Willi Orban gegen Anton Zabolotny
Bildrechte: imago/Matthias Koch

Fußball | Europa League Willi Orban: "Das ist doch hier keine Zwieback-Kreistruppe!"

Wenn Fußballer gewinnen und trotzdem ein etwas verkniffenes Gesicht machen, dann ist Europapokal-Zeit. RB Leipzigs Gegentreffer beim 2:1 am Donnerstagabend gegen Zenit St. Petersburg ärgerte auch Kapitän Willi Orban. Im Interview sprach er über den sehenswerten Freistoß der Gäste, über die Minuskulisse im Stadion und beantwortete gemeine Fragen zu Emil Forsberg.

Willi Orban gegen Anton Zabolotny
Bildrechte: imago/Matthias Koch

Ist das 2:1 ein gutes Ergebnis?

Willi Orban: Es ist schon gut, dass wir gewonnen haben. Und es ist ein gutes Ergebnis, aber es wäre ein sehr gutes drin gewesen. Das muss man schon klar sagen. Aber wir sind jetzt nicht traurig, das Hinspiel gewonnen zu haben. Auch wenn das Rückspiel eine heiße Kiste werden kann.

Dieser Gegentreffer muss Sie doch unfassbar wurmen!

Der ärgert mich wirklich sehr. Vor allem die Entstehung. Da waren wir schläfrig und haben ein relativ unnötiges Foul gemacht. Der Freistoß selbst: Das war von der Position einfach stark geschossen. Das hat Criscito schon gut gemacht. Vier Minuten haben gefehlt, um international mal zu-null zu spielen. Wir kommen der Sache zumindest näher.

Der Ball flog ja direkt über Ihren hinweg ins Tor.

Ich habe zuletzt Sprungkraft trainiert, aber der ging trotzdem genau drüber.

Dieser Treffer kann noch ganz schön teuer werden.

Das ist uns bewusst. Deswegen hätten wir gern zu-null gespielt oder ein drittes Tor gemacht. Aber wir haben gewonnen. Das ist schon mal ein großer Schritt. Das ist doch hier keine Zwieback-Kreistruppe! Das ist das Achtelfinale der Europa League und natürlich nicht einfach.

Lief es ansonsten so, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Definitiv. Wir sind das Spiel sehr gut angegangen, haben es über 90 Minuten weitgehend kontrolliert. Ich hatte nie das Gefühl, dass St. Petersburg aus dem Spiel heraus zu einer Chance kommen kann. Wenn wir den Ball verloren haben, versuchten wir sofort, ihn wieder zu erobern. Die haben italienisch verteidigt, und wir haben immer wieder angekurbelt. In Sachen Ballbesitz war das ein Schritt nach vorn.

Haben Sie St. Petersburg stärker erwartet?

Ich glaube eher, dass wir das heute gut gemacht haben. Diese Mannschaften wissen nicht so richtig, wie wir spielen. Im Video kann man sich das anschauen. Doch wenn du es spürst – da spreche ich aus Erfahrung – ist es etwas anderes. Aber es ist klar, dass im Rückspiel wahrscheinlich eine andere Mannschaft auf uns wartet.

Mit was für einem Gefühl fahren Sie in einer Woche nach St. Petersburg?

Mit einem guten. Wir wissen, dass es gefährlich werden kann. Vor allem auswärts. Zenit ist sehr heimstark, vor den Fans dort müssen wir aufpassen. Aber wir haben heute gezeigt, dass wir die Mannschaft beherrschen können. Ich bin optimistisch.

Es lief besser als im Heimspiel gegen Neapel.

Man darf nicht vergessen, dass wir hier in der Europa League spielen, in der K.o.-Phase. Das ist nicht immer schön anzuschauen. Es geht darum, erfolgreich zu sein. Du willst hier ganz weit kommen, vielleicht sogar ins Finale. Wie du da im Rückspiel agiert hast, ob schön oder weniger schön, ist egal. Hauptsache, du bist erfolgreich.

Und im Vergleich zum 1:1 gegen Dortmund? War es da auch ein Fortschritt?

Ja. Vor allem weil wir viel mehr Kontrolle über das Spiel hatten. Von daher hat es sich ein Stück weit besser angefühlt. Das müssen wir jetzt auswärts in Stuttgart bestätigen.

Nach vier Spielen endlich mal wieder ein Sieg. Wie wichtig ist das?

Daran habe ich bis jetzt überhaupt nicht gedacht, das war überhaupt nicht in meinem Kopf. Aber, na klar: Es ist schön, wenn du für deinen Aufwand belohnt wirst und das Ergebnis stimmt.

Und das heute vor nur 19.800 Zuschauern?

Immerhin, so unter der Woche. Warum genau es heute so wenig waren, weiß ich nicht. Da müssen Sie die Zuschauer fragen. Im Team haben wir das nicht groß thematisiert. Natürlich haben wir mitbekommen, dass die Fans das mit Humor genommen haben.

Hat Ihnen die Minuskulisse etwas ausgemacht?

Nein. Die, die heute da waren, haben es sicher auch nicht bereut. Sie haben von uns ein gutes Spiel gesehen. Vor allem aber haben sie uns super unterstützt.

Noch mal zum Gegentor: Ist es gemein zu sagen, dass Emil Forsberg drei Versuche braucht, Criscito allerdings nur einen?

Naja, Emil hat heute einen super Freistoß geschossen. Er hatte da ein bisschen Pech. Es würde uns natürlich gut tun, wenn wir mal wieder einen Freistoß direkt reinschießen. Das hilft ungemein. Aber wir hatten schon Spiele mit viel schlechteren Freistößen.

Ich bin noch mal gemein: Emil Forsberg tritt ja auch die Ecken, aber die größte Gefahr besteht da, dass dadurch ein Konter entsteht.

Heute hatte ich nicht dieses Gefühl. Er kann die Bälle gut und mit Zug reinbringen. Letzte Saison haben wir so viele Tore gemacht, er hat auch mir Bälle aufgelegt. Aber es ist definitiv ein Punkt, wo wir noch besser werden können.

Vor fünf Tagen in der Bundesliga gegen Dortmund, jetzt Europa League gegen St. Petersburg. Fühlt man auf dem Platz eigentlich einen Unterschied?

Es ist schon ein bisschen anders. Man versucht natürlich, sich auf das Sportliche zu konzentrieren. Europapokal ist aber immer anders, weil du andere Gegner hast. In der Bundesliga erwartet dich bis auf wenige Ausnahmen immer dasselbe Fußballspiel. Vor allem was die Taktik angeht. International hat aber jede Mannschaft eine andere Idee von Fußball. Heute haben wir zum ersten Mal gegen eine russische Mannschaft mit italienischem Einfluss gespielt. Das ist schon interessant. Und das merkst du auf dem Platz. International macht schon Spaß!

(notiert von Sven Kups)

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2018, 15:15 Uhr

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RB Leipzig gegen Zenit St. Petersburg in Bildern

Fans von Sankt Petersburg im Stadion
Im Achtelfinal-Hinspiel war Zenit St. Petersburg in Leipzig zu Gast. Bildrechte: IMAGO
Fans von Sankt Petersburg im Stadion
Im Achtelfinal-Hinspiel war Zenit St. Petersburg in Leipzig zu Gast. Bildrechte: IMAGO
Sportdirektor Ralf Rangnick im Stadion
Sportdirektor Ralf Rangnick wollte für seine RasenBallsportler natürlich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel. Bildrechte: IMAGO
Die Mannschaften von Zenit St. Petersburg und RB Leipzig
In den ersten 30 Minuten neutralisierten sich beide Mannschaften. Bildrechte: imago/Picture Point LE
Anatoliy Tymoshchuk
Anatoliy Tymoshchuk, der mit dem FC Bayern München 2013 das Triple holte, ist Teil des Funktionsteams bei Zenit. Bildrechte: imago/Eibner
Daler Kuzyaev und Emil Forsberg
Der Schwede Emil Forsberg hatte die beste Chance vorm Pausenpfiff. Bildrechte: imago/Matthias Koch
Freistoß von Emil Forsberg an das Gebälk des Petersburger Tores
Einen Freistoß beförderte er an den linken Pfosten. Bildrechte: imago/Picture Point LE
Dayot Upamecano und Aleksandr ÊKokorin
Eine Führung für die Gastgeber zur Pause wäre nicht unverdient gewesen. Bildrechte: imago/Picture Point LE
Tor für RB Leipzig. Bruma erzielt den Treffer zum 1:0 gegen Torwart Andrei ŠLunev.
In der 56. Minute brachte Bruma RB schließlich in Führung. Bildrechte: IMAGO
Torjubel bei RB
Vorlagengeber Werner legte noch nach. Bildrechte: IMAGO
Timo Werner erzielt den Treffer zum 2:0 gegen Torwart Andrei ÊLunev
Mit dem 2:0 schien der Weg Richtung Viertelfinale schon geebnet. Bildrechte: imago/Picture Point LE
Anzeigetafel mit Zuschauerzahl 19877
Doch vor nur 19.877 Zuschauern gab es noch einen Freistoß für die Gäste aus 20 Metern. Bildrechte: imago/Matthias Koch
Torwart Peter Gulacsi kassiert den 1:2 Anschlusstreffer durch Domenico Criscito
Zenit-Kapitän Domenico Criscito schweißte den ruhenden Ball über die Mauer links oben ins Eck. So feierte RB "nur" einen 2:1-Sieg. Bildrechte: imago/Picture Point LE
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