Fußball | NOFV Uneinigkeit in der Aufstiegsdebatte - NOFV vor kniffliger Entscheidung

Der Regionalliga droht eine Mammutsaison

Der Saison-Abbruch in der Regionalliga Nordost ist beschlossene Sache. Auch die Spielzeit in der zweigleisigen NOFV-Oberliga könnte bereits am Donnerstag vorzeitig beendet werden. Unklarheit herrscht nach wie vor in der Auf- und Abstiegsfrage. Fest steht: Es wird auch Verlierer geben.

Dunkle Wolken über Fußballplatz
Regionalliga als auch Oberliga waren in dieser Saison immer wieder von dunklen Wolken begleitet. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Jan Huebner

Bereits zum zweiten Mal in Folge müssen die Vereine der Regionalliga Nordost ein vorzeitiges Saison-Aus verkraften. Nach monatelangem Hin und Her einigten sich die 20 Klubs mit dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) vergangene Woche darauf, die Spielzeit 2020/21 vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie frühzeitig zu beenden. "Planungssicherheit und wirtschaftliche Vernunft" gaben laut NOFV-Präsident Hermann Winkler am Ende den Ausschlag, um die ohnehin schon finanziell angeschlagenen Vereine nicht noch weiter zu belasten.

NOFV tagt am Donnerstag mit Oberligisten

Doch auch wenn in dieser Saison kein Ball mehr über den Rasen in Halberstadt, Meuselwitz oder Jena rollen wird – sportlich sind nach wie vor einige Themen ungeklärt. Vor allem die Auf- und Abstiegsfrage wirft Fragen auf. Viktoria Berlin soll als Meister aufsteigen, Absteiger soll es keine geben. Darin sind sich die Regionalligisten einig. Ob es hingegen Aufsteiger aus der Oberliga geben wird, ist weiter offen. Ein erstes Stimmungsbild erhofft sich der NOFV von der Zusammenkunft mit den Oberligisten an diesem Donnerstag (1. April). Neben einem möglichen Saisonabbruch soll dabei auch die Aufstiegsfrage in die Regionalliga thematisiert werden. Vorab gehen die Meinungen auseinander.

Auerbach-Manager schlägt Alarm: "Der Terminkalender wird immer voller"

VfB Auerbach, Volkhardt Kramer
Auerbachs Manager Volkhardt Kramer. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

"Die meisten Regionalligisten haben sich für eine Aussetzung der Auf- und Abstiegsregelung ausgesprochen", erklärte Lok Leipzigs Geschäftsführer Martin Mieth im Gespräch mit "Sport im Osten". "Wir würden das Ganze anhand der Staffelstärke bemessen. Je mehr Mannschaften nächste Saison in der Regionalliga spielen werden, desto mehr Wochenspieltage wird es geben. Das muss jeder Verein auch umsetzen können." Volkhardt Kramer, Manager des VfB Auerbach, äußerte sich ähnlich: "Wenn es dabei bleibt, wird es irgendwann eine endlos große Liga geben. Der Terminkalender wird immer voller, am Ende werden wir nicht mehr spielfähig sein."

Liga könnte nächste Saison auf bis zu 23 Teams anwachsen

Die Sorge der Vereine begründet sich durch den ohnehin schon stark aufgeblähten Regionalliga-Spielplan. Durch den vereinbarten Aufstieg von Viktoria Berlin stehen aktuell 19 Teams für die kommende Spielzeit fest, vorausgesetzt es wird keine Absteiger in die Oberliga geben. Das Teilnehmerfeld könnte sich am Ende aber noch auf 23 erhöhen: Mit dem 1. FC Magdeburg schwebt ein Drittligist aus dem Bereich des NOFV weiter in akuter Abstiegsgefahr. Selbst der Hallesche FC könnte nach derzeitigem Tabellenstand noch absteigen.

Darüber hinaus besitzen die Staffelsieger der zweigleisigen NOFV-Oberliga ein Aufstiegsrecht. In der Nord-Staffel steht Tasmania Berlin an der Spitze. Im Süden haben Spitzenreiter FC Eilenburg sowie der VfL Halle, der FC Rot-Weiß Erfurt und der VFC Plauen die Zulassung für die Regionalliga beantragt.

NOFV-Präsident Winkler: "Müssen vor Augen haben, was realistisch ist"

Hermann Winkler
NOFV-Präsident Hermann Winkler Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Sportlich ist es schwierig, sich eine Meinung zu bilden. Jeder, der vorne mitspielt, will aufsteigen. Das ist logisch", erklärte Chemie Leipzigs Vorstandsvorsitzender Frank Kühne die Problematik. Auch NOFV-Präsident Winkler kann die Ambitionen der Oberligisten nachvollziehen, hebt vor allem die emotionale Komponente hervor: "Die Frage des Auf- und Abstiegs hängt immer auch von der persönlichen Tabellensituation ab. Wir müssen aber vor Augen haben, was realistisch ist. Ich habe größten Respekt vor der Spieltagsplanung der nächsten Saison."

FC Eilenburg verweist auf Spielstatuten

Bei der Diskussion geht es aber auch um Gleichberechtigung. Sollte der Verband den Aufstieg aus der Oberliga aussetzen, müsste er zunächst eine Beschlussvorlage formulieren und diese juristisch prüfen. Steffen Tänzer, Präsident des Oberligisten FC Eilenburg, verwies im "Kicker"-Interview auf die Spielstatuten, genauer Paragraph 9. In diesem heißt es: "Muss das Spieljahr aufgrund höherer Gewalt oder nicht vorhersehbarer und nicht beeinflussbarer Ereignisse vorzeitig beendet werden, so ist Staffelsieger, wer zum Zeitpunkt der Beendigung (…) die meisten Punkte (…) bzw. den höchsten Punktequotienten erreicht hat." Viktoria Berlin wurde so der Aufstieg ermöglicht. Warum soll die gleiche Regelung also nicht in der Oberliga greifen?

Ein Argument dürften die bisher absolvierten Spieltage in der Oberliga sein. Die drei punktgleichen Aufstiegsanwärter Eilenburg, Halle und Erfurt haben aktuell neun bzw. zehn von 34 Partien absolviert. "Da kann durchaus diskutiert werden, ob eine Annullierung der Serie ohne Auf- und Absteiger mit ähnlicher Konsequenz wie bei uns erfolgt", meint Germania Halberstadts Präsident Erik Hartmann.

RWE schlägt Playoffs vor

RWE-Geschäftsführer Franz Gerber spricht sich für Playoffs aus. Er hofft, im Mai und Juni noch vier oder fünf Spieltage austragen zu können. Dann hätte auch die Tabelle, die bislang nur neun Spieltage umfasst ("Das sagt ja gar nichts aus", O-Ton Gerber), eine andere Aussagekraft. Eine Aufstiegsrunde im 'Final-Four'-Modus wäre zudem "sportlich gerecht, sehr attraktiv und würde für eine hohe Aufmerksamkeit sorgen", so Gerber. Auch der FC Eilenburg ist dem nicht abgeneigt. "Wenn das NOFV-Präsidium eine Playoff-Runde als realistisch ansieht, dann werden wir uns dieser Sache nicht verschließen. Das wird aber nicht die Sache der Vereine, sondern die der Entscheidungsträger sein", sagte Tänzer.

Sportplatz von oben, Drohnenaufnahme. 2 min
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MDR aktuell 17:45 Uhr Di 23.03.2021 17:45Uhr 01:30 min

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Hartmann: "Egal welchen Schritt man geht – irgendwer wird sich benachteiligt fühlen."

So verlockend der Vorschlag klingen mag – die Umsetzung erscheint unrealistisch. "Wir diskutieren gerne innovative Vorschläge, die von der Basis kommen", bekräftigte NOFV-Präsident Winkler: "Die derzeitigen Entwicklungen und Inzidenzzahlen machen einen solchen Vorschlag aber schwer vorstellbar." Hartmann schätzt es ähnlich ein: "Playoffs passen nicht in die Statuten des NOFV, die eine Saison mit Hin- und Rückspiel vorsehen. Der Spielmodus ist nicht so leicht zu ändern. Zudem gehe ich davon aus, dass wir bei diesen Inzidenzwerten bis Mitte Mai, Mitte Juni keinen Fußball sehen. Aber egal welchen Schritt man geht – irgendwer wird sich benachteiligt fühlen."

Entscheidungsgewalt liegt beim NOFV

Die unterschiedlichen Meinungen verdeutlichen die komplizierte Ausgangslage, an dessen Ende ein Konsens schwer vorstellbar scheint. Sollte sich der NOFV zugunsten der Oberligisten aussprechen, würden die Regionalligisten die Entscheidung jedoch nicht anfechten. "Es wäre vermessen, wenn sich ein Regionalligist in die Wertung der Oberligisten einmischt. Das ist Verbandssache. Die Entscheidung kann in alle Richtungen gehen", betonte Hartmann und blickte voraus: "Grundsätzlich haben wir als Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte gesagt, dass wir durchaus bereit sind, auch mit 21 oder 22 Mannschaften zu spielen. Das Teilnehmerfeld müsste über die Jahre dann wieder abgebaut werden."

Leeres Stadion Regionalliga
Ein Spielbetrieb scheint in dieser Saison ausgeschlossen zu sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zieht sich Bischofswerda freiwillig zurück?

Das Zünglein an der Waage könnte im Endeffekt der Bischofswerdaer FV sein. Präsident Jürgen Neumann hatte bereits im Januar einen freiwilligen Abstieg im Falle eines Saison-Abbruchs ins Spiel gebracht. Das Regionalliga-Schlusslicht will jedoch zunächst die finalen Beratungen des Verbandes am 16. April abwarten, ehe man eine endgültige Entscheidung trifft. Nicht ausgeschlossen, dass die mit viel Unsicherheit verbundene Warterei dann in eine weitere Runde geht.

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jsc

Videos aus der Regionalliga

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Lukas Aigner (Chemnitzer FC)
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Doch kein Auswärtsdreier für den FC Energie Cottbus in Chemnitz: Lukas Aigner trifft in der Regionalliga-Partie kurz vor Schluss (90.+5) für den Chemnitzer FC.

Mi 20.10.2021 21:08Uhr 00:59 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-chemnitzer-fc-energie-cottbus-tore-100.html

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 03. April 2021 | 14:00 Uhr

9 Kommentare

Thommi Tulpe vor 29 Wochen

Vereins-"Patriotismus" in allen Ehren. Träumen ist auch erlaubt. Es ist sicher so, dass "Ihre" Lok in der Regionalliga zu den Vereinen gehört, welche die meisten Zuschauer anzieht, so nicht gerade Pandemie ist. Das berechtigt aber noch lange nicht zur Arroganz, Eilenburg und Halle 96 als "Dorfvereine" zu verunglimpfen! Spielte Lok nicht mal in Liga 11? Und das als Verein, der Ihrer Meinung nach in den Profifußball gehört? Hatte Lok nicht in der letzten Saison die große (meiner Meinung nach: vorläufig einmalige) Chance, sich für den Profifußball zu qualifizieren? Und noch etwas: Sowohl Eilenburg als auch Halle 96 spielten bereits 4. Liga als "Ihre" Lok sich aus den "untersten Gefilden" des deutschen Amateurfußballs wieder nach "oben" mühte. EINMAL = IMMER!!! Und sparen Sie Sich bitte, mich damit auszukontern, sich wieder auf Duelle mit Blau-Weiß zu freuen! Noch ist es lange nicht soweit!

Eiserner vor 29 Wochen

Was hat das mit der Oberliga zu tun? Nichts! ;)
Und das Stadionproblem von Viktoria liegt nicht unbedingt an der Stadt. Der Jahnsportpark wird halt umgebaut und steht deshalb nicht zur Verfügung. Aber ins Olympiastadion, dass der Stadt gehört, will die Viktoria zum Beispiel nicht. Weil es ihnen zu groß ist. Ja, dann müssen sie selbst eine Lösung finden. Entweder das Mommsenstadion von TeBe (das müsste aber auch angepasst und modernisiert werden oder man einigt sich mit Union und spielt in der Alten Försterei. Alternativ ginge auch das Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg, dass ebenfalls Drittliga-tauglich ist.

Zurück zum Thema: Wenn es in der Regionalliga einen Aufsteiger gibt, müssen die Oberligisten aus Gründen des Fairplay auch einen solchen bekommen. Nur sind die Wünsche vom Dritten aus Erfurt dafür unerheblich. Sieht dann schwer nach Quotientenregel aus. Im Letzten Jahr war es in der Regio ja auch sehr eng und da hat man es so gelöst.

Hannchen vor 29 Wochen

Dorfvereine wie Eilenburg oder Halle 96 in der Regionalliga. Hilfe ! Zum Glück steigt der ruhmreiche 1.FC LOK LEIPZIG nächste Saison auf und ist dort, wo er hingehört. Im Profifußball !!!