Fußball | Regionalliga Was passiert da gerade beim CFC?

Fragen und Antworten rund um das Insolvenzverfahren des Chemnitzer FC

Die Zukunft des Chemnitzer FC ist mehr als unsicher. Würde der Abschlussbericht von Insolvenzverwalter Klaus Siemon beim Amtsgericht akzeptiert werden, würde dies das Aus des CFC bedeuten. Um Licht in die komplizierte Situation zu bringen, sprachen wir mit Stephan Madaus, Professor für Insolvenzrecht an der Martin Luther Universität in Halle.

Stadion an der Gellertstrasse
Bildrechte: imago images/Picture Point

Die aktuelle Situation beim Chemnitzer FC rund um das Insolvenzverfahren ist schwer zu durchschauen. Der Verein hatte ja Anfang August gefeiert, weil die Spendenkampagne bereits vor dem angepeilten Ende die 450.000 Euro eingebracht hat. Am Ende wurden es sogar 520.000 Euro. Viele haben das mit der Rettung des Vereins gleichgesetzt. Denn mit diesem Geld sollte Insolvenzverwalter Klaus Siemon einen Insolvenzplan erstellen und damit das Insolvenzverfahren beenden. 

Siemon hat aber inzwischen mitgeteilt, dass er keinen Insolvenzplan erstellen wird. Stattdessen will er zeitnah einen Schlussbericht beim Amtsgericht einreichen. Würde dieser Bericht akzeptiert, wäre das das Aus für den CFC. Die Rettung ist also erstmal wieder außer Reichweite. Rein insolvenzrechtlich sind im Moment alle Szenarien möglich.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten

Um die komplizierte Situation zu verstehen, hat "Sport im Osten" Stephan Madaus um Hilfe gebeten, er ist Professor für Insolvenzrecht an der Martin-Luther-Universität in Halle.

Was ist ein Schlussbericht und welche Folgen hat er für den CFC?

Der Schlussbericht läutet das Ende des Insolvenzverfahrens ein. "Der Insolvenzverwalter zeigt damit an, dass alles aus dem Vermögen des Chemnitzer FC verwertet worden ist" erklärt Prof. Madaus, "aus Sicht des Insolvenzverwalters kann das Verfahren also beendet werden". Dabei muss man wissen, dass der Insolvenzverwalter nicht dem Verein und dessen Erhalt verpflichtet ist, sondern in erster Linie den Gläubigern. Sie sollen so viel von ihrem Geld zurückerhalten wie möglich. Da Klaus Siemon aber Anfang August des vergangenen Jahres Masseunzulänglichkeit angezeigt hat, dürfte er jetzt eigentlich auch kein Geld für die Gläubiger erwirtschaftet haben. Denn Masseunzulänglichkeit bedeutet, dass der Schuldner seine Kosten perspektivisch nicht mehr decken kann. Wie es finanziell genau um den CFC steht, das weiß man erst, sobald der Schlussbericht dem Amtsgericht vorliegt. In diesem Schlussbericht muss Klaus Siemon über seine gut zweijährige Arbeit beim Chemnitzer FC berichten und alle Zahlen offen legen.

Klaus Siemon
Insolvenzverwalter Klaus Siemon. (Archiv) Bildrechte: imago images /Picture Point

Die Folgen eines Schlussberichtes sind für den Chemnitzer FC in doppelter Hinsicht dramatisch. Voraussichtlich wird Klaus Siemon nämlich feststellen, dass der Verein kein Geld mehr hat, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu decken. Damit würde das Verfahren mangels Masse eingestellt, der CFC müsste aus dem Vereinsregister gelöscht werden. Selbst wenn die Himmelblauen Geld auftreiben könnten, um die Verfahrenskosten zu decken, wäre dem Verein nur kurzfristig geholfen. Denn der Schlussbericht entschuldet den Verein nicht. Das heißt, alle Gläubiger könnten ihre Ansprüche, gegen den CFC vollstrecken und zwar über 30 Jahre. Die praktische Folge: Der Verein wäre zahlungsunfähig und müsste aus dem Vereinsregister gelöscht werden.

Warum reicht Klaus Siemon keinen Insolvenzplan ein? Mit der Spendenaktion hätte er ja 520.000 Euro zur Verfügung?

Der Auftrag der Gläubigerversammlung war ja die Fortführung des Vereins und auch seine Entschuldung. Das wird in der Regel mit einem Insolvenzplan erreicht. So einen Plan hat Siemon im vergangenen Herbst eingereicht, verbunden mit einer zusätzlichen Geldforderung, die laut Medienbericht angeblich 1,7 Millionen Euro betragen haben soll. Diese Forderungen wollten die Investoren nicht erfüllen. Außerdem hatte das Insolvenzgericht einige Nachforderungen an Siemon gestellt. Daraufhin hat er den Insolvenzplan zurückgezogen. Formal hat er also dem Wunsch der Gläubigerversammlung entsprochen und einen Insolvenzplan vorgelegt. Er ist nicht verpflichtet, weitere Insolvenzpläne zu erstellen, könnte das aber natürlich tun.

Was bewirkt ein Insolvenzplan genau?

Der Insolvenzplan entschuldet den Verein. Der insolvente Verein zahlt über diese Planvereinbarung einen kleinen Teil seiner Schulden an die Gläubiger zurück. Beim CFC waren fünf Prozent im Gespräch. Auf die anderen 95 Prozent verzichten die Gläubiger. Dafür müssen Gläubiger mit 51 Prozent der Gesamtforderung zustimmen. Auch das macht den Insolvenzplan attraktiv, man muss nicht mit allen Gläubigern erfolgreich verhandeln. Nach einem erfolgreich durchgeführten Insolvenzplan hat der Verein keine Schulden mehr und könnte finanziell unbelastet weiter arbeiten.

Wie kann der Verein jetzt einen Insolvenzplan erstellen?

"Der Verein als Schuldnerin kann neben dem Insolvenzverwalter jederzeit einen Insolvenzplan vorlegen. Diese Möglichkeit ist immer da und sollte auch geprüft werden", sagte Professor Madaus. Tatsächlich hatte der Chemnitzer FC ja bereits bei der letzten Mitgliederversammlung im Dezember mit Matthias Lechleitner einen Insolvenzrechtler vorgestellt, der einen Insolvenzplan im Auftrag des Vereins erstellen sollte. Diesen Ansatz hat die Vereinsspitze aber offensichtlich nicht weiter verfolgt. Jetzt soll ein Insolvenzrechtler – möglicherweise Lechleitner – einen Insolvenzplan erstellen. Der Insolvenzplan muss eine Quote für die Gläubiger enthalten. Wenn dieser Quote auf der Gläubigerversammlung mit besagten 51 Prozent zugestimmt wird, ist die Insolvenz erfolgreich beendet.

Bis wann muss der Insolvenzplan erstellt werden?

Da besteht durchaus Zeitdruck. Der Insolvenzplan des Vereins kann nämlich nur eingereicht werden, solange das Insolvenzverfahren noch nicht beendet ist. Den Schlussbericht hat Siemon am Donnerstag (13. August) beim Amtsgericht eingereicht. Dort wird er geprüft und könnte akzeptiert werden. Damit wäre das Insolvenzverfahren beendet und der Chemnitzer FC müsste aus dem Vereinsregister gelöscht werden. Das könnte bereits im September der Fall sein. Der Chemnitzer FC muss seinen Insolvenzplan also in den nächsten Wochen einreichen, um zu überleben.

Was kostet so ein Insolvenzplan?

Die Kosten für die Arbeit des Insolvenzrechtlers liegen vermutlich im niedrigen fünfstelligen Bereich. Außerdem muss den Gläubigern eine Quote angeboten werden. Im Raum stehen fünf Prozent. Bei Restschulden von angeblich drei Mio. Euro wären das 150.000 Euro. Allerdings müssen alle Masseverbindlichkeiten ebenfalls beglichen werden, sonst kann der Insolvenzplan nicht erfolgreich sein. Masseverbindlichkeiten sind die Gerichtskosten, das Honorar für den Insolvenzverwalter und alle anderen aufgelaufenen Schulden während des Insolvenzverfahrens. Die Kosten sind schwer zu schätzen, könnten aber bei mehreren hunderttausend Euro liegen. Dafür dürfte das Geld der Spendensammlung verwendet werden.

Kann Klaus Siemon auf das Geld der Spendenaktion zugreifen?

"Nein, das ist ausgeschlossen", sagt CFC-Präsidentin Romy Polster. Die 520.000 Euro liegen auf einem Sperrkonto, auf das der Insolvenzverwalter nicht zugreifen kann. Der Verein kann dieses Geld allerdings verwenden, um den Insolvenzplan zu finanzieren.

Romy Polster
Romy Polster Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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So 18.10.2020 16:22Uhr 00:34 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 12. August 2020 | 17:45 Uhr

72 Kommentare

DerBaron vor 9 Wochen

Wird doch gemacht der aktuelle Kader hat doch keine Stars oder soll der CFC jedesmal bei ihnen um Erlaubnis betteln. Und Geld kommt nun mal von Sponsoren und die Stadt Chemnitz hat nur einen Verein bei Chemie RB und Lok teilen sich drei Vereine eine Stadt. Das hat nichts mit Größenwahn zutun wenn ein langjähriger Sponsor wieder einsteigen will der dringend Geld in die knappe Kasse spült. Es wird vielen Vereinen so gehen auf Grund der Pandemie denn Ohne Zuschauer kommt auch kaum Geld rein

DerBaron vor 9 Wochen

Glaub der Chemiker hat es immer noch nicht begriffen. Was hat das mit deinem gefasel zutun du weist noch nicht mal von was du sprichst. Wer sagt was von mega Einkäufen. Ich sehe in den Reihen der Chemnitzer keine großen Namen. Nur ne Mannschaft darf man sich noch zusammen stellen oder ?? Oder muss man dich in Zukunft fragen. Und mal nebenbei das hat mit Größenwahn wenig zutun das ist Realität. Nur weil ihr keine Sponsoren habt und euch alles teilen müsst dann fusioniert mit Lok Leipzig und gründet BSG Lok Chemie Leipzig 😁😁😁

clubfan vor 9 Wochen

Da bin ich ganz auf deiner Linie, bei aller Rivalität und "Hassliebe", ich wünsche jeden ehemaligen DDR Oberliga Verein Erfolg . Es sind doch gerade DIESE Derbys die so geil sind..BW Grüsse aus der Börde