Fußball | Nachwuchs DFB streicht Zuschüsse für Junioren-Regionalligen

7.000 Euro sind für den Deutschen Fußball-Bund nicht mehr als ein Handgeld. Doch für kleine Vereine, deren Nachwuchs sich in die Regionalliga kämpft, ist diese Unterstützung Gold wert. Ab kommende Saison fällt die weg. Die insgesamt 400.000 Euro werden gestrichen. Der Nordostdeutsche Fußballverband und betroffene Vereine sind entsetzt.

Kinder in Fußball-Trikots rennen mit Plakaten, auf denen Logos und Namen verschiedener Vereine abgebildet sind, über ein Fußballfeld.
Bildrechte: imago images / Picture Point LE

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Zuschüsse für die U19- und U17-Teams in den Regionalligen gestrichen. Die Regelung soll bereits zur neuen Saison 2020/21 greifen und sorgte nicht nur bei den Vereinen für Unverständnis. Andreas Kupper, Jugendausschuss-Vorsitzender beim Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV), kann die Entscheidung des DFB nicht nachvollziehen: "Der DFB ist der Meinung, das ist eine NOFV-Veranstaltung, das sei nicht Aufgabe des DFB. Dabei sagt man doch immer, der Nachwuchs-Fußball sei die Zukunft. Und es ist ja kein hoher Betrag, der aber für die kleinen Vereine von großer Bedeutung ist." Der NOFV selbst habe sich auf der letzten Präsidiumssitzung mit dem Thema befasst und auch beim DFB interveniert. Die Reaktion bis heute – keine!

Jungendausschuss-Vorsitzender Kupper: "Entscheidung nicht verständlich"

Worum geht es? Es handelt sich um insgesamt rund 400.000 Euro für die Regionalligisten. Für die jeweilige Mannschaft eines Vereins sind das je nach Anreisewegen um die 7.000 bis 8.000 Euro. Für kleine Vereine eine Menge Geld, das wenigstens die Reisekosten decken hilft. "Für uns ist die DFB-Entscheidung nicht verständlich. Wir haben die Vereine bereits informiert und werden es auch als Thema bei der Staffeltagung Anfang Februar nochmals auf den Tisch bringen“, sagt Kupper.

Eine Fahne mit dem Schriftzug DFB ist an einem Krahn befestigt.
In Frankfurt baut sich der DFB für 150 Millionen Euro eine Akademie. Für die kleinen Vereine sind dagegen keine 400.000 Euro mehr da. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Auch NOFV-Vereinssprecher Wolf verärgert

Auch Hubert Wolf, Sprecher der Vereine des NOFV, hatte sich bei der Präsidiumssitzung gegen die DFB-Kürzungen ausgesprochen. Das Argument des DFB, dass Regionalligisten nicht direkt gefördert werden dürfen, hält er für vorgeschoben. "Jede gemeinnützige Einrichtung darf eine Spende leisten, die darf auch eine Zweckbindung haben, wie hier für den Jugendbereich. Ich finde das nicht in Ordnung. Es ist auch nicht das erste Mal. Man propagiert immer die Wichtigkeit des Ehrenamtes, um dann alles wegzustreichen“, so Wolf. Gerade auch für die Außenwirkung des DFB gerade im Breitensport sei diese Entscheidung verheerend.

Auerbach-Manager Kramer: "DFB wollte bewusst die Kleinen treffen"

Welche mitteldeutschen Vereine wären aktuell betroffen? Bei den B-Junioren spielen derzeit FC Rot-Weiß Erfurt, 1. FC Magdeburg, FC Erzgebirge Aue, SG Dynamo Dresden, Hallescher FC II, RB Leipzig II und VfB Auerbach mit. Bei den A-Junioren sind es Hallescher FC, FC Carl Zeiss Jena, FC Rot-Weiß Erfurt, FC Erzgebirge Aue und FSV Zwickau. Dazu kommen noch potentielle sportliche Aufsteiger wie u.a. FSV Wacker Nordhausen, FC Oberlausitz oder VfL Halle. Direkt betroffen sind nur die Vereine ohne DFB-Nachwuchsleistungszentrum, also im Moment Zwickau, Halle und Auerbach.

Volkhardt Kramer
Auerbach-Manager Volkhardt Kramer sieht in der DFB-Entscheidung keinen Zufall. Bildrechte: IMAGO

Beim VfB Auerbach glaubt Manager Volkhardt Kramer, dass der DFB möglicherweise bewusst genau diese Kleinen treffen will. Man wolle offenbar nicht, dass kleine Vereine im Nachwuchs bis in die Regionalliga durchstarten. Begabte Spieler sollten lieber in die recht üppig unterstützten Nachwuchsleistungszentren delegiert werden. Für Auerbach würde das bedeuten: "Die A-Junioren sind dran, könnten den Aufstieg im Sommer schaffen. Doch wir können nicht zwei Teams in der Regionalliga finanzieren, wenn der DFB den Zuschuss streicht", so Kramer. Die Kosten pro Saison würden bei rund 30.000 Euro liegen. Da seien die 7.000 Euro vom DFB ganz wichtig gewesen. Durch die Streichung würde der Deutsche Fußball-Bund auch jungen Spielern die Chance verbauen, über den zweiten Bildungsweg doch noch den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Es gebe so viele Spieler, die bei der Sichtung durchs Sieb fallen und dann bei Vereinen wie dem VfB Auerbach aufgefangen würden.

Mitteldeutsche Vereine mit Nachwuchsleistungszentrum 2019/20

Mitteldeutsche Vereine mit Nachwuchsleistungszentrum 2019/20

FC Erzgebirge Aue
Chemnitzer FC
Dynamo Dresden
FC Rot-Weiß Erfurt
FC Carl Zeiss Jena
RB Leipzig
1. FC Magdeburg

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 11. Dezember 2019 | 17:45 Uhr

8 Kommentare

Gerald vor 30 Wochen

Wurde der neue DFB-Chef Fritz Keller aus Freiburg nicht überall gelobt, daß er für den Amateurfußball viel übrig hat?! Scheint ja nicht ganz zu stimmen, wenn ich das hier so lese!

Vereinsbrille vor 30 Wochen

Der DFB kann ja die Fehlverhaltensstrafen der Fans auf diese
Nachwuchsförderung umlegen. Da kommen sicherlich mehr als diese 400000€ im Jahr zusammen. Pfui DFB

Arbeitende Rentnerin vor 30 Wochen

Ja die großen Vereine kaufen sich ihre Leute im Ausland zusammen, irgendwann wundert man sich dann, dass es in D keine Fußballer mehr gibt, die für uns bei EM oder WM spielen dürfen, das scheint aber die o.g. nicht zu kümmern, traurig, zumal viele Kinder und Jugendliche ihren Spaß haben und keinen Blödsinn machen, wenn sie ihre Kraft im Training ausleben können

Mitteldeutsche Vereine mit Nachwuchsleistungszentrum 2019/20

Mitteldeutsche Vereine mit Nachwuchsleistungszentrum 2019/20

FC Erzgebirge Aue
Chemnitzer FC
Dynamo Dresden
FC Rot-Weiß Erfurt
FC Carl Zeiss Jena
RB Leipzig
1. FC Magdeburg