Fußball | Regionalliga Greifswalder FC: Ein "kroosartiger"-Verein bereichert die Regionalliga

Der Greifswalder FC ist kein ganz normaler Viertliga-Aufsteiger: Das Stadion ein Schmuckkästchen. Die Mannschaft prominent und hungrig. Der Trainer, der Papa eines Weltstars.

GFC Trainer Roland Kroos
Roland Kroos geht in seine fünfte Saison in Greifswald. Bildrechte: IMAGO / Andre Gschweng

Fußball-Star Toni Kroos dürfte in Madrid mitgejubelt haben. Sein Papa Roland hat den Greifswalder FC erstmals in seiner Geschichte in die Regionalliga geführt. Der Verein von der Ostseeküste betritt Neuland, ist aber alles andere als unvorbereitet.

Sport-Geschäftsführer David Wagner, gebürtiger Zwickauer und über zehn Jahre beim FSV Zwickau, verrät "Sport im Osten": „Wir haben schon im April begonnen, die Regionalliga Nordost zu beobachten. Es war wichtig, einen Überblick zu haben, was auf uns zukommt.“ Weil das Aufstiegsrennen in der Nordstaffel der Oberliga Nordost bis zum Schluss eng war, wurde zweigleisig geplant. "Unser großer Wunsch war es, aufzusteigen, deshalb haben wir die Jungs, die wir verpflichten wollten, auch frühzeitig kontaktiert und ihnen unser gemeinsames Projekt, für den Fall des Aufstiegs, vorgestellt", erzählt Wagner.

"Wir wollen keine Eintagsfliege sein"

Greifswald wolle alles, aber keine Eintagsfliege sein. Wagner macht klar: "Unser Ziel ist es, uns in der Regionalliga zu behaupten. Wir wollen die Liga annehmen und so schnell wie möglich 40 Punkte einfahren."

Dafür wurde ordentlich investiert. Der Personaletat für die 1. Mannschaft bewegt sich im mittleren sechsstelligen Bereich. Hauptsponsoren wie die JES Group aus dem Bereich erneuerbare Energien machen es möglich, dass unter Profibedingungen trainiert werden kann. "Ein Großteil der Jungs kann sich komplett auf Fußball konzentrieren. Arbeit und Regionalliga ist nicht vereinbar", so Wagner, der auf die langen Anfahrtswege zu den Auswärtsspielen verweist. Greifswald - wunderschön an der Ostsee gelegen, wird am Saisonende die Mannschaft mit den meisten Kilometern auf dem Tacho sein. "Wir haben uns darauf vorbereitet. Es wird einige Spiele geben, wo wir übernachten werden. Das lässt sich mit der Arbeit nicht realisieren."

Trainingsauftakt des Greifswalder FC
Bildrechte: IMAGO / Leo

Hammer-Neuzugänge und viel Euphorie

Einen Standort-Nachteil sieht Wagner dennoch nicht. "Im Gegenteil", lacht der gebürtige Sachse. "Wir haben eine ganz tolle Region, eine coole Stadt und viel Lebensqualität." Er spüre gerade in der Stadt eine große Euphorie. Die wolle man nutzen, um auch neue Partner und Unterstützer ins Boot zu holen.

Sportlich scheint das Team bestens vorbereitet zu sein. Die Neuzugänge lassen jedenfalls aufhorchen. Tom Weilandt (30, VfL Bochum), Bakarr Kargbo (29, Berliner AK) Guido Kocer (33, Bandirmaspor), Matti Kamenz (23, FSV Zwickau), Niclas Kubitz (21, VfB Auerbach), Aleksandar Bilbija (24, Tennis Borussia Berlin), Daniel Eidtner, Pascal Schmedemann (beide 22, beide Hannover 96 II), Maksym Kowal (31, VfB Germania Halberstadt), Moritz Rosenberg (20, FC Hansa Rostock II) und Jonas Banouas (18, FC Rot-Weiß Wolgast) verstärken den Aufsteiger.

Weilandt wechselt von Bochum nach Greifswald

Vor allem die Verpflichtung von Bundesliga-Profi Tom Weilandt sorgte für Schlagzeilen. Was auf den ersten Blick unmöglich klingt, ist auf den zweiten eine Win-Win-Situation für alle. Weilandt – mittlerweile 30 – kam letzte Saison beim VfL nicht einmal zum Zug und suchte eine längerfristige Perspektive. Die bot sich in Greifswald, zumal der gebürtige Rostocker ohnehin in die Heimat zurückkehren wollte. "Tom ist uns wirtschaftlich extrem entgegen gekommen", so Wagner. Der Verein gab ihm im Gegenzug einen Anschlussvertrag. Nach seiner aktiven Zeit wird Weiland im Marketing und bei der Sponsorenbetreuung innerhalb des Vereines weiterarbeiten.

Torjäger Appiah ist weg

Wirklich viele Abgänge haben die Greifswalder nicht. Wagner spricht von "zwei Nennenswerten". Einer davon ist Torjäger Peterson Appiah, der mit 41 Tore in 74 Spielen in Greifswald für Aufstehen sorgte und sich das jetzt offenbar auch besser bezahlen lassen wollte. "Wir hätten ihn gern behalten, konnten uns finanziell aber nicht einigen", sagte Wagner. Momentan ist Appiah noch vereinslos. Auch Mittelfeldspieler Lovro Sindik (30, 161 Regionalligaspiele u.a. für Babelsberg und Lok Leipzig) gehört nicht mehr zum Team. Allerdings ging dieser Impuls vom Verein aus. "Wir wollten uns auf dieser Position verjüngen und haben früh mit Lovro gesprochen. Er hat sich fantastisch verhalten. Ein toller Sportsmann", so Wagner. Kapitän Velimir Jovanovic (34, u.a Erfurt, Jena, Cottbus, Magdeburg) beendete seine Karriere, bleibt dem Verein aber erhalten: Er steigt vom Stürmer zum Co-Trainer auf.

Ausnahmezustadion im Greifswalder Volksstadion - der Greifswalder FC nach dem 4:2 Erfolg gegen die Hertha 03 aus Zehlendorf Berlin
Bildrechte: IMAGO / Andre Gschweng

"Wir haben uns bewusst entschieden, einen Großteil der Jungs mit auf die Regionalliga-Reise zu nehmen", erklärt Wagner. Jetzt müsse man in der kurzen nur knapp fünfwöchigen Vorbereitung schauen, dass die Neuzugänge und die Aufstiegsmannschaft schnell zusammenwachsen und ein eingeschworener Haufen werden.

Wir haben uns bewusst entschieden, einen Großteil der Jungs mit auf die Regionalliga-Reise zu nehmen.

David Wagner, Geschäftsführer Sport seit März 2022

Dafür dürfte Cheftrainer Roland Kroos schon sorgen. Als jahrelanger Nachwuchstrainer von Hansa Rostock kennt er sich mit jungen Talenten aus, weiß aber auch die Älteren zu motivieren und führte Greifswald so in der vierte Liga. Dabei wollte er eigentlich gar nicht mehr zurück auf die Trainerbank. Doch nachdem der Erfolg ausblieb, sprang Kroos im Herbst 2021 in die Bresche und sorgte in Greifswald zu einem Happy End. Wagner: "Er ist toller Mensch. Klar, ehrlich, authentisch." Kroosartig eben.

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Spieler von Lok Leipzig am Ball.
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Energie Cottbus - Chemnitzer FC
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Der Chemnitzer FC ließ sich bei Energie Cottbus schnell und böse überraschen. Erst später kamen die Sachsen zurück, um am Ende den Nackenschlag zu kassieren. Das Video zum Spiel.

Sa 17.09.2022 17:10Uhr 07:52 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-bericht-energie-cottbus-chemnitzerfc100.html

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Chemie Leipzig - Berliner AK
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 06. August 2022 | 14:00 Uhr

10 Kommentare

MikeS vor 10 Wochen

Dem GFC kann man nur alles Gute wünschen .... und hoffen, dass nicht die sächsischen Horden aus Leiptsch im Kampf mit den Hansa-Ultras ihnen das Stadion zur Sau machen ...

NeuerHeip vor 10 Wochen

Bei den Lichtenbergern hat der Trainer aufgehört. Aber die haben mit der HoWoGe einen starken Sponsor. TeBe hat zuletzt sehr gut gespielt. Wenn die ihr Personal halten können, dann sind die eher in der oberen Tabellenhälfte zu finden. Halberstadt - deren Trainer ist zu gut. Erfurt ist auch zu stark. Die Greifswalder sind definitiv auch nicht schwach. Es gibt aus meiner Sicht keine Mannschaft, bei der man sagen kann, dass sie nicht gut genug ist, die Klasse zu halten. Ich würde sehr wohl die Viktoria aus Berlin eher unten einordnen. Die waren in der 3. Liga so extrem schwach, dass die auch in der Regionalliga nicht zu starken Teams gehören. Meuselwitz wird wohl ebenfalls eher weiter unten in der Tabelle zu finden sein. Luckenwalde ist stark, wenn man sie spielen lässt. Lässt man die nicht spielen, dann haben die es ganz schwer. Hinterher weiß man es besser.

Micha R vor 10 Wochen

@Riesenberger
Klar geht es für RWE und den Greifswaldern als Aufsteiger nur um den Klassenerhalt!
Aus der Reihe der Regionalligisten der vergangener Saison ist für mich ein weiterer potentielle Abstiegskandidat neben Halberstadt und Lichtenberg auch TeBe.

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