Fußball | Regionalliga NOFV: "Niemand will Chemie Leipzig aus der Regionalliga haben"

Seit 2017 muss in der Regionalliga Nordost das Hauptstadion eines Vereins ein Flutlicht besitzen. Und in Leipzig Leutzsch muss jetzt eins her. Dabei, so der NOFV, gehe es nicht gegen Chemie, sondern um Gleichbehandlung.

Fans von Chemie Leipzig 2018 bei einem Spiel unter Flutlicht in Leipzig-Leutzsch
Fans von Chemie Leipzig 2018 bei einem Spiel unter Flutlicht in Leipzig-Leutzsch Bildrechte: IMAGO / Picture Point LE

Die BSG Chemie Leipzig muss bis 20. Juli ein Regionalliga-taugliches Stadion vorweisen. Heißt: Der Alfred-Kunze-Sportpark, dort wollen die Leutzscher natürlich unbedingt weiterspielen, muss ein Flutlicht erhalten. In der Kürze der Zeit kann es nur ein mobiles sein. Klingt hart, ist aber im Sinn der Gleichbehandlung der insgesamt 20 Teams ein logischer Schritt, den das NOFV-Präsidium am Freitagabend (25.06.2021) gegangen ist.  

"Andere Vereine sehen Ungerechtigkeit"

Der Spielausschuss-Vorsitzende des NOFV, Uwe Dietrich, begründete auf Anfrage von "Sport im Osten" am Samstagvormittag (26. Juni) den Beschluss: "Keiner hat Interesse, dass die BSG Chemie Leipzig nicht mehr in der Regionalliga Nordost spielt. Wir haben aber einen Beschluss von 2017, dass im Hauptstadion ein Flutlicht stehen muss, und der gilt für alle Vereine. Wir müssen sehen, dass viele Vereine für die Flutlichtanlage tief in die Tasche gegriffen haben, langfristig Kredite abbezahlen müssen." Und genau diese Vereine hätten dem Verband auch zu Recht vorgeworfen, dass es ungerecht ist, wenn andere "lieber in Beine als Steine investieren".

Uwe Dietrich NOFV, Leiter Spielbetrieb
NOFV-Spielausschussleiter Uwe Dietrich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jetzt gibt es für die Leipziger genau zwei Varianten: Man könnte die Spielstätte wechseln oder ein mobiles Flutlicht aufbauen. Was die BSG Chemie bereits im Oktober 2018 für ein DFB-Pokalspiel gegen den SC Paderborn getan hatte. Für die Regionalliga wurde eine Anlage mit der halben Leistungsfähigkeit (440 LUX) genügen.

Flutlicht bei 20 Teams unerlässlich

Der Vorwurf, ein Flutlicht sei für die Regionalliga unnötig, wollte Dietrich nicht gelten lassen. Man habe eine Liga mit 20 Mannschaften. Da müsse unter der Woche gespielt werden und in der kalten Jahreszeit kämen im schlimmsten Fall noch unzählige Nachholspiele dazu. Zudem würde viele Vereine ein Spiel unter Flutlicht gerade wegen der Atmosphäre bevorzugen. Und ein Blick auf die geplante Entzerrung der einzelnen Spieltage zeigt: Ohne Flutlicht würde das gar nicht funktionieren.

Flutlichtanlage im Poststadion
Flutlichtanlage im Poststadion - Spielstätte des BAK und jetzt Ausweichspielstätte für Lichtenberg Bildrechte: imago images/Matthias Koch

Bauvorantrag: Warum braucht die Stadt 16 Monate für Genehmigung?

Dass die BSG Chemie Leipzig seit Jahren bemüht ist, eine Lösung in der Flutlichtfrage zu finden, erkennt der Spielausschuss-Vorsitzende an. Vielmehr fragt sich Dietrich, "warum die Stadt Leipzig 16 Monate benötigt hatte, um einen Bauvorantrag zu genehmigen".   

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Videos aus der Regionalliga

Spieler von Lok Leipzig am Ball.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Spieler von VfB Auerbach am Ball.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 26. Juni 2021 | 19:30 Uhr

43 Kommentare

Ein Hallenser vor 13 Wochen

Zuallererst, ich habe hier niemanden beschimpft. Mein Kommentar war rein sachlicher Natur!

Zum zweiten wurde hier im Artikel Chemie vorgeworfen, dass Geld würde lieber in Beine als in die Infrastruktur investiert. Das stimmt ja so nicht, wenn dass Geld da ist. Und bitteschön warum muss man als Verein auf lange Sicht teurere Varianten angehen und somit Geld verbrennen, wenn es eine seriöse Alternative gibt. Und ob der Bauantrag jetzt solange dauert oder nicht entzieht sich natürlich meiner Kenntnis.

Aber ich finde es schon ein Unterschied ob der Verein die Vorraussetzung zum Flutlicht bau hat, oder ob er in diesem Punkt wirklich nichts getan hat!

BlattClaus vor 13 Wochen

100000,- € ????? Uff, man scheints ja (wieder) zu haben in Leutzsch?!?! Für Regionalligaverhältnisse eine unglaubliche Summe. Ich bin baff, dass das noch von manch Chemiker als großer Coup gefeiert wird. Für mich ist es Geldvernichtung par exellence.

mamp vor 13 Wochen

Wenn andere Vereine, die Anlagen durch die Stadt, Land oder SED "gesponsert" bekommen haben... tja dann hatten sie Glück oder einen besseren Draht zur Stadt oder was auch immer. Ist aber in vielen anderen Bereichen der jeweiligen sportlichen Anlagen oder des ganzen Stadions analog. Ich denke das auch Chemie dabei nicht die schlechtesten Grundvoraussetzungen diesbezüglich in der Regio hat. Ich kann zwar nicht beurteilen was Chemie, gerade in den Jahren der Höherklassigkeit in seine Infrastruktur investiert hat, viele andere haben das jedenfalls sehr kontinuierlich gemacht und stehen jetzt ordentlich aufgestellt da auch wenn die Hilfen der Kommunen nicht so groß war. Beispiel Auerbach, ich kenne zwar auch dort keine Details, und will jetzt nichts falsches behaupten, aber dort hat es in den letzten Jahren immer Schritt für Schritt Verbesserungen in der Infrastruktur gegeben. Die Möglichkeiten mit dieser kleinen Stadt sind mit Sicherheit nicht besser wie in Leipzig.