Fußball | Regionalliga Großer Frust und konkrete Flutlichtpläne bei Chemie Leipzig

Chemie Leipzig hat einen Plan, wie das vom Verband kurzfristig geforderte Flutlicht in Leutzsch noch im Juli erstrahlen kann. Dennoch bleiben Unwägbarkeiten - und der Ärger auf den Verband.

Chemie Leipzig trainiert unter Flutlicht
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Der Frust auf den Nordostdeutschen-Fußballverband ist bei Regionalligist Chemie Leipzig immer noch groß. "Es ist unfassbar", schimpft Vorstandsvorsitzender Frank Kühne über die kürzlich erfolgte Verbandsentscheidung, dass die Leutzscher bis zum 20. Juli Flutlicht im Stadion aufgebaut haben müssen: "Bei mir steigt die Wut", so Kühne. Für Vorstandssprecher Dirk Skoruppa ist es "einfach ein Skandal" und "verbranntes Geld".

Flutlicht-Liefertermin am 13. Juli

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PK Frank Kühne Chemie Leipzig 4 min
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Wie liefen die Verhandlungen von Chemie Leipzig mit dem Nordostdeutschen Fußballverband zum Flutlicht in Leutzsch? Vorstandsvorsitzender Frank Kühne berichtet.

Do 01.07.2021 11:38Uhr 04:14 min

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Dennoch konnten die beiden Vertreter des Regionalligisten in einem Pressegespräch am Mittwoch (30. Juni 2020) konkrete Zahlen zum Erstrahlen des Flutlichtes in Leutzsch liefern. "Wir sind dabei, bis 20. Juli die geforderte Ligatauglichkeit nachzuweisen. Wir haben das Flutlicht beauftragt. Als Liefertermin ist der 13. Juli anvisiert", so Kühne. Skoruppa ergänzt: "Die Stadt hat uns alle erdenkliche Unterstützung zugesagt, damit das bei allen Ämtern mit Priorität eins behandelt wird."

Schwierigkeiten durch Quarantäneregeln?

Dirk Skoruppa, Chemie Leipzig 1 min
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So der Plan der Chemiker. Ob der eingehalten werden kann? Lieferung und Genehmigung sind zwei Unwägbarkeiten. Schließlich kommt die 100.000 Euro teure Anlage aus Liverpool und damit aus England, wo die Delta-Variante des Coronaviruses gerade die Inzidenzen in die Höhe treibt. "Es werden auch englische Monteure herkommen. Sie können sich vorstellen, was das bedeutet, was Einreise- und Quarantänebestimmungen betrifft", skizziert Skoruppa, und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Intern haben wir gesagt: Zur Not bauen wir das alleine auf."

Schwierigkeiten im Genehmigungsverfahren?

Bleibt die Frage, ob die Stadt bis 20. Juli die für den Aufbau nötigen Genehmigungen erteilt, schließlich wird die Anlage in einem Vogel- und Naturschutzgebiet errichtet. "Wir haben eine Sondergenehmigung bei der Stadt Leipzig zur Aufstellung der Flutlichtanlage gestellt", erklärt Kühne. "Die Drähte laufen seit dem Wochenende heiß", so Skoruppa. "Das ist ein Verfahren, das normalerweise vier bis sechs Wochen dauert. Und wir müssen das jetzt in zwei Wochen hinkriegen. Das wird alle unsere Kraft fordern." Letztlich sei man aber im Zweifelsfall auf Kulanz beim NOFV angewiesen: "Wenn irgendwo ein Papierchen fehlt, haben wir die Hoffnung, dass uns diese Toleranz nach dem aus unserer Sicht stattgefundenen Skandal gewährt wird."

Leipziger Politiker schießen gegen den NOFV

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Einige Politiker der Stadt Leipzig haben sich mittlerweile solidarisch mit den Leutzschern erklärt. "Wir haben den Eindruck, dass die BSG Chemie Leipzig zum Spielball der unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Mitgliedverbände im NOFV geworden ist", heißt es in einer am Mittwoch (30. Juni 2021) veröffentlichten Erklärung der sportpolitischen Sprecher der Fraktionen SPD, Die Linke, Bündnis90/Die Grünen, CDU und Freibeuter. In der Erklärung wird der Verband für die Unverhältnismäßigkeit seiner Entscheidung kritisiert: "Es entsteht der Eindruck als ob es für den NOFV keine Pandemie gibt und gegeben hat." Die Politiker zeigen sich aber überzeugt davon, "dass Flutlicht in wenigen Wochen steht und damit der Start in die neue Saison gelingt."

Vorwurf: Verband ist vor Berliner Vereinen eingeknickt

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Dirk Skoruppa, Chemie Leipzig 1 min
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Die wahrgenommene Ungerechtigkeit von Verbandsseite sitzt bei den Chemikern aber noch tief. Kühne beschreibt, dass es im Vorfeld der NOFV-Entscheidung zum Leutzscher Flutlicht vom vergangenen Freitag (25. Juni 2021) immer wieder Gespräche mit dem Verband gegeben hätte. "Uns wurde die ganze Zeit suggeriert, dass wir eine gemeinsame Lösung finden. Das ist so scheinheilig", schimpft Kühne. Letztlich habe es beim Gespräch mit dem Verband keinen Handlungsspielraum gegeben. Weder über ein mögliches Ausweichstadion in Markranstädt noch über Fristen. Der Vorwurf Kühnes: Der NOFV sei vor zwei Berliner Vereinen eingeknickt. "Der Verband fürchtet einen Rechtsstreit, falls bei uns eine andere Lösung gefunden wird."

"Wir prüfen Regressansprüche"

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Dirk Skoruppa, Chemie Leipzig 2 min
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Chemie Leipzigs Dirk Skoruppa berichtet, wo man sich juristischen Erfolg gegen den Nordostdeutschen Fußballverband erhofft.

Do 01.07.2021 11:59Uhr 01:40 min

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Einen Rechtsstreit strebt nun Chemie an. Die bereits erfolgte Ankündigung, rechtliche Schritte zu prüfen, konkretisierte Skoruppa: "Wir prüfen Regressansprüche. In erster Linie geht es uns um Thema Pandemie, die vergangenen zwei Spielzeiten haben nur zur Hälfte und teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Wir wollen aber auch an den Punkten ansetzen, wo uns Zusagen vom Verband gemacht wurden, auch gegenüber dem Bürgermeister Heiko Rosenthal."

Festes Flutlicht bis Mai 2022

Trotz allem Ärger endet Kühne mit einer positiven Aussicht: denn nach der Flutlicht-Interimslösung, die jetzt aus England geordert wurde, gibt es auch schon ganz konkrete Pläne für die festinstallierte Flutlichtanlage. "Am 22. Mai 2022 soll das Licht in Leutzsch angehen."

Dirk Hofmeister

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Stephanie Müller-Spirra hat nach dem Duell Carl Zeiss Jena gegen Lok Leipzig mit den Trainern der Teams, Andeas Patz und Almedin Civa, gesprochen.

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im Bild  Vasileios Dedidis (Jena) scheitert an Torwart Jan-Ole Sievers (Lok Leipzig)
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 01. Juli 2021 | 17:45 Uhr

33 Kommentare

FCSL vor 29 Wochen

Ich bin optimistischer als du. MD, Jena, Lok, Chemnitz, Auerbach, Eilenburg, FW, Erfurt und alle anderen Vereine, wie ist die Installation des Flutlichts bei euch abgelaufen?

FCSL vor 29 Wochen

Danke für Deine Antwort. Ich persönlich habe kein Problem mit öffentlicher Hilfe; im Gegenteil, kommunale und staatliche Einrichtungen sollten sich viel mehr unterstützend einbringen. Das gilt auch für den NOFV und seine Mitgliedsverbände. In Rathenow has die Installation drei Jahre gedauert. Vielleicht sind die zwei Jahre, auf die der NOFV besteht etwas optimistisch.
Danke nochmal und viel Glück für die neue Saison, mit einer oder zwei Ausnahmen ;-)

Fan Achim vor 29 Wochen

Gute Frage FCSL: Im Fall meines Zfc lief das 2014 so, das die gesamte Flutlichtanlage ca 105000 Euro gekostet hat. Zirka 4000 000 Euro sind durch das Land Thüringen gefördert worden. Eigenleistungen, Spenden und Geld vom Hauptsponsor sowie von verschiedenen Firmen brachten dann die Summe zusammen. Zipse stieg 2009 in die R.L. auf und mußte dann bis spätestens 2014 das Flutlicht aufstellen, also wir hatten damals mehr Zeit als wie heute. Chemie wird das aber schaffen davon bin ich überzeugt, nur müssen sich da wahrscheinlich auch die Verantwortlichen der Stadt auch bewegen. Euch viel Erfolg, außer gegen uns am 3. Spieltag. Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen FCSL.