Keller, der beim FSV auch sportlicher Leiter ist. Die Nordsachsen kegelten Favorit Lok Leipzig mit 1:0 aus dem Landespokal. Keller findet: "Wir sind der Außenseiter, aber ganz so chancenlos sehe ich uns nicht." Trainer Robert Fischer meint: "Für uns ist es etwas Besonderes, gegen Jena im Pokalfinale zu spielen. Für die Mannschaft und für mich als Trainer ist es das einfachste Spiel der ganzen Saison. Alle Spieler sind heiß und fit, sind gewillt, zu gewinnen und für eine kleine Überraschung zu sorgen. Wir wollen den FC Carl Zeiss so lange wie möglich Paroli bieten und ärgern." Im DFB-Pokal wartet mit dem SV Werder Bremen ein Bundesligist mit immer noch klangvollem Namen.

cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 22. August 2020 | 14:45 Uhr

36 Kommentare

NBS vor 9 Wochen

Wie sachlich soll es denn noch werden?
Nordhausen hat in 30 Jahren 7 (in Worten sieben) mal im Finale gestanden und keines davon zu Hause austragen dürfen.
Zugegebener Maßen war die allseits anerkannte Variante "Unterklassiger im Finale mit Heimrecht" nicht von Beginn an zur Anwendung gekommen.
Du kannst ausklammern was Du willst. Dann klammer aber bitte der Fairness halber gleich den FCC und RWE mit aus.

Als die Entscheidung vor 3 Jahren zugunsten Erfurt als temporären Finalstandorts ausfiel hat man in Jena zurecht gequiekt. Wenn man selbst Proviteur ist, scheint dann plötzlich alles vergessen zu sein. Für so etwas gibt´s eine treffende Begrifflichkeit: Heuchler!

megaboss vor 9 Wochen

Immer wenn ich Deine unqualifizierten Beiträge lese , kommt mir die Galle hoch.
Hast vieles nicht verstanden...
Wie gesagt ,schnellstmöglich die Unterlagen für die Landesliga oder Verbandsliga einreichen-erscheint mir realistisch und sinnvoll.
Grüße aus dem Paradies

Kyffhaeuser vor 9 Wochen

teil 3
So sieht die wahre Faierness des TFV aus !! Und wäre RWE dieses mal im Rennen geblieben, dann hätte man wieder in dieser Jenaer Bude spielen dürfen ! Nur um den Schein jetzt zu wahren, hat man die Entscheidung getroffen , ganz ohne Zuschauer zu spielen. Der TFV sollte sich mal entscheiden, was er will, vorallem sollte er respektieren, dass sich schon vor Jahren die Präsidenten von Jena und RWE geeinigt hatten, sollten beide ins Finale kommen, jeweils abwechselnd in Erfurt und in Jena zu spielen, aber das hat der TFV ja nicht mitbekommen bzw. wäre eine zu einfache Entscheidung gewesen.