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Fußball | RegionalligaNeuer Gesellschafter für den FC Carl Zeiss Jena – "Es mutet an wie der FC Bayern des Ostens"

von Till Oppermann

Stand: 11. Februar 2022, 12:51 Uhr

Mit Lars Eberlein soll es beim FC Carl Zeiss Jena nach oben gehen – aber nachhaltig und ohne Verluste. Wie bei Erzgebirge Aue und dem 1. FC Magdeburg soll die ganze Region dabei helfen. Die Verzahnung mit Eberleins Basketballern erinnert einen Jenaer Verantwortlichen an ein noch größeres Vorbild.

Mit großen Träumen ist es bei Traditionsvereinen nie weit her, da bildet auch der FC Carl Zeiss Jena keine Ausnahme. "Es mutet an wie der FC Bayern München des Ostens", die hätten schließlich auch Fußballer und Basketballer, scherzte FCC-Geschäfsführer Chris Förster am Freitag (11. Februar) angesichts des geplanten Einstiegs des lokalen Unternehmers Lars Eberlein in den Klub. Der 50-Jährige ist als langjähriger Investor beim Basketball-Zweitligisten ScienceCity Jena längst ein bekanntes Gesicht im Jenaer Sport.

Eberlein: "Die Region muss das bezahlen"

Bei der Pressekonferenz des FC Carl Zeiss Jena zur Vorstellung des "Zukunftskonzepts" kam zusammen, was zusammen gehört – zumindest nach Meinung der vier Herren auf dem Podium. Vereinspräsident Klaus Berka, Aufsichtsratschef Dr. Mario Voigt, Geschäftsführer Chris Förster und natürlich Eberlein hatten ein gemeinsames Lieblingswort: "Synergien." Ob beim Sponsoring, im Jugendbereich, im Zusammenspiel mit den Fans und Mitgliedern und bei der Verzahnung mit dem Umfeld – in Zukunft soll in Jena alles gemeinsam geschehen. Gesellschafter-Anwärter Eberlein erklärte den neuen Ansatz so: "Wenn die Region Fußball in der zweiten oder dritten Liga will, dann muss die Region das auch bezahlen."

Lars Eberlin (re.) will neben Roland Duchatelet (li.) der zweite Investor bei Carl Zeiss Jena werden. Bildrechte: imago/MDR

Ziel: In den deutschen Top-50 etablieren

Das ist ein Paradigmenwechsel für den FCC. Seit der Belgier Roland Duchâtelet vor acht Jahren als Gesellschafter bei Jena eingestiegen war, glich er regelmäßig die finanziellen Defizite des Profibereichs aus. Damit ist nun Schluss, noch einmal soll Duchâtelet zu Saisonende die Lücke in der FCC-Jahreskasse schließen, die Geschäftsführer Förster ungefähr auf 1,2 Millionen Euro jährlich bezifferte. Danach habe man zwar keine Verbindlichkeiten, sagte Förster, aber: "Das Cash ist dann quasi bei Null." In Zukunft wolle man zeigen, dass es auch ohne Verluste gehe.

Derzeit versucht sich das Männerteam des FC Carl Zeiss Jena an der Rückkehr in die 3. Liga. Bildrechte: imago images/Christoph Worsch

Die Region soll es richten. So kann man das neue Konzept des FC Carl Zeiss Jena in einem Satz zusammenfassen. Dabei helfen will Lars Eberlein, einer der Betreiber des neuen Stadions. Mit der Verzahnung der Vermarktung seiner Basketballer von ScienceCity Jena und des FCC sollen mittelfristig für beide Klubs neue Sponsoren aus Jena und Umgebung aquiriert werden. Kurzfristig will der Verein die Gesellschafterstruktur der Spielbetriebs-GmbH erweitern und knapp zwei Millionen Euro für den Profibereich einnehmen, Geld von Lars Eberlein.

Langfristig soll sich der Verein unter den Top-50 im deutschen Fußball etablieren – also immer mindestens 14. in der dritten Liga werden, wie Aufsichtsrat Voigt mehrfach bekräftigte.

Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Neue Sponsoren und Vertrauen in den Nachwuchs

Um dieses sportliche Ziel zu finanzieren, könnte das Netzwerk von Eberleins Unternehmen "Jenarena" helfen, das auch das neue Stadion betreiben wird. Generell steht das modernisierte Ernst-Abbe-Sportfeld im Mittelpunkt der Jenaer Träume: "Wir laufen in eine Zeit, wo in ganz Thüringen massiv Fachkräfte fehlen", prognostizierte Voigt. Für Unternehmen aus der Region gebe es deshalb "keine bessere Werbung als ein volles Stadion beim FCC".

Um bei Sponsoren, Mitgliedern und Fans in Zukunft eine größere Identifikation zu schaffen, steht die Weiterenwicklung der eigenen Nachwuchsabteilung im Mittelpunkt. "Spieler wie Ducke, Schneider, Enke, Petersen kamen alle aus unserer Jugend", erklärte Voigt. Trotzdem sei man ein erfolgsorientierter Sportverein. "Wir wollen mit Vehemenz in die nächste Liga kommen", sagte der CDU-Politiker. Aber das sei eben nur möglich, wenn die ganze Region an einem Strang ziehen würde, fügte Förster an. "Das macht das Erzgebirge vor, das macht Magdeburg vor."

Am 5. März entscheiden die Mitglieder

Über das "Zukunftskonzept" und die infrastrukturellen Neuausrichtung sollen die Mitglieder in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 5. März abstimmen. Die Vereinsgremien haben bereits zugestimmt, wie Berka verkündete. Gerade Lars Eberlein war bemüht, gar nicht den Eindruck des geldgierigen Investors entstehen zu lassen. Er selbst sehe sich eher als Gesellschafter und betonte sein Verständnis für ein Kernanliegen der Fanszene: "Der Verein muss stark sein, man muss 50+1 richtig leben." Nicht nur deshalb ist Eberlein optimistisch: "Wenn das klappt, wird es tolle Zeiten geben."

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 12. Februar 2022 | 14:00 Uhr

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