Fußball | Regionalliga Auerbach-Manager Kramer: Ungleichbehandlung in der Regionalliga zu Lasten der Amateurklubs

Der Amateursport steht ab Montag in Deutschland still. Der Manager des VfB Auerbach kritisiert, dass in der Pandemie die Vereine in der vierthöchsten Spielklasse nicht gleichbehandelt werden.

Auerbach 1 min
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Der Manager von Fußball-Regionalligist VfB Auerbach, Volkhardt Kramer, hat nach der ab dem 2. November beschlossenen Einstellung des Spielbetriebs in der Regionalliga eine finanzielle Ungleichbehandlung der Klubs angeprangert – unter dem Regionalliga-Lockdown würden vor allem die reinen Amateurklubs leiden.

SpiO Talk mit Volkhardt Kramer (Manager VfB Auerbach) 16 min
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Amateurklubs müssen zahlen - für Profis zahlt das Arbeitsamt

VfB Auerbach, Volkhardt Kramer
Kramer: "Zwitterliga - das ist das Problem." Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Vereine, die ihre Spieler als Profis angestellt haben, würden Geld vom Arbeitsamt bekommen, Amateurvereine nicht, so Kramer am Freitag (30.10.2020) im "SpiO"-Talk. "Diese Liga ist eine Zwitterliga. Das ist das Problem. Sie gilt als höchste Amateurliga. Einige Vereine trainieren aber unter Vollprofi-Bedingungen. Unsere Spieler bekommen als Vertragsspieler kleine Gehälter, die müssen weiter gezahlt werden. Andere Vereine wie Chemnitz können ihre Spieler auf das Arbeitsamt schicken, dort bekommen sie Kurzarbeitergeld."

Ohne Zuschauer fehlen 5.000 - 6.000 Euro

Blick von der Tribüne ins Stadion
Kramer: "Müssen uns überlegen, wie wir ohne Zuschauer über die Zeit kommen". Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Zu einem möglichen Neustart der Regionalliga ohne Zuschauer im Dezember hat der Vogtländer keine klare Meinung. Einerseits: "Ohne Zuschauer, das würde uns sehr belasten." Schließlich würden die 5.000 bis 6.000 Euro, die pro Heimspiel durch die rund 600 Zuschauer eingenommen werden, auch zur Finanzierung der Auswärtsfahrten genutzt. Andererseits: "Wir müssen uns überlegen, wie wir ohne Zuschauer über die Zeit kommen. Es geht auch darum, unsere Partner zu präsentieren. Da würde das Angebot des MDR, die Spiele im Livestream zu zeigen, sehr helfen."

Kompletter Jahresurlaub für einen Re-Start?

Probleme ganz anderer Art würde die Wiederaufnahme der Liga aber in jedem Fall mit sich bringen – auch wenn der Spielbetrieb tatsächlich nur im November ausgesetzt bleiben sollte. Der Grund: Die ohnehin sehr eng getaktete Regionalliga würde weitere englische Wochen bekommen. "Unsere Spieler haben bereits im Frühjahr zwölf Urlaubstage nehmen müssen. Wenn jetzt noch mehr Mittwochsspiele dazukommen, geht vielleicht der ganze Urlaub drauf." Zudem, so Kramer, müsse man sich Gedanken machen, dass die Mannschaften bei einem Re-Start ausreichend Vorbereitung haben.

"Wir sind nicht der Nabel der Welt"

In einer Pandemiesituation solle sich der Fußball nicht so wichtig nehmen: "Wir sind nicht der Nabel der Welt", so Kramer. Der 69-jährige verweist aber auch auf die Vorbildfunktion den Amateurfußballs in der Gesellschaft. "Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden können, wie wir die Belastung wieder stufenweise steigern können. Wir würden uns freuen, wenn der Amateursport nicht so lange geschlossen wird. Wir vermitteln ja auch unseren Kindern und Jugendlichen, dass Sport wichtig ist."

Dirk Hofmeister

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8 Kommentare

Erler Mueller Feister 67 Meister vor 10 Wochen

Ich habe mittlerweile auch den verdienten Ruhestand erreich und arbeite noch etwas geringfügig nebenbei. ich bekommen nur das vergütet was ich als Leistung erbringe. Das sollte in einem Verein wie Auerbach nicht anders sein, haben doch alle einen Hauptberuflichen Job. Wenn es anders ist sind die Fehler in der Vertragsgestalltung gemacht worden. Nun konnte 2019 keiner wissen das wir mal eine Pantemie erleben, aber spätestens im März sollte das (fast) jeder begriffen haben.

Ballzauber vor 10 Wochen

Ganz ehrlich! Der ganze Fussball ohne Zuschauer oder vor ein paar Zuschauern ist doch total am Ar....! Selbst in der Bundesliga sind das doch bessere Trainingsspiele auf gutem Niveau. Da hörst du jeden Spieler husten und jeden Trainer rufen. Nur das wichtigste fehlt. Die absolute Stimmung, der Aufschrei tausender Menschen usw. und so fort. Das macht keinen Sinn und keinen Spaß mehr. Nicht nur beim Fußball.

FCSL vor 11 Wochen

Meiner Meinung nach ist der VfB Auerbach ein professionell geführter Amateurverein, der immer wieder das beste aus seinen Möglichkeiten bzw. Gegebenheiten (manchmal Gelegenheiten) macht.
Frage in die Runde: Stimmt es, daß die Klubs ihre Vertragsamateure voll weiter bezahlen müssen?
Was die 3. Liga betrifft, macht Deine Argumentation Sinn. Allerdings hat sich die Mehrheit der Klubs schon letzte Saison für eine Weiterführung entschieden. Also muß es Gründe geben, warum ein Weiterspielen ohne Zuschauer auch diesmal besser ist. Ich wüßte keinen, außer daß die Vereine entsprechend geplant haben. Es handelt sich ja im Moment um nur einen Monat. Ich glaube nicht, daß die Auf- und Abstiegssituation entscheidend ist. Ich glaube auch nicht, daß sich die Situation bis Ende November entscheidend ändert, zumindest nicht in die richtige Richtung.