Fußball | Regionalliga Erfurts OB: Wollen NLZ erhalten - RWE-Legende Heun sauer

Nach dem Regionalliga-Aus für den FC Rot-Weiß Erfurt haben wir uns bei Oberbürgermeister Bausewein, RWE-Legende Heun und den Fans umgehört. Bausewein blickt in die Zukunft, Heun rechnet mit der Vergangenheit ab.

"Es ist für die Stadt eine Katastrophe, insbesondere für die Fußball-Fans in der Stadt und der Region", sagt Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein dem MDR zum vorläufigen Aus für den FC Rot-Weiß Erfurt.

Bausewein zum Stadion: "Wir finden da eine Lösung"

Der SPD-Politiker, der die Landeshauptstadt von Thüringen seit 2006 voran steht, will den Klub bei einem möglichen Neustart im Steigerwald-Stadion halten: "Wir müssen schauen, zu welchen Konditionen. Sie müssen die Pacht, die dort verlangt wird, logischerweise zahlen. Wir können auch nicht auf null gehen, das müssen wir auch entsprechend rechtfertigen gegenüber unserer Aufsicht. Aber ich bin fest überzeugt, wir finden da eine Lösung." Für die Zukunft hofft der 46-Jährige auf Leute in der RWE-Vereinsspitze mit einem "gewissen ökonomischen Verständnis". Er beziffert die Ausfälle durch die entgangenen Einnahmen in der Regionalliga-Rückrunde als "im fünfstelligen Bereich". Möglicherweise könne man das mit Fremd-Veranstaltungen sogar egalisieren. Schlimmer seien "der emotionale und der Marketing-Schaden - die sind viel größer".

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) sitzt 2017 in Erfurt auf einer Tribünbe des Steigerwaldstadions.
Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein Bildrechte: dpa

Priorität auf das NLZ

Er hofft, dass das Nachwuchsleistungszentrum nicht verschwindet: "Das ist nun oberste Priorität. Es ist aus meiner Sicht elementar wichtig, wenn man auf Sicht wieder Spitzenfußball in Erfurt haben will, dass man den Nachwuchsbereich hält und dass sich der Verein Rot-Weiß Erfurt konsolidiert und erst einmal erhalten bleibt. Ob es fünf Jahre dauert oder zehn Jahre bis man wieder in der 3. oder 4. Liga ist, das sollte nachrangig sein." Das Ziel solle es sein, ab Sommer mit einer neuen ersten Mannschaft wieder in den Liga-Spielbetrieb einzusteigen."

Legende Heun: Viel Geld, aber nichts dabei heraus gekommen

Auch für Erfurts Fußballer des Jahrhunderts Jürgen Heun war am Mittwoch ein trauriger Tag: "Es hat mich schwer geschockt, weil am Wochenende ja wieder Hoffnung da war. Und gestern dann der Nackenschlag für alle RWE-Fans: 'Wir sind doch pleite'." Dem 61-Jährigen, der 400 Partien für die Erfurter bestritt und nur für die Thüringer aktiv war, kann es kaum fassen: "Eigentlich habe ich keine Worte mehr dafür, wenn man sieht, wieviel Geld da verbrannt wurde - und es ist nichts dabei heraus gekommen."

Jürgen Heun
Jürgen Heun Bildrechte: imago/Karina Hessland

Kritik an Rombach und Reinhardt

Warum musste es so weit kommen? Heun nennt den Stadion-Umbau und den den Ex-Präsidenten Rolf Rombach, ohne ihn explizit zu erwähnen: "Mit dem Stadionbau haben ja alle gedacht, Erfurt steigt auf, aber leider war es nicht so. Es gab immer wieder Sponsoren, die helfen wollten, aber wahrscheinlich konnten die Leute, die da am Ruder waren, nicht mit dem Geld umgehen." Aber auch Insolvenzverwalter Volker Reinhardt bekommt sein Fett weg: "Wenn man sieht, was jetzt mit dem Insolvenzverwalter abgegangen ist. Zwei Jahre hat er den FC Rot-Weiß geführt, und es ist nichts dabei heraus gekommen. Es ist schlechter als vorher - und das macht einen so traurig."

Samstag: Fanmarsch und Abschiedsfoto

Die Fans kündigten an, sich am Samstagvormittag am Fanhaus treffen zu wollen und von da aus "ein letztes Mal" zum Stadion zu pilgern. Dort wolle man sich "auf unbestimmte Zeit von unserer Heimat" verabschieden. Die Steigerwaldkurve werde "für ein letztes gemeinsames Foto" geöffnet sein.

cke

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 30. Januar 2020 | 17:45 Uhr

11 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 26 Wochen

Wachstumsschmerzen oder einfach „nur“ Größenwahn ....?


Wer ein Haus neu baut, sollte schon auch rechtzeitig über
neue zahlungskräftige Mieter nachgedacht haben und für
die Instandhaltungskosten des Neubaus ggf. selbst
sorgen können....


Manchmal muss man sich entscheiden:

entweder aufwändiges Bühnenbild
oder hochkarätige Protagonisten
oder „nur“ blühende
Landschaften....

Alles zusammen ???

kNaLLeR vor 26 Wochen

Liebes mdr Team, der erwähnte Fanmarsch und das Abschiedsfoto finden am Samstag 01.02.2020 statt und nicht wie erwähnt am Sonntag.
Bitte recherchieren und agieren Sie mit gewisser Sorgfalt und korrigieren Sie Ihre Artikel und entsprechenden Angaben. Wir haben schon genug Chaos rund um den RWE.

70er vor 26 Wochen

Es ist sehr traurig, dass es RWE in dieser Form nicht mehr geben soll. Habe noch die Alten um Weigang, Stieler, Albrecht, Krebs, Egel, Häfner, ..., später Benkert, Schnuphase, Schröder, Romstedt und Heun spielen sehen. Da ging`s ordentlich zur Sache. Lang ist^s her, doch die Erinnerung bleibt.