Fußball | Regionalliga Spieler des Chemnitzer FC feiern mit diskriminierendem Gesang

Der Chemnitzer FC rutscht wieder in die Negativschlagzeilen. Ein Video von der Meisterfeier belegt diskriminierende Gesänge der Spieler. Dabei hatte sich der CFC zuletzt öffentlich gegen braune Ideologien stark gemacht.

Spieler des Chemnitzer FC haben sich im Rahmen der Aufstiegsfeierlichkeiten eine verbale Entgleisung geleistet. Nach dem Heimspiel gegen Meuselwitz am 4. Mai hat die Mannschaft in einer Loge des Stadions einen Spieler mit "... du Zigeuner"-Rufen gefeiert. In einem Video, das der MDR-Sendung "Sport im Osten" anonym zugesendet wurde, sieht und hört man die Mannschaft diesen diskriminierenden und rassistischen Gesang anstimmen. Auch Sportdirektor Thomas Sobotzik, Trainer David Bergner und der ehemalige Präsident des Vereins, Mathias Hänel, sind anwesend und im Bild zu erkennen. Ob sie auch mitgesungen haben, ist nicht ersichtlich. Aus juristischen Gründen wird das Video nicht gezeigt. Es liegt der Redaktion jedoch vor.

Männer in einer Umkleidekabine
Spieler und Verantwortliche des Chemnitzer FC bei der Meisterfeier in einer Loge des Chemnitzer Stadions. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

An diesem Tag zum Spiel gegen Meuselwitz war die Südtribüne des Chemnitzer Stadions leer geblieben. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hatte den Verein nach den Vorkommnissen vom 9. März - als es eine Trauerbekundung für einen Neonazi gab - zu einem Teilausschluss der Zuschauer von drei Spielen verurteilt. Zwei davon waren zur Bewährung ausgesetzt. Das erste Spiel war dieses mit den Aufstiegsfeierlichkeiten nach dem Remis gegen Meuselwitz.

500.000 Sinti und Roma während des Nationalsozialismus ermordet

Das Wort "Zigeuner" ist spätestens seit der Nazizeit schwer belastet, sagt Anja Reuss vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma im MDR-Interview. Es diskriminiere die größte Minderheit Europas, die Sinti und Roma. Rund 10 Millionen Sinti und Roma leben auf dem Kontinent. Viele würden den Begriff "Zigeuner" mit dem Holocaust verbinden, als circa 500.000 Menschen dieser Minderheit von den Nazis ermordet wurden.

"Es ist ein verletzender Begriff", so Reuss. Es gebe viele politische Aktionen, um diesen Begriff aus dem öffentlichen Leben zu verbannen", erklärt sie weiter. "Ich würde den Fußballern nicht mal unterstellen, dass sie das aus einer starken rassistischen Motivation heraus getan haben. Es besteht da einfach sehr viel Unwissen. Dieses Wort wird von Fans und Fußballern häufig als diffamierende Bezeichnung benutzt. Das ist ein großes Problem. Antisemitismus und Antiziganismus müssen mehr thematisiert werden. Die Verbände müssen sich damit mehr auseinandersetzen. Wir laden den Chemnitzer FC sehr gern ein, um mehr über die Minderheit zu lernen", so Reuss.

Anja Reuss 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

CFC seit Montag mit Anti-Rassismus-Beauftragtem

Erst am Montag (13.5.) hatte der Chemnitzer FC mit Daniel Maaß einen Anti-Rassismus-Beauftragten präsentiert. Der 47-Jährige ist seit 2010 für den Bayerischen Fußball-Verband als Konfliktmanager tätig und wird sich nun zudem um die Anti-Rassismus-Arbeit des Chemnitzer FC kümmern. Neben der Erstellung eines Konzeptes für die Anti-Rassismus-Arbeit soll Maaß als Anlaufstelle für Betroffene und Aussteiger fungieren. 

"Die neue Stelle des Anti-Rassismus-Beauftragten ist ein weiterer Baustein im Kampf gegen Rechtsradikalismus. Wir stehen als CFC vor einer großen Herausforderung. Sie soll auch den zahlreichen CFC-Fans, die Rassismus genauso ablehnen wie wir, wieder mehr Sicherheit geben", erklärte gestern Insolvenzverwalter Klaus Siemon in einer Mitteilung des Vereins. Die Schaffung der Stelle war eine weitere Auflage aus dem Sportgerichtsurteil des NOFV.

Der Verein ist am frühen Vormittag mit dem Video konfrontiert worden und wurde um eine Stellungnahme gebeten. Bislang gab es keine Äußerungen dazu von Seiten des Vereins.

Klaus Siemon
Insolvenzverwalter Klaus Siemon. Bildrechte: IMAGO

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red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 14. Mai 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2019, 21:08 Uhr

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232 Kommentare

16.05.2019 20:49 Rolf R 232

@211: die haben mich leider immer noch nicht verstanden.

Es geht darum, dass mit diesem Ausruf (xyz-ihr/du Zigeuner) jemand bewusst beleidigt werden soll. Das ist die Absicht des Absenders. Und das macht es eben zum Problem. Glauben Sie wirklich Fans und Spieler tätigen diesen Ausspruch damit sich der Adressat danach freut?Das kann doch nicht ihr Ernst sein.
Es ist als Beleidigung gemeint und zwar in dem Sinne, dass mehrere tausend Sinti und Roma zur NS Zeit verfolgt und getötet wurden. Und das wünscht man dem Adressaten.

16.05.2019 19:14 Bernhard 231

@226
Schlechte Presse keine Sponsoren keine Lizenz Frage beantwortet.

16.05.2019 19:05 Dr. Kurt Fischer 230

Es steht außer Frage, dass die Mannschaft mit dem Singen dieses Liedes einen Fehler begangen hat, den man auch benennen und thematisieren muss. Daraus allerdings einen Skandal zu machen, ist doch reichlich überzogen. Wo, lieber MDR bleibt denn Euer Aufschrei, wenn in Dresden Nazibanner im Stadion hängen (beim Spiel gegen St. Pauli) oder Aues Leonhardt sein Frauenbild von vor 80 Jahren preißt? Ist das Euer Verständnis von objektiver Berichterstattung?

16.05.2019 17:48 Chef 229

@198. dem hätte Mann nicht mal zugestimmt wenn sie 200 Millionen hin geblättert hätten

16.05.2019 17:43 Kalli 228

@223:

Richtig, bitte feiert die Mannschaft und die, die gute Arbeit geleistet haben. Alle die wieder nur Stunk machen wollen bleibt bitte zu Hause und sucht euch einen anderen Verein. Euch wollen wir nicht mehr in der Südkurve. Siemon for President and Subozik for ever Sportdirektor. Danke an alle außer die Ultras, ihr und euer Herr Georgie macht alles kaputt und niemand sonst.

16.05.2019 17:35 lunatic 227

II. Ich will das auch gar nicht rechtfertigen. Ich find´s nicht schön, auch unangebracht, aber es ist jetzt auch nicht der Skandal, zu dem es jetzt wieder wird. Der mdr muss sich nach wochenlangem CFC–Bashing zur Motivation für o.a. Artikel fragen lassen: Cui bono? Wem zum Vorteil? (oder besser wem schadet es? ...)

16.05.2019 17:34 lunatic 226

I. Richtig ist, dass das Wort „Zigeuner“ negativ besetzt ist, auch historisch, genauso wenig sagt man heute (z.T. veraltete) Begriffe wie „Neger“, „Mohr“, „Kanake“, „Polacke“, „Itaker“, „Japse“, „Fidschi“ oder „Eskimo“- die Begriffe können als Beleidigung aufgefasst werden, müssen aber nicht zwangsläufig rassistisch gemeint sein. Es ist aber auch ein riesiger Unterschied, wenn von einer Tribüne „Schiri, du Zigeuner!“ oder „Juden(Dynamo) Berlin!“ skandiert wird, was allemal beleidigend und wahrscheinlich rassistisch/antisemitisch ist, oder wenn dem entgegen bei einer privaten Feier zwar ziemlich dümmlich ein veraltetes stigmatisierendes Klischee eines „Zigeuners“ bedient wird, was aber nicht böse oder beleidigend (eher im Sinne von „Du Schlitzohr“, „Räuber“…), also eher selbstironisch gemeint war. Allenfalls der Bulgare Kostadin Velkov im CFC- Kader könnte sich als gg. Meuselwitz handelnder Akteur davon beleidigt gefühlt haben, obgleich er wohl gar kein Roma(„Zigeuner“)ist.

16.05.2019 16:55 HarryHirsch 225

Nach einem Tag der Sprachlosigkeit nun auch meine Analyse: Nach einem Bierchen singen die Fußballer ein Lied und bezeichnen dabei einen der ihren mit: Du Zigeuner. Skandal! Da muss der MDR einen Bericht draus machen - logisch ! Auch ganz wichtig ist die Einblendung in Fettschrift: "500.000 Sinti und Roma während des Nationalsozialismus ermordet" Fazit: Die Chemnitzer Fußballer billigen das. Deshalb darf man sie ja auch öffentlich als Nazis beschimpfen (31.03.19 - Lok gegen CFC- deutlich im Livestream zu hören!). Der MDR wurde darauf hingewiesen, sollte davon berichten. Hat er aber nicht. Warum? Weil die Chemnitzer Fußballer nun mal alle Faschos und Rassisten sind. So einfach ist das. Lieber MDR: So arbeiten Sie Tag für Tag an der Spaltung unserer Gesellschaft. Danke !

16.05.2019 15:59 Theresa 224

@ Murmel

solltet ihr wieder vorhaben, Stunk zu machen, bleibt den Feierlichkeiten bitte fern! Die Spieler, Trainer, und ja besonders ein Herr Sobotzik haben sich die Feier redlich verdient für ihre ausgezeichneten Leistungen. Da braucht es keine geistlosen Störenfriede!

Sehr viele Fans haben die Faxen dicke von euch! Ihr habt uns den ganzen medialen Shitstorm mit eurer Aktion vom 9.3. eingebrockt. Von euch kommt nur Hass, Reue Fehlanzeige!

16.05.2019 15:54 Chili Palmer 223

@218: Kommentiert einer, der selbst mit heruntergelassener Hose dasteht...

@Sr.Raul: Sach ma, hast du echt nichts besseres zu tun? Schlagworte: Karau, Panzerfaust.

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