Fußball | Regionalliga Ex-Ehrenratsmitglied Lengtat widerspricht Erpressungsversuch

Mit einer Pressekonferenz wollte der Chemnitzer FC die Geschehnisse rund um einen Trauerakt im Stadion am vergangenen Sonntag abschließen. Doch es bleiben viele Fragen offen. Zudem gibt es Kritik vom ehemaligen Ehrenratsmitglied Mario Lengtat, welcher als Anwalt eine der entlassenen Personen vertritt. Auch die Richtigkeit von Chatverläufen vor der Trauerbekundung bestätigte er.

Ex-Ehrenrat-Mitglied übt Kritik an CFC-Verantwortlichen

Am Donnerstagvormittag (14.03.2019) hat sich das ehemalige Mitglied des Ehrenrates, Mario Lengtat, in einer Stellungnahme geäußert und die Version des Vereins zu den Abläufen im Zusammenhang mit den Vorkommnissen um eine Trauerakt vor dem Spiels gegen Altglienicke am vergangenen Samstag in Frage gestellt. Nach eigener Darstellung habe Lengtat in seiner Funktion als Anwalt die Mandantschaft für einen der entlassenen Mitarbeiter übernommen und wolle nun gewisse Dinge richtig stellen.

Die Richtigkeit der Ausschnitte, eines in den Medien kursierendes Chat-Protokolls des Nachrichtendienstes WhatsApp, bestätigte Lengtat. Neben den entlassenen Mitarbeitern und Ehrenamtlern seien zudem der Sicherheitsbeauftragte, der Pressesprecher, der Leiter des Ordnungsdienstes und der Leiter der Marketingabteilung Mitglieder der neu gegründeten Gruppe gewesen.

Ex- Ehrenrat des Chemnitzer FC Mario Lengtat und Vorstandsvorsitzender des Chemnitzer FC Andreas Georgi
Ex- Ehrenrat des Chemnitzer FC Mario Lengtat und Vorstandsvorsitzender des Chemnitzer FC Andreas Georgi. (Archiv) Bildrechte: imago/HärtelPRESS

"Keine akute Bedrohungslage zu erkennen"

Dort habe Veranstaltungleiter Thomas Uhlig dann den an ihn herangetragenen Wunsch des Abspielens des Liedes und des Anzeigens des Trauerfotos auf der LED-Wand zur Diskussion gestellt. Schließlich seien in "sachlicher unaufgeregter Runde verschiedene Möglichkeiten" erörtert worden.

"Sowohl aus dem Verlauf der Nachrichten als auch aus der 'Stimmung' der Erörterung sind jedoch keinerlei Anzeichen für eine tatsächliche oder gar akute Bedrohungslage zu erkennen. Vielmehr wurde das Ansinnen von wesentlichen Teilnehmern aufgrund angenommener Verdienste des Verstorbenen weitgehend wohlwollend betrachtet, nur teilweise wurden auch Bedenken geäußert", so Lengtat.

Die finale Version der zu verlesenden Erklärung sei schließlich vom Spieltagsleiter mit den Worten "Dieser oder kein Text wird es. Ist auch mit behördlichen Instanzen abgesprochen" festgelegt worden.

Lengtat fordert ehrliche Aufklärung

Zum Abschluss seiner Stellungnahme fordert Lengtat den Verein und die GmbH auf, die Ereignisse vollständig und ehrlich aufzuklären. Zudem verwies er auf die fehlende Handlungsfähigkeit des Vereins, nachdem Uhlig seinen Rücktritt zumindest offiziell verkündet hatte. Hier sein nun eine "dringend notwendige und rechtlich überfällige Mitgliederversammlung vorzubereiten und durchzuführen."

Siemon bekräftigt Bedrohungslage

Der Insolvenzverwalter des Chemnitzer FC, Klaus Siemon, hatte ebenfalls am Donnerstag auf einer Pressekonferenz noch einmal das Vorgehen verteidigt.

Demnach habe es laut Siemon im Vorfeld des Spiels eine klare Bedrohungslage gegeben. "Ich gehe davon aus, dass es eine massive Beeinflussung des freien Willens der handelnden Personen gegeben hat. Deswegen habe ich eine Strafanzeige erstattet", erklärte der Insolvenzverwalter. Die letztliche Verantwortung für die Durchführung trage schließlich der Veranstaltungsleiter.

"Der Veranstaltungsleiter ist erpresst worden. Das wiederhole ich hier in dieser Form", sagte Siemon. Da würden seiner Ansicht nach bestimmte Chatverläufe, die in den Medien kursieren, keine Rolle spielen. Konkreter wollte Siemon nicht auf diesen Sachverhalt eingehen, er habe seine Kenntnisse der Polizei mitgeteilt, nun laufen die Ermittlungen. Offen blieb die Frage, warum der Veranstaltungsleiter die Behörden nicht im Vorfeld über die mutmaßlichen Erpressung informiert hat.

Der Veranstaltungsleiter ist erpresst worden. Das wiederhole ich hier in dieser Form.

Klaus Siemon Pressekonferenz Chemnitzer FC (14.03.2019)

Uhlig tritt zurück - und ist dennoch weiter tätig

Veranstaltungleiter war an besagtem Spieltag der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Uhlig. Dieser hatte bereits am Sonntag seinen Rückzug von allen Ämtern erklärt - mit sofortiger Wirkung. Allerdings ist Uhlig weiter im Verein tätig, wie Siemon auf der Pressekonferenz bestätigte. Jedoch werde er nicht mehr als Veranstaltungleiter tätig sein. "Es ist im Moment notwendig, dass er operativ sein Geschäft weitermacht", so Siemon. Das betreffe die Bearbeitung der kaufmännischen Buchhaltung und Abläufe in der Geschäftsstelle. "Warum sollte ich das nicht verantworten? Mit jeder Freistellung und jeder Person, die nicht mehr da ist, verlieren wir ein Stück der Struktur und des operativen Managements", sagte Siemon und verwies auf die Ermittlungen durch die Polizei. Erst dann könne man die Entscheidungen von Uhlig bewerten.

Sobotzik zu neuen Verträgen: "Habe derzeit keine Argumente"

Sportdirektor Thomas Sobotzik forderte derweil Unterstützung von außen für den Verein: "Wir fühlen uns im Stich gelassen. Alle erzählen uns, was wir tun sollen. Aber allein können wir das nicht schaffen", sagte er auf der Pressekonferenz. "Wir sind alle keine Chemnitzer, wir kommen alle von woanders her. Wir brauchen Hilfe der Politik, der Sponsoren und der Fans."

Wie Sobotzik weiter erklärte, werden angesichts der Situation keine Gespräche über Verträge mit Spielern geführt. "Ich habe derzeit keine Argumente. Die Jungs hören, dass sie bei einem Nazi-Verein spielen." Dabei habe das Team bereits bei anderen Gelegenheiten deutlich gemacht, wo es gesellschaftlich stehe. "Wir haben uns als Mannschaft richtig positioniert und haben an zahlreichen Aktionen teilgenommen", so Sobotzik weiter, der zudem erklärte, dass sich sie aktuelle auch auf die Mannschaft und die Stimmung niederschlage.

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red/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 14. März 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 17:26 Uhr

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54 Kommentare

16.03.2019 17:59 Mittelfinger 54

Endlich hat die Südtribüne ihr wahres Gesicht gezeigt, genau wie das was auf der Videoleinwand gezeigt wurde, fies, hässlich, fratzenhaft, latent rechts...
Da kommt ein Herr S. und stürzt einen Herrn G. vom Thron. Damit war klar wer der Feind ist. Und bald ist es erreicht und Herr S. tritt zurück unter dem medialen Druck. Die wirklichen Strippenzieher gehen als Sieger hervor und können weiter ihr Gedankengut verbreiten. Verdammtes Braunes Gesocks!

16.03.2019 10:55 Frank Ramin 53

@Peter M.
Das mag sein, aber ändert das inhaltlich irgendetwas? Der Verein hat sich eine Satzung gegeben. Ändern sich als GmbH CFC urplötzlich alle Werte, die man sich als Verein gegeben hat? Sind die Fans jetzt alle GmbH-Mitglieder? Eine fadenscheinige Sicht, die wieder auf Ausweichen angelegt ist.

16.03.2019 10:11 Eigentor 52

Der Chemnitzer FC nervt einfach nur noch. Die graue Maus ist wohl eher ein braunes Häschen. Im Stadion gegen so etwas zu protestieren gleicht einem Selbstmord. Ich persönlich würde diesem Verein aber nicht mehr zuschauen, oder sonst irgendwas... Aber man hat sich nach einer hervorragenden sportlichen Saison ein richtiges Eigentor geschossen. Geld aufzutreiben wird jetzt nicht einfacher.

15.03.2019 21:56 Rewi 51

Dieser Verein ist eine Schande für den Osten. Insolvent und trotzdem mit einem Etat in die Liga gegangen wo man sich fragt wie das geht. Ein Herr Frahn zeigt ein T- Shirt beim Torjubel wo ich mich Frage geht es noch. Fan zu sagen ich hatte keine Ahnung ist ein schlechter Witz. Wahrscheinlich kann er nur die Gehaltsabrechnungen lesen. Chemnitz muss Rogers bestraft werden. Ganz unten wieder anfangen das wäre gerecht

15.03.2019 21:30 Magdeburger 50

Liebe Chemitzer, tut euch selber den Gefallen und trennt euch von diesen Westtypen Siemon, was will dieser Wessi euch bitte erklären? Der nimmt sich sehr wichtig und denkt ihr Ossis seid dämlich, der ist so selbstverliebt und hört sich gerne selber labbern. Ihr seid Chemitz und müsst euch von solchen Typen nichts sagen lassen.

15.03.2019 20:07 Jule 49

Also mich ängstigt aktuell die Aussage von Herrn Sobotzik, dass zur Zeit keine Vertragsgespräche geführt werden können.
Ich befürchte, falls der CFC aufsteigen und sich alles aufklären sollte, steht er ohne Mannschaft in der 3.Liga.

15.03.2019 19:20 Peter M. 48

@ 47
Der Auszug aus dem Statut des Vereines CFC mag ja richtig sein.
Aber in diesem Fall handelt es sich um die GmbH CFC,welche es seit dem 1.1.2019 gibt.Wurde also ausgegliedert. Was steht denn da geschrieben?

15.03.2019 16:32 Frank Ramin 47

Der geehrte Verstorbene hat ziemlich sicher, mit Worten, vielleicht sogar mit Taten, gegen die Vereinssatzung des CFC verstoßen. Hier mal ein Auszug:
"Der Verein fördert die Funktion des Sports als
verbindendes Element zwischen Nationalitäten, Kulturen,
Religionen und sozialen Schichten.
Er bietet allen, unabhängig insbesondere von Alter,
Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, Glauben oder sexueller
Orientierung, eine sportliche Heimat.
Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral. Er spricht sich für
Weltoffenheit und Toleranz sowie entschieden gegen jegliche
extremistische, rassistische, verfassungs- und
fremdenfeindliche Bestrebungen aus."
Haben die, die diesen "Trauerakt" zu verantworten haben, schon mal darüber nachgedacht?
Die Leute, die jetzt Toleranz einfordern, besitzen oft selber nicht mal ein Mindestmaß davon.

15.03.2019 16:20 xxx 46

Der Insolvenzverwalter redet sich um Kopf und Kragen, schützt den Hauptverantwortlichen und opfert die Bauern - das soll mal jemand verstehen!?

15.03.2019 12:55 Hobbykicker 45

@ 38 Du Dreipunktemann, solltest aber einmal mit erwähnen, das alles was vorher da war,auch nicht besser war. Seit Hans Meyer- und vielleicht noch Christoph Frankezeiten. Da stand teilweise mehr Geld zur Verfügung als in Aue und der Verein wurde systematisch runtergewirtschaftet.

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