Die Mannschaften zeigen vor dem Spiel gemeinsam ein Transparent mot der Aufschrift "Gemeinsam für demokratische Grundwerte und Fairplay."
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Fußball | Regionalliga CFC: Aktionen gegen rechts, Proteste von den Ultras

Der Chemnitzer FC hat das erste Heimspiel nach dem Vorkommnissen rund um die Trauerbekundungen für einen verstorbenen Neonazi genutzt, um sich mit mehreren Aktionen deutlich gegen Rassismus zu positionieren. Zuvor hatte DFB-Vizepräsident Rainer Koch, der ebenfalls im Stadion war, den Verein zu einem Statement aufgefordert. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, wie zerrissen der Klub ist.

Die Mannschaften zeigen vor dem Spiel gemeinsam ein Transparent mot der Aufschrift "Gemeinsam für demokratische Grundwerte und Fairplay."
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"Gemeinsam für demokratische Grundwerte und Fairplay"

Die Mannschaft trägt Shirts mit der Aufschrift "Farbe bekennen - Himmelblau".
Die Mannschaft trägt Shirts mit der Aufschrift "Farbe bekennen - Himmelblau". Bildrechte: IMAGO/Picture Point LE

Der Chemnitzer FC hat sich wie angekündigt mit mehreren Aktionen klar gegen Rassismus positioniert. Das Team des Regionalliga-Spitzenreiters lief am Sonnabend gegen Bautzen in Shirts mit der Aufschrift: "Farbe bekennen - Himmelblau" auf. Zuvor hatte sich das Team mit einem offenen Brief an die Chemnitzerinnen und Chemnitzer gewandt. Darin forderte der Mannschaftsrat um Kapitän Dennis Grote, zu zeigen, "wie lebenswert und bunt diese Stadt ist". Zudem posierten die Akteure beider Mannschaften vor dem Spiel hinter einem Banner mit der Aufschrift: "Gemeinsam für demokratische Grundwerte und Fairplay". Außerdem waren 800 T-Shirts im Stadion verteilt worden, auf denen "Toleranz - Weltoffenheit - Fairness - #DIEHIMMELBLAUEN" stand.

Proteste im Ultra-Block

Ihre Botschaft gegen rechts flog den Verantwortlichen des Klubs allerdings von einigen auch buchstäblich um die Ohren. Lieblos zerknüllt wurden Shirts aus der Ultra-Kurve in den Stadiongraben geworfen. "Ich glaube, dass wir uns alle ein anderes Zeichen gewünscht hätten. Das ist nicht so passiert", stellte der Chemnitzer Geschäftsführer Thomas Sobotzik nach dem 1:0 (0:0)-Sieg gegen Bautzen im Gespräch mit dem ZDF fest.

An einer halbleeren Tribüne ist "12 Minuten für den 12. Mann" zu lesen.
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Teile der Ultras, die am 9. März beim Liga-Spiel gegen VSG Altglienicke (4:4) mit ihren Trauerbekundungen für einen verstorbenen Neonazi für einen Skandal gesorgt hatten, übten sich am Samstag im Protest. Die ersten zwölf Minuten blieben sie dem Spiel fern, im Block prangte ein Banner, auf dem "12 Minuten für den 12. Mann" geschrieben stand. Damit drückten die Ultras vor allem ihr Unverständnis für die Entlassung von drei Vereinsmitarbeitern in Folge des Skandals aus. Zudem wurde die neue Stadionsprecherin, die nach der Demission ihres Vorgängers ihren ersten Einsatz hatte, mehrfach mit Pfiffen bedacht.

Sobotzik: "Es wird eine Herkulesaufgabe"

Sobotzik warb im Kampf gegen rechte Strömungen derweil um Geduld. "Es wird eben eine Herkules-Aufgabe sein, aber es geht nicht um heute, nicht um morgen. Wer glaubt, dass morgen alles super ist, der ist realitätsfremd", sagte er. Einen Anfang machte der Klub dennoch gegen Bautzen. Auf der Tribüne beobachtete Vizepräsident Rainer Koch vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Partie höchstpersönlich - er hatte zuvor noch eine Trotzreaktion gefordert.

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"Eine klare Mehrheit der Fans hat diese Position bezogen", bilanzierte Koch zufrieden. Die Teile der Ultras, die sich gegen die Aktionen gegen rechts stellen seien, wie er dem MDR sagte, "ein ganz, ganz kleiner Teil der gesamten Zuschauer im Stadion" und "offenkundig nicht bereit für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einzustehen", wie Koch später bei Facebook schrieb. Und trotzdem verband Koch sein Lob mit einem weiteren Appell an die Fans. "Die große und schweigende Mehrheit muss jetzt Flagge zeigen und mithelfen, deutlich zu machen, dass sie für ein weltoffenes Chemnitz steht und mit dieser Form von Intoleranz und Rassismus nichts zu tun haben will", sagte der 60-Jährige.

sid/dpa/maw

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 23. März 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2019, 17:03 Uhr

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14 Kommentare

26.03.2019 13:58 Günter 14

Den Aussagen von 2, 11 und 13 kann man
nur zustimmen.

Diese sogenannten "Ultras" sind nur noch eine Belastung und Schande für den CFC. Sie haben nicht begriffen, in welcher Situation sich unser Fußballclub befindet.

Wann werfen wir diese Störer endlich aus
dem Stadion?

Die Herren Siemon und Sobotzik mögen
sich von den o.g. "Fans" in Ihrer Arbeit nicht
beirren lassen, den CFC mit allen seinen Nachwuchsabteilungen erfolgreich sanieren
und den Aufstieg in Liga 3 erreichen.

25.03.2019 22:08 chemnitz4ever 13

@Couchpotatoe vielleicht solltest du dich mal von Couch bewegen und auf die Welt da draußen schauen. Dann bekommst du vielleicht mit, wie öffentliche Wahrnehmung funktioniert. Quasi das, was du als "schlichtweg Bullshit" bezeichnest. Du willst es mir doch nicht als moralisch wertvoll verkaufen, wenn Protest an der Clubführung mit Pfiffen gegen die Stadionsprecherin und Wegwerfen von T-Shirts ausgedrückt wird. Diese Art von Protest ist - um in deiner Bildsprache zu bleiben - in "Dummheit gequirlter Bullshit!" Leider scheint die Kurve darauf ein Patent auf dieses Rezept zu haben.

25.03.2019 17:52 Couchpotatoe 12

@chemnitz4ever: das ist schlichtweg Bullshit was du schreibst. Bis heute steht im Raum der CFC wäre erpresst worden, was nachweislich nicht stimmt. Simon ist der große Zampano. Ich hab bis heute noch nicht gehört dass er sich vor seine Mitarbeiter stellt und einen Fehler einräumt. Stattdessen diese Bauernopfer und plakative T-Shirts mit Worthülsen! Darum ging es beim Protest und nicht um den ständig suggerierten Politikscheiß! Wenn dieses Gebahren bei dir „Flagge zeigen“ bedeutet, dann weis ich auch nicht mehr.

25.03.2019 16:19 chemnitz4ever 11

Lieber Reed, pure Selbstdarstellung ist das, was die Fanszene veranstaltet. Sie beleidigen doch die Intelligenz der MDR-Leser und Zuschauer mit Ihrer Behauptung, die Fanszene sei völlig unpolitisch. Es waren Ultras aus der Fanszene, die eine Trauerveranstaltung für einen bekannten Neonazi inszenierten und bewusst oder aus Dummheit die politische Botschaft ins Stadion brachten. Der Club hat sicher falsch reagiert. Aber der Club hat wenigstens Flagge gezeigt! Anstatt einen Akzent gegen Rechts zu setzen, versteckt ihr euch einfach wieder hinter eurem (scheinheiligen) unpolitischen Kredo, pfeift die Stadionsprecherin aus und werft T-Shirts mit wichtigen Botschaft in den Innenraum. Von dem, was die Öffentlichkeit noch nicht wahrgenommen hat, will ich gar nicht reden - siehe Fanforum. Sorry, aber so eine Fanszene braucht kein Club. So eine Fanszene ist ein Ballast!

25.03.2019 15:02 Reed 10

Lieber MDR, lieber Herr Koch, der Protest der aktiven Fanszene des CFC ist nicht "Pro rechts" oder dergleichen. Die Fanszene ist grundsätzlich unpolitisch! Der Protest richtet sich gegen die Vereinsverantwortlichen, die erst eine Trauerbekundung in der Form zulassen, einen Tag später diese Entscheidung noch rechtfertigen, dann tritt Herr Uhlig von allen Ämtern zurück und nun doch nicht...dafür werden 3 Leute raus geworfen die himmelblaues Blut in den Adern haben. Die T-Shirt Aktion, Plakate etc. ist doch alles ein Hohn und nur plakative Show. Die Werte werden vor allem den Mitarbeitern und Fans gegenüber nicht gelebt. Das Geld hätte man lieber in den Nachwuchs oder in Fanentwicklung sinnvoll eingesetzt. Alles andere ist pure Selbstdarstellung!

25.03.2019 11:29 Konrad 9

Am Schlimmsten ist die ganze Berichterstattung! Hier wird irgendetwas geschrieben, Hauptsache gegen den CFC. Im Stadion sind nur Nazi's. Schmeißt die doch alle in den Stadiongraben! Falls den jemand finden sollte!

[Lieber Konrad, es hat keiner behauptet, dass im Stadion nur Nazis seien. Auch bei der "Fakt ist!"-Sendung wurde thematisiert, dass Stadionbesucher nicht aufgestanden sind, da sie nicht wussten, wer mit "Tommy" gemeint war. Mit freundlichen Grüßen, Ihre MDR.de-Redaktion]

25.03.2019 10:26 Stefan T 8

@24.03.2019 18:54 ein Dynamo 1: "Chemnitz kommt nicht zur Ruhe. Wer in der DDR aufgewachsen ist, wird Parallelen zur damaligen Diktatur feststellen. Damals wollten man den Menschen den Sozialismus aufzwingen, jetzt Weltoffenheit und Toleranz." - Wer sich fragt, warum Sachsten deutschlandweit so unbeliebt sind, findet hier die Antwort. Lösen Sie sich doch einfach von der BRD los und gründen Ihr 4. Reich!

25.03.2019 10:21 SGDHarzer66 7

Ein "demokratischer Grundwert" in dieser BRD könnte durchaus lauten: verhalte dich wie ein Duckmäuser, dann lebst du wesentlich ruhiger.
Ob das ein Lebensziel sein sollte, darf stark bezweifelt werden....

[Lieber SGDHarzer66, da passt ein Zitat des Extremismus-Experten Olaf Sundermeyer aus der Sendung "Fakt ist!". Er sagte: "Friedliche Fans müssen sich positionieren." Beste Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

25.03.2019 10:16 SGDHarzer66 6

1., ein Dynamo - Daumen hoch für ihren Kommentar. Genauso sehe ich das auch.

25.03.2019 09:56 Darkangel 5

Eigentlich dachte ich, Lobotomien sind auf dem Geschichtshaufen der Medizin gelandet, doch lassen die Aktionen einiger sogenannter "Fans" an dieser "Denke" zweifeln. Woche für Woche zeigen uns Mannschaften, daß ein friedliches & mehr oder weniger erfolgreiches (ergebnistechnisch) multinationales & -ethnisches Miteinander funktioniert. Ein paar "Fans" wollen aber anscheinend weiße, blonde & blauäugige Recken, die ihre sinnlosen Hetzparolen, Schlägereien etc. gutheißen & bestenfalls auch noch unterstützen. Daß sie damit einem Verein, vorausgesetzt er lebt dieses nicht vor, enormen Imageschaden zufügen, scheint eine untergeordnete Rolle zu spielen, alles was zählt, ist der eigene egomanische Frustabbau. Wird über solche "Aktionen" berichtet, werden Medien, für die Demontage des Vereins verantwortlich gemacht, was der verqueren Gehirnakrobatik dieser "Fans", aber keinesfalls irgendeiner Realität entspricht.

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