Das Bruno-Plache-Stadion in Leipzig mit der Tribüne in Abendstimmung unter Flutlicht in Fisheye-Perspektive.
Bildrechte: imago/opokupix

Fußball | Regionalliga Lok: Gewinne mit leeren Kassen?

Sportlich ist Lok Leipzig wieder in der Spur. Mit dem Einzug ins Landespokalhalbfinale hat sich der Verein die Chance auf den DFB-Pokal und eine sechsstellige Antrittsprämie gewahrt. Das Finanzgebaren ist jedoch weiter Gegenstand von Diskussionen und wirft Fragen auf. Seit Sommer sind zahlreiche Informanten aus Lok-Kreisen auf den MDR zugekommen und haben Fakten geliefert.

Das Bruno-Plache-Stadion in Leipzig mit der Tribüne in Abendstimmung unter Flutlicht in Fisheye-Perspektive.
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Wir geben diese Fakten zur Versachlichung des Themas nun weiter. Sie erhellen Hintergründe zu dem auf der Mitgliederversammlung am 23. November 2018 vorgestellten Zahlenwerk zum Geschäftsjahr 2017/18 und begründen vorhandene Skepsis.

Woher kommt das Plus von knapp 444.000 Euro?

Bernd Lang, Schatzmeister und Vize-Präsident, hatte auf der Mitgliederversammlung von Lok Leipzig am 23. November 2018 Positives zu berichten. Verein und GmbH, so sein Fazit, hätten "kumuliert" einen Reingewinn von 405.871,85 Euro erzielt. Der Verein habe dabei den Löwenanteil verdient und in der Gesamtbetrachtung das Defizit der GmbH (minus 38.039 Euro) mehr als ausgleichen können.

Lok Leipzig
Die Berechnung des MDR zur Bilanz von Lok 2017/18. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Ergebnis verblüfft. Noch im Frühjahr sah die finanzielle Situation intern grundlegend anders aus. Vize-Präsident Bernd Lang selbst bezifferte am 8. Januar 2018 intern bei einer Sitzung des Lok-Wirtschaftsrates das erwartete Minus für das Ende des Geschäftsjahres 17/18 am 30.6.2018 noch auf Minus 850.000 Euro. In der Agenda des Lok-Gipfels, der am 29. Januar 2018 in ETL Center Berlin statt fand,  wird die Situation als eine der dringendsten Aufgaben für den Februar beschrieben: "Verbindlichkeiten abbauen, Insolvenzgefahr bannen".

Sponsorzahlungen vorgezogen

Es fehlte Geld. Vize-Präsident Geier schrieb am 12. Februar 2018 Hauptsponsor Franz-Josef  Wernze (ETL) per Mail an und bat "kurzfristig um 150.000 Euro" um damit ein "akutes Liquiditätsproblem zu lösen". Es handelte sich um fällige Gehälter und Zahlungen für einen Vergleich. Das ging offenbar nicht schnell genug. Die Lok-GmbH hatte zu diesem Zeitpunkt fristgemäß eine Zahlung von 50.000 Euro für einen Vergleich mit einem früheren Geschäftspartner (Härzschel; contact&sports) zu leisten. Das Geld dafür war nicht da.

Lok Leipzig
Die Mail von Lok-Präsident Thomas Löwe an Wolf-Rüdiger Ziegenbalg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der wenige Tage zuvor installierte Manager Wolf-Rüdiger Ziegenbalg sollte einspringen. Lok-Präsident Thomas Löwe schrieb Ziegenbalg am 16. Februar per Mail an:  "… Wir möchten Sie bitten der 1.FC Lokomotive Leipzig Spielbetriebs GmbH die Summe von 50 000,-€ kurzfristig zu verauslagen, um die außergerichtliche Einigung im Fall Härzschel abzuschließen und nicht zu gefährden." Ziegenbalg überwies aus eigener Tasche die 50.000 Euro, bekam das Geld kurz darauf zurück. Inzwischen befindet sich der Ex-Manager mit Lok in einem Rechtsstreit.

Am 17. Februar kam dann von Vize-Präsident Geier eine gute Nachricht: "Am Montag wird die ETL-Service GmbH 100.000,00 Euro als anteilige Zahlung auf den zu verlängernden Sponsoringvertrag anweisen." Das Problem wurde also mit einem Vorschuss des ETL-Sponsorings für die Saison 18/19 gelöst.

Lok-Bilanzen für 16/17 und 17/18 fehlen

Nach § 325 Handelsgesetzbuch ist eine GmbH zu einer Offenlegung seines Abschlusses innerhalb von zwölf Monaten im Bundesanzeiger (bundesanzeiger.de) gesetzlich verpflichtet. Der letzte veröffentlichte Abschluss der Lok-Spielbetriebs GmbH ist der des Geschäftsjahres 15/16. Für 16/17 und 17/18 gab es keine Einträge bis zum 21. Dezember 2018. Am 22. Dezember teilte Lok dann per Facebook mit, dass die Bilanzen beim Bundesanzeiger eingereicht wurden. Eine Bestätigung fehlt bislang.

Strafe von bis zu 25.000 Euro droht

Für Versäumnisse, der Wechsel des Steuerbüros gilt nicht als ausreichende Begründung, kann das Bundesamt für Justiz Ordnungsgelder und Verfahrenskosten auferlegen. "Das  Ordnungsgeld beträgt mindestens 2500 Euro und höchstens 25.000 Euro", so Hans Herbert Coen, Fachanwalt für Gesellschaftsrecht in der Leipziger Kanzlei Dr. Fingerle. Wozu dient die gesetzliche Veröffentlichungspflicht? Sie soll verpflichtend die Transparenz der buchhalterischen und finanziellen Situation von Unternehmen sicherstellen. Sie stellt einen Ausgleich zur Haftungsbeschränkung von Kapitalgesellschaften dar dient der Verwirklichung eines effektiven Gläubigerschutzes sowie eines wirksamen Schutzes des Geschäftsverkehrs.

Lok Leipzig
Der Eintrag im Bundesanzeiger zu Lok Leipzig zeigt, dass seit seit dem Jahr 2016 keine Finanzberichte mehr veröffentlicht wurden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lok Leipzig hat zu den verschiedenen Sachverhalten, trotz zahlreicher Anfragen des MDR, inhaltlich zu keinem Zeitpunkt Stellung bezogen. Vize-Präsident Alexander Voigt begründet diese Haltung mit dem „Privileg der Mitgliedschaft“. Vereinsmitglieder hätten jederzeit die Möglichkeit, Einblick in Bücher und Bilanzen zu nehmen. Für Präsident Thomas Löwe ist der 1. FC Lok nach wie vor „ein transparenter Verein“.  Angesichts von 800.000€ Fördergeldern, die Stadt und Land für den Bau eines Kunstrasenplatzes beisteuerten, wünschenswert. Schließlich wurde Steuergeld verbaut.

Anfang Januar will sich die Lok-Führung in einer Pressekonferenz äußern.

red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 22. Dezember 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Dezember 2018, 16:32 Uhr

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