Fußball | Regionalliga Chemnitzer FC und Ultras positionieren sich gegen Rechtsextremismus

Die aktive Fanszene des Chemnitzer FC hat sich klar gegen Rechtsextremismus in der Kurve positioniert. Der Verein selbst erteilte zehn Anhängern Hausverbot, die an den Entgleisungen in Most beteiligt waren.

Fans des Chemnitzer FC
Bildrechte: imago images/HärtelPRESS

Vor dem ersten Spieltag der Regionalliga Nordost am Freitag (23.07.2021) hat der Chemnitzer FC zehn mutmaßlich rechtsextremistischen Anhängern Hausverbot erteilt.  Dabei handelt es sich um Personen, die Ende Juni beim Auswärtsspiel im tschechischen Most das Lied einer Neonazi-Band gegrölt und "Sieg Heil" gerufen hatten.

Hausverbot gilt ohne Zeitbegrenzung

Keine der zehn Personen ist Mitglied des Chemnitzer FC. Bemerkenswert ist, dass der CFC kein Stadionverbot, sondern ein Hausverbot nach dem Bundesgesetzbuch verhängt hat. Die Fälle werden also nicht von der Stadionverbotskommission behandelt. Das Hausverbot für das Stadion gilt zeitlich unbegrenzt.

"Wir sind glücklich über die Identifizierung. Damit haben wir noch vor dem 1. Spieltag der neuen Saison Klarheit und konnten die Betreffenden aus dem Stadion verbannen. Ich betone aber auch, dass die Ermittlungen weiterlaufen müssen, um weitere Täter dingfest machen zu können", sagte Siegfried Rümmler, der stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Chemnitzer FC.

Der Chemnitzer FC lässt nun also auf Worte auch Taten folgen. Anfang Juli hatte der CFC-Anti-Rassismusbeauftragte Martin Ziegenhagen im MDR-Interview gesagt: "Diese Personen sind uns nicht willkommen, die wollen wir nicht haben, nicht im Verein und auch nicht im Stadion." Er äußerte auch die Befürchtung, dass die rechte Szene mobilmachen könnte, um die Meinungsführerschaft in der Südkurve im Chemnitzer Stadion zu beanspruchen.

Ultras distanzieren sich deutlich von rechten Strömungen

Nun hat sich die einflussreiche Gruppierung Ultras Chemnitz 99 überraschend deutlich zu Wort gemeldet: "Gemeinsam mit vielen Fanclubs haben wir in den letzten Wochen Gespräche zu den Vorkommnissen in Most geführt. Mit breiter Einigkeit wurde konstatiert, dass sowas wie in Most nicht wieder vorkommen soll. Die Spiele des Chemnitzer FC dürfen nie wieder als Bühne für rechtsextreme Äußerungen missbraucht werden."

Weiter schreibt die Gruppierung: "Wir haben immer versucht Politik aus dem Stadion fernzuhalten. Bei einem Teil der Fans hat dies in den letzten Jahren nicht funktioniert."

Wir haben keinen Bock darauf, dass unsere Fanszene, und damit auch wir, regelmäßig mit rechtsextremen Tendenzen in Verbindung gebracht werden.

Erklärung der aktiven Ultras Chemnitz 99

Zudem beendet die Gruppierung nach rund 500 Tagen ihren Boykott im Stadion, will die Mannschaft mit organisiertem Support unterstützen. 

Verein zeigt klare Kante gegen Rechtsextremismus

Der Verein wird sich zum Saisonauftakt im Stadion politisch klar positionieren. Die Mannschaften werden vor dem Anstoß ein Banner zeigen mit der Aufschrift: "15.000 Plätze – aber keiner für Nazis. Der Chemnitzer FC sagt laut und deutlich: Nein zu Rassismus." Diese Botschaft hat der Verein schon seit Wochen auf seiner Website veröffentlicht und auch zur Saisoneröffnungsfeier am Stadion angebracht.

Verein und Fanszene machen damit klar, dass sie nach der überstandenen Insolvenz für einen Neuanfang stehen und sich aktiv gegen rechtsextreme Tendenzen in der Fanszene zur Wehr setzen. 

Videos aus der Regionalliga

FC Eilenburg - Chemie Leipzig
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Der Neuling aus Eilenburg erwies sich als schwerer Brocken für die BSG Chemie Leipzig. Am Ende fiel auf jeder Seite ein Tor.

So 25.07.2021 16:06Uhr 00:59 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-fc-eilenburg-chemie-leipzig-100.html

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 24. Juli 2021 | 16:00 Uhr

18 Kommentare

Matze91 vor 3 Tagen

Das kann ich als CFCler dir sagen...der Club soll in den Augen von manchen von der Landkarte verschwinden...das hat man gemerkt als wir in der Insolvenz waren und auch danach als wir die Insolvenz abgeschlossen hatten.
Selbst als der CFC dazu aufgerufen hatte das sich selbst Kritiker des CFC's bei der Neugestaltung zubeteiligen hat sich von den Kritikern keiner gemeldet aber das ist generell so und das ist nicht nur beim CFC so, das viele sich hinter ihren Nicks oder Pseudonymen verstecken weil sie meinen ach jetzt mach ich mal Stimmung aber dann wenn man solche Leute dazu auffordert sich aktiv zu beteiligen sich nicht trauen und haben bekanntlich die Hose voll.

FCSL vor 3 Tagen

Das ist eine gute Entwicklung, vor allem die Aussagen der CFC-Fans. Vertrauen in den Klub muß sich erarbeitet werden, keine Frage. Von daher kann ich die Skepsis einiger (einschl. ich) ein klein wenig verstehen. Was ich nicht verstehe, ist, daß dem CFC von einigen scheinbar überhaupt keine Chance gegeben wird, mit der Situation jetzt und vor allem in der Zukunft nachhaltig positiv und anti-rechts umzugehen.
Was genau kann und muß der Klub eurer Meinung nach tun, um glaubwürdig zu sein?

Matze91 vor 3 Tagen

@Chili Plamer da sag ich nur man sieht nur das was man sehen will und verschließt die Augen vor der Realität.
Denn die Realität zeigt das ziemlich deutlich das wir eben nicht nur Nebelkerzen zünden...aber wie gesagt manch einer kann seine Kommentare hier abgeben und sich hinter sein Nick verstecken, anstatt mit anzupacken denn dieses Problem mit Extremismus egal in welcher Form ist nicht nur ein Problem welches der CFC hat sondern es ist ein gesellschaftliches Problem.
Aber wie gesagt seht einfach das was ihr sehen wollt, ihr werdet schon merken das wir es ernst meinen...