Fußball | Regionalliga Stellungnahme: "Eine Zusammenarbeit war und ist nicht möglich"

Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Bauch sowie zwei weitere Kontrollgremiumsmitglieder, Norman Löster und Lutz Wienhold, sind beim Chemnitzer FC von ihren Ämtern zurückgetreten. Lesen sie hier die ausführliche Stellungnahme des Trios.

Norman Löster (li.) und Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Bauch (mi.). Hier mit auf dem Bild: CFC-Vorstandsvorsitzender Andreas Georgi (re.). Bildrechte: imago images/HärtelPRESS

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten Sie hiermit über die mit sofortiger Wirkung erfolgende Niederlegung unserer Ämter im Aufsichtsrat des Chemnitzer FC e.V. informieren. Hintergrund dieser Entscheidung sind die aktuellen Entwicklungen beim Chemnitzer FC e.V., auf welche durch uns keinerlei Einfluss genommen werden konnte und kann.

In der Pressekonferenz des Vereins vom 14.03.2019 wurde von den handelnden Personen um Hilfe sowie Unterstützung für die zu bewältigenden Aufgaben gebeten. Tatsächlich erfolgte jedoch die beharrliche Zurückweisung der immer wieder durch den Aufsichtsrat sowie den Vorstandsvorsitzenden erklärten Bereitschaft zum internen Dialog sowie zur Zusammenarbeit, wurden die satzungsgemäß gewählten bzw. bestellten Gremienmitglieder sogar pauschal zu Rücktritten aufgefordert.

Dementsprechend wurde der Aufsichtsrat bereits seit Juli 2018 von jeglichen Informationen isoliert und in keine Entscheidung eingebunden. Eine im Interesse des Vereins liegende Zusammenarbeit war und ist demnach nicht möglich, ohne dass dies von uns beeinflusst werden konnte.

Im Stadion CFC Aufsichtsratvorsitzender Uwe Bauch (links) und Aufsichtsratsmitglied Norman Löster (rechts)
Uwe Bauch (li.) und Norman Löster (re.) auf der Tribüne bei einem früheren CFC-Heimspiel. Bildrechte: imago/HärtelPRESS

"Seit Juli 2018 von jeglichen Informationen isoliert"

Dies trifft konkret auch auf die in der alleinigen Verantwortung des Veranstalters, der Chemnitzer FC Fußball GmbH, liegenden Trauerbekundung bei dem Heimspiel des Chemnitzer FC am 09.03.2019 zu. Weder im Vorfeld, noch im Nachgang hierzu wurde der Aufsichtsrat in die Entscheidung sowie die Aufarbeitung der dem Verein und der gesamten Stadt Chemnitz massiven Schaden zufügenden Ereignisse einbezogen.

Gänzlich inakzeptabel ist zudem das Vorgehen bei der erforderlichen Aufarbeitung der Geschehensabläufe. Die unterzeichnenden Mitglieder des Aufsichtsrates verurteilen ausdrücklich die wiederholte öffentliche Herabwürdigung von Sponsoren des Vereins und möchten diese hierfür ausdrücklich um Entschuldigung bitten.

"Inakzeptable Herabwürdigung von Vereinssponsoren"

Ebenso inakzeptabel ist die Nutzung nicht involvierter Gremienmitglieder als Projektionsfläche, um von der eigenen Verantwortlichkeit und dem zu prüfenden Fehlverhalten der handelnden Personen abzulenken. Nicht zu rechtfertigen ist hierbei insbesondere die öffentliche Aufforderung an den Vorstandsvorsitzenden des Vereins, seine Kenntnisse zum Ablauf in der Kurve mitzuteilen.

Dies, obwohl die "Abläufe in der Kurve" nach den vorliegenden Erkenntnissen offensichtlich im Einzelnen mit dem Veranstaltungsleiter abgestimmt waren und zudem bekannt war, dass sich der Vorstandsvorsitzende im Unterschied zu den beiden verantwortlichen Geschäftsführern der Chemnitzer FC Fußball GmbH, darunter der Veranstaltungsleiter, nicht im Stadion, sondern im gesamten Zeitraum im Urlaub in Asien aufhielt.

Letztlich wurde dem Aufsichtsratsvorsitzenden am 18.03.2019 mitgeteilt, dass Herr Thomas Uhlig nach wie vor formell im Amt als Vorstand des Vereins sei, es auf Veröffentlichungen hierzu nicht ankomme. Auch dieses Auseinanderfallen von öffentlichen Bekundungen und realisierten Handlungen kann nicht stillschweigend akzeptiert und darüber mitgetragen werden. Dies umso weniger, als gleichzeitig die sofortigen Kündigungen zum Teil langjähriger Mitarbeiter und Unterstützerinnen vollzogen wurden.

Gespräch Wienhold
Lutz Wienhold absolvierte über 100 Zweitliga-Spiele für den Chemnitzer FC und 128 Oberliga-Spiele für CFC-Vorgänger FC Karl-Marx-Stadt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Amtsniederlegung keine Abkehr vom Chemnitzer FC e. V."

Wir möchten ausdrücklich betonen, dass diese Amtsniederlegung keine Abkehr von dem Chemnitzer FC e.V., seinen Mitgliedern und Fans bedeutet. Wie alle, denen dieser Verein tatsächlich am Herzen liegt, bedauern wir diese Entwicklung zutiefst. Vor dem Hintergrund der nur kurz und exemplarisch umrissenen Geschehensabläufe halten wir es jedoch für erforderlich deutlich zu machen, dass wir trotz der Möglichkeiten und Potenziale, welche in den Vereinsgremien und deren Mitgliedern liegen, derzeit keinerlei Möglichkeit der Einflussnahme besitzen. Wir werden dem Fußball in Chemnitz auch weiterhin verbunden bleiben.

Selbstverständlich besteht auch weiterhin die Bereitschaft, im Rahmen der anstehenden Mitgliederversammlung Rechenschaft über die Amtszeit des Aufsichtsrates abzulegen.


Chemnitz, den 21.03.2019


Uwe Bauch
Norman Löster
Lutz Wienhold

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 21. März 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 15:30 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

12 Kommentare

22.03.2019 23:02 ... 12

Es geht hier nicht nur um die Ereignisse des letzten Heimspiels, sondern um die Versäumnisse in der Aufarbeitung. Ich finde die Stellungnahme bringt die aktuellen Missstände sehr gut auf den Punkt. Schade nur, dass dadurch ehrliche himmelblaue Persönlichkeiten die Gremien verlassen, Typen mit Verstand, Herzblut und Charakter.

22.03.2019 20:34 No Branding 11

Es ist unglaublich wie mit der Tradition so eines Vereins umgegangen wird.
Es sollte klar sein, dass alle seriösen Fans und Sponsoren des Vereins bereits das Weite gesucht haben.
Gründet einen FC Chemnitz, fangt ganz unten wieder an und versucht ein paar von den Alten wie Schädlich und Franke dafür zu begeistern.
Und ich denke Leute wie Ballack und Steinmann stehen in der Schuld des Vereins und könnten einiges bewegen.
Dann könnt ihr auch früh wieder in den Spiegel schauen, ohne GmbH und Siemon, und ehrlichen Fußball spielen.

22.03.2019 15:35 chemnitz4ever 10

@Murmel
ist das alles, was dir als Aufarbeitung der letzten 14 Tage einfällt? Wieder nur Siemon ins Visier zu nehmen ohne auch nur ein Wort über Problem aus der rechtsradikalen Fanbase zu verlieren.
Das ist billige und oberflächliche Meingungsmache, weder als Fazit, noch als Beitrag zum Krisenmanagement tauglich!

22.03.2019 15:05 Nordlicht 9

Es entsteht der Eindruck, dass der Verein, die Vereinsspitze und die Stadt das Probken immer noch nicht VERSTANDEN haben. Es muss sich grundlegend an der Haltung etwas ändern! (keine Geschäfte mit Nazis, etc.) Das der Verein ebenso wie der Spieler Frahn einfach so weiter am Spielbetrieb teilnehmen können, empfinde ich als skandalös und vor allem ist es das falsche Signal an die seit Jahrzehnten vorhandene rechte Fansszene! Man kann sich nur abwenden und hoffen, dass dies möglichst viele Andere auch tun.

22.03.2019 11:03 Murmel 8

@6

Kurt, haben sie die Erklärung richtig gelesen? Die Herren sind isoliert, wie es schon im herbst hieß, sollen Ihnen Vereinshomepage, E-Mails usw. versperrt sein. Wie sollen sie dann bitte offiziell Stellung nehmen unmittelbar nach den Ereignissen? Sie hatten über den Rücktritt Uhligs zu befinden, der dann anschließend doch keiner gewesen sein soll. Erkennen si die tatsächlichen Missstände nicht? Dann kann ich Ihnen auch nicht helfen.

Darüber hinaus ist das hier doch eine Stellungnahme.

22.03.2019 10:32 Murmel 7

Zutreffendes Zitat aus dem Fanforum (Auszug):

"Da Siemon absolut beratungsresistent ist, kann man da nur noch mit Zeichen agieren. Deswegen ist jedes Zeichen richtig. Inhaltlich wurde alles richtig gesagt. Wichtig ist, dass diese Leute sich nicht komplett für immer vom Verein lossprechen. Und das haben die Mitglieder des AR auch nicht gemacht. Am Ende wirst du jeden brauchen, der die Trümmer, die Siemon hinterlassen wird, wieder mit aufbauen möchte.

Leute die ihn nach dem mangelnden Krisenmanagement und den massiven Einbrauch bei den Sponsoren immer noch verteidigen, kann ich nicht mehr Ernst nehmen.

Danke Uwe, Norman und Lutz! Wer Leute wie euch, die mit Herzblut diesen Verein gelebt haben, so ins Abseits stellt, sollte sich einfach nur noch schämen."

(EubaForces)

22.03.2019 10:19 Kurt 6

Wo waren denn diese 3 Herren, als der mediale Shitstorm gegen den CFC begann? Nichts hat man gehört. Der IV musste von Köln aus, sich mit der Presse auseinandersetzen und den Kopf für dieses Debakel im Stadion hinhalten! Die feinen Herren haben geschwiegen und schweigen immer noch zu der Sache. Auf so einen Vorstand kann man verzichten.

Irgendwann wurde mal bekannt, dass sich der Aufsichtsrat trifft, 1 Woche!! nach den Vorkommnissen und hat man eine Stellungnahme vernommen? NEIN! Aber pressewirksam 14 Tag vor der Mitgliederversammlung zurücktreten, obwohl man dies schon lang angekündigt hatte.

Ohne Rücksicht auf den Verein wird hier wieder eine Schlammschlacht eröffnet, nur um den IV wieder eine mitzugeben. Ich sage nur, endlich sind sie weg. Sie haben ja seit Beginn der Insolvenz die Arbeit des IV boykottiert und die Fans aufgestachelt.

Herr Siemon hat den Verein nicht in die Insolvenz getrieben!

22.03.2019 08:03 Dietmar Albrecht 5

Ich kann es trotz der umfangreichen Darstellungen wieder nicht verstehen, welchen Rahmen der MDR denen zur Verfügung an 1. Stelle, die die Insolvenz zumindesten mitverschuldet haben. Dagegen kommt der offene Brief der 1.Mannschaft irgendwo und nicht im Wortlaut zur Veröffentlichung.
Der IV und die anderen aufbauenden Menschen unterliegen einer Kritik, die ich n i c h t nachvollziehen kann.
Ich wünsche dem CFC als langjähriger Fan jetzt viel Erfolg

21.03.2019 22:52 Cfc Mitglied 4

Schön wie mann sich an die Medien ran wirft ohne die letzten Jahren selber was verändert zu haben. Mann kann ja noch mehr kaputt machen als wie schon ist. Endlich gehen sie damit ein Neuanfang möglich ist. Die Ratten verlassen das Schiff bevor es untergeht. Hätten sie schon längst machen sollen.

21.03.2019 21:32 hessen 3

Gute Stellungnahme mit Signalwirkung wie ich finde. Es zeigt auf, wie bereits von vielen Leuten vorher kritisiert, dass die handelnden Personen im Club einiges versäumt haben und dabei viel Porzellan zerschlagen wurde. Danke Uwe, Norman und Lutz - eure Entscheidung verdient Respekt, ihr habt die ganzen Monate über Rückgrat bewiesen.

Mehr zum Thema auf MDR.de