Fußball | Regionalliga Halberstadt-Trainer Benjamin Duda: "Schlüssel muss die eingeschworene Gruppe sein"

Germania Halberstadt hat mitten in der Vorbereitung den Trainer ausgetauscht und startet nun mit Benjamin Duda in die neue Saison. Die Zielstellung lautet Klassenerhalt und Duda weiß genau, was dafür nötig sein wird.

Benjamin Duda
Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Benjamin Duda, wie groß ist die Vorfreude, dass es nach einer gefühlten Ewigkeit und hoffentlich auch wieder vor Zuschauern losgeht?

Benjamin Duda: "Maximal groß. Für mich persönlich ist die Regionalliga Nordost Neuland. Es ist eine geile hochinteressante und attraktive Liga und ein weiterer Schritt in meiner Trainerentwicklung. Meine junge Mannschaft brennt und ist voller Tatendrang."

Nach fast neun Monaten Zwangspause steht die neue Regionalligasaison an. Warum hat Ihre Mannschaft den Wettkampfmodus nicht verlernt?

"Wir hatten eine seriöse Saisonvorbereitung mit intensiven Trainingseinheiten, Testspielen und Teambuilding. Wir bereiten uns gewissenhaft auf die Saison vor. Es wird aber ein Spagat für alle Mannschaften werden und etwas dauern, um in den Rhythmus und Liga-Alltag zu kommen."

Woran merken Sie, dass Ihre Mannschaft brennt?

"Ich merke es generell im Arbeitsalltag, in unseren knackigen, intensiven Trainingseinheiten, in denen es wahrlich brennt. Die Mannschaft ist sehr aufmerksam, lernwillig und scharrt mit den Hufen."

Trainer Benjamin Duda, gestikulierend
Vor seinem Engagement in Halberstadt trainierte Duda u.a. die U17 von Eintracht Braunschweig. Bildrechte: imago/Hübner

Was haben Sie und die Spieler am meisten vermisst?

"Das Miteinander und die Zusammenarbeit auf der zwischenmenschlichen Ebene. Ich liebe diese Sportart, verstehe mich aber auch als Führungskraft von 25 und mehr Menschen, die ich begeistern und mitnehmen möchte. Den Jungs hat die Kultur und Atmosphäre in der Kabine und auf dem Platz gefehlt, die Späßchen zwischendurch. Das Miteinander zeichnet unseren Sport doch aus."

Den Jungs hat die Kultur und Atmosphäre in der Kabine und auf dem Platz gefehlt, die Späßchen zwischendurch. Das Miteinander zeichnet unseren Sport doch aus.

Germania-Trainer Benjamin Duda

Mit 20 Mannschaften und 38 Spielen steht eine wahre Mammutsaison mit vielen Unwägbarkeiten bevor. Was braucht es, um in dieser Regionalliga zu bestehen?

"Unser Erfolgsschlüssel müssen die eingeschworene Gruppe, Teamgeist und Top-Motivation für jedes Match und jede Trainingswoche sein. Wir werden mit Respekt und Demut, aber ohne Angst in die Saison gehen. Es wird ein Kampf um den Klassenerhalt, dem werden wir uns stellen."

Ein Worst Case, der diesmal unbedingt vermieden werden sollte?

"Ich hoffe, dass wir die Saison mit den tollen attraktiven 38 Spielen ganz normal und erfolgreich zu Ende bringen und vor vielen Zuschauern spielen werden. Das hat die Liga einfach verdient."

Benjamin Duda und Hendrik Kuhnhold
Benjamin Duda und Verteidiger Hendrik Kuhnhold während des Testspiels gegen den HFC, das 0:6 verloren ging. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Die Voraussetzungen in der Vorbereitung waren unterschiedlich, einige Teams, die unter Profibedingungen arbeiten, waren schon früher am Ball. Ist das ein Vorteil oder fangen doch alle bei null an?

"Die Saison startet generell bei null. Die EM hat bewiesen, dass im Fußball wie im Leben alles möglich ist. Trotzdem ist es deutlich, dass wir hier mit zwei Extremen arbeiten. Sechs bis acht Mannschaften, die ein Wörtchen um den Aufstieg spielen wollen und die anderen, die sich mit Germania Halberstadt auf Augenhöhe befinden. Da werden dann Kleinigkeiten entscheiden."

Mit der Saisonvorbereitung bin ich …

"… für den Stand jetzt zufrieden und auch im Reinen. Es war ja eine Sondersituation, weil wir die Mannschaft erst am zehnten Tag der Vorbereitung übernommen haben. Wir sind lösungsorientiert rangegangen und der Ist-Zustand im Team passt. Es gibt aber auch ein klitzekleines 'Aber': Wir müssen personell noch nachlegen."

Wo besteht Nachholbedarf?

"Wir haben nur 17 Feldspieler im Team, ich nenne es mal Risiko und Chance zugleich. Risiko, weil man mit 17 Feldspielern keine Saison mit 38 Spielen spielen kann. Chance, weil wir noch drei bis fünf freie Kaderplätze haben. Diese kann ich nach unseren Wünschen und mit meinem Netzwerk füllen." (Amn. Red.: mittlerweile wurde noch Julian Weigel geholt)

Auf welchen Positionen fehlt es denn noch?

"In der Zentrale und auf der dynamischen Außenbahn wollen wir gern noch nachlegen."

Michael Ambrosius
Kapitän Michael Ambrosius hat Halberstadt nach zwei Jahren verlassen. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Welcher Verlust oder Abgang tut weh oder ist nicht zu ersetzen?

"Ich hätte Michael Ambrosius mit Kusshand hier behalten."

Ich hätte Michael Ambrosius mit Kusshand hier behalten.

Germania-Trainer Benjamin Duda

Das macht meine Mannschaft stark, da wird sie die Zweifler überraschen!

"Definitiv mit ihrer Mentalität. Wir sind eine der jüngsten Mannschaften der Liga. Es gilt, mutig zu spielen, zu nerven und eklig zu sein und mit einer Portion Unbekümmertheit die Spiele zu bestreiten."

Welche Mission verfolgt Germania Halberstadt?

"Wir wollen für unseren Standort die Zugehörigkeit in der Regionalliga Nordost sichern, das wird unsere langfristige Mission und das Saisonziel sein."

Es gilt, mutig zu spielen, zu nerven und eklig zu sein.

Germania-Trainer Benjamin Duda

Ein Blick auf die Liga: Was denken Sie, sind Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt?

"Mannschaften wie Luckenwalde, Fürstenwalde und die Aufsteiger Tasmania Berlin und FC Eilenburg sowie Teams, die letzte Saison in unserer Reichweite waren, habe ich da auf dem Zettel."

Letzte Saison gab es mit Viktoria Berlin einen "Senkrechtstarter". Wer kämpft dieses Jahr um Platz eins?

"Ich glaube, dass die Breite im Kampf um Platz eins größer wird. Teams wie Jena, Cottbus, BFC Dynamo und auch der Chemnitzer FC haben diesen Anspruch und ihre Mannschaften ordentlich aufgerüstet."

Benjamin Duda (Halberstadt, Trainer) gibt Anweisungen
Bildrechte: IMAGO / Jan Huebner

Noch ein Blick in die Zukunft. Welche Schlagzeile möchten Sie Mitte Mai 2022 über Ihre Mannschaft/Ihren Verein lesen?

"Germania schafft mit erfrischendem Stil den Klassenerhalt!"

Zum Abschluss: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine – gern steile – These über Ihr Team, die Saison oder die Regionalliga Nordost an sich, die Ihnen am Saisonende durchaus auch um die Ohren fliegen kann. Trotzdem: Keine Scheu!

Wir spielen im Liga-Betrieb einmal vor ausverkauftem Haus.

Herr Duda, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die kommende Saison.

Das Interview führte Sanny Stephan.

Sport

Benjamin Duda - Germania Halberstadt 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach seinem ersten Testspiel mit Halberstadt war der neue Trainer Duda trotz 0:6-Niederlage nicht unzufrieden. Im Interview spricht er unter anderem über Baustellen.

Do 01.07.2021 14:08Uhr 03:08 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-germania-halberstadt-interview-trainer-duda-kader-im-blick-100.html

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Benjamin Duda - Germania Halberstadt 3 min
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Nach seinem ersten Testspiel mit Halberstadt war der neue Trainer Duda trotz 0:6-Niederlage nicht unzufrieden. Im Interview spricht er unter anderem über Baustellen.

Do 01.07.2021 14:08Uhr 03:08 min

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Spieler von VfB Auerbach am Ball.
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 23. Juli 2021 | 21:45 Uhr

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