Fußball | Regionalliga Auerbach-Coach Sven Köhler: Mit Heimstärke zum Klassenerhalt

Die beiden Enkelkinder in Chemnitz mussten ein bisschen auf den Großvater warten: Auerbachs Trainer Sven Köhler nahm sich viel Zeit für uns, um über die kommende VfB-Saison und die aktuellen Rahmenbedingungen zu sprechen. Mit der Vorbereitung ist der 55-Jährige noch nicht so ganz zufrieden. Die Basis zum Ziel Klassenerhalt soll im heimischen Stadion mit dem idyllischen Namen "Arena zur Vogtlandweide" geschaffen werden.

Sven Köhler (Trainer VfB Auerbach)
Auerbachs Trainer Sven Köhler Bildrechte: IMAGO / Picture Point

Nach fast neun Monaten Zwangspause steht die neue Regionalligasaison an. Wie erleben Sie derzeit Ihre Mannschaft?

Sven Köhler: "Grundsätzlich sind alle froh, dass es relativ normal abläuft. Und die Hoffnung ist auch groß, dass es nach den zwei schwierigen Jahren wieder ein relativ normales Jahr wird. Die Mannschaft ist motiviert, wir merken aber auch, wir haben relativ viele Abgänge, und wir brauchen noch ein paar Neuzugänge, um konkurrenzfähig zu sein."

Was hat man beim VfB Auerbach am meisten vermisst?

"Den ganze normalen Ablauf, wobei wir das Glück hatten, dass wir seit Januar trainieren durften, das haben wir als sehr positiv empfunden. Die Wettkämpfe, einfach da, wo es um etwas geht, haben uns ein Stück weit gefehlt. Da gab es dann nur das Sachensenpokal-Viertelfinale Anfang Mai beim Chemnitzer FC."

Das Sie 0:1 verloren haben, womit die Wettkampfsaison dann zuende war. Mit welchem Blick richten Sie ihre Augen Richtung kommende Saison?

"Dahingehend, dass es für uns wie jedes Jahr darum geht, den Klassenerhalt zu schaffen. Und das in einer schwierigen Zeit."

Was macht es so schwierig für den VfB?

"Es gab einfach unterschiedliche Bedingungen, die Liga ist zweigeteilt. Wir konnten kein Testspiel mittags um 13 Uhr machen. Die Profivereine konnten sich zudem mit Kurzarbeitergeld ein Stück weit refinanzieren. Das ging bei uns nicht. Mit unserer Nebenberuflichkeit ist viel an Corona-Hilfen an uns vorbei gegangen. Das hat Spuren hinterlassen und macht die Arbeit für einen Verein wie Auerbach nicht einfacher. Natürlich auch sportlich nicht. Deshalb hoffe ich, dass wir in dieser Saison einfach nicht hinten herein rutschen."

Es gab einfach unterschiedliche Bedingungen, die Liga ist zweigeteilt.

VfB-Trainer Sven Köhler

Mit 20 Mannschaften und 38 Spielen steht eine wahre Mammutsaison mit vielen Unwägbarkeiten bevor. Was braucht es, um in dieser Regionalliga zu bestehen?

"Es braucht eine engagierte Leistung, eine Leidenschaft, die den Auerbacher Fußball immer ausgezeichnet hat. Diese Heimstärke - Du bist immer ungern hierher gefahren: 'Auerbach? Da fahren wir nicht so gerne hin, das ist ein schwieriges Pflaster!'."

Mit der Saisonvorbereitung bin ich …

"Nur halb zufrieden. Wir haben eine ordentliche Vorbereitung gemacht, die Jungs haben gut mitgezogen. Aber es fehlt uns schon noch der eine oder andere Spieler."

Auf welchen Positionen fehlt es denn noch?

"Wir brauchen in der Abwehr und im Offensivbereich jeweils noch einen Spieler."

Welche Abgänge tun weh?

"Marcel Schlosser, der ja schon im Januar ging, sowieso. Ihnen wollten wir mit Florian Hansch ersetzen, der geht nun auch wieder. Unser großes Talent Yannic Voigt, den es nach Zwickau zog. Das Mittelfeld mit Michael Schlicht, Paul Horschig, Hendrik Wurr sowie Verteidiger Alexander Morosow, der in der Oberliga bei Plauen bessere Perspektiven sieht. Die Jungs müssen eben auch an die Zeit nach dem Fußball denken."

Wer sind Ihre Korsettstangen?

"Unser Torjäger Marc-Philipp Zimmermann, der gerade seine Polizeiausbildung fertig gemacht hat. Unser Torwart Stefan Schmidt, dazu die Innenverteidiger Philipp Müller und Marcin Sieber.

Marc-Philipp Zimmermann (VfB Auerbach)
Marc-Philipp Zimmermann (re.) und Sven Köhler Bildrechte: imago images / opokupix

Was macht Ihre Mannschaft stark?

"Unsere Stärke muss es sein, über eine hohe Laufbereitschaft und eine hohe Moral, es den Gegnern schwer zu machen gegen uns zu spielen."

Wollen es den Gegnern mit hoher Laufbereitschaft und hoher Moral schwer machen.

VfB-Trainer Sven Köhler

Ein Blick auf die Liga: Was denken Sie, sind die Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt?

"Ich denke da an Rathenow, TeBe, Luckenwalde, Lichtenberg, Halberstadt, Fürstenwalde, Tasmania Berlin und Eilenburg."

Letzte Saison gab es mit Viktoria Berlin einen "Senkrechtstarter". Wer kämpft dieses Jahr um Platz eins?

"Jede Menge Mannschaften kommen da in Frage. Fast die Hälfte der Liga. Altglienicke, die sind nun zweimal knapp gescheitert. Jena schätze ich stark ein, Lok hat eine gute Truppe. Chemnitz allein schon aus der Tradition heraus, Chemie hat eine richtig gute Saison gespielt, Cottbus mit Pele Wollitz. Vereine wie Meuselwitz, wo Hubert Wolf geschickt eingekauft hat, und der Berliner AK könnten für eine Überraschung sorgen."

Zu Ihnen selbst: Sie haben einen unbefristeten Vertrag in Auerbach. Der hat sich nun wieder um ein Jahr bis 2022 verlängert. Warum weiterhin beim VfB?

"Ja, wir legen keine Vertragslaufzeit fest. Es ist eine angenehme Zusammenarbeit hier mit Manager Volkhardt Kramer und Aufsichtsratschef Steffen Dünger. Wir haben ein sehr offenes Verhältnis. Mir macht die Arbeit Spaß."

Volkhardt Kramer Manager VfB Auerbach li. und Sven Köhler Trainer VfB Auerbach im Gespräch
Sven Köhler (re.) und Auerbachs langjähriger Manager Volkhardt Kramer Bildrechte: imago images/opokupix

Sie haben immerhin acht Jahre beim Halleschen FC gearbeitet und den HFC in die 3. Liga geführt. Gibt es noch Ambitionen, wieder in dieser Liga zu arbeiten?

"Das ist immer ein reizvolles Ziel. Wenn da eine Anfrage käme, dann würdest Du immer überlegen. Ich bin aber auch lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass die Fußball-Republik nicht nach einem 55-jährigen Trainer sucht."

3. Liga ist immer ein reizvolles Ziel.

VfB-Trainer Sven Köhler

Noch ein Blick in die Zukunft. Welche Schlagzeile möchten Sie Mitte Mai 2022 über Ihre Mannschaft lesen?

"Auerbach hat zum wiederholten Male den Klassenerhalt souverän gemeistert."

Herr Köhler, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die kommende Saison.

Das Interview führte Christian Kerber.

Videos aus der Regionalliga

Aktuell_2145_Chemnitz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle anzeigen (50)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 23. Juli 2021 | 21:45 Uhr

3 Kommentare

rejo vor 1 Wochen

Wünsche dem VfB für die neue Saison alles gute.
Für mich ein sehr sympatischer Verein und auch ein bodenständiger.
Der Trainer ist cool.
Also ihr werdet die Liga halten.
Sportliche BGW GRÜSSE AUS DEM PARADIES

TYPISCH PLAUEN FUHRE ANDY vor 1 Wochen

Mit dem derzeitigen Kader kann niemand erwarten die Klasse zu halten.
Da braucht es noch drei , vier Ergänzungsspieler.
Tipp : mal beim VFC umsehen...

Zwickauer1 vor 1 Wochen

Wird schwer für Auerbach.
Ich drücke Euch die Daumen.
Arbeitet weiterhin wie bisher dann funktioniert das schon. In Auerbach werden zum Glück keine himmelblauen Luftschlösser gebaut.
Sportliche Grüße aus Zwickau.