Fußball | Regionalliga FC Carl Zeiss Jena - Chancen und Risiken nach Umbruch im Paradies

Die Regionalliga Nordost startet am Freitag (05.08.) in ihre neue Spielzeit. Mit dabei ist auch wieder der FC Carl Zeiss Jena. Wie ist die Ausgangslage im Paradies, und was ist sportlich nach dem großen Umbruch möglich? Der Teamcheck von "Sport im Osten" zeigt es.

Fahnenträger mit Jenaer Flaggen im Ernst-Abbe-Sportfeld
Das "Zukunftsprojekt" Carl Zeiss Jena hat gerade begonnen. Perspektivisch soll es mit einem modernen Stadion nach oben gehen. (Archiv) Bildrechte: IMAGO/Karina Hessland

Das Saisonziel Aufstieg in die 3. Liga hat der FC Carl Zeiss Jena in der vergangenen Saison verpasst. Die dritte Spielzeit in der Regionalliga Nordost nacheinander war damit besiegelt. Immerhin reichte es für die Mannschaft von Trainer Andreas Patz in der Tabelle für Platz zwei, doch zufrieden war man damit nicht. Die Konsequenz: ein Umbruch, der sich über so ziemlich alle Bereiche des Vereins erstreckt.

Durch den Rückzug ins zweite Glied von Investor Roland Duchatelet ist der Etat im Vergleich zur Vorsaison deutlich gesunken. Leidtragende dieses Schritts ist unter anderem die zweite Mannschaft, die komplett aufgelöst wurde. Das Zukunftskonzept des Vereins zielt darauf ab, weniger gestandene und damit kostspielige Spieler von außen zu holen und stattdessen mehr auf den eigenen Nachwuchs zu setzen und diesen zu entwickeln. In Jena soll etwas entstehen, das perspektivisch, auch mit dem neuen Stadion als Pfund, in die 3. Liga aufsteigen und dort bestehen kann.

Roland Duchatelet
Von Investor Roland Duchatelet wird es für Carl Zeiss Jena keine großen Darlehen mehr geben. (Archiv) Bildrechte: imago images / Christoph Worsch

Wie setzt sich der Kader zusammen?

Ein Umbruch im Fußball bedeutet auch immer ein großes Wechselspiel im Kader. Mit 13 Spielern musste ein nicht unerheblicher Teil davon aus der vergangenen Saison gehen. Neun Spieler wurden neu nach Jena geholt, plus vier aus dem eigenen Nachwuchs. Vor allem im Angriff hat man durch Spieler wie die Torjäger Fabian Eisele und Maximilian Wolfram enorme Qualität verloren. Ihre 40 Tore aus der vergangenen Spielzeit muss die Mannschaft in der Breite auffangen. Die offensiv-orientierten Neuzugänge wie Jan Dahlke, Justin Petermann oder Pasqual Verkamp haben das Zeug dazu.

Der defensive Mittelfeldmann Lukas Lämmel und Verteidiger Ugurz Tezel sollen für Stabilität vor dem eigenen Tor sorgen. In letzter Reihe steht nun Kevin Kunz als Ersatz für die abgewanderten Torhüter Lukas Sedlak und Tom Müller. Verlängerter Arm des Trainers ist weiterhin Kapitän Bastian Strietzel. Seine Führung wird nötig sein, denn insgesamt ist das Team extrem jung. Nur fünf Spieler sind älter als 25, die meisten deutlich jünger.

Bastian Strietzel (Jena) am Ball
In der jungen FCC-Mannschaft lastet viel Verantwortung auf Kapitän Strietzel. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Wie lief die Vorbereitung?

Die Vorbereitung hatte Höhen und Tiefen - wie so oft, wenn eine Mannschaft neu zusammengestellt und viel vom Trainerteam probiert wird. Rein statistisch ist die Bilanz ordentlich. In sechs Testspielen gab es drei Siege und lediglich eine Niederlage (1:3 gegen Hessen Kassel). In den zwei Unentschieden überzeugte der FCC beim 2:2 gegen den FSV Zwickau.

Das größte Ausrufezeichen setzte die Mannschaft von Andreas Patz aber am vergangenen Wochenende im DFB-Pokal. Erst nach Verlängerung musste sich die junge Jenaer Truppe mit 0:1 gegen den Bundesligisten VfL Wolfsburg geschlagen geben. Die Lobeshymnen nach der starken sportlichen Leistung waren laut, sie verstummten allerdings prompt durch die skandalösen Entgleisungen einiger FCC-Chaoten.

Luca Waldschmidt 7, Wolfsburg, gegen Marcel Hoppe 15, Jena
Jena zeigte im DFB-Pokal eine beachtliche Leistung gegen den VfL Wolfsburg. (Archiv) Bildrechte: IMAGO/Picture Point LE

Was ist drin in der Saison?

Die Einspar-Maßnahmen im Verein wirken sich offenbar auch auf die Formulierung von Saisonzielen aus. Man hat in diesem Jahr nämlich darauf verzichtet, eines auszugeben. Klar ist dennoch, dass der Blick beim FCC eher nach oben als nach unten geht. Greifen die Rädchen ineinander, so wie über weite Phasen gegen den VfL Wolfsburg, ist für die junge Mannschaft vieles drin - möglicherweise sogar der eine Platz weiter vorn als in der vergangenen Saison.

Ein holpriger Saisonstart, der mit Viktoria Berlin und dem BFC Dynamo gleich namhafte Konkurrenz innerhalb der ersten vier Spieltage bereithält, könnte allerdings auf Grund der fehlenden Erfahrung auch genau das Gegenteil bewirken.


(ten)

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 07. August 2022 | 16:00 Uhr

2 Kommentare

Der alleswissende Besserwisser vor 2 Wochen

Hinter Altglienicke ist der FCC definiert der zweite Favorit auf den Aufstieg. Ok, von Vereinsseite ist das Statement zum "Übergangsjahr" nachvollziehbar. Aber bei klarer Analyse der Fakten, ist der ruhmreiche FCC hinter der VSG und mit Hertha II, in Nuancen dahinter Babelsberg, einer der vier Favoriten.

Wolfram und Eisele wurden durch bessere Qualität ersetzt. Verkampf, Dahlke, Muomio, der auch in der Abwehr was richten kann und Petermann. Das sieht auf dem Platz nach mehr Qualität als auf dem Papier aus. Der Kunz im Tor ist wohl einer von drei Top-Keepern in der Liga.

Die Abwehr ist sowieso spitze. Strietzel, Lange und Hehne, vielleicht dazu Hoppe, dass ist für Regionalliga schon oberstes Regal.

Der Spielplan spricht zudem für uns. Viktorias junge Truppe nicht eingespielt, Greifswald vielleicht auch noch Anpassungsprobleme und dann der BFC, der wohl ne Wundertüte ist. Am Ende der Saison Lok und Hertha.

Mit etwas Glück, wenn Dahlke und Verkamp zünden, geht Platz 1 nach Thüringen!

ickes vor 2 Wochen

Mensch MDR …,ihr macht doch schon beim Schreiben Fehler🙄
Der FCC kam nicht in die Verlängerung, nein - er musste sich in der Nachspielzeit dem VfL beugen.
…..soviel Zeit muss sein

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