Fußball | Regionalliga "Das ist ein Notfall" – Halberstadt-Rückkehrer Andreas Petersen im Interview

Benjamin Duda hat Germania Halberstadt überraschend verlassen und ist zu Ligakonkurrent Berliner AK gewechselt. Sein Nachfolger als Trainer ist ein alter Bekannter: Andreas Petersen übernimmt bis Saisonende. Er war bereits von 2007 bis 2012 und von 2016 bis 2019 als Trainer und Sportdirektor in Halberstadt. Ein Verfahren wegen des Verdachts der Spielmanipulation gegen ihn war im Sommer 2020 eingestellt worden. Wir haben mit ihm am Tag nach Dudas Abgang gesprochen.

 Trainer Andreas Petersen (VfB Germania Halberstadt)
Andreas Petersen ist zurück an alter Wirkungsstätte. Bildrechte: imago/Björn Draws

Herr Petersen, herzlichen Glückwunsch zur neuen Trainerstelle, wenn man das so sagen kann.

Andreas Petersen: "Ob Glückwunsch oder 'ach, du meine gute Güte' werden wir sehen. Sie wissen ja, wie das entstanden ist. Ich wusste selber nichts von Benjamin Dudas Ausstiegsklausel."

Wann haben Sie von Dudas Abgang erfahren?

"Eigentlich erst gestern. Ich glaube aber, dass der Verein das buchstäblich schon vorher wusste, mir aber nichts gesagt hat. Ich wurde nämlich schon vor Weihnachten gefragt, ob ich den Trainer und die Mannschaft wieder beratend unterstützen kann."

In einer Mitteilung zu Ihrer Verpflichtung schrieb Germania von ihren gesundheitlichen Probleme. Wie geht es Ihnen denn?

"Ich bin gesundheitlich auf einem guten Weg. Das ist ja nun mittlerweile schon fast drei Jahre her, aber es hat seine Zeit gebraucht. Laut den Ärzten bin ich jetzt soweit wieder eingestellt, dass ich zusagen konnte – als Berater."

Germania Halberstadt Trainer Andreas Petersen mit seinem Sohn Nils, Rekordangreifer bei Bundesligist SC Freiburg. (Archivfoto) Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

Jetzt sind Sie Cheftrainer.

"Es war in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat kaum anders möglich. Ich komme aus der Gegend, wohne 15 Minuten vom Stadion entfernt. Auch die Jungs kennen mich schon, weil ich die letzten Wochen immer beim Training dabei war. Da sagt man nicht nein. Ich jammere nicht rum, wir müssen jetzt gemeinsam die Kuh vom Eis kriegen."

Das heißt, ihr Ziel ist jetzt erstmal der Klassenerhalt?

"Ja, definitiv. Man kann sich ja die Tabelle anschauen. Es wäre schön, wenn Benjamin Duda geblieben wäre, aber wir dürfen jetzt nicht jammern. Ich wünsche Benni alles Gute, er ist ein toller Typ mit Ambitionen und wird seinen Weg gehen. Wir als Verein werden mit ihm befreundet bleiben."

Wir sind ein Ausbildungsverein, etwas anderes können wir uns wirtschaftlich gar nicht leisten. Wo andere mehr Geld zahlen, gibt es hier bessere sportliche Bedingungen.

Sie haben die Mannschaft angesprochen. Im Sommer gab es einen Umbruch. Viele junge Spieler kamen auch wegen Duda. Ist die Situation für diese Jungs ein Problem?

"Halberstadt war schon immer ein Verein für junge Spieler und junge Trainer. Viele sind schon von hier aus ihren Weg gegangen. Bei uns kann man sich weiterentwickeln und den nächsten Step machen. Wir sind ein Ausbildungsverein, etwas anderes können wir uns wirtschaftlich gar nicht leisten. Wo andere mehr Geld zahlen, gibt es hier bessere sportliche Bedingungen. Das ist unser kleines Faustpfand. Und diesen Weg wollen wir weitergehen."

Benjamin Duda (Trainer VfB Germania Halberstadt)
Trainer Benjamin Duda hat den VfB Germania plötzlich in Richtung Berliner AK verlassen. Bildrechte: IMAGO / Bild13

Dafür können Sie in den nächsten Monaten sorgen. Wollen Sie wirklich nur bis Saisonende bleiben, Herr Petersen?

"Das wird mir jetzt sowieso keiner glauben, aber ich habe vor dem Anruf wirklich keine Ambitionen gehabt. Eigentlich habe ich gesagt: 'nie wieder', aber das ist ein Notfall und in diesem Notfall helfe ich. Aber wirklich nur bis zum letzten Spiel. Wir reden hier von maximal fünf Monaten, da können Sie mich beim Wort nehmen."

Helfen Sie bei der Suche nach Ihrem Nachfolger?

"Na aber, das ist doch klar! Wir sind optimistisch, aber wir warten erstmal die ersten Spiele ab, um zu sehen, wo die Reise hingeht. Dann bereiten wir uns auf beide Fälle vor."

Herr Petersen, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die kommenden Aufgaben.

Das Interview führte Till Oppermann.

Luckenwalde - Halberstadt 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten Sa 18.12.2021 16:00Uhr 05:01 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 23. Januar 2022 | 19:30 Uhr

5 Kommentare

Thommi Tulpe vor 30 Wochen

Dieser Mann ist streitbar. Leider gibt es in dieser Welt zu wenige streitbare Leute.
Ich bin ein Fan von Andreas Petersen.
Ich bin Blau-Weißer. Ich werde ganz sicher nie vergessen, dass mit diesem streitbaren Mann unser Aufstieg begann.
So das Halberstadt nicht begreift ... deren Problem.

A.d.R. is Back vor 30 Wochen

Ein Mann der klaren Worte und Taten, da wird auch schon Mal ein Stuhl samt Daraufsitzenden Trainer umgeschupst. Hoffe das Halberstadt die Klasse hält.

Gustav vor 30 Wochen

Hauptsache Herr Andreas Petersen versucht nicht wieder vor den Spielen die gegnerischen Spieler zu beeinflussen. Ich finde es höchst bedenklich, dass er wieder an der Seitenlinie stehen darf. Ein Roman Hoyzer durfte nicht wieder pfeifen.

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