Fußball DFB darf nach BGH-Urteil weiter Geldstrafen wegen störender Fans verhängen

Der Bundesgerichtshof hat die Klage des FC Carl Zeiss Jena zu Kollektivstrafen abgewiesen. Bedeutet, dass der Deutsche Fußball-Bund weiterhin die Vereine beim Fehlverhalten ihrer Anhänger und Zuschauer mit Geldstrafen belegen darf. Im Klartext: Die Strafe des DFB ist keine Strafe, sondern hat präventiven Charakter. FCC-Geschäftsführer Chris Förster ließ nach der Urteilsverkündung offen, ob es wert sei, das Bundesverfassungsgericht anzufragen.

Fans aus Jena brennen 2019 Feuerwerk ab.
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Keine elementaren Grundsätze der Rechtsordnung verletzt

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) darf Vereine weiterhin wegen des Verhaltens ihrer Anhänger und Zuschauer mit Geldstrafen belegen. Durch die Praxis würden keine elementaren Grundsätze der Rechtsordnung verletzt, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Donnerstag (4. November). Die Strafen seien als reine Präventivmaßnahme zu bewerten, dies sei auch ohne Verschulden der Vereine zulässig.

Fußballfans im Stadion 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Fußballfans im Stadion 2 min
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Geklagt hatte der Regionalligist FC Carl Zeiss Jena, der die Frage grundsätzlich klären lassen wollte - und nun auch in letzter Instanz unterlag (Az. I ZB 54/20). Die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB sieht vor, dass für Zwischenfälle im Stadionbereich die Vereine haften.

Der FC Carl Zeiss Jena, damals noch in der dritten Liga, soll für Störungen von zwei Heimspielen und einer Auswärtspartie im Jahr 2018 insgesamt knapp 25.000 Euro zahlen. Vor dem zuständigen Schiedsgericht war der Verein unterlegen. Mit der Entscheidung des BGH hat dieser Schiedsspruch nun Bestand.

BGH-Richter Thomas Koch 3 min
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Do 04.11.2021 13:19Uhr 03:20 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-bundesgerichtshof-carl-zeiss-jena-dfb-strafen-100.html

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FCC-Geschäftsführer Förster lässt Option offen

Nach dem Urteil war Chris Förster, Geschäftsführer des FC Carl Zeiss Jena, natürlich enttäuscht: "Zumindest haben jetzt beide Seiten erst einmal Klarheit. Wir müssen uns das Urteil ansehen und entscheiden, ob es wert ist, das Bundesverfassungsgericht anzufragen."

Förster stellte noch einmal dar, dass es die Argumentation der Jenaer gewesen ist, "für etwas bestraft zu werden, wofür wir nichts können". Das hat der BGH nun anders beurteilt und die Strafe nicht als Strafe gesehen, sondern als vorbeugende Maßnahme. "Die Prävention, die damit einhergehen soll, hat sich über die Jahre auch nicht eingestellt. Somit kann man den präventiven Charakter durchaus mal in Frage stellen. Das ist nicht von der Praxis gedeckt", sagte Förster.

Chris Förster (Geschäftsführer FC Carl Zeiss Jena) 5 min
Chris Förster (Geschäftsführer FC Carl Zeiss Jena) Bildrechte: MDR

Eine Argumentation führte Förster noch ins Feld: "Der DFB selber ist Veranstalter des Pokalfinales jährlich in Berlin. Dort findet regelmäßig Pyrotechnik statt in erheblichen Größenordnungen. Wie kann es also sein, dass es der DFB selbst nicht hinbekommt, die Vereine aber bestraft und zur Prävention aufruft."

DFB sieht sich bestätigt

Der DFB sieht sich durch die BGH-Entscheidung "uneingeschränkt in seiner Auffassung bestätigt, wonach es bei den von der Verbandsgerichtsbarkeit verhängten Geldstrafen nicht um strafähnliche Sanktionen für in der Vergangenheit liegendes Fehlverhalten von Anhängern, sondern um präventive Maßnahmen zur Verhinderung zukünftiger Zuschauerausschreitungen und damit um die Sicherung eines ordnungsgemäßen Spielbetriebs geht", wie Interimspräsident Rainer Koch mitteilte.

Es sei "abschließend und zweifelsfrei sichergestellt, dass die DFB-Rechtsorgane einerseits ihre Arbeit auf der Basis der Richtlinie für die Arbeit des DFB-Kontrollausschusses uneingeschränkt fortsetzen", sagte er, "und dass sie andererseits die Unterstützung und Mitwirkung der Vereine, die anders als der DFB den Zugang zu ihren Anhängern haben, zur Sicherung eines störungsfreien Spielbetriebs einfordern können."

Rainer Koch (DFB-Vizepräsident)
Rainer Koch Bildrechte: imago images / Sven Simon

Fanhilfen kritisieren Urteil

Der Dachverband für Fanhilfen bezeichnete das Urteil als "fatales Signal" für die Fan-Rechte. "Die vom DFB-Sportgericht verhängten Kollektivstrafen gegen Fans und Vereine widersprechen zutiefst dem Grundsatz der demokratischen Rechtsprechung", sagte Danny Graupner vom Verein der Fanhilfen. Dies sei eine "Sippenhaft, wie wir sie nur aus dem Mittelalter kennen" und zeige eindeutig, dass "das Verteilen von Kollektivstrafen mit der Gießkanne unverhältnismäßig ist".

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jmd/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 04. November 2021 | 19:30 Uhr

74 Kommentare

peter1. vor 4 Wochen

Hierbei handelt es sich ganz offensichtlich um Lobyismus,da auch keine Straftat oder sowas vorliegt braucht man auch keinen Richter.
Jetzt Sarkasmus: Mein HFC ist endlich Tabellenführer in der Prävention - Strafentabelle.( Ende)
Bin froh das die Ultras 2G Stadien meiden,brachen wir keine weitere Präventionsstrafen erwarten.

nasowasaberauch vor 4 Wochen

Es geht um die Probleme in den Stadien. Das Hausrecht muss jeder Verein wahrnehmen und echte Einlasskontrollen vornehmen. Die Vereine versuchen sich vor der Entscheidung zu drücken. Entweder kuscheln mit der Ultraszene und Randale oder diese "Fans" verprellen und dafür für fußballinteressierte Zuschauer, die Stadien aus diesem Grund meiden, wieder attraktiv zu sein.

Quentin aus Mondragies vor 4 Wochen

Rechtssicherheit für das nächste DFB Pokalfinale. Muss man nur einen finden, der den Veranstalter anzeigt. Kann Jena die 25.000 EUR nicht auf die Eintrittskarten umlegen. Pyro und Fußball kostet natürlich Extra. Logisch.