CFC-Fans trauern um Hooligan
Bildrechte: Harry Härtel

Fußball | Regionalliga Daniel Frahn rechtfertigt sich und wird gesperrt

Daniel Frahn hat sich nach seiner Aktion beim Regionalliga-Spiel des Chemnitzer FC gegen die VSG Altglienicke persönlich zu Wort gemeldet. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat den CFC-Stürmer aber vorerst gesperrt. Insolvenzverwalter Klaus Siemon fordert das Gewaltmonopol des Staates auch im Stadion. Zudem ist ein rechter Post eines Ex-Nachwuchstrainers des CFC aufgetaucht.

CFC-Fans trauern um Hooligan
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Auf seiner Facebook-Seite schrieb Daniel Frahn: "Als aller erstes möchte ich klarstellen, dass ich kein Sympathisant eines Neo-Nazis bin! Auch teile ich diese politische Einstellung nicht und trage auch keine rechten Gedanken in mir." Nach seinem Treffer zum 3:2 war Frahn zur Bank des CFC gelaufen und hielt ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local hools" (Unterstütze deine örtlichen Hooligans) hoch. Vom Verein wurde er dafür zu einer Geldstrafe verdonnert, auch der Nordostdeutsche Fußballverband ermittelt. "Ihr sollt wissen, und die die mich kennen wissen das, ich bin kein Nazi und werde es auch nie sein!"

Frahn vom NOFV vorerst gesperrt

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat Daniel Frahn nach seinem umstrittenen Jubel in der Partie gegen Altglienicke durch eine einstweilige Verfügung mit sofortiger Wirkung gesperrt. Wie der Chemnitzer FC am Dienstagabend mitteilte, gilt diese Sperre bis zur Entscheidung des NOFV-Sportgerichts. Einen Termin hierfür nannte der Verband bisher noch nicht. Damit wird der Stürmer beim Auswärtsspiel der "Himmelblauen" gegen den BFC Dynamo am Mittwoch (13.03.2019) nicht zum Einsatz kommen. Der NOFV begründete die Sperre am Mittwoch mit unsportlichem Verhalten.

Daniel Frahn
Wird in der Partie beim BFC nicht mal auf der Bank sitzen: Daniel Frahn. (Archiv) Bildrechte: imago/Karina Hessland

Siemon: Staat muss für Sicherheit im Stadion sorgen

CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon hat sich via Twitter für eine Zurückdrängung privater Sicherheitsdienste aus den Stadien ausgesprochen. "Die Erledigung von Sicherheit in Stadien durch private Sicherheitsdienste ist Einfallstor für rechtsextreme Ideologien, sichert deren Finanzierung und untergräbt das staatliche Gewaltmonopol", heißt es. Der Staat müsse aber das Gewaltmonopol auch im Stadion haben.

Rechter Post von Ex-U14-Trainer?

Derweil sorgte ein Eintrag des ehemaligen Co-Trainers der U14, Daniel K., für Aufregung. Von dessen mittlerweile gelöschten Facebook-Seite wurde folgender Post abgesetzt: "Chemnitz trauert um seinen größten Kämpfer für Verein und Heimatstadt. Ruhe in Frieden T.H und grüß R.M. in Walhalla. Chemnitzer Jungs unvergessen" R.M. steht vermutlich für Rico Malt, einem früheren Kampfsportler und Neonazi, der 2007 gestorben war. Daniel K. teilte dem MDR mit, dass er nicht für die Veröffentlichung des Beitrags verantwortlich sei. Vielmehr seien die Zugangsdaten von seinem Nutzerkonto ausgespäht und widerrechtlich Einträge vorgenommen worden. Diesbezüglich habe Daniel K. auch Anzeige bei der Polizeidirektion Chemnitz erstattet.

Daniel K., so bestätigte der Leiter des CFC-Nachwuchszentrums, Thomas Köhler "Sport im Osten", gehört mittlerweile nicht mehr zum Trainerstab der U14. "Wir haben ihm im vergangenen November gekündigt. Es handelte sich um vereinsinterne Dinge, die eine Trennung notwendig machten. Da sind andere Dinge vorgefallen." Mittlerweile äußerte sich auch der Verein. In einer Pressemitteilung heißt es: "Herr K. wurde auf Grund vereinsschädigendem Verhalten bereits im November 2018 von seinen Aufgaben als Co-Trainer der U14-Mannschaft entbunden und sein Übungsleitervertrag fristgerecht zum 31.12.2018 gekündigt." Dieser Darstellung widerspricht Daniel K. Dem MDR teilte er per E-Mail mit, dass in den Schriftsätzen des Chemnitzer FC Vereinsschädigung nie als Kündigungsgrund genannt war. Auch Daniel K. bestätigt noch einmal, dass es ein Kündigungsbegehren durch den Verein gebe, dieses aber nicht in Zusammenhang mit den aktuellen Vorwürfen stehe.

Claus: Gewalttätige Chemnitzer Nazi- und Hooliganszene

Dass der Chemnitzer FC ein Problem mit einem Teil seiner Fanszene hat, ist nicht neu. Robert Claus, Autor des Buches "Hooligans – eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik“ sagte MDR Kultur: "Die Chemnitzer Nazi- und Hooliganszene ist eine der gewalttätigsten und bestorganisiertesten dieses Landes. Seit vielen Jahren, zweifelsohne, kann sie ein wahnsinnig starkes Gewalt- und Drohpotenzial aufbauen. Es spricht schon eine deutliche Sprache, wenn der Verein öffentlich zugibt, vor diesem Drohpotenzial eingeknickt zu sein oder eingeknickt haben zu müssen." Eine wichtige Frage, die man stellen müsste, sei: "Was der Chemnitzer FC in den letzten 30 Jahren im Bereich der Prävention gemacht hat. Und leider ist die Antwort da sehr, sehr dünn. (…) Eine langfristige präventive Fanarbeit (…) werden sie beim Chemnitzer FC vergeblich suchen. Da muss der Verein eigentlich investieren. Das ist die Aufgabe für die Zukunft und nicht nur, einzelne Leute zu entlassen.“

Nach Auskunft des sächsischen Verfassungsschutzes sind in Sachen rechtsextreme Fußballfans gut vernetzt. "Im Umfeld der Chemnitzer Fanszene, das kann man in der Tat sagen, gibt es doch eine gewisse Ausprägung der Schnittmenge zwischen Hooligans, gewaltbereiter Fanszene auf der einen Seite und dem Rechtsextremismus auf der anderen Seite“, sagte Martin Döring vom sächsischen Verfassungsschutz MDR SACHSEN.

rei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 12. März 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 16:44 Uhr

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58 Kommentare

14.03.2019 17:19 led zeppelin 58

zu nr. 56 100% zustimmung

14.03.2019 15:58 Dresdener 57

Wie sich speiziell der mDR auf der Pressekonferenz blamiert hat, mit dem Herrn Unger, ist schön beschämend.

14.03.2019 03:25 Stoffelsche 56

Man fragt sich, wer beim CFC eigentlich dümmer ist - Frahn mit seiner naiven und für alle Demokraten gefährlichen Trikot-Aktion oder der Verein, der die Traueraktion sogar noch per Videofoto im Stadion zugelassen hat. Der CFC will uns alle irgendwie für dumm verkaufen. Ich hoffe, dass sich nicht nur der NOFV und DFB mit dem CFC befasst sondern auch der Staatsschutz. Jetzt vom Verein zu fordern, Fußballspiele sollten künftig nur noch von der Polizei (und damit von unseren Steuergeldern) abgesichert werden, ist der Gipfel der Frechheit. Mal abgesehen davon, wie viele Überstunden sollen unsere Polizisten eigentlich noch abliefern??? Hoffentlich springen beim CFC alle Sponsoren ab und investieren ihr Geld in sinnvolle Projekte.

13.03.2019 21:34 Karin Kern 55

@26

Warum?

Allein der Umstand, dass Fußball nicht mehr ohne Polizei auszukommen scheint - ob nun vor, während oder im Nachhinein - ist traurig genug.

13.03.2019 21:28 XXL 54

Wenn ich hier lese, dass alle, die nichts damit zu tun haben wollten, hätten gehen müssen, muss ich mein Veto einlegen.
Wir haben für 3 Karten im Block 3 Reihe 20 ca 90 € bezahlt. Da geht man nicht einfach. Als wir unsere Plätze eingenommen haben, war nur ein Banner u ein Kranz zu sehen. Und am Namen Tommy konnte ich leider nicht erkennen, dass es sich um TH handelte. Als es mir/uns bewusst wurde, war es zu spät den Block zu verlassen und pünktlich zum Anpfiff wieder da zu sein. Ein junger Mensch hätte es vlt geschafft, aber für uns ältere Herrschaften war es unmöglich.
Wir sind aber sitzen geblieben und haben unsere Schals nicht hoch gehalten. Sorgen mache ich mir mittlerweile wegen der Beisetzung. Aufgrund der Berichterstattung hat inzwischen der kleinste Nazi im hintersten Dorf mitbekommen, dass einer ihrer Radelsfuhrer gefangen ist. Ich hoffe, dass die Behörden vorbereitet sind und die Situation nicht eskaliert. Angeblich haben sich bereits 4000 (!) Gesinnungsgenossen angemeldet

13.03.2019 21:05 Frank 53

@51: ich meine natürlich Herrn Thomas Uhlig, der als Geschäftsführer der GmbH die Gesamtverantwortung trägt und dies selbst ach so eingestanden hat, durch seinen Rücktritt.

13.03.2019 20:48 Voice 52

@49 Sabrina
"Ich bin zutiefst schockiert und angewidert, wie extremistisch hier auf die Handlung von Frahn reagiert wird."
Ich bin zutiefst schockiert, wie Sie das Verhalten von Frahn bagatellisieren!

13.03.2019 20:32 Frank 51

Wieso hat eigentlich Herr Siemon den kaufm. Geschäftsführer Herrn Thomas wieder eingesetzt? Dieser hat doch als GF der GmbH die Verantwortung für die Vorfälle und war folgerichtig zurückgetreten.

13.03.2019 19:45 Ich auch 50

Ganz ehrlich, verstehe hier vieles nicht! Darum der guten Ordnung halber Punkt für Punkt.
- T. Haller, war er wirklich ein Neonazi?
- Wenn er das war, wie kann es sein dass solche Menschen direkten Einfluss auf das ôffentliche Leben nehmen können?
-Wenn T.H. ein angagierter Fan des CFC war, welche ausserordentliche Leistung hat er erbracht um diese Ehrung zu erhalten?
- Wieso erfährt ein Fanbeauftragter erst m Nachhinein von den Vorkommnissen in seiner Heimatstadt von seinem Club, von seinen Fans? Asienurlaub ohne Handy und Tablet? Ist so eine Aussage glaubwürdig?
Und jetzt noch eine Feststellung zu Frahn Der Junge ist auch nur ein Mensch!! Er hat sich instrumentalisieren lassen wie viele unserer Verwandten vor 1945. Genauso wie viele unserer Verwandten und vielleicht auch wir selbst bis 1990. Die Frage ist aber eine andere. wer hat das frahnsche Einfachdenken ausgenutzt.....?

13.03.2019 19:40 Sabrina 49

Ich bin Lok-Sympatisant und möchte, dass das Pokalspiel unter fairen Voraussetzungen stattfindet.

Wenn wir gegen einen Gegner spielen, der durch solche völlig unverhältnismäßigen ÜBERGRIFFIGEN Reaktionen gegenüber Frahn geschwächt wird, werden wir uns wohl nicht allzusehr über den Sieg freuen können.
Der Beigeschmack wäre einfach zu fad.

Ich fordere die Verantwortlichen auf, die Sperre gegen Frahn sofort zurück zu nehmen !!!

Angemessen ist hier,
dass Frahn ein paar Euro in die Mannschaftskasse zahlt und damit muss es sich erledigt haben.

Ich bin zutiefst schockiert und angewidert, wie extremistisch hier auf die Handlung von Frahn reagiert wird.