Fußball | Regionalliga Chemnitzer FC "liefert" und reicht Insolvenzplan ein

Der Chemnitzer FC hat einen großen Schritt in Richtung Beendigung des Insolvenzverfahrens gemacht. Der notwendige Insolvenzplan liegt seit Montag beim Amtsgericht. Jetzt warten noch kleinere Hürden.

Der Chemnitzer FC hat seinen Insolvenzplan am Montag (26.10.2020) beim Amtsgericht eingereicht. Dies teilte der Fußball-Regionalligist bei einer Pressekonferenz mit.

Polster: "Wir haben geliefert"

"Wir haben einen Riesenschritt in die richtige Richtung geschafft", sagte die Vorstandsvorsitzende Romy Polster und ergänzte: "Wir haben geliefert und unseren Fans das gegeben, was sie erwartet haben." Das Gericht prüft jetzt den Insolvenzplan und der CFC hofft auf ein Feedback noch in dieser Woche. Der nächste große Schritt sei dann ein Abstimmungstermin mit den 163 Gläubigern vor Gericht. CFC-Insolvenzanwalt Oliver Junghänel rechnet aufgrund der Corona-Situation damit, dass dieser Termin nicht vor Anfang Dezember stattfinden wird, zumal auch ein größerer Saal dafür gebraucht werde.

Die restliche Abwicklung sei danach in sechs bis acht Wochen abgeschlossen. "Realistisch gesehen, sollte das Insolvenzverfahren im Frühjahr 2021 beendet sein", so Junghänel. Das Überleben des Vereins hatten die Fans mit einer Spendenkampagne gesichert. Diese brachte zunächst rund 520.000 Euro ein. Nach Auskunft von Polster liegen bereinigt nun 499.800 Euro auf dem Treuhandkonto.

Der Reporter vor einem CFC Wappen 2 min
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Fast drei Millionen Schulden

Das Gros der Gläubiger erhält eine Quote von fünf Prozent. Bei einem Schuldenberg von 2.960.000 Euro ergibt das rund 148.000 Euro für diese Gläubiger. Dazu kommen Verfahrenskosten und Kosten, die durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstanden sind, juristisch so genannte "bevorrechtigte Massegläubiger". Diese liegen laut Junghänel bei rund 362.000 Euro, davon erhalten die Massegläubiger etwa 100.000 Euro. Die Verfahrenskosten, inklusive des Honorars von Insolvenverwalter Klaus Siemon, liegt also bei rund 262.000 Euro.

Mitgliederversammlung

Stimmzettel
Stimmzettel einer Mitgliederversammlung des CFC. Bildrechte: Picture Point

Romy Polster ist es sehr wichtig, dass der Insolvenzplan auch von der Mitgliederversammlung angenommen wird. Zweimal musste sie verschoben werden. Nun gibt es, wegen Corona, die Möglichkeit einer Briefwahl. Bis zum 13. November kann abgestimmt werden. "Es ist uns ungeheuer wichtig, dass wir uns den Vorstandsbeschluss durch die Mitgliederversammlung bestätigen lassen.", sagt Polster.

"Schulterschluss" mit Siemon

Klaus Siemon
Klaus Siemon Bildrechte: imago images /Picture Point

Die Arbeit von Insolvenzverwalter Klaus Siemon, der mit der Liquidation des Vereins gedroht hatte, wollte Insolvenzanwalt Oliver Junghänel nicht groß beurteilen. Das gehöre sich aus Kollegensicht nicht. Vielleicht hätte man früher eine Spendenaktion initiieren können. Zuletzt habe es aber einen "engen Schulterschluss" mit Siemon gegeben, man sei in "wesentlichen Punkten" einig.

Hoffen auf Sponsoren

Da wegen Corona derzeit nicht so viele Zuschauer ins CFC-Stadion kommen dürfen, hofft Romy Polster auf frisches Geld durch Sponsoren. Es gebe Zusagen für den Fall eines abgeschlossenen Insolvenzverfahrens.

Pressekonferenz des Chemnitzer FC 30 min
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Sehen Sie hier die Pressekonferenz von Fußball-Drittligist Chemnitzer FC zum Insolvenzplan. Mit dabei waren Vorstandschefin Romy Polster und der Insolvenzanwalt Oliver Junghaenel.

Mo 26.10.2020 18:03Uhr 30:19 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-insolvenzplan-chemnitzer-fc-pressekonferenz-romy-polster-oliver-junghaenel-100.html

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Wie alles begann

Das Chemnitzer Finanz-Dilemma hatte am 10. April 2018 seinen Anfang genommen. Nach Wochen der Spekulation mussteder Chemnitzer FC Insolvenz anmelden, die aufgebauten Verbindlichkeiten wurden vom Vereinsvermögen nicht mehr gedeckt. Klaus Siemon wurde als Insolvenzverwalter der neue starke Mann und wollte den Traditionsclub wieder in ruhigere Fahrwasser führen.

Was folgte war eine nunmehr knapp 30 Monate andauernde Fehde zwischen dem Insolvenzverwalter auf der einen und Vereinsmitgliedern, Fanszene und weiteren Akteuren auf der anderen Seite. Siemon drohte zwischenzeitlich gar mit der Auslöschung des Vereins. Zwischenzeitlich war keine vernünftige Lösung in Sicht.

Chemnitz erstellt eigenen Insolvenzplan

Mitte August dieses Jahres schließlich erstellte Siemon seinen Abschlussbericht und beantragte das Insolvenzverfahren einzustellen, der CFC wäre damit Geschichte gewesen. Der Grund: Natürlich das fehlende Geld. Nichts soll mehr da gewesen sein für Gerichtskosten oder das Verwalter-Honorar, von der angestrebten Rückzahlung an die Gläubiger ganz zu schweigen.

Kurios dabei: Noch wenige Tage zuvor hatte es große Freude bei den Sachsen gegeben. Eine Spendenkampagne brachte 520.000 Euro und damit mehr als Siemon wenige Wochen zuvor für die Aufstellung eines neuen Insolvenzplans (ein erster Plan von Siemon wurde im Herbst 2019 vom Chemnitzer FC abgelehnt) gefordert hatte. Nun aber wollte er davon nichts mehr wissen. Also entschied sich der Vorstand für einen eigenen Insolvenzplan. "Das werden wir als Schuldner nunmehr selbst tun. Die Hoffnung war, dass wir das mit dem Insolvenzverwalter zusammen erledigen. Herr Siemon hatte aber erklärt, dass er das nicht tun wird", erklärte Romy Polster, die Vorsitzende des Gremiums.

Stadion des CFC 1 min
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ein Stadion aus der Luft
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ein Mann im Gespräch
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 26. Oktober 2020 | 17:45 Uhr

12 Kommentare

oldie68 vor 4 Wochen

Geprellt Sponsoren, mag sein aber in Chemnitz bekommen sie wenigstens was als im Unterholz haben sie nichts bekommen ! Flieg nicht so hoch ,sonst landet ihr im Unterholz !

Dreissiger vor 4 Wochen

Noch was, das Wort "größenwahnsinnig" duerfte ein Chemiefan gar nicht in den Mund nehmen. Ich darf nur an die
"Hoffnung Mitteldeutschlands" erinnern, schon vergessen?
Wenn die Fans ihren Verein damals auch so unterstützt hätten wie jetzt die CFC-Fans und Unterstützer...

Chemieschwein vor 4 Wochen

Hätte man nicht Größenwahnsinnig auf Teufel komm raus für diese 3.Liga Millionen verbrannt, währe kein Cent im Rheinland "versickert".. Nun haben die Investoren das sagen, der "Verein" hat sowieso nichts mehr zu melden . Aber erst mal muss das Insolvenzverfahren abgeschlossen werden.. Da können einem nur die alten Geldgeber und geprellten Sponsoren leid tun, aber vielleicht wird der ein oder andere sein Veto einlegen und dem ganzen doch ein Ende bereiten..