Fußball | Regionalliga Halberstadt-Trainer Körner: "Es geht um Existenzen"

Die Coronakrise hat den Fußball in Deutschland zum Erliegen gebracht, was insbesondere die kleineren Vereine in ihrer Existenz bedroht. Im "SpiO"-Talk hat sich Sven Körner, Trainer des Regionalligisten VfB Germania Halberstadt, zur derzeitigen Situation geäußert.

Sven Körner und Linda Striebing im Studio 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Do 19.03.2020 11:13Uhr 29:41 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-392636.html

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Nachdem der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) am Mittwoch (18.03.) bekannt gab, die Unterbrechung des Spielbetriebs bis mindestens 19. April auszuweiten steht fest: Auch in der Regionalliga Nordost wird in den nächsten Wochen kein Ball durch die Stadien rollen. Davon betroffen ist auch Germania Halberstadt, aktuell auf dem 15. Tabellenplatz.

"Situation, die wir schlecht einschätzen können"

Trotz der Unsicherheit, die die Spielunterbrechung mit sich bringt, wirkt Halberstadts Trainer Sven Körner gefasst: "Es ist natürlich angespannt, weil man ja nicht weiß, wie es weitergeht. Es läuft alles momentan sehr ruhig ab", schildert der 37-Jährige die Lage im Verein, betonte aber auch: " Wir stehen vor einer Situation, die wir schlecht einschätzen können".

Wie fast alle Vereine haben auch die Sachsen-Anhalter ihren Trainingsbetrieb vorerst eingestellt. Die Mannschaft trainiert aktuell mit individuellen Plänen, ließ Körner wissen: "Wir als Trainerteam haben überlegt, was wir genau machen können. Die Jungs  haben einen Laufplan bekommen. Die Ergebnisse müssen sie uns zukommen lassen".

Kurzarbeit bald ein Thema?

Dass sich die Tagesabläufe der Spieler im Zuge der Krise verändert haben, berichtete auch Kapitän Tino Schulze, der per Video zugeschaltet war: "Mein Tag ist eigentlich ganz entspannt. Ich trink Kaffee, geh joggen und trainiere nach meinen individuellen Plänen", so der 27-Jährige und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Natürlich zocke ich auch ein bisschen".

Welche Auswirkungen die Coronakrise auf die wirtschaftliche Lage im Sport haben wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. Fakt ist aber, dass insbesondere die kleineren Vereine in den unteren Ligen in ihrer Existenz bedroht sind. Das gilt auch für den VfB Germania Halberstadt: "Bei uns wird sowieso schon jeder Cent doppelt umgedreht. Die Situation jetzt macht es natürlich nicht leichter für den Verein", äußerte Körner seine Bedenken und schob nach: "Vielleicht kommt auch bald auf uns das Thema Kurzarbeit zu".

Trainer Sven Körner (Germania Halberstadt)
Trainer Sven Körner (Germania Halberstadt) Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

"Wollen den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen"

Einem möglichen vorzeitigen Saisonabbruch, wie ihn bereits andere große Sportligen in Deutschland beschlossen haben (u.a. BBL  und DEL), steht Körner eher kritisch gegenüber: "Wir wollen die Saison zu Ende spielen und den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen. Das Potenzial haben wir", so der Übungsleiter und verwies auf die guten Resultate des VfB in den letzten Wochen.

Ob die Spiele dann vor Publikum stattfinden werden, steht momentan noch in den Sternen. Partien vor leeren Rängen würde Körner aber in jedem Falle gerne vermeiden: "Ich hoffe natürlich, dass wir keine Geisterspiele bekommen. Schließlich gehen wir auch zum Fußball, da die Fans die Emotionen übertragen. Wie der Ball zum Spiel gehört, gehören auch die Fans dazu". Gleichzeitig betonte der Halberstädter Trainer, dass die Existenz des Vereins in hohem Maße von den Zuschauereinnahmen abhängt.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Sorge bereitet Körner aber auch die Situation seiner Mitarbeiter: "In der Geschäftsstelle ist alles stillgelegt. Die Situation ist sehr schwierig. Schließlich machen wir uns alle Sorgen, wie es weitergeht. Es geht um Existenzen", mahnte der gebürtige Hallenser und rief zur Solidarität im Zuge der Krise auf: "Natürlich sollten wir jetzt alle zusammenhalten. In Halberstadt wollen wir mit einem guten Beispiel vorangehen".

Körners Worten ist zu entnehmen, wie ernst ihm die momentan Lage ist. Nicht nur in Bezug auf seinen Verein, sondern auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht: "Ich glaube, dass viele die Situation unterschätzt haben und ihren Alltag weiterleben. Das hilft der Sache aber nicht", so der 37-Jährige und appellierte an seine Mitmenschen: "Wir sollten uns auf das besinnen, was wichtig ist. Man kann sich als Mensch in dieser Situation auch neu besinnen, sich um Freunde und Familie kümmern".

Auch wenn man die Situation nicht selbst in der Hand hat, könne jeder bei der Eindämmung des Virus mithelfen, bekräftige Körner und legte den Fokus zum Abschluss des Gesprächs noch einmal auf das Sportliche: "Wir wollen Fußball spielen und erfolgreich sein. Deshalb hoffe ich auch, dass sich jeder an die Auflagen hält".

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. März 2020 | 17:45 Uhr