Fußball | Regionalliga Energie Cottbus: Präsident Auth – "Die Spieler brauchen die Emotionalität der Fans"

Da der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) den Regionalliga-Spielbetrieb bis zum 19. April ausgesetzt hat, halten sich die Spieler des FC Energie Cottbus zu Hause fit. Präsident Matthias Auth erzählt im Interview, wie der Regionalligist mit der Corona-Krise umgeht, spricht über mögliches Kurzarbeitergeld und die existenzielle Bedeutung von Spielen vor Zuschauern.

Matthias Auth
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Sport-im-osten.de: Matthias Auth, momentan sollen höchstens zwei Mitarbeiter zeitgleich in der Geschäftsstelle sein. Wie geht Energie mit dem Coronavirus um?

Matthias Auth: "Wir haben schon seit Ende Februar einen Krisenstab eingerichtet. Er kommuniziert praktisch rund um die Uhr – überwiegend über Telefonkonferenzen und WhatsApp-Gruppen. Die Mitarbeiter müssen geschützt werden, vom ehrenamtlichen Trainer bis zum Spieler. Der Zusammenhalt ist wichtig. Das klingt schwierig, aber der kann auch digital erfolgen. Seit Samstag haben wir alle Vereine der Stadt gebeten, etwas für den Zusammenhalt zu tun. Jeder Verein soll unter dem Dach des Stadtsportbundes gefilmte oder bebilderte Bewegungsstunden anbieten – die Formate sind frei. Da gibt es Tipps und Tricks – mit dem Aufruf 'Bleibt zu Hause' und dem Hashtag #CottbuserSportfamilie."

Sie sagten jüngst bei Radio Cottbus, Sie seien kein Typ, der nur viermal im Jahr mit den Gremien zusammenkomme. Wie geht es Ihnen in der Coronakrise?

"Wie vielen anderen auch, die ihr Ehrenamt nur eingeschränkt ausüben können. Mein Arbeitgeber und Energie ermöglichen mir das Home-Office. Meine Frau und der Junior, der nun 18 Jahre alt ist, sind auch zu Hause. Wir reduzieren die Sozialkontakte auf ein Mindestmaß und gehen nur raus, wenn es wirklich sein muss."

Wegen eines von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Kurzarbeitergeldes haben Sie Kontakt mit der Agentur für Arbeit aufgenommen. Werden Sie das Geld beantragen?

"Wir sind dabei, den Antrag fertigzustellen, es sind dabei aber viele Dinge zu beachten. Das klären wir gerade. Andere Teams, die zu einer GmbH gehören, gehen diesen Weg. Wir sind ein eingetragener Verein und sind deshalb in einem intensiven und guten Austausch. Ein finales Ergebnis liegt noch nicht vor."

Die Mannschaften betreten das Feld. Energie Cottbus - 1. FC Lok Leipzig
8. Februar 2020: Gastgeber Energie Cottbus und der 1. FC Lok Leipzig bestreiten das Topspiel der Regionalliga Nordost. 9.544 Zuschauer waren ins Stadion der Freundschaft gekommen. Bildrechte: imago images/Steffen Beyer

Der Virologe Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut vermutet, dass im Zuge der Corona-Pandemie in diesem Jahr in Deutschland kein Profifußball mehr gespielt werden kann. Angenommen, das käme auch für die Regionalliga so. Was würde das bedeuten?

"Wir sind seit einigen Tagen dabei, unterschiedliche Szenarien darzustellen - und die damit verbundene wirtschaftliche Simulation zu entwickeln. Man muss sagen, dass eine wie auch immer geartete Situation ohne Zuschauer schwierig ist. Die Spieler brauchen die Emotionalität der Fans und der Verein die Ticketeinnahmen. Da sind wir mit dem großen Zuschauerzuspruch in einer glücklichen Lage. Jedes Heimspiel, das wir ohne Zuschauer spielen müssten, käme einem Verlust von rund 70.000 Euro gleich. Das wäre eine signifikant fehlende Einnahmequelle."

Jedes Heimspiel, das wir ohne Zuschauer spielen müssten, käme einem Verlust von rund 70.000 Euro gleich. Das wäre eine signifikant fehlende Einnahmequelle.

FCE-Präsident Matthias Auth

Inwiefern kann man die fehlenden Einnahmen als Regionalliga-Klub wieder ausgleichen?

"Wir müssen jetzt schauen, welche Möglichkeit der externen Unterstützung es gibt. Zudem müssen wir gucken, auf welche Ausgaben wir verzichten können. Wir haben beim Abstieg aus der 3. Liga schon viele Einsparungen vorgenommen, da ist nicht mehr viel zu machen. Das Gute ist, dass wir sehr treue Fans und Unterstützer haben. Wir haben unsere 'Antikörper'-Aktion ins Leben gerufen. Anhänger können sogenannte 'Antikörper' erwerben, um uns immun gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus zu machen. Wir wissen auch, dass die Menschen Sorgen haben, aber wir wurden zahlreich angesprochen von Fans, die uns unterstützen möchten. Diese Möglichkeit haben wir damit geboten und das hilft uns ungemein. Da sind wir wirklich mehr als dankbar, jeder hilft nach seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten."

Die Mitgliederversammlung steht für gewöhnlich im Juni an. Muss sie verschoben werden?

"Momentan sind wir bestrebt, erst einmal die Aktualität sicherzustellen. Es gilt nun für uns, diese akute Situation zu beherrschen. Bezüglich der Mitgliederversammlung müssen ja Fristen eingehalten werden. Wir werden uns in den nächsten zwei bis drei Wochen entsprechend positionieren. Wenn Veranstaltungen mit bestimmten Personenzahlen auch dann noch untersagt sind, dann beantwortet es die Frage."

Es gibt andere Vereine, die schon über Kündigungen sprechen. Im Status Quo ist das nicht unser Vorgehen.

FCE-Präsident Matthias Auth

Die Spieler sind mit einem Trackingsystem ausgestattet, um ihr Training zu kontrollieren. Ob es wirklich weitergeht, weiß keiner. Müssen die Spieler finanzielle Abstriche machen, falls die Saison nicht zu Ende geführt werden kann?

"Wir wollen die vertraglichen Pflichten erfüllen. Wenn die vorhin thematisierten Szenarien und Simulationen allerdings noch in dieser Saison Handlungsbedarf erfordern, werden wir natürlich mit den Spielern in Dialog stehen. Es gibt andere Vereine, die schon über Kündigungen sprechen. Im Status Quo ist das nicht unser Vorgehen."

Aber mit einem möglichen Gehaltsverzicht beschäftigt sich der FCE schon?

"Das muss man so sagen. Da muss man mit dem Sportlichen Leiter, dem Cheftrainer und den Spielern in den Dialog treten. Das kann eine Option sein."

Energie-Trainer Sebastian Abt (Archiv)
Energie-Trainer Sebastian Abt (Archiv) Bildrechte: imago images / Steffen Beyer

Bei einem Termin im Stadtrat haben Sie angesprochen, dass es Kooperationen mit anderen Vereinen geben soll. Was meinen Sie damit?

"Im Grunde genommen ist die aktuelle Aktion #CottbuserSportfamilie auch ohne Corona geplant gewesen. Wir sind in den zurückliegenden Jahren den anderen Cottbuser Sportvereinen möglicherweise mit einer latenten Ignoranz begegnet. Wir wollen Vereine unterstützen, die nicht so im Rampenlicht stehen. Wir könnten so eine Sportart auch einmal in der Halbzeit in unserem Stadion präsentieren oder über unsere Medien platzieren. Die Voraussetzungen sind durch die Coronakrise gerade nicht die besten. Aber irgendwann gehen wir zurück zur Normalität."

Sie deuteten erste Ideen an, wie Energie die Gesellschaft unterstützen könnte. Bei YouTube zeigt zum Beispiel Maskottchen "Lauzi" Sportübung für die Kleinen, die gerade nicht auf den Spielplatz sollen. Was ist noch möglich?

"Ja, 'Lauzi' ist ein Teil davon. Wir haben zudem der Stadt Cottbus und dem Landkreis Spree-Neiße unsere Unterstützung angeboten. Wir, unsere Trainer oder Mitarbeiter der Geschäftsstelle, bieten an, für ältere Menschen einkaufen zu gehen. Gern helfen wir da, wo der größte Bedarf ist – natürlich unter Berücksichtigung der geltenden Einschränkungen."

Torjäger Felix Brügmann jongliert Toilettenpapier, andere spielen Stadt-Land-Fluß. Was ist Ihr Tipp gegen Langeweile?

"Ich finde eins extrem wichtig: Bitte bleibt mit Euren Freunden und Eurer Familie zusammen – durch digitale Möglichkeiten. Umarmungen gehen oft nicht, aber ein Beispiel: Meine Mutter ist 78. Mit ihr skype ich zurzeit. Wir dürfen uns alle trotz Krise nicht sozial isolieren."

Vielen Dank für das Gespräch.

Felix Brügmann jongliert mit Klopapierrolle 1 min
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR aktuell | 24. März 2020 | 10:40 Uhr

1 Kommentar

Kampfbahn1 vor 26 Wochen

Sicher sehr interessanter Beitrag. Doch warum berichtet der MDR über Cottbus (kein Einzugsgsbiet) und überlässt es nicht den Kolleginnen und Kollegen des RBB? Ost- Bonus? Da gibt es doch genug Themen aus dem Sendegebiet.

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