Fußball | Regionalliga Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz: "Man spürt eine Aufbruchsstimmung"

Man sieht sich manchmal drei Mal im Leben: Claus-Dieter Wollitz hatte noch nicht fertig mit Energie Cottbus, nachdem er das Team Ende 2019 als Spitzenreiter verlassen hatte. Jetzt greift der 56-Jährige wieder an, zum dritten Mal nach 2009 und 2016. "Sport im Osten" sprach mit dem neuen, alten Trainer der Lausitzer über Kader, Finanzen und die Rückkehr in den Profi-Fußball.

Trainer Claus-Dieter Wollitz (Energie Cottbus) motiviert Maximilian Pronichev (Energie Cottbus)
Bildrechte: IMAGO / Fotostand

Man sieht sich im Leben ja immer drei Mal. Dabei sind die Voraussetzungen bei Ihrem dritten Engagement in Cottbus besonders. Finanziell schwierig aber doch anders, weil die Frontmänner in Cottbus andere sind?

Claus-Dieter Wollitz: "Ich kenne ja dennoch die Gegebenheiten. Das andere verändert sich oft, wirtschaftlich ist es nochmal ein Stück schlechter als damals. In der Regionalliga gibt es ja keinen Verein, der sagt, ihm geht es wirtschaftlich gut. Bei den Kosten, das ist ja nicht nur bei Energie so. Da gibt es Vereine, die sind mit der Regionalliga zufrieden. Und es gibt welche, die wollen sportlich unbedingt in die nächsthöhere Liga."

Und Cottbus gehört dazu und muss sicher auch irgendwann hoch?

"Muss und will sicher. Aber im Moment sind wir aus meiner Sicht davon weit entfernt."

Im Vergleich zu 2019, als sie das Handtuch geworfen haben, hat sich aber einiges getan. Den Sportlichen Leiter, Maximilian Zimmer, kennen Sie gut. Es gibt ein neues Präsidium und ein wenig Aufbruchsstimmung. Hat es das leichter gemacht, zu sagen, ich bin mit Cottbus noch nicht fertig?

"Kann man so sagen. Sonst wäre ich nicht zurückgegangen. Keine Chance. Wenn es keine neue Führung gegeben hätte. Ich bin damals wegen der Führung gegangen. Es ist selten, dass jemand, der Erster ist, mehr Steine in den Weg gelegt bekommt, als man sich wünscht. Wenn man mit der sportlichen Situation unzufrieden ist, verstehe ich das. Aber wenn man mit Platz eins unzufrieden ist, und alles schlecht macht. Das ist schade für Fans, Sponsoren und Mitglieder."

Sportlicher Leiter Maximilian Zimmer und Trainer Claus-Dieter Wollitz, Energie Cottbus
Sportlicher Leiter Maximilian Zimmer und Trainer Claus-Dieter Wollitz, Energie Cottbus Bildrechte: IMAGO / Fotostand

Das alte Präsidium wurde ja auf der Mitgliederversammlung im Juni auch nicht entlastet…

"Damit ist ja alles gesagt. Man war im Dezember und Februar kurz vor der Pleite. Dann kam die Veränderung mit neuem Präsidium, neuen Leuten auch im Verwaltungsrat. Sponsoren erklärten sich bereit, weiterzumachen, wenn es Veränderungen gibt. Dadurch kam es dazu, dass man eine Aufbruchsstimmung hat." 

Hatten Sie dennoch ein wenig Bammel, als es zum ersten Fankontakt kam?

"Bammel hatte ich nicht. Grundsätzlich habe ich immer großen Respekt vor jedem ersten Tag. Die Anspannung war aber größer als sonst. Ich musste 2019 für viele Sachen herhalten, für die ich nichts konnte. Ich hatte mich dazu nicht geäußert, das hätte als Ausrede gegolten."

Es gab viele Abgänge, 14 insgesamt. Es kam aber auch Qualität dazu. Wie weit ist die Mannschaft vor dem Auftaktspiel gegen den FSV Luckenwalde?

"14 Spieler sind gegangen, sieben kamen dazu. Der Kader ist schmaler. Mit den Neuzugängen sind wir menschlich sehr zufrieden. Ich kann aber nicht hundertprozentig einschätzen, was das geben kann. Mein Gefühl ist gut, wir sind aber nicht komplett. Man spürt aber schon, dass einige Spieler, die schon hier waren, einen gewissen Rucksack mit sich herumtragen, weil die letzten 1,5 Jahre sportlich nicht so gut liefen."

Wo ist noch Nachholbedarf, wo müsste noch was passieren? Und was ist finanziell machbar?

"Natürlich spielt das Geld auch eine Rolle, wenn man sich gegen Cottbus entscheidet. Aber man kann sich hier auch als Spieler entwickeln. Das wissen auch viele. Und wir hatten hier, als Zuschauer zugelassen waren, über 5.000 Fans im Schnitt im Stadion. Auch das sind Argumente. Wir suchen echt noch in der Offensive, um da ausgewogener und variabler zu sein."

Nach neun Monaten Pause, kann die Mannschaft schon wieder Wettkampfmodus?

"Das gilt ja für alle. Wir haben Neuzugänge, die haben in der Weststaffel ja gespielt. Es ist schade, dass die Regionalliga Nordost komplett die Saison abgebrochen hat. Gesundheit steht aber über allem, auch wenn es schade ist, dass man nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten hatte. Jeder freut sich aber, dass es wieder losgeht und auch Zuschauer zugelassen werden. Und dass es hoffentlich nicht wieder Lockdown-Unterbrechungen gibt."

Spürt man, dass die Mannschaft brennt für Energie Cottbus?

"Wichtig ist, wie man die Mannschaft begleitet, anspricht und mitnimmt. Dass man ihnen das Gefühl gibt, dass wir dankbar sind, dass sie bei uns sind. Ich habe große Dankbarkeit, das vermittele ich auch."

38 Spiele, 20 Teams – was braucht es, um in dieser Liga zu bestehen?

"Konstanz, langen Atem, Gemeinschaft, Geschlossenheit und Vertrauen."

Einen breiten Kader?

"Den haben wir nicht. Es nutzt aber nichts, in den Rückspiegel zu schauen. Wir müssen die Situation so annehmen, wie sie ist. Und dankbar sein, dass man gesund ist und seinen Beruf ausüben darf."

Sie sind ja ein Berufsoptimist. Wie optimistisch gehen Sie in die ersten Spiele? Gibt es in Cottbus langfristige Saisonziele?

"Nein. So wie der Kader besetzt ist, kann man nicht darüber sprechen. Aber über das eine Spiel. Da hat man immer die Möglichkeit zu gewinnen. Diesen Optimismus habe ich. Ob das über die Saison möglich ist, steht auf einem anderen Blatt. Bei 38 Spielen ist es wichtig ausgewogen zu sein und eine gute Balance zu haben."

Transparent im Cottbuser Fanblock Pele Wollitz - viel Glück und Erfolg
Bild aus der ersten Amtszeit von Claus-Dieter Wollitz Bildrechte: imago/Picture Point

Es gibt in der Regionalliga Nordost einige Vereine, die mehr Wünsche erfüllen können, als Energie Cottbus derzeit. Wer sind denn die Favoriten auf den ersten Platz?

"Ich habe da keinen Neid bei den Vereinen, die mehr machen können. Die sollen sich darüber freuen. Ich denke, es sind bis zu acht Mannschaften. Jena, Chemnitz, Lok Leipzig, BFC, Altglienicke oder Berliner AK. Es wird ausgeglichener sein. Ich kann nicht erkennen, wer der Topfavorit ist."

Wann spielt Cottbus wieder im bezahlten Fußball? Was muss bis dahin noch passieren?

"Wir brauchen zunächst Kontinuität. Und wir müssen die Strukturen so festigen, dass mehr Nachhaltigkeit entsteht. Dadurch entsteht Vertrauen und man bekommt eine andere Stärke."

Bei ihrem zweiten Engagement in Cottbus waren Sie dreieinhalb Jahre da. Wie lange bleibt "Pele" Wollitz jetzt am Ruder?

"Das kann ich nicht sagen. Sie kennen ja die Gesetze des Fußballs, da kann es manchmal schnell gehen. Ich freue mich auf jeden Tag der Zusammenarbeit meiner Mannschaft."

Was schätzen Sie an Ihrer Mannschaft am meisten?

"Den Zusammenhalt. Nach fünf Wochen das zu beobachten, das freut mich."

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führt Ronny Eichhorn

Videos aus der Regionalliga

Miroslav Jagatic (Trainer BSG Chemie Leipzig)
Miroslav Jagatic (Trainer BSG Chemie Leipzig) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle anzeigen (58)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 24. Juli 2021 | 16:00 Uhr

6 Kommentare

Nur_der_FCC vor 1 Wochen

Ohoh Cottbus, diesen Trainer zu holen, eine klare Fehleinschätzung-& Entscheidung, der hat menschlich 0 drauf, fußballerisch ist da auch nicht viel Substanz, alles Gute

AufmerksamerBeobachter vor 1 Wochen

Nein, das war nicht Franzs/Kallniks Fehler, das waren die unfähigen Bördepromis Koglin, Bomheuer, Gjasula, Brünker und die Tormaschine Costly, der wohl nie wieder soviel Trainervertrauen bekommen hat. Seitdem bin ich Antifan und habe mit Begeisterung zugesehen, wie es talwärts ging.
Wollitz ist kein schlechter Trainer, aber er braucht Zeit, um eine Hierarchie aufzubauen und regiert dann kompromißlos durch, nicht das Richtige für überbezahlte Durchschnittsspieler. Diese Mannschaft hätte Niemand erfolgreich trainieren können. Hoßmang ist ja mit der Truppe dann auch fast gegen den Baum gefahren.. schon vergessen?

Jetzt gibt es Spielkultur und Strategie mit Wasserträgern und Unterschiedsspielern. Nur darf Atik nicht ausfallen, sonst wirds wieder eng und altbacken.

Gernot vor 1 Wochen

Die von Wollitz beschriebene Stimmung kennt man in Magdeburg nur" zu gut". Dessen Verpflichtung war eines der größten Fehler des Herrn Kallnik. Verstehe Cottbus absolut nicht, sich diesen Blender zum 3 mal freiwillig geholt zu haben.