Auf dem Rasen im CFC-Stadion liegt ein Fußball, dahinter erhebt sich die leere Osttribüne, auf der weiße Sitzschalen das überdimensionale Wort Chemnitz bilden
Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Fußball | Regionalliga CFC-Aus abgewendet - Ausgliederung offen

Die Gläubigerversammlung des finanziell angeschlagenen Fußball-Regionalligisten Chemnitzer FC hat sich gegen das Aus des Traditionsvereins entschieden und grünes Licht für die Zukunft gegeben. Die Struktur ist aber noch offen und wird von einem Gericht entschieden.

Auf dem Rasen im CFC-Stadion liegt ein Fußball, dahinter erhebt sich die leere Osttribüne, auf der weiße Sitzschalen das überdimensionale Wort Chemnitz bilden
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Aufatmen bei den Anhängern des Chemnitzer FC: Der insolvente Fußball-Regionalligist hat das Aus abgewendet. Auf einer Gläubigerversammlung am Mittwoch stand keiner der rund 50 Gläubiger dem Entschuldungsplan von Insolvenzverwalter Klaus Siemon im Weg. Unklar ist aber noch, ob die Profimannschaft, die in der 4. Liga derzeit klarer Tabellenführer ist, ausgegliedert wird. Die Versammlung stimmte grundsätzlich dafür.

Streit mit "eins energie"

Streit gibt es aber über den Stimmenanteil des größten Gläubigers, dem Energieunternehmen "eins energie". Deren Geschäftsführer Roland Warner ist gegen eine Ausgliederung,weil er die Mitglieder einbeziehen möchte. Die Forderung von "eins energie" war zuvor vom Gericht von anfangs 2,2 Millionen Euro auf 150.000 Euro herunter gesetzt worden. Dadurch fehlten der Siemon-Opposition entscheidende Stimmen. Über die Forderung des Energieversorgers und den entsprechenden Stimmenanteil ist aber noch nicht endgültig entschieden worden. Deshalb ist die Ausgliederung noch nicht rechtskräftig.

Klaus Siemon
Insolvenzverwalter Klaus Siemon Bildrechte: IMAGO

CFC-Trainer Bergner drohte mit Rücktritt

Auf einer turbulenten Sitzung war zuvor Insolvenzverwalter Klaus Siemon der Rücken gestärkt worden. Mit klarer Mehrheit votierten die rund 50 Geldgeber gegen eine Abberufung des 59-Jährigen. Vor der Abstimmung hatte CFC-Trainer David Bergner im Fall einer Demissionierung von Siemon mit Rücktritt gedroht. Im Sitzungssaal E.006 des Amtsgerichts Chemnitz hatte um 10:00 Uhr die Gläubigerversammlung begonnen, bei der es um die Zukunft des Traditionsvereins und ehemaligen Fußball-Zweitligisten ging. Es gab Forderungen von rund 6,2 Millionen Euro.

Chemnitzer FC: Trainer David Bergner und Insolvenzverwalter Klaus Siemon
Trainer David Bergner und Insolvenzverwalter Klaus Siemon (li.) Bildrechte: IMAGO

Pausenfazit: Siemons Konzept wird kritisiert

Nach rund zwei Stunden Sitzungszeit hatte es zuvor schon erste Wasserstandsmeldungen gegeben. Nachdem Klaus Siemon sein Sanierungskonzept vorstellte, folgten viele Diskussionen und kritische Nachfragen. Zudem gab es einen Kompromissvorschlag aus dem Plenum, über die Ausgliederung zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden. Nämlich dann, wenn Investoren bekannt wären. Siemon jedoch drängt auf eine direkte Entscheidung.

CFC-Gläubigerversammlung: Amtsgericht Chemnitz
Bildrechte: Alexander Küpper


CFC-Aufsichtsratschef Uwe Bauch kritisierte die Ausarbeitungen des Insolvenzverwalters als "sogenanntes Konzept", dem es an Tiefe und Details fehle. Stattdessen würde Siemon viel über Emotionalität versuchen. Roland Warner, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Hauptgläubiger "eins energie", ging noch einen Schritt weiter. Für ihn ist das Konzept nicht tragfähig: "Das Konzept lässt den erforderlichen Reifegrad vermissen, ich kann dem so nicht zustimmen."

Das Konzept lässt den erforderlichen Reifegrad vermissen, ich kann dem so nicht zustimmen.

Roland Warner (Vorsitzender der Geschäftsführung "eins energie")

Roland Warner (Vorsitzender der Geschäftsführung der 'eins energie')
Roland Warner (Vorsitzender der Geschäftsführung der "eins energie") Bildrechte: eins energie

Forderungen von mehr als 6,2 Millionen Euro

Mehr als 100 Gläubiger hatten Forderungen in Höhe von rund 6,2 Millionen Euro angemeldet. Rund 50 waren am Morgen ins Amtsgericht gekommen. Die größten Gläubiger sind der Energieversorger "eins energie" (2,28 Millionen Euro), die Bundesagentur für Arbeit (1 Million), das Finanzamt (0,5 Millionen) sowie der Stadioncaterer Polster (0,5 Millionen). Die Stimmenanzahl auf der Versammlung richtete sich nach dem Anteil an der Gesamtforderung. Siemon hatte betont, er habe mit den größten Gläubigern vorab gesprochen.

Fanszene und Vorstand gegen Ausgliederung

Chemnitzer Spieler jubelt nach Sieg
Sportlich ist der CFC in der 4. Liga auf Erfolgskurs Bildrechte: Picture Point

Die Fanszene sowie Vorstandschef Andreas Georgi sind gegen eine Ausgliederung zum jetzigen Zeitpunkt. Der Chemnitzer FC hat viel Tradition: 1967 wurden die Sachsen als FC Karl-Marx-Stadt DDR-Meister und 1990 DDR-Vizemeister. 1993 erreichten die "Himmelblauen", die nach der Wende lange eines der Aushängeschilder des Ost-Fußballs waren, das Halbfinale im DFB-Pokal. Nach dem Abstieg aus der 3. Liga eilt das Bergner-Team in der Regionalliga von Sieg zu Sieg.

Fast die Hälfte von 111 Klubs nach Planinsolvenz saniert

Nach Recherchen der "Freien Presse" (Chemnitz) haben in den vergangenen 20 Jahren 111 deutsche Fußballvereine aus den ersten fünf Ligen einen Insolvenzantrag gestellt. Fast die Hälfte, nämlich 55, konnten sich mit einer Planinsolvenz sanieren. 19 Anträge wurden wieder zurückgenommen.

red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 26. September 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2018, 08:21 Uhr

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52 Kommentare

29.09.2018 05:37 Aldi 52

CFC? Braucht kein Mensch...

28.09.2018 21:39 wicky 67 51

Eine kleine Anmerkung zu meinem Beitrag @50 noch am Rande. Im Gegensatz zum CFC haben wir trotz zehnjähriger Zugehörigkeit in der dritten Liga schon seit langem kapiert, daß diese erste Regionalliga-Saison vorerstmal für all unsere Fans, sowie unseren Vereinsverantwortlichen, einschließlich IV, ein absoluter Segen ist! Und da sind wir am Ende der Saison auch ALLE mehr als zu Frieden, wenn wir im Mittelfeld landen! Wir RWE-Fans haben uns mit unserem Schicksal abgefunden! Wir bauen eine neue Truppe ohne Druck auf, welche in 1-2 Jahren sicher wieder aufsteigt!!! Nur ihr habt keine Geduld!!! Und ich kann mir deshalb auch nicht vorstellen, daß das für den CFC am Ende der Saison wirtschaftlich gut ausgehen wird... Denn wenn es keine Lizenz für Liga3 gibt, dann ziehen auch die teueren Spieler wieder von dannen...
Ich wünsche den CFC-Fans ganz bestimmt nichts Böses. Nur ich bin leider überzeugt davon, daß man sich in Chemnitz mächtig gewaltig verzockte... RWG!

28.09.2018 18:28 wicky 67 50

Wir in Erfurt hatten bis in's Frühjahr dieses Jahres, eine ähnliche wirtschaftliche Situation wie ihr jetzt in Chemnitz. Keine Frage, es dauert Jahre bis sich ein solcher Schuldenberg dermaßen auftürmt. Nur unserer Insolvenzverwalter, welcher vor Beginn der neuen Saison auch für die Höhe des Spieleretats das letzte Wort mit trug, riet unseren Vereinsgremien diesbezüglich kleinere Brötchen zu backen. Deshalb sind wir jetzt auch auf dem richtigen Weg einer wirtschaftlichen Gesundung des RWE! Beim CFC wollte man mit aller Macht die Regelung des direkten Wiederaufstiegs nutzen, und holte im Wissen dieser hohen Schulden nicht zu bezahlende Spieler... Wie sehe es denn eigentlich im Falle des Aufstiegs mit der 3.Ligalizenz aus, wenn man wegen der zu teueren Kicker derzeit immer mehr Schulden anhäuft??? Da gibt der DFB doch niemals grünes Licht für Liga3...
RWG aus Erfurt!

28.09.2018 12:37 lunatic 49

@#47 (hässliches Mimimi): ich glaube du irrst dich. Nicht nur der CFC, ich dachte Rot-Weiß spielt trotz Insolvenz auch Regio. Und war da nicht auch mal was mit dem SC Paderborn und Insolvenz ...? Und wo spielen die heute? Selber gemerkt, hm? Also nicht nur der CFC schöpft die bestehenden Möglichkeiten aus, ohne sich dafür schämen zu müssen... ;-) - auch andere.
Aber schön zu sehen, dass sich einige ärgern, die die Himmelblauen lieber Kreisklasse spielen sehen würden. Im Moment eben erstmal (noch) nicht.

28.09.2018 08:34 BSG 48

Wenn der Etat wieder nicht gedeckt ist, gehts ab. Sonnenklar.Vorschlag: nachdem unsere Zweite leider aufgelöst wurde, könntet ihr doch unser neues Farmteam werden.Spielort egal.Und mit Milka gleich die richtigen Dressen an.Vielleicht erstmal Oberliga ?

28.09.2018 06:44 Mimimi 47

Unglaublich , andere Vereine die insolvent sind gehen ab in unterirdische Ligen , nur der hässliche Verein aus KMS kann alles anwenden.
Naja typisch die Stadt der Moderne

27.09.2018 21:23 lunatic 46

Warum aber gerade Bergner u. Ristic mit Rücktritt drohen, um die Gläubiger damit unter Druck zu setzen, versteh ich nicht so ganz. Hab bisher immer große Stücke auf den Trainer gehalten, den hat ja schließlich noch der böse Ziffert geholt… Aber gut: “Wes´ Brot ich ess´, des´ Lied ich sing´.“

Es bleibt also weiter spannend. Was, wenn die Forderung von eins Energie vom Gericht in der ursprünglich zur Insolvenztabelle angemeldeten Höhe festgesetzt werden sollte? Wie verschiebt sich dann das Stimmenverhältnis und gibts dann überhaupt noch ne Mehrheit der Gläubigerversammlung für das Sanierungskonzept des Inso.Verwalters? Ich hoffe es einfach. Und dann muss hier vielleicht auch mal saniert und die Etatlücke gedeckt werden- machbar, hm?

Und dann wird´s ja noch ein Berufungsverfahren in Sachen Suspendierung/V.I.P.-Verbot Georgi/Bauch geben... (das nervt auch)

Samstag erschdemah Loksche...!

27.09.2018 20:57 lunatic 45

Zum einen:sehr interessantes Interview mit A. Georgi auf d. Fanpage, das einiges erklärt, was so gelaufen ist mit dem Inso.Verwalter. Schlechter Stil ist da noch freundlich ausgedrückt. Wenn ich dann noch an d. Sache mit d. Fanshop denke, formt sich ein Bild, das nach feindlicher Übernahme aussieht.Ne Insolvenz könnte trotz fehlender Mitspracherechte d. Mitglieder auch durchaus geräuschloser u. mit weniger verbrannter Erde, ohne verheerende Vereinsaußendarstellung u.dafür mehr Informationen über die Bühne gehen. Aber hey! So isses vielleicht gar nicht mal so schlecht, den Inso.Verwalter kann man sich nicht aussuchen, oder? Und zum anderen: den Sobotzik gabs eben nur in d. Seilschaft mit Siemon-gut für den Club. Auch die Ausgliederung in ne GmbH-m.E. je früher desto besser. Dass es den Ärger mit eins gibt, war absehbar. Jedenfalls erleichternd, dass die Liquidation von den Gläubigern mehrheitlich abgewendet werden konnte. Abwarten, wie hoch die Forderung von eins nun festgesetzt wird.

27.09.2018 18:37 fifaboss 44

da wir nun doch wieder bei den milchmarken angekommen sind, hier noch diese positiven news.. die in den letzten tagen viel kolportieren verhandlungen mit milka (bzw. mondelēz) als neuen großinvestor sind (vorerst) vom tisch. wie der buschfunk vermeldet ,war der CFC (bzw. IV) nicht bereit künftig in neuen, unsagbar häßlichen vereinsfarben aufzulaufen! danke herr siemon- wenigstens dieser kelch ist (vorerst) an uns vorrübergegangen.

27.09.2018 14:41 ORAKEL 43

@29 Du sprichst mit dem Herzen eines Chemnitzer Jungen. Klasse. Nun braucht es dann Leute die den Bossen ordentlich auf die Finger schauen. Spielerverträge mit Verstand und Anstand. Erfolgsorientiert alle Strukturen der Vereinskruste aufbrechen und auf Neu drehen ohne Traditionsgeschwätz. Vereinsmitglieder mehr und besser einbinden mit freiwilligen Einsätzen im alten Sportforum oder im Vorfeld eines Spieles. Eine Bindung zum Club welche von mir aus jeden Tag eine Stunde beanspruchen sollte. Fans sind immer da und manche auch schwierig aber bitte wir in Chemnitz sind bereit für neue Ideen. Der Grillabend mit Ziffert war eine dolle Idee. Mal ein Vereinsfest für alle im Stadion auch um Mitglieder zu werben welche jetzt noch Schuhgröße 26 tragen. Kinder sind die Zukunft des CFC. Die Rahmenbedingungen der Spieler unterstützen durch Kleiderspenden oder auch mal Milchmarken erwerben für die Jungens die oft auf der Ersatzbank sitzen. Wir sind mehr! Tabellenführer ist das was? Mein CFC