Fußball | Regionalliga Konsequenzen nach Trauerminute für Neonazi beim CFC

Nach der Trauerbekundung für den Neonazi Thomas H. vor dem Spiel gegen Altglienicke hat es beim Chemnitzer FC den ersten Rücktritt gegeben. Der Verein verteidigte zunächst sein Vorgehen, bestrafte aber einen Spieler.

Trauerfeier für einen Hooligan im CFC Stadion mit Bengalo und Spruchband 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einen Tag nach der Trauerbekundung für den an Krebs gestorbenen Neonazi Thomas H. vor dem Spiel gegen die VSG Altglienicke am Samstag ist der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Uhlig zurückgetreten.

Thomas Uhlig ( Geschäftsführer - Finanzvorstand).
Thomas Uhlig legte alle Ämter nieder. Bildrechte: imago/Picture Point

"Um weiteren Schaden vom Chemnitzer FC fernzuhalten, habe ich die Entscheidung getroffen mit sofortiger Wirkung alle Ämter niederzulegen", teilte der 46-Jährige mit. Er trage als kaufmännischer Geschäftsführer und Veranstaltungsleiter die Verantwortung für die Spieltage des CFC und dessen Begleiterscheinungen, wird Uhlig in der Erklärung zitiert. Etwas später folgte für den Verein noch ein finanzieller Tiefschlag: Die Sparkasse Chemnitz steigt als Hauptsponsor aus. Dies sei dem Verein zwar schon zwei Tage vor den Ereignissen im Stadion mitgeteilt worden, erklärte Unternehmenssprecher Sven Mücklich. Aber dass der Chemnitzer FC keinerlei Schuldbewusstsein zeige, bestätige die Sparkasse in ihrer Entscheidung.

Verein verteidigt Trauerfeier

Der Chemnitzer FC hatte zuvor sein Vorgehen in einer Stellungnahme verteidigt und erklärt, dass die Ermöglichung der gemeinsamen Trauer keine Würdigung des Lebensinhalts von Herrn H. darstelle. "Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, den Fans des CFC und Hinterbliebenen die darum baten, die gemeinsame Trauer zu ermöglichen", heißt es weiter.

SPD sägt Parteigenossin ab

Peggy Schellenberger, 2017
Konsequenzen für Peggy Schellenberger Bildrechte: Harry Härtel

Laut dem CFC war dies keine offizielle Trauerbekundung. Allerdings hatte der Stadionsprecher vor dem Spiel die Durchsage gemacht: "Gestern (...) erreichte uns die traurige Nachricht, dass (...) unser himmelblauer Tommy H. den Kampf nach langer schwerer Krankheit verloren hat. Für ihn war der Chemnitzer FC Lebensinhalt. Er war ein Anhänger mit Leidenschaft für unseren Verein." Zudem wurde auf der Videowall ein Porträt von Herrn H. eingeblendet, eine Schweigeminute abgehalten und eine Pyro-Show in Rot und Weiß abgehalten. Auch die CFC-Fanbeauftrage Peggy Schellenberger, die für die SPD im Chemnitzer Stadtrat sitzt, hatte Herr H. kondoliert. Die SPD reagierte entsetzt und erklärte am Sonnabend, dass Schellenberg nicht wieder als Kandidatin für die Kommunalwahl im Mai nominiert wird.

Frahn für Torjubel bestraft

Distanziert hat sich der Verein von einer Aktion seines Stürmers Daniel Frahn. Dieser hatte im Torjubel ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local hools" (Unterstütze deine örtlichen Hooligans) hochgehalten. Das Shirt lag zuvor auf der Wechselbank. Videoaufnahmen zeigen, wie es ihm von dort gereicht wird, der Stadionsprecher spricht von einer starken Geste. Die CFC-Verantwortlichen allerdings bezeichnen die Aktion als unangebracht, inakzeptabel und nicht abgesprochen. Frahn wurde deshalb mit einer Geldstrafe belegt. Zudem drohen ihm Sanktionen vom Fußballverband.

"Dass ein Spieler während eines Spiels Botschaften, egal welcher Art, verbreitet und diese nicht vorher mit den Verantwortlichen des CFC bespricht, ist für uns nicht hinnehmbar", verdeutliche CFC-Sportvorstand Thomas Sobotzik. "Es tut mir leid, dass ich dem Verein (...) Schaden zugefügt habe", erklärte Frahn. Er habe sich beim CFC und seinen Spielern entschuldigt.

Es tut mir leid, dass ich dem Verein (...) Schaden zugefügt habe. Dafür habe ich mich heute Morgen bei den Verantwortlichen des CFC sowie meinen Mannschaftskameraden entschuldigt.

Daniel Frahn

Frahn habe H. bei einem Austausch mit den Fans kennengelernt. Politisch sei es nie geworden. Er selbst sei "weit davon entfernt, sein Gedankengut zu teilen. "Mit dieser Geste wollte ich dem Wunsch unserer Fans nach gemeinsamen Gedenken an die Hinterbliebenen des Verstorbenen entsprechen". Dass das T-Shirt, welches Frahn hoch hielt, so tief in der Nazi-Szene verbreitet ist, sei ihm nicht bewusst gewesen, so der Stürmer.

Thomas H. und HooNaRa

CFC-Fans trauern um Hooligan
Bildrechte: Harry Härtel

Die Verbindungen zwischen dem Fußballverein und H. reichen bis in die 1990-er Jahr zurück. Damals hatte H. die Vereinigung "Hooligans-Nazis-Rassisten" (HooNaRa) gegründet, die jahrelang vom sächsischen Verfassungsschutz beobachtet und 2007 offiziell aufgelöst wurde. Inoffiziell soll HooNaRa aber auch danach noch aktive gewesen sein. Außerdem war H. Sicherheitsfirma bis 2007 für die Sicherheit im Stadion zuständig. Dann wurde der Vertrag vom CFC wegen "vereinsschädigender Äußerungen" aufgelöst.

Nach MDR-Informationen ist Security-Firma allerdings bis heute im Stadion aktiv und stellt als Subunternehmen des derzeitigen Generalauftragnehmers einen Großteil der Ordner.

sst/cdi

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 10. März 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 18:02 Uhr

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229 Kommentare

12.03.2019 19:41 Voice 229

@226
Volle Zustimmung!
Gegen Ostdeutsche zu sein und sich die Mauer wieder herbei zu wünschen, ist genauso diskriminierend.

Wann gedenkt eigentlich Herr Frahn seinen Vertrag von selbst aufzulösen??

12.03.2019 17:32 Hobosapiens 228

Lizenz entziehen und auflösen...

12.03.2019 16:26 Bernd Hecke 227

Also Karl Marx würde sich im Grab umdrehen!
Was ist denn nur unter euren braunen Haaren?
Ein wenig Hirn könnte man dem ein oder anderen Fähnchenschwenker wünschen. Besonders demjenigen, der die Videowand bedient hat!
Und dem Hämdchenschwenker!!! Und und und...
Empfehle euch das Buch von Gideon Greif "Wir weinten tränenlos...".
Besonders den Anhängern der HooNaRa's. Der größte Teil derer hätte sich wahrscheinlich damals in's braune Höschen gemacht.
Bei uns in der DaF sind solche Leute Unerwünscht, oder?

12.03.2019 15:23 Blauer Hund 226

@224 Robinho: Keinen Cent mehr Richtung Osten meinen sie also?
Sie sind ja richtig gut informiert.
Die am wenigsten verschuldeten Bundesländer sind Sachsen und Bayern!
Auf Platz 1-3 liegen mit weitem Abstand, die Bundesländer Bremen, Berlin und Hamburg mit der größten Pro-Kopf Verschuldung.
Wer dort regiert können sie hoffentlich selber herausfinden.
Dorthin fließen die meisten Gelder!
Das mit dem Finger zeigen auf die östlichen Bundesländer hat hier gerade noch gefehlt!
Gegen Hass und Hetze muss in beide Richtungen vorgegangen werden, damit die Mitte der Gesellschaft nicht den Eindruck bekommt wieder in der DDR 2.0 gelandet zu sein.
Diese Diktator haben nämlich vor allem die mutigen Menschen aus Sachsen zum Teufel gejagt!
Wo waren sie! Haben sicher vom Sofa aus zugeschaut.
Wir haben im Land ein Problem mit rechten und ja auch mit linkem Pöbel. (G 20 Schande)
Wer aber auch noch Unterschiede zwischen Ost/West/Nord/Süd macht, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen...

12.03.2019 14:08 Alfred 225

@222 Voice
Nicht die vermummten die im Block standen sind wegen der Tauerminute an den CFC herangetreten sondern die leibliche Familie des Herrn Haller...

Auch hätte man ja auch die Gedenkminut in der Innenstadt machen können zum Beispiel vorm Karl- Marx- Monument, dann wäre der CFC raus gewesen und mich würden Eure Kommentare dann mal interessieren. Wahrscheinlich wäre es dann über Chemnitz hergegangen.

12.03.2019 12:01 Robinho 224

Lieber Rino!

Ich geben ihnen recht. Da bin ich voll bei ihnen. Was mich verwundert ist, dass wir im Jahre 2019 das immer noch betonen müssen. Ich muss es nicht, weil es selbstverständlich ist. Warum diese Dinge in den Neuen Ländern verstärkt auftauchen, kann ich mir schon denken. Schlechte Jobs und Bezahlung, aber ich will da nicht pauschalisieren. Die Großstädte sind top und anziehend. Nur jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und dass es in einigen Regionen nicht aufwärts geht, war uns doch in den 90ern schon klar und wir haben uns bewegt. Punkt! Mit diesem Gedankengut geht es erst recht abwärts und die Solidarität der Republik ist dann auch mal aufgebraucht. Gestern zur besten Sendezeit in den Nachrichten dieses Thema. Wie kommt das wohl im Lande an?!?! Keinen Cent mehr in diese Himmelsrichtung ist die allgemeine Meinung im Mehrheit des Landes. Sorry Leute, ist aber so.

12.03.2019 11:49 Sr.Raul 223

Die Frage wurde durch mich in @216 beantwortet, @219 (Dreissiger). Bitte nochmals lesen.

12.03.2019 10:42 Voice 222

@212 Alfred
Richtig die Familie.
Und plötzlich hat die Familie 3000 Familienmitglieder? Und warum sind diese ganzen Familienmitglieder teilweise vermummt aufgetreten?
Machen Sie sich bitte nicht lächerlich! Und warum war das riesige Plakat in Frakturschrift geschrieben? Bestimmt weil diese Schriftart den Trauernden so gut gefällt....

Danke mdr, dass Sie sich nicht abducken, sondern den Finger in die Wunde legen!!! Jetzt wird es - hoffentlich - richtig eng für das braune Gesindel!!! Wehrt den Anfängen!

12.03.2019 10:29 Rino 221

Ein Wahnsinniger hat mit seiner braunen Nazibagage einen Krieg angezettelt, dem ca. 50 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Der ach so liebe Herr Haller huldigte mit seiner Gesinnung dem Schrecken der Nazizeit und hielt es für erstrebenswert, die Gesellschaft wieder in diese Richtung zu schieben. Frieden und Freiheit sind neben der Gesundheit das höchste Gut was wir haben. Scheinbar waren 56 Jahre Diktatur für so manchen zu prägend. Demokratie lässt viel Raum … auch für Menschen mit rechter Gesinnung. Doch es gibt Grenzen, die nicht allein durch Gesetze abgesteckt sind. Nazis und Rassisten sind Feinde der Demokratie. Ihnen liegt nichts an einem friedlichen Miteinander. Sie leben, zumindest im Geiste und zu oft aktiv ihre eigenen Gesetze. Der Tod des Herrn Haller ist eine private, familiäre Angelegenheit. Wer die öffentliche Trauerbekundung befürwortet, stellt sich auf die Seite der rechten Gesinnung. Vielleicht waren 50 Millionen Tote nicht genug!

12.03.2019 10:25 Sr.Raul 220

Gibt es da eine direkte Linie zu den Sozialdemokraten welche bereits 1933 jämmerlich versagt haben, @213 (Humanist)? Das Rosa Luxemburg-Zitat rettet den Beitrag im Übrigen inhaltlich NICHT! Dieses steht nämlich NICHT dafür faschistische Anschauungen zu tolerieren und "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!"