Fußball | Regionalliga Chemnitz-Trainer Daniel Berlinski: "Wer nicht heiß ist, dem ist nicht zu helfen"

Der Chemnitzer FC blickt auf eine durchwachsene letzte Saison zurück. Für die kommende Spielzeit stehen die Voraussetzungen deutlich besser, meint CFC-Trainer Daniel Berlinski. Wir sprachen mit ihm über Erwartungshaltungen, Neuzugänge und die Mission der "Himmelblauen" in dieser Saison.

Daniel Berlinski
Daniel Berlinski übernahm im Sommer 2020 von Patrick Glöckner den Trainerposten beim CFC. Bildrechte: imago images/HärtelPRESS

Daniel Berlinski, zwei Spielzeiten wurden vorzeitig abgebrochen. Nicht ausgeschlossen, dass der Spielbetrieb erneut unter Einschränkungen leidet. Mit welcher Erwartungshaltung gehen Sie in die kommende Saison?“

Daniel Berlinski: "Prinzipiell sind wir froh, dass die neue Saison jetzt beginnt. Wir möchten eine wesentlich bessere Saison als letztes Jahr spielen. Unsere Voraussetzungen sind diesmal deutlich besser, der Kader ist im Wesentlichen zusammengeblieben und wir haben uns punktuell verstärkt. Ohne den Druck zu groß werden zu lassen, möchten wir oben mitspielen."

Die Zwangspause war lang. Warum hat Ihre Mannschaft den Wettkampfmodus nicht verlernt?

"Weil wir im Lockdown im Frühjahr sehr viele Testspiele absolviert haben und seit Februar regelmäßig spielen konnten. Dazu hatten wir noch drei Pokalspiele und jetzt gute Tests in der Sommervorbereitung."

 v.l.: Co-Trainer Christian Tiffert, Chemnitzer FC und Trainer Daniel Berlinski (Chemnitzer FC)
Berlinski mit Co-Trainer Christian Tiffert. Bildrechte: imago images / Picture Point

Woran merken Sie, dass Ihre Mannschaft brennt?

"Die Jungs sind in jeder Einheit total fokussiert. Man merkt, dass sich keiner sicher fühlt, dass er gegen TeBe von Beginn an auflaufen wird. Die Trainingsqualität ist gestiegen und aktuell machen es vor allem die jungen Spieler sehr gut. Wer so lange kein Meisterschaftsspiel bestreiten konnte und trotzdem nicht heiß und motiviert ist, dem ist nicht zu helfen. In meiner Mannschaft brennen alle auf den Start."

Die Voraussetzungen in der Vorbereitung waren völlig unterschiedlich. Ihre Mannschaft durfte deutlich früher wieder trainieren. Ist das ein Vorteil oder fangen doch alle bei Null an?

"Es ist erstmal kein Nachteil, dass wir früher gestartet sind. Ob es ein Vorteil ist, wird sich zeigen. Ein Testspiel bleibt ein Testspiel."

Den Wettkampf natürlich mit der Vorbereitung auf den Gegner, die Emotionen und den Adrenalinkick während des Spiels. Vor allem habe ich die Spiele im heimischen Stadion und die Fans tierisch vermisst.

CFC-Trainer Daniel Berlinski

Was haben Sie und die Spieler in der langen Zwangspause am meisten vermisst?

"Den Wettkampf natürlich mit der Vorbereitung auf den Gegner, die Emotionen und den Adrenalinkick während des Spiels. Vor allem habe ich die Spiele im heimischen Stadion und die Fans tierisch vermisst. Ich bin glücklich, dass wir zu Hause starten und hoffe, dass viele Zuschauer ins Stadion kommen."

Mit 20 Mannschaften und 38 Spielen steht eine wahre Mammutsaison mit vielen Unwägbarkeiten bevor. Was braucht es, um in dieser Regionalliga zu bestehen?

"In erster Linie müssen wir verletzungsfrei und mit wenig Ausfällen durch die Saison kommen. Ein guter Start ist immer hilfreich, deshalb sind die ersten drei, vier Spiele enorm wichtig. Gewinnst du die, tankst du Selbstvertrauen und dann entsteht eine Gruppendynamik. In einer Mannschaft muss jeder verstehen, dass er ohne seine Mitspieler nichts wert ist. Wir brauchen den Teamspirit, um erfolgreich zu sein."

Im Bild v.l.: Geschäftsführer Marc Arnold und Trainer Daniel Berlinski
Das sportliche Führungsduo beim Chemnitzer FC: Geschäftsführer Marc Arnold (li.) und Trainer Daniel Berlinski. Bildrechte: imago images/Picture Point

Ein Worst Case, der (diesmal) unbedingt vermieden werden sollte?

"Dass ein Saisonabbruch stattfindet."

Mit der Saisonvorbereitung bin ich …

"… bis dato sehr zufrieden. Wir haben die Testspiele sehr souverän absolviert. Die Jungs haben sehr gut gearbeitet. Mir gefällt unser Spiel mit und gegen den Ball schon sehr gut."

Wo besteht Nachholbedarf oder Luft nach oben?

"Wenn Sie diese Fragen dem FC Bayern München stellen, ist es mit der Luft nach oben bei dem einen oder anderen Spieler schon schwierig. Bei uns hat jeder vom Trainer bis zum Spieler Luft nach oben. Wir versuchen jeden Tag besser zu werden und haben in allen Bereichen Verbesserungspotenzial."

Blicken wir auf die Neuzugänge: Haben Sie Ihren Wunschkader beisammen?

"Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wären das Spieler aus der zweiten und dritten Liga, die die Wahrscheinlichkeit des Aufstieges erhöhen würden. Angesichts unserer Möglichkeiten und des Etats, den wir für Neuzugänge zur Verfügung hatten, haben wir sehr sinnvoll investiert. Allerdings ist der Kader mit 20 Spieler noch sehr klein."

Das riecht nach weiteren Neuverpflichtungen.

"In der Offensive würden wir gern noch was machen. Wir sind in Gesprächen und halten Augen und Ohren offen. Es muss für alle passen."

Ioannis Karsanidis
Mittelfeldspieler Ioannis Karsanidis hat seine Karriere nach wiederholt schweren Knieverletzungen beenden müssen. Bildrechte: imago images / Picture Point

Welcher Verlust oder Abgang tut weh oder ist nicht zu ersetzen?

"Persönlich tat es mir sehr leid, dass sich Ioannis Karsanidis verletzungsbedingt von professionellen Fußball verabschieden musste. Er hätte von seinen Qualitäten her eine sehr gute Rolle spielen können."

Das macht meine Mannschaft stark, da wird sie die Zweifler überraschen!

"Wir sind als Team sehr stark zusammengewachsen. Der Zusammenhalt wird uns tragen. Stark macht uns auch unsere spielerische Qualität, die wir teilweise mit auf den Platz bringen und die wir im Kollektiv umsetzen."

Welche Mission verfolgt der Chemnitzer FC in dieser Saison?

"Als Fußballtrainer will ich jedes Spiel gewinnen. Diese Ambition muss ein Sportler haben und am Ende der Saison wird abgerechnet. Wir wollen oben mitspielen, geben aber nicht mit dem klarem Ziel Aufstieg in die Saison."

Ich sehe bis zu sieben Mannschaften auf Augenhöhe und auf einem ähnlichen Niveau.

CFC-Trainer Daniel Berlinski

Ein Blick auf die Liga: Was denken Sie, sind Konkurrenten im Kampf um die oberen Plätze?

"Ich sehe bis zu sieben Mannschaften auf Augenhöhe und auf einem ähnlichen Niveau. Dazu gehören für mich Altglienicke, Lok Leipzig, der BFC Dynamo, Berliner AK, Carl Zeiss Jena und Energie Cottbus und wir. Ich denke, die Liga wird im ersten Drittel sehr ausgeglichen sein."

Noch ein Blick in die Zukunft. Welche Schlagzeile möchten Sie Mitte Mai 2022 über Ihre Mannschaft/Ihren Verein lesen?

"Chemnitz belohnt sich für gute Leistungen."

Herr Berlinski, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die kommende Saison.

Das Interview führte Sanny Stephan.

Mannschaft des CFC beim Training. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mannschaft des CFC beim Training. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Videos aus der Regionalliga

Spieler von Lok Leipzig am Ball.
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Spieler von VfB Auerbach am Ball.
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 24. Juli 2021 | 21:45 Uhr

5 Kommentare

AufmerksamerBeobachter vor 9 Wochen

Ich sage, er ist länger da, als Enochs.

In der RL gibts nicht so eine Trainerhektik… kann mich noch an Wechsel in der Saison bei Lok und Nordhausen erinnern, aber sonst? Die Saison ist oft nach den ersten 15 Spielen gelaufen und ob man mit 11 Punkten Rückstand Zweiter wird oder Zwölfter, ist egal. Nur nach unten sollte man nicht rutschen, dann wirds hektisch - auch beim CFC. Die Mannschaft scheint nicht mehr als einen mittleren Tabellenplatz erreichen zu können, dafür sind zuwenig überdurchschnittlich gute Spieler dabei.

oldie68 vor 9 Wochen

Du hast wohl schon vergessen ,wie es vorige Sasion laut wurde Enochs raus ! Diese Saison wird er nicht beenden sowie der Trainer vom Schacht

AufmerksamerBeobachter vor 9 Wochen

Natürlich nicht, es war auf diese Saison bezogen.

Vier Jahre Berlinski, davon träumt beim CFC keiner.