Fußball | Regionalliga Bundesgerichtshof befasst sich mit Carl-Zeiss-Jena-Antrag

Der FC Carl Zeiss Jena wird nicht müde. Im Kampf um Gerechtigkeit im Streitfall um Strafzahlungen wegen Vergehen der Fans hat der FCC nun ein kleines Etappenziel erreicht: Jena wird vorm Bundesgerichtshof vorstellig. Das Gericht hat eine mündliche Verhandlung anberaumt. Dort soll nun geklärt werden, ob man für etwas bestraft werden kann, was man nicht verantwortet hat.

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Chris Förster Geschäfsführer Carl Zeiss Jena Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Carl Zeiss Jena kämpft weiter gegen die aus seiner Sicht unrechtmäßigen Strafzahlungen für Pyrovergehen der eigenen Anhänger. Nachdem das Oberlandesgericht Frankfurt einen Antrag der Jenaer im letzten Jahr abgewiesen hatte, hatte der Verein Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) eingereicht. Diese wird nun am 1. Juli in einem mündlichen Verfahren verhandelt.

Förster: Es gibt Redebedarf

Das verbucht FCC-Geschäftsführer Chris Förster als Erfolg. Seine Interpretation ist, dass vom BGH die vorherigen Richtersprüche in Zweifel gezogen werden. "Wenn dort alles klar gewesen wäre, hätte der BGH den Antrag schriftlich abweisen können. Das hat er aber nicht getan. Man hat also Redebedarf", so Förster.

"Wenn die Entscheidung vom BGH so getroffen werden sollte, wie wir sie anstreben, hätte sie weitreichende Folgen im zukünftigen Vorgehen bei der Bestrafung von Pyrovergehen", glaubt Förster. Für den Verein gehe es nicht in erster Linie um das Erstatten von Strafzahlungen, sondern um Rechtssicherheit bei solchen Vergehen, betonte Förster.

Bundesgerichtshof Karlsruhe
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe Bildrechte: imago images/Gutschalk

Worum geht es?

Der Thüringer Regionalligist war im Jahr 2018 - damals spielte Jena noch in der 3. Liga - wegen mehreren Pyroaktionen seiner Fans vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu einer Strafe von 24.900 Euro verurteilt worden. Nach weiteren Vorfällen beläuft sich die Summe inzwischen auf knapp 100.000 Euro, bestätigt Förster. Der Verein habe diese Strafen gezahlt, will sie aber vom DFB zurückfordern.

Die Argumentation der Jenaer ist: Der Verein habe alles versucht, dass keine Pyrotechnik ins Stadion komme. Die Übeltäter aber finden trotzdem Möglichkeiten, die der Verein nicht verhindern kann. "Insofern trifft uns keine Schuld. Und dann kann man auch nicht bestraft werden", erklärte Förster mehrfach. Dabei erkennt Förster an, dass ein Verein für einen durch seine Fans verursachten Schaden haften müsse, so wie es auch der Internationale Gerichtshof CAS mehrfach bestätigt hat. Beim Einsatz von Pyrotechnik aber entstehe kein Schaden. "Es gibt also keinen Grund für etwas zu haften", so Förster: "Da passt etwas nicht zusammen."

Verweis auf das DFB-Pokalfinale

Förster geht es bei dem Streit um grundsätzliche Dinge, die geklärt werden müssen. Er findet es auch vollkommen unverständlich, dass der DFB als Veranstalter des DFB-Pokalfinals es selbst nicht schafft, das Abbrennen von Pyrotechnik zu verhindern, danach aber die Vereine dafür bestraft, obwohl diese gar nicht für Einlasskontrollen zuständig sind. "Man haftet für seine eigene Sippe. Das ist anachronistisch. Das wollen wir geklärt haben", erklärt Förster. Dass es auch dem großen Fußball-Bund nicht gelinge, dass Pyrotechnik bei "seinen" Veranstaltungen zum Einsatz komme, sei für Förster ein Beweis dafür, dass es schlicht nicht zu verhindern sei.

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Jena verlässt die Sportgerichtsbarkeit

Nachdem Jena vor dem DFB-Bundesgericht den Kürzeren gezogen hatte, wollten die Thüringer vor dem Ständigen Schiedsgericht für die 3. Liga feststellen lassen, ob der Schiedsvertrag zwischen den Parteien überhaupt gültig sein. Als auch dieser Antrag abgelehnt wurde und die DFB-Instanzen ausgeschöpft waren, folgte der Gang vor ein Zivilgericht.

Zunächst wurde das Oberlandesgericht Frankfurt angerufen. Dort aber sah man sich nicht zuständig und wies den Antrag ebenfalls ab. Die Frankfurter Richter argumentierten, dass sich Jena mit seiner Teilnahme an der 3. Liga der Sportgerichtsbarkeit unterworfen habe und deswegen das Ständige Schiedsgericht für die 3. Liga ein echtes Schiedsgericht sei, so dass der Rechtsweg zu ordentlichen Gerichten wirksam ausgeschlossen worden sei. Nun aber scheint Jena vor dem Bundesgerichtshof doch Gehör zu finden.

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Raphael Honndorf

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 10. April 2021 | 16:00 Uhr

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