Im Stadion CFC Aufsichtsratvorsitzender Uwe Bauch (links) und Aufsichtsratsmitglied Norman Löster (rechts)
Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Bauch (li.) und Norman Löster (re.) sowie Lutz Wienhold sind von ihren Ämtern zurückgetreten. Bildrechte: imago/HärtelPRESS

Fußball | Regionalliga Chemnitzer FC: Aufsichtsrats-Trio zurückgetreten

Uwe Bauch hat nach MDR-Informationen am Donnerstag (21.03.) mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt vom Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden des Regionalliga-Spitzenreiters Chemnitzer FC erklärt. Ebenso haben die beiden Aufsichtsratsmitglieder Norman Löster und Lutz Wienhold das Kontrollgremium verlassen.

Im Stadion CFC Aufsichtsratvorsitzender Uwe Bauch (links) und Aufsichtsratsmitglied Norman Löster (rechts)
Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Bauch (li.) und Norman Löster (re.) sowie Lutz Wienhold sind von ihren Ämtern zurückgetreten. Bildrechte: imago/HärtelPRESS

Hintergrund dieser Entscheidung seien die "aktuellen Entwicklungen beim Chemnitzer FC e. V., auf welche durch uns keinerlei Einfluss genommen werden konnte und kann", teilte das Trio dem MDR mit. Uwe Bauch war seit Januar 2017 Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Bauch war seit Januar 2017 im Amt

Jüngst hatte Insolvenzverwalter Klaus Siemon im Zuge der Ermittlungen zu den Ereignissen rund um die Trauerbekundungen für einen zuvor verstorbenen Neonazi im Rahmen des Heimspiels gegen die VSG Altglienicke (09.03.) "alle Himmelblauen" dazu aufgefordert "ihre Erkenntnisse über die Abläufe in der Fankurve den zuständigen Behörden umgehend zur Verfügung zu stellen."

Gespräch Wienhold
Lutz Wienhold absolvierte über 100 Zweitliga-Spiele für den Chemnitzer FC und 128 Oberliga-Spiele für CFC-Vorgänger FC Karl-Marx-Stadt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tatsächlich habe es jedoch eine "beharrliche Zurückweisung der immer wieder durch den Aufsichtsrat sowie den Vorstandsvorsitzenden erklärten Bereitschaft zum internen Dialog sowie zur Zusammenarbeit" gegeben, erklärten die zurückgetretenen Aufsichtsratsmitglieder und kritisierten, dass "die satzungsgemäß gewählten bzw. bestellten Gremienmitglieder sogar pauschal zu Rücktritten aufgefordert" worden seien.

"Dementsprechend wurde der Aufsichtsrat bereits seit Juli 2018 von jeglichen Informationen isoliert und in keine Entscheidung eingebunden. Eine im Interesse des Vereins liegende Zusammenarbeit war und ist demnach nicht möglich, ohne dass dies von uns beeinflusst werden konnte", begründeten Bauch, Löster und Wienhold ihren Schritt.

Die Fußball GmbH des Klubs konnte das am Donnerstagnachmittag noch nicht bestätigen. Entsprechende Rücktritte seien bisher nicht eingegangen, meldete die dpa.

"Seit Juli 2018 von jeglichen Informationen isoliert"

Bereits vor den Ereignissen rund um das Spiel gegen Altglienicke schwelte zwischen Uwe Bauch und CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon seit Monaten ein Streit. Im Juli 2018 hatte Siemon sowohl Bauch als auch Andreas Georgi, dem Vorstandsvoritzenden der "Himmelblauen", mit einem Hausverbot für Teile des Stadions sowie einem Stadionverbot belegt.

Nach einem Entscheid des Landgerichts war dieser Beschluss im September 2018 aufgehoben worden. Bauch und Georgi konnten wieder die Logen und den VIP-Bereich des Stadions betreten. Beide Seiten vertraten unterschiedliche Meinungen über die Zukunft des CFC.


Anm. der Red.: In einer ersten Version dieses Artikels wurde fälschlicherweise vom Rücktritt des CFC-Vorstandsvorsitzenden Andreas Georgi gesprochen. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 21. März 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 15:30 Uhr

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45 Kommentare

23.03.2019 07:21 Gerd Müller 45

"Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft."
Zitat aus welt.de
Den Mut des Deutschland-Fans André Voigt kann man jedenfalls gar nicht hoch genug bewerten. Er hat öffentlich ausgesprochen, was viele Stadionbesucher jedes Wochenende erleben, sich aber nicht anzuprangern trauen. Entweder, weil sie schon abgestumpft sind, oder aus Angst vor der Diktatur der „Das wird man doch noch sagen dürfen!“-Zündler. Diese Fraktion der Scheinheiligen stellt bei Weitem nicht die Mehrheit, doch ihre Zahl wächst stetig, in den Kurven, wie auch im Parlament.

22.03.2019 22:20 ... 44

Weitere Identifikationsfiguren verlassen die Himmelblauen.

Bei UB gehen die Meinungen auseinander, die Rücktritte von NL und LW bedauere ich dagegen sehr!

22.03.2019 22:01 Och Menno 43

@34
Was für eine Alternative gibt es denn in Leipzig ?
Den SV NordWest, MoGoNo, oder LOK ?
Sie meinen doch sicher nicht das Ösi-Konstrukt vom Cottaweg. Wenn doch, dann gute...oder eher schlechte Nacht.

22.03.2019 18:12 Bürger 42

Das Ausmaß dieser Sache mit allen Nebenwirkungen ist noch gar nicht absehbar, mit welchen Argumenten will man z.B. neue Spieler nach Chemnitz locken , die im Fall des Aufstiegs , nötig werden

22.03.2019 17:39 Himmelblau 41

Vertreter mit ganz viel himmelblauem Herzblut und Verstand legen ihre Ämter nieder. Das fällt umso schwerer, weil sie diejenigen waren, die vor einem Jahr die Scherben der Vergangenheit zusammengekehrt haben, viel Kraft investiert haben, dem CFC zu helfen. Das sollte man nicht vergessen!

Ich bin bezeichnend, dass die Entwicklung sie zu diesem Schritt bewogen hat. Es ist aber schön, dass ihr dem Verein verbunden bleibt. Der IV hat viel verbrannte Erde hinterlassen. Ich wünsche Euch alles Gute und bin mir sicher, dass wir den ein oder anderen hoffentlich irgendwann wieder sehen werden, wenn das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist.

22.03.2019 13:54 CFC Fans 40

Wenn nicht das Aufsichtsorgan wer sonst soll bitte Kritik üben? Gute und sachliche Stellungnahme, die den Finger in die Wunde legt.

Danke für die Aufklärung und euer aufrichtiges Engagement für den Club!

22.03.2019 13:40 Martin Vomberg 39

@ ein Dynamo Nr. 2
"Ihr seid so pietätslos. Der Verein und die Ultras gedachten nicht einem überregionalen Neonazi, sondern einem Fan, einem Menschen, der schrecklich an Krebs gestorben ist. Wo bleibt hier die Menschlichkeit?"

Eine Unverschämtheit, was Sie den Leute hier unterstellen! Die Trauer ist eine Sache und Ihre persönliche Betroffenheit sei Ihnen unbenommen, aber diese zu politischen Zwecken zu instrumentalisieren und dafür ein ganzes Stadion mit mehrheitlich völlig unbeteiligten und völlig ahnungslosen Fans in Geiselhaft zu nehmen, eine ganz andere! Da könnte man auch durchaus die Frage stellen, wie "pietätvoll" denn diese unangemessene Aktion dem Verstorbenen und den übrigen Fans gegenüber war!?

22.03.2019 12:59 mare nostrum 38


Chemnitzer FC ?

Ein weiterer Morast im Sachsen-Sumpf!

22.03.2019 12:37 Hesse 37

Insolvenz ist und bleibt kein Kindergeburtstag. Demokratie gibt es eh nur im Märchen. Immerhin haben die verantwortlichen in den letzten beiden Jahren zugelassen, dass es kein " unser" CFC mehr war, eine Mannschaft aus Söldner inclusive der Verantwortlichen. Das, was Sven Köhler abgeliefert hat, war nicht gut genug. Größenwahn hat zur Insolvenz geführt. Es tut mir leid, dass der CFC jetzt Probleme bewältigen muss, vor denen selbst die große Politik kapituliert. Am Ende wird aber alles Gut, sonst ist es noch nicht das Ende! In diesem Sinne!

22.03.2019 12:35 Reed 36

@35 an was machen Sie das fest?
Die Bilanz weist eine Lücke von 500.000€ aus. Die gewählten Gremien wurden ruhig gestellt. Nach innen gibt es keine Gesprächsbereitschaft, nach Außen keine Transparenz. Einzig die Auflösung des von Herrn Hänel unterzeichneten Infront Vertrag sehe ich als Erfolg. Der sportliche Erfolg in einer durchschnittlichen Regionalliga überdeckt jede sachliche Diskussion. Die Stimmung unter den Mitgliedern ist schlechter denn je, Beweis auch die fehlenden freiwilligen Beitragszahlungen.

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