Fußball | Regionalliga Chemie-Trainer Jagatic: "Es wird eine Riesenherausforderung werden"

Die Mannschaft ist heiß, die Fans können es kaum noch erwarten: Am Wochenende startet die BSG Chemie Leipzig in die neue Regionalliga-Punktspielsaison. Der Dauerkartenverkauf läuft auf Hochtouren, was auch Trainer Miroslav Jagatic stolz macht. Wir sprachen mit dem 46-Jährigen über die neuen Herausforderungen im Verein, den Umbruch im Team, Talente und auch den Frauen-Fußball.

Herr Jagatic, können Sie schon etwas über das Saisonziel verraten?

Miroslav Jagatic: "Das kann man nicht so einfach sagen. Die Saisonziele sind nicht die, die vielleicht andere Mannschaften haben. Ich will es aber schon einmal zusammenfassen. Die Weltlage ist schwierig, darunter leidet auch der Sport. Wir sind abhängig von unseren Fans und Sponsoren. Es kann sich in den nächsten ein, zwei Jahren schnell etwas ändern, was von einigen Leuten unterschätzt wird. Wir als Verein haben das auf dem Schirm.

Letztes Jahr haben wir eine Prognose abgegeben und wurden dann in eine Schublade gesteckt. Es wurden Dinge hineininterpretiert, die gar nicht der Fall waren. Deshalb halten wir uns mit einer Vorhersage zurück. Vielleicht kann man nach zehn Spieltagen eine Prognose stellen, wenn eine gewisse Tendenz zu erkennen ist."

Wie hat sich die Chemie-Mannschaft zur Vorsaison verändert?

"Es hat einen Umbruch gegeben. Wir haben jetzt etliche junge Spieler, die Schlüsselpositionen besetzen werden. Das wird allerdings noch ein Lernprozess für sie, diese Herausforderung anzunehmen. Im nächsten Sommer wollen wir uns dann noch einmal punktuell verstärken. Dann könnte die Zeit reif sein, dass wir zukunftsweisende sportliche Ziele formulieren werden. Wir haben jetzt schon klare Signale, indem Leistungsträger verlängert haben. Wir bauen bei Chemie Leipzig etwas auf, auf das man stolz sein kann. Wir bleiben dennoch bodenständig."

Lucas Surek
Vor kurzem verlängerte auch Lucas Surek bei den Leutzschern vorzeitig seinen Vertrag bis 2024. (Archiv) Bildrechte: IMAGO/Picture Point

Wo sehen Sie für diese Spielzeit noch Nachholbedarf?

"Den sehe ich bei den Spielern nicht. Höchstens in der Infrastruktur, und da sind wir als Verein dicht dran. Es ist eine Riesenherausforderung, was die BSG gerade jetzt in der Krise auf sich genommen hat. Es geht in die richtige Richtung, wir müssen es aber auch behutsam machen. Und da arbeiten wir an unseren Trainingsbedingungen. Chemie Leipzig hat ein großes Gelände zu bearbeiten, dafür sind relativ wenige Leute zuständig. Das ist alles nicht so einfach."

Babelsberg auswärts, Altglienicke (H) und Luckenwalde (A). Wie beurteilen Sie das Startprogramm?

"Ich würde es so formulieren, es gibt keine leichten oder schweren Gegner. Dieses Jahr kann jeder jeden schlagen. Es wird eine ganz spannende Saison, auch wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen. Es wird eine Riesenherausforderung werden, nicht nur für uns, sondern für viele Mannschaften. Wir werden jedes Spiel so angehen, als ob wir gegen den Tabellenersten spielen. Wir als Chemie Leipzig müssen mit unseren minimalen Möglichkeiten immer bis zum Anschlag gehen.

Trainer Miroslav Jagatic, Co-Trainer Stefan Karau
Der langjährige Chemie-Kapitän Stefan Karau steht jetzt als Co-Trainer Miroslav Jagatic zur Seite. Bildrechte: IMAGO/Picture Point

Zum Auftakt-Gegner Babelsberg. Ich habe die Potsdamer beim 3:2-Testspielsieg gegen den FC St. Pauli II beobachtet. Sie haben mit Markus Zschiesche einen neuen Trainer, ein neues Spielsystem. Sie spielen sehr mutig. Das Gesicht der Mannschaft hat sich zur Vorsaison stark verändert, viele neue Spieler sind hinzugekommen. Es ist der Hammer, dass wir gleich zum Anfang gegen Babelsberg spielen. Von der Fan-Sicht her ist es aber eine schöne Sache. Wir freuen uns, wenn zwei verrückte Fan-Lager aufeinandertreffen und den Fußball feiern."

Wer sind für Sie die Staffelfavoriten?

"Es gibt Tendenzen, dass bestimmte Mannschaften oben mitspielen werden. Einen richtigen Aufstiegsfavoriten sehe ich in dieser Saison jedoch nicht."

Janik Mäder, prominentester Neuzugang bei Chemie Leipzig, bei der Erwärmung 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Janik Mäder, prominentester Neuzugang bei Chemie Leipzig, bei der Erwärmung 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Montag (1. August) kam die Nachricht, dass Chemie Leipzig bis dato 1.964 Dauerkarten für die kommende Saison verkauft hat. 1964, das Meisterjahr, eine magische Zahl…

"Für die Regionalliga ist das schon Wahnsinn. Ich denke, manche Drittligisten würden sich so ein Ergebnis wünschen. Chemie Leipzig hat eine verrückte Fanbase. Das macht mich richtig stolz, wie wir alle zusammenstehen. Ich bin stolz, Trainer von so einem Verein zu sein."

Darauf wurden Sie bestimmt schon oft angesprochen. Ihr Sohn Maximilian ist jetzt im Kader der ersten Mannschaft. Nehmen Sie ihn etwas härter ran oder behandeln Sie ihn mehr mit Nachsicht?

"Maximilian ist 17 Jahre alt. Wir haben mit Till Jagodzik einen weiteren Spieler, der aus der U19 kommt und im Kader der Ersten steht. Das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir rechtzeitig unsere Talente fördern, ohne dass sie den Verein verlassen. Maximilian trifft halt das 'Schicksal', dass er den gleichen Nachnamen trägt. Ich nehme ihn aber nicht härter ran. Es hängt von ihm selber ab, auf dem Platz ist er für mich nur der Spieler Maximilian. Wir versuchen, unseren jungen Spielern das Chemie-Gen einzupflanzen."

Chemie-Trainer Miroslav Jagatic mit Sohn Maximilian
"Miro" Jagatic mit Filius Maximilian. Bildrechte: IMAGO/Picture Point

Nach 35 Jahren hat die BSG Chemie Leipzig endlich wieder eine Frauen-Fußball-Mannschaft. Das neue Team um Trainer Fabius Frantz und Kapitänin Katharina Freitag nahm Mitte Juli den Trainingsbetrieb auf…

"Wir sind froh, dass wir jetzt wieder eine Frauen-Mannschaft haben. Ich habe schon ein paar Spielerinnen kennengelernt. Es macht Spaß, sich mit ihnen zu unterhalten. Sie kommen locker rüber, sind bodenständig und haben einfach nur Lust, Fußball zu spielen. Ich würde mich freuen, wenn künftig auch unsere Frauen bei den Spielen kräftig unterstützt werden."

Das Interview führte Jens Daniel

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 06. August 2022 | 16:00 Uhr

11 Kommentare

Maza vor 8 Wochen

Als z.B. Dennis bei uns gespielt hat, hat er gesagt daß er nicht auf die Sportschule gegangen ist um nur
3.Liga zu spielen. Okay ist schon ein bisschen her , deswegen wundert es mich, daß die jetzt alle einen " ordentlichen Beruf " haben und nur noch hobbymäßig Fußball spielen....
Wie schon erwähnt ,ich wünsche euch,daß ihr eure gesteckten Ziele erreicht!

Realist 2020 vor 8 Wochen

Deine Wissenslücken sind recht gross.
Z.B. Herr Mast ist hauptberuflich Vermögensberater in Halle.
2. Profis trainieren tagsüber 1-2 mal und Halbamateure nach dem Job ab 17 Uhr.

Wakabajaschi vor 8 Wochen

Ich bin zwar nicht Gustav, aber ich antworte trotzdem mal stellvertretend.
Also Florian so habe ich gehört, betätigt sich als Softeisverkäufer, das Mango-Zitrone soll der Hammer sein. Solltest Du mal in Wiedemar sein, unbedingt ausprobieren. Dennis soll gerade eine Umschulung/Lehre als Agrarflieger begonnen haben. Viel Erfolg wünsche ich dabei.
Trainiert wird immer Dienstag und Donnerstag jeweils zwischen 18.00 u. 19.30 Uhr. Das muss reichen, haben ja viele Familie und Berufsleben. Ich wünsche dem HFC auch viel Erfolg, außer gegen Braunsbetra im Pokal. Zu dem Brausbedra-Hool besteht unsererseits eine Fanfreundschaft.
Bitte, sehr gern geschehen. 😊

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